Unruhe an Berliner Uni - FU-Präsident Ziegler lehnt Rücktritt nach offenem Brief ab

Fr 22.12.23 | 21:29 Uhr
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Günter Matthias Ziegler, Professor und Präsident der Freien Universität Berlin, steht im Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin. (Foto: dpa)
Video: rbb24 Abendschau | 22.12.2023 | Jörn Kersten | Studiogespräch mit Günter Ziegler | Bild: dpa

Der Präsident der Freien Universität Berlin (FU) Günter Ziegler hat einen Rücktritt abgelehnt. In der rbb24 Abendschau wies er am Freitag den Vorwurf zurück, nicht entschlossen genug gegen anti-israelische und antisemitische Tendenzen an der FU vorzugehen.

Jüdische Studierenden Union legte Ziegler Rücktritt nahe

Ziegler reagierte damit auf einen offenen Brief von Noam Petri, Vize-Präsident der Jüdischen Studierenden Union, der dem FU-Präsidenten nach der Besetzung eines Hörsaals durch israel-kritische Studenten in der vergangenen Woche "leere Worte" und Untätigkeit vorgeworfen hatte. Petri legte Ziegler einen Rücktritt nah. "Antisemitismus hat seit Wochen Platz an der Uni", sagte Petri dem rbb. "Nach dem schlechten Krisenmanagement werden jüdische Studenten aktiv bedroht."

Ziegler will unter anderem Beschwerdestelle aufbauen

Der FU-Präsident würde sich wünschen, wenn Kritiker persönlich mit ihm redeten, so Ziegler. Des Weiteren verteidigte er das Vorgehen. "Da sind insbesondere unerträgliche Aussagen gefallen - auch nachdem wir erklärt hatten, der Hörsaal wird geräumt", sagte Ziegler. Er räumte ein: "Wir haben eine Weile gebraucht, um zu klären, wie die Situation ist, dass die eskaliert."

Ziegler räumte zugleich ein, Angebote und Ansprechpartner für Studenten in Not müssten sichtbarer werden. Die FU werde eine Beschwerdestelle aufbauen; es werde einen Beauftragten für von Antisemitismus Betroffene geben. Außerdem prüfe die FU im Falle des besetzten Hörsaals Hausverbote; es habe außerdem mehrere Strafanzeigen gegeben.

Der Universitäts-Präsident betonte außerdem, "das Existenzrecht Israels steht nicht in Frage."

Polizei holte Vertreter von "Students for Free Palastine" aus Hörsaal

Ein Bündnis von Studenten mit dem Namen "Students for Free Palestine" hatte in der vergangenen Woche zu einer Besetzung des Hörsaals aufgerufen. Dabei wurde Israel unter anderem als kindermordender Apartheidstaat bezeichnet und es gab Rangeleien mit Israel-Unterstützern.

Die FU rief daraufhin die Polizei. Etwa 20 Studenten, die den Hörsaal nicht freiwillig verließen, wurden von den Einsatzkräften herausgeführt. Das Bündnis warf der FU "einseitige Stellungnahme der Universitätsleitung zur Gewalt in Israel/Palästina" vor.

Sendung: rbb24 Abendschau, 22.12.2023, 19:30 Uhr

16 Kommentare

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  1. 16.

    Kann man sowas nicht mit Luftbrücken relativ einfach durch internationale Institutionen lösen!? Essenspakete würden dich auch im kalten Krieg über Berlin abgeworfen um die Zivilbevölkerung zu ernähren. Mal abgesehen von den unmenschlichen Bedingungen, die gerade in Gaza herrschen, sollte doch Hungerleiden eines der vermeintlich einfacher zu lösenden Probleme sein!?

  2. 15.

    Nur mal am Rande, Studentenbewegungen gab es schon in den 60ern ... wo kamen doch gleich die 68er her und was wurde später aus ihnen?

    https://de.wikipedia.org/wiki/Westdeutsche_Studentenbewegung_der_1960er_Jahre

  3. 14.

    Nächster Versuch. "Vielleicht sollte man dort mal von der schwarz-weiss Polarisierung wegkommen, welche die Seiten nur noch mehr gegeneinander aufwiegelt." Man sollte n.n.M. ganz davon wegkommen, das hat alles nichts an der Universität zu suchen. Wenn es wieder wichtig ist, an der Uni Haltung zu zeigen, sind Sie ganz schnell wieder dort, wo wir in den letzten Diktaturen in Deutschland waren.

  4. 13.

    "wenn in einer FREIEN Universität" Der Name ist ein Überbleibsel aus dem kalten Krieg und der geteilten Stadt. Die FU wurde nur gegründet, weil die HU im sowjetischen Sektor lag - eigentlich bräuchte man die FU ja nach Aufhebung der Teilung nicht mehr, da der Grund für die Gründung einer weiteren Uni weggefallen ist.

  5. 12.

    Es sollte schon nachdenklich machen, wenn in einer FREIEN Universität der Rektor zum Rücktritt gedrängt wird, nur weil auch noch eine zweite Meinung zugelassen wird. Vor allem wenn diese auch noch der rot-grünen RBB Staatsmeinung entgegensteht.
    Vielleicht sollte man dort mal von der schwarz-weiss Polarisierung wegkommen, welche die Seiten nur noch mehr gegeneinander aufwiegelt.

  6. 11.

    Für mich sprechen Sie aber auch nicht, und ich bin auch ein Bundesbürger. Bitte nicht alle Mitmenschen und -bürger für Ihre eigenen Positionen vereinnahmen. Ich bin nämlich anderer Meinung, als Sie es sind. Danke.

  7. 10.

    Wo sind die Christen die Nächstenliebe predigen? Ich gebe Dir vollkommen recht. Leider ist die Doppelmoral in Deutschland das große Übel. Wir sehen alle was dort passiert und sehen Scholz und Steinmeier die sich nicht nur nicht dafür interessieren sondern Waffenruhe öffentlich ablehnen. Die sprechen nicht für uns Bundesbürger.

  8. 9.

    Richtig so! Die Medien ÖR versuchen bewusst Gaza auszublenden in Deutschland (ähnlich politisch unterwandert wie in Polen?). Die Welt sieht und hört über viele andere Kanäle im Web was dort passiert. Ich dachte die Geschichte der Juden im 3. Reich bringt nicht solch eine Armee in Israel hervor. Die töten in 2 Monaten doppelt soviel Zivilisten wie RU in der UA in 2 Jahren. Wenn das kein Verbrechen ist, was dann?

  9. 8.

    Wo ist der Aufschrei der Menschen hier bzgl. einer humanitären Katastrophe der Zivilbevölkerung dort? Statt dessen werden "Scheindebatten" geführt ... es gilt jetzt das Leid zu stoppen!

    "Die Vereinten Nationen warnen angesichts einer »weltweit beispiellosen« Lage im Gazastreifen vor dem Hungertod Hunderttausender Palästinenser. Eine neue Studie mehrerer UN-Agenturen und anderer Institutionen vom Donnerstag kommt zu dem Schluss, dass in dem abgeriegelten Küstenstreifen 577.000 Menschen in die schwerwiegendste Kategorie des Hungers fallen. Im gesamten Rest der Welt zusammen gibt es dagegen gegenwärtig 129.000 Menschen, die der Analyse zufolge ähnlich bedroht sind. »So etwas habe ich noch nie gesehen. Das Ausmaß der akuten Ernährungsunsicherheit ist in Bezug auf Schwere, Geschwindigkeit der Verschlechterung und Komplexität beispiellos«, sagte die New Yorker Sprecherin des Welternährungsprogramms (WFP), Shaza Moghraby." (junge welt)

  10. 7.

    Jemand, der versucht soweit wie es geht die Neutralität auszuüben wird natürlich schlecht gemacht

  11. 6.

    Leider fragt Sie und ihre Kollegen nicht immer so genau nach, je nach dem wie grün oder links das Thema ist. Mir kommt das Ganze vor wie eine Hexenjagd wo die Argumente der einen Seite nichtmal ausgesprochen werden dürfen.

  12. 5.

    "Petri legte Ziegler einen Rücktritt nah. "

    Radikale Israelis, auch und gerade in der Regierung Netanyahus, unterscheiden sich kaum von den radikalen Palästinensern. Man braucht sich gegenseitig um Hass zu schüren.

    Es gibt kein schwarz/weiß, kein Gut und Böse.

    Die alles entscheidende Frage ist wie will man die Gewaltspirale durchbrechen? Ganz ehrlich, ich habe keine Antwort darauf. Jedenfalls nicht mit Hardlinern auf BEIDEN Seiten.

  13. 4.

    Warum lehnt er den Rücktritt ab? Er ist offensichtlich überfordert und schadet dem Ruf der FU und Deutschlands.

  14. 3.

    Dieser Uni Präsident Ziegler ist ist von diesem Posten zu entfernen.

  15. 2.

    Die Moderatorin in der Abendschau hat sehr gut nachgefragt, ihn nicht gleich "entkommen" lassen. Was sie auch noch hätte fragen können: "Hatten Sie Angst um Ihre eigene Sicherheit, dass Sie sich nicht vor aller Augen solidarisiert und positioniert haben?" Die Antwort hätte mich interessiert bzw. wie er sich daraus gewunden hätte. denn ich glaube, das war mit ein Aspekt des Sich- nicht- Zeigens.

  16. 1.

    Ein Präsident der tatenlos an seinem Stuhl klebt, ist kein Aushängeschild für die Uni. Hier sind Macher gefragt!

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