Aktionen in Brandenburg - Agrarminister Vogel rechnet bei Bauernprotesten mit Kompromiss

Fr 12.01.24 | 21:12 Uhr
  81
Archivbild: Landwirte blockieren am frühen Morgen mit ihren Fahrzeugen die Auffahrt auf die Autobahn A12 in Richtung Berlin. (Quelle: dpa/Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 12.01.2024 | O-Ton Hans-Heinrich Grünhagen, Kreisbauernchef Ostprignitz-Ruppin | Bild: dpa/Pleul

Die Landwirte haben ihren Protest am Freitag fortgsetzt und unter anderem Autobahnen in Brandenburg blockiert. Der Bauernverband droht bereits mit weiteren Protesten. Agrarminister Vogel aber zeigt sich optimistisch.

Vor dem Hintergrund der Bauernproteste ist Brandenburgs Landwirtschaftsminister Axel Vogel (Grüne) zuversichtlich, dass die Spitzen der Ampel-Fraktionen mit den Bauernverbänden zu einer Lösung kommen werden.

Bei einem Treffen am kommenden Montag werde mit Sicherheit ein Kompromiss gefunden, sagte der Minister am Freitagabend rbb24 Brandenburg aktuell. Die Bauern bräuchten stabile Preise, da sie mehrere Jahre mit Verlust gearbeitet hätten - auch wenn sie jetzt gute Ergebnisse erzielen.

Die Bundesregierung habe bereits die Abschaffung der Kfz-Steuerbefreiung für Landwirte zurückgenommen. Nun gehe es um die Agradiesel-Beihilfe, diese könne nur schrittweise zurückgefahren werden, so Vogel. Irgendwann werde es auch in der Landwirtschaft keine fossilen Energieträger mehr geben, deshalb müsse auch über neue Antriebe für Landwirtschaftsfahrzeuge gesprochen werden. Aber es gebe die Möglichkeit zu verhandeln.

Landwirte in Brandenburg haben am Freitag den fünften Tag in Folge gegen Kürzungspläne der Bundesregierung protestiert und bereiten sich auf eine große Demonstration am Montag in Berlin vor. Am Freitag waren um die 40 Aktionen angemeldet unter anderem an der A24 und A19 sowie Richtung Polen.

Alle Entwicklungen finden Sie auch in unserem Liveblog.

Blockaden vor allem in der Uckermark

In der Prignitz demonstrierten Bauern mit ihren Fahrzeugen unter anderem in Wittenberge, Bad Wilsnack und Legde. Ein Kreisverkehr in Herzberg wurde durch den Protest vollständig blockiert. Die Veranstalter ließen die Polizei wissen, die Blockade alle zwei Stunden für den Verkehr öffnen zu wollen. Eine kleinere Versammlung fand in Meseberg (Oberhavel) statt.

Im Osten Brandenburgs waren neun Versammlungen angemeldet. Ein Schwerpunkt lag mit sechs Protestaktionen in der Uckermark, sagte ein Polizeisprecher. Im Bereich Finow wurden am Freitag durch Demonstrationen ebenfalls Verkehrsbeeinträchtigungen erwartet.

Im Süden Berlins war die Bundesstraße 101 wegen einer Demonstration der Bauern in beiden Richtungen zwischen der Ausfahrt Teltow/BER und Namitzer Damm gesperrt, wie die Verkehrsinformationszentrale auf X (ehemals Twitter) mitteilte.

Ampel lehnt Dieselsubventionen weiter ab

Die Proteste der Landwirte richten sich gegen geplante Subventionskürzungen der Bundesregierung. Demnach soll die Steuerbegünstigung auf Agrardiesel schrittweise abgeschafft werden. Dass die Ampelkoalition einen Teil ihrer Kürzungspläne zurückgenommen hat, reicht dem Bundesbauernverband nicht aus.

Führende Mitglieder der Ampel-Koalition hatten Bauernvertretern bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert. Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) betonte aber, dass es bei der geplanten Einsparung beim Agrardiesel bleiben werde.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) traf sich am Rande eines Termins in Cottbus mit dem Landesbauernverband. Der Präsident des Brandenburger Bauernverbands, Henrik Wendorff, sagte nach dem Gespräch, dass der Kanzler nicht auf die Forderung beim Agrardiesel eingegangen sei. "Stattdessen sicherte er zu, verstärkt nach Möglichkeiten wirksamer Entlastungen für die Landwirtschaft zu suchen", teilte der Verband und forderte: "Die Bundesregierung muss ihren Kurs ihrer Agrarpolitik überdenken und anpassen."

Bauern drohen mit Protestfortsetzung

Ebenfalls in Cottbus bot auch der Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) den Bauern Gespräche an. "Ich habe dem Bauernverband vorgeschlagen: Nächste Woche Donnerstag setzen wir uns zusammen, gucken, was wir schon hier bei uns im Land Brandenburg machen können", sagte Woidke anschließend. Gemeinsam mit anderen Ministerpräsidenten hatte Woidke die Bundesregierung bisher vergeblich aufgefordert, die Subventionskürzung zurückzunehmen.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, hatte am Mittwoch gedroht, die Proteste könnten auch über den kommenden Montag hinaus andauern, wenn die Regierung ihre Pläne nicht komplett zurücknehme.

Sendung: Antenne Brandenburg, 12.01.2024, 10:45 Uhr

81 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 81.

    Die Bauern wollen die Rücknahme aller Kürzungen, die Regierung hat einenn Teil zurückgenommen, der Protest geht weiter. Sieht mir nicht nach Kompromissbereitschaft aus.

  2. 80.

    Alles richtig!
    Bei der eigenen Deutschland -Grundversorgung werden kaum alle in der Bevölkerung einverstanden sein.
    Das wäre ein Rückschritt in harte Zeiten, wenn der Wohlstand so pleite gehen würde.
    Überleben kann der Mensch damit schon, jedoch will das jeder? Da würde der Pleitegeier bei vielen Berufszweigen auf dem Dach sitzen.....und was dann, wenn der Rest der Welt kräftig weiter futtert?

  3. 79.

    Ernähren könnte Deutschland sich schon selber. Nur müssten wir dann auf Kaffee, Tee, Zitrusfrüchte, Reis etc. verzichten. Es gab ja mal eine Zeit, da wurde wg. der Kaffeekrise dessen Anbau in Vietnam gefördert. Achja, und auch Tierfutter wird vielfach importiert.

  4. 78.

    Ja, kleine Bauernhöfe müssen unter Kostendruck immer mehr den großen industriellen Betrieben weichen.
    Auch weil manche Jugend nicht mehr Bauer sein will. Partys sind beliebter, als hart arbeiten zu müssen.
    Kapitalintensive Betriebe greifen sich die Chance, machen damit die Familienbetriebe kaputt. (Tante Emmaläden konnten ebenfalls wegen den großen Konzernen schon lange nicht mehr existieren).
    Auch der globale Handel macht den Bauern das Leben schwer. Der globale Handel war von der Politik gewünscht. Deutschland kann sich schon länger nicht mehr mit den eigenen Bauern ernähren. Da steht Deutschland nicht alleine in der Welt. Das bei Autobahnen usw. dabei die Felder zweckentfremdet werden und für den grünen Strom, all das schmälert ebenfalls eine kleine bäuerliche Produktion. Wird sind in einer Lebenswelt, egal was angeordnet wird, der Größere wird immer stärker, den Kleinen trifft das härtere Leben.


  5. 77.

    Sie beschreiben die Folge, nicht die Ursache. Kein Bauer verkauft freiwillig Land. Dies erfolgt erst als letzte Option, z.B. wenn der Betrieb sich nicht mehr trägt, keine Nachfolge vorhanden ist. Wenn der Bauer dann aufs Altenteil geht, will er auch wissen, das dies abgesichert ist. Der Eine hat Rentenpunkte, die Andere eben Rentenrüben. Eigentlich leicht zu verstehen.

  6. 76.

    100 Prozent- Nachlass von der Politik werden die Mega- Demos der Bauern u. a. nicht erreichen. Das geht über das Normal-Maß hinaus. Durchgerüttelt von der Energiekrise, Klima und weiteren Krisen werden wir alle Kompromisse machen müssen. Politik kann nicht alles zurücknehmen, was mal angeordnet wurde. Es würde eine finanzielle Kettenreaktion auslösen, wo der Ottonormalverbraucher zu stark mitbeteiligt wird. Ein Bürokratieentlastungsgesetz wäre schon mal der Anfang um Ruhe mal zu bekommen. So ein Gesetz müsste alle Bürger miteinschließen.
    Was bringt es, wenn Bauern entlastet werden und die Verbraucher werden dafür stark belastet? Beim Arzt ist es dasselbe. Wie wird ein Patient gesünder, wenn der Arzt nur3 Minuten Zeit hat für den Patienten und 7 Minuten sich der Vorschrift- Bürokratie widmen muss?

  7. 75.

    "das Kaufverhalten konsequent ändern"
    Es kann nicht Aufgabe der Regierung sein, dem Einzelnen sein Kaufverhalten vorzuschreiben. Das geht die überhaupt nichts an.

  8. 74.

    Dass sie nur noch Leute kennen die auch nur ihrer Meinung sind liegt oftmals daran, dass in der ach so toleranten Welt keine andere Meinungen mehr akzeptiert werden. Dann verändert sich plötzlich der Freundschaftskreis, weil verschiedene Meinungen nicht ausgehalten werden.
    In meinen Augen auch ein Grund, warum die derzeitige Regierung nicht klar kommt und die Parteien zersplittern. Sehr große Gefahr für die Demokratie.

  9. 73.

    Sehr gut und das sollten viele Weitere auch so machen: das Kaufverhalten konsequent ändern. Etwas Verzicht ist auch mal ganz gut und befreit. Die gesündesten Lebensmittel sind unverarbeitet und Bio. Leider weht hin und wieder auch das Glyphosat vom Chemiebauern nebenan rüber, das ist ärgerlich und gehört, wie die Dieselsubventionen, ebenfalls abgeschafft.

  10. 72.

    Brot ist ein ziemlich unrealistisches Beispiel. Wenn unsere Landwirtschaft tatsächlich Eigenversorgung im Blick hätte würde sie weniger Zucker, Getreide, Futterpflanzen, Milchprodukte, Schweinefleisch produzieren und mehr Obst und Gemüse.
    Ersteres ist nahezu vollständig industrielle Landwirtschaft und das was uns fehlt, lässt sich schwieriger industrialisieren.
    Das Problem der deutschen Landwirtschaft in Bezug auf unsere Eigenversorgungssicherheit ist sicher nicht Agrardiesel, sondern der Produktmix.

  11. 71.

    Die Bauern wollen keinen Kompromiss. Sie wollen existieren. In einer 7 (!) Tage Woche. Die haben auch keine Lifestyle Zeit für eine Work Life Balance. Und es wird kein E-Pflug geben... Sie wollen/müssen sich dem Klima anpassen als Daueraufgabe. Sie haben keine Zeit für Unsinn und (Tempo)Limits. Und sie wehren sich gegen mediale Anfeindungen ehrliche Arbeit in die rechte Ecke zu rücken und damit beleidigend zu diskreditieren. Eine Mehrheit unterstützt sie dabei. Wenn Schaffende in Wut geraten, ist es oft erst der Anfang gewesen...

  12. 70.

    "Es gibt keine Mineralölsteuer mehr"
    Dann wäre es eine Willkürsteuer, und die Bezeichnung "Subvention" für ihre Nichterhebung noch unangebrachter als mit meiner Argumentation.

  13. 69.

    Tja, dann ist Ihr Bekanntenkreis ziemlich klein. Wenn niemand da ist, der widersprechen kann, ist die eigene Meinung immer 100%.

  14. 67.

    Bauer geben auf, weil Agrarindustrielle Landgrabbing betreiben und auf schiere Masse setzen. Während die landwirtschaftlich genutzte Fläche nahezu gleich bleibt, nimmt die Zahl der Höfe rasant ab. Allein in Bayern nahm die Zahl der Höfe mit einer Größe von 20-50 ha zwischen 2010 und 2021 um rund 5% ab.

  15. 66.

    Immmer mehr arbeitstüchtige Bauern geben auf. Es lohnt sich unter dem Strich nicht mehr. Ähnlich wie bei den Medikamenten, wird die Lebensmittelindustrie ins Ausland verlagert. Und das bei diesen Zeiten. Es ist ein hohes Gut, sich selbst von eigenen Böden zu ernähren. Sie wachen eines Tages auf, und es gibt kein Brot mehr zu kaufen. Auch eine Hungersnot ist dann in Deutschland möglich. Und dann will es keiner gewesen sein.

  16. 65.

    Ich habe definitiv kein Verständnis für diese Proteste und habe bisher keine Person getroffen, die es hat.

  17. 64.

    Am 18. Januar 2024 findet eine erneute Bereinigungssitzung zum Haushaltsentwurf 2024 statt. Bis dahin ist wohl noch sehr viel offen.

  18. 63.

    Das wird Sie überraschen: abschreiben kann man nur das was vorher, steuerlich relevant, ausgeben wurde. Es mag sein, daß ihnen das nicht gefällt aber so sind nunmal die rechtlichen Rahmenbedingungen die Sie ja bei Ihrer privaten Steuererklärung auch anwenden (vorausgesetzt Sie gehen arbeiten und schielen nicht nur auf das Geld derer die das tun)

  19. 62.

    Der Vergleich hinkt, da die gesamten Dieselkosten für Landwirte als Betriebskosten steuermindernd anrechenbar sind so wie die Fahrtkosten für Arbeitnehmer zur Arbeit eben als Werbungskosten steuermindernd zur Entbürokratisierung meist pauschalisiert anrechenbar sind.
    Arbeitnehmer bekommen allerdings keine Energiesteuern zurück. Landwirte hingegen schon.

Nächster Artikel