Interview | Tag der Clubkultur - "Clubkultur ist mehr als nur feiern gehen"

Di 03.10.23 | 12:09 Uhr
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Menschen tanzen während eines Konzerts in Berlin. (Quelle: dpa/Sebastian Gollnow)
dpa/Sebastian Gollnow
Audio: Radioeins, 02.10.2023 | Interview mit Katharin Ahrend | Bild: dpa/Sebastian Gollnow Download (mp3, 5 MB)

Clubs haben Berlin zu dem gemacht, was es ist – doch nun sind viele bedroht, auch wegen Einbußen während der Pandemie und gestiegenen Preisen. Katharin Ahrend von der Berliner Clubcommission erklärt, wie das zum Ausschluss von Clubgängern führt.

rbb: Die Energiepreise sind gestiegen, die Inflation ist hoch, und der Umsatz ist bei vielen seit Corona zurückgegangen. Wie groß ist denn die Not der Berliner Clubs?

Katharin Ahrend: Es ist tatsächlich so, dass wir an einem Punkt stehen, an dem die Clubkultur wirklich schon so krisengebeutelt ist, dass man eben neue Wege und Strategien finden muss, wie man die Clubkultur, wie wir sie in Berlin kennen, erhalten kann, vor allem in ihrer Vielfalt.

Was kann denn der Tag der Clubkultur, also diese Festivalwoche, daran ändern? Immerhin bekommen 40 Clubs und Kollektive mit ihrem Kulturpreis eine Förderung von jeweils 10.000 Euro.

Mit diesen 10.000 Euro können vor allem die Kollektive, die gefördert werden, wirklich sehr viel anfangen. Für manche bedeutet das überhaupt, dass sie weitermachen können. Für die Clubs bedeutet das auch natürlich eine große Anerkennung und vor allem auch eine kulturelle Anerkennung. Die Clubs brauchen die kulturelle Anerkennung und Wertschätzung.

Jetzt werden zum Beispiel das Badehaus gewürdigt, die Schwuz Kulturveranstaltungs-GmbH oder die Tennisbar. Welche Faktoren haben für die Auswahl eine Rolle gespielt?

Es ist ein Kulturpreis im ersten Sinne. Das geht es wirklich um das kulturelle Engagement für die Stadt und die besondere kulturelle Arbeit, die in geleistet wird. Und die wird auch ausgezeichnet. Das heißt, es geht um das künstlerische Profil, um das kuratierte Programm. Es geht aber auch darum wie werden Communities gestaltet und eben auch Communities empowered. All das findet sich in der Auswahl der Preisträger wieder.

Die sprechen alle zu ganz spezifischen Zielgruppen und haben eine ganz besondere Form, ihr Programm zu gestalten, aber auch offen zu sein, um mitzumachen. Und auch das sehen wir in der Tag der Clubkultur-Woche.

In der Ankündigung heißt es, dass Sie die Clubkultur wieder allen Berlinerinnen und Berlinern zugänglich machen wollen. War das vorher nicht so?

Der Tag der Clubkultur stand schon immer dafür. Nur haben wir in der letzten Zeit mit den drastischen Preissteigerungen zu kämpfen. Das bedeutet eben auch, dass die Clubs Eintrittspreise drastisch steigen, weil Clubs eben viele Mehrkosten zu bewältigen haben. Dadurch werden Leute ausgeschlossen, die sich den Clubgang hätten leisten können. Deswegen steht der Tag der Clubkultur dafür, dass sehr viele Veranstaltung kostenfrei oder auf Spendenbasis zugänglich sind oder eben günstiger als normal.

Wir sind in zehn Berliner Bezirken vertreten und erreichen so auch noch mal ein neues Publikum. Und es geht eben auch explizit darum, Leute in den Club zu bekommen, die da vielleicht noch nicht gewesen sind und sie davon zu begeistern, was Clubkultur eigentlich ist, nämlich mehr als als nur feiern gehen.

Danke für das Gespräch.

Das Interview führte Kerstin Hermes, Radioeins. Das Originalgespräch können Sie mit Klick auf das Audiosymbol im Header des Artikels nachhören.

endung: RadioeEins, 02.10.2023, 09:40 Uhr

11 Kommentare

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  1. 11.

    Da muss man nicht überlegen. Clubs sind Gastronomiebetriebe und keine Kulturstätten, denn Alkohol- und Drogenkonsum zu lärmender Musik sind keine Kultur. Das muss man nicht fördern. Wer sich den Club nicht leisten kann, setzt sich auf eine Parkbank oder Wiese und feiert da (z. B. im Mauerpark).

  2. 10.

    Viele Clubs sind nur Zwischennutzer, weil Flächen für die Autobahn freigehalten werden müssen und deshalb nicht dauerhaft z.B. für Wohnungsbau oder Gewerbe, welches mehr als nur Mindestlohn für Teilzeit bezahlt, genutzt werden können.

  3. 9.

    Umgekejrt: Viele Clubs sind nur wg. der geplanten Autobahn dort. Deren Trasse muss laut Flächennutzungsplan freigehalten werden.

  4. 8.

    Umgekejrt: Viele Clubs sind nur wg. der geplanten Autobahn dort. Deren Trasse muss laut Flächennutzungsplan freigehalten werden.

  5. 7.

    Machen wir ja gern. Nur leider sind viele Clubs bspw. einer Autobahn im Weg...

  6. 6.

    „ Und, staatliche Förderung sollte nur den wirklich Bedürftigen vorbehalten bleiben. “
    Tja wer da so alles als „Bedürftig“ gilt….
    Etwa für Opern und große Theater, allen voran die Staatsoper mit einem Zuschuss von 257 Euro pro zahlendem Besucher.
    Aber auch … 142 Staats- und Stadttheater, Landesbühnen sowie 128 Orchester, 199 Privattheater und 85 Festspiele.
    Diese wurden mit 2,7 Milliarden Euro unterstützt.
    Und nun überlegen sie ihre Aussage nochmal…
    „ Die Allgemeinheit für den Spass von Club-Party- Gängern zahlen zu lassen, wäre zutiefst unsozial und an den Problemen unserer Zeit vorbei-gelebt.“

  7. 4.

    Clubs sind Clubs. Nicht mehr und nicht weniger. Viel Spass allen Club-Besuchern. Beim Feiern, Tanzen, Trinken ... Den Eintritt und die Zeche müsst Ihr schon selbst zahlen, auch wenn die Preise steigen...
    Kultur ist aber was Anderes.
    Und, staatliche Förderung sollte nur den wirklich Bedürftigen vorbehalten bleiben. Die Allgemeinheit für den Spass von Club-Party- Gängern zahlen zu lassen, wäre zutiefst unsozial und an den Problemen unserer Zeit vorbei-gelebt.


  8. 3.

    Ich lese immer gern die Berichte des rbb über Klubkultur und Klubsterben in Berlin. Es wäre aber mal an der Zeit, wenn der angeblich auch für Brandenburg zuständige Sender über die akut bedrohte Klubszene der brandenburgischen Städte berichtet.

  9. 2.

    Alle paar Jahre wechselt der Trend, wohin man geht, um sich gemeinsam mit Freunden einen schönen Abend zu machen. Wer da nicht mit der Zeit geht, geht halt mit der Zeit, so wie viele Cubtouristem auch schon längst weiter gezogen sind.

  10. 1.

    Berlin ohne Clubs ist wie ne Kuh ohne Milch....

    ich mach den Spass jetzt seit 20a mit und es ist jedesmal eine Freude....auf die nächsten 20zig

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