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Audio: rbb | 04.11.2019 | Studiogespräch mit Sandra Niemann | Quelle: rbb

Interview | "Erzähle deine Geschichte"

"Geschichte besteht aus Alltag - und den wollen wir einfangen"

30 Jahre nach dem Mauerfall ist das Erzählmobil des rbb in Berlin und Brandenburg unterwegs, um Geschichten von Menschen einzusammeln. Wie "Erzähle deine Geschichte" funktioniert, sagt Projekt-Mitarbeiterin Sandra Niemann im Interview.

rbb: Was genau ist das Ziel des Projekts "Erzähle deine Geschichte"?

Sandra Niemann: Wir sammeln Geschichten. Zwischen dem 9. November - 30 Jahre Mauerfall - und dem 3. Oktober im kommenden Jahr - 30 Jahre deutsche Einheit - gibt es ganz viele Daten. Wir gehen davon aus, dass viele Menschen anfangen, sich zu erinnern und vielleicht auch über diese 30 Jahre nachzudenken - und nicht nur über diesen Augenblick. Wir fragen die Menschen nach einem Katalog: Was haben Sie erlebt? Welche Perspektive haben Sie heute auf die Einheit? So versuchen wir dann, eine Art Panorama der Einheit in unserer Region zu erstellen.

Und wie funktioniert das? Wo genau kann ich dann meine Geschichte erzählen?

Wir haben eine Webseite, rbb-deine-geschichte.de. Da kann man nachlesen, wo unser Erzählmobil hält. Das ist im Prinzip ein rollendes Mini-Studio. Da sitzt man auf einem drehbaren Hocker, eine Kamera ist installiert, dann gibt es ein kleines Rotlicht – und es geht los mit den Fragen.

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9. November, 13-20 Uhr

"Erzähle deine Geschichte – vom Mauerfall bis heute"

Wie haben wir die letzten 30 Jahre seit dem Mauerfall erlebt? Der rbb sammelt Geschichten aus der Region – von Glücklichen und Frustrierten, Gewinnern und Abgehängten, Euphorischen und Enttäuschten, Wessis und Ossis. Weitere Infos unter www.rbb-deine-geschichte.de.

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Das rbb-Event zum Mauerfall-Jubiläum am SonyCenter

    

Das sind, wenn ich das richtig verstehe, festgelegte Fragen – oder kann ich einfach frei von der Leber weg erzählen?

Es ist beides. Wir haben einen Fragenkatalog, den wir verwenden, um eine Art Vergleichbarkeit zu erzielen und am Ende auf der Webseite auch schauen zu können: Was sagen denn die Menschen auf eine Frage wie "Was eint uns?", "Was trennt uns?" oder "Wann habe ich mich zuletzt als Wessi gefühlt?" Da kann man dann tatsächlich die Webseite aufklappen und schauen, welche Meinungen, Ideen und Geschichten es dazu gibt. Aber wir wollen auch bei speziellen Geschichten nachhaken und dem dann vielleicht weiter nachgehen.

Was passiert dann mit den Geschichten, mit dem Material? Wird es online gestellt oder wird dann weiter recherchiert?

Beides. Wir stellen es online, damit man auf dieser großen Geschichten-Website am Ende schauen kann, was die Menschen geantwortet haben. Das können auch mal ganz einfache Antworten sein, weil unser Ansatz ist, dass Geschichte Alltag ist. Wir haben lange über das Wort Zeitzeugen diskutiert und dann entschieden, dass wir es nicht verwenden wollen. Es hat sowas von: Funktionsträgern, ganz wichtigen Politikern. Wir sagen: Geschichte besteht aus Alltag - und den wollen wir einfangen und abbilden. Wie immer, wenn Reporter unterwegs sind in der Region, um eine Geschichte einzufangen, kann es aber sein, dass sie im besten Fall mit drei guten wieder zurückkommen.

Wenn ich Lust habe, meine Geschichte zu erzählen: Wo finde ich dieses Erzählmobil zum ersten Mal?

Wir machen eine Art Generalprobe am 7. November ab etwa 17 Uhr im Sony Center. Da sind wir mit der rbb-Talksendung "Wir müssen reden" unterwegs. Da haben wir gedacht: Das ist eine gute Gelegenheit, dort schon mal das Erzählmobil aufzustellen. Dann aber natürlich sind wir zwei Tage später, am 9. November, noch einmal ganz groß im Sony Center mit unserem Erzählmobil zu finden.

Und im Anschluss wird dieses Erzählmobil dann auch im gesamten Sendegebiet unterwegs sein?

Ja, wir haben für November schon zwei weitere Termine - und zwar haben wir regelmäßig Veranstaltungen mit dem schönen Titel "Den rbb grillen". Da sind wir in der Region unterwegs und suchen auch den Kontakt zu allen Menschen. Die können da auch mal Tacheles mit uns reden, was sie von uns halten. Dort wollen wir dann auch mit dem Erzählmobil vor Ort sein und die Geschichten vom Mauerfall bis heute einsammeln. Wir sind am 19. November in Eisenhüttenstadt und am 27. November in Rathenow.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch mit Sandra Niemann führte Leon Stebe. Dieser Text ist eine gekürzte und redigierte Fassung. Das komplette Interview können Sie oben im Beitrag im Interview hören.

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