Medienberichte - Tesla will weltweit Arbeitsplätze streichen - auch in Grünheide

Di 16.04.24 | 11:31 Uhr
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Archivbild: Tesla-Chef Elon Musk (l) und André Thierig, Werksleiter der Tesla Gigafactory Berlin Brandenburg, gehen durch die Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg. (Quelle: dpa/Sebastian Gollnow)
Video: rbb24 Brandenburg aktuell | 15.04.2024 | Cornelia Koch | Studiogast: Andreas Oppermann | Bild: dpa/Sebastian Gollnow

Schwache Verkaufszahlen zwingen den Tesla-Konzern offenbar zu Sparmaßnahmen: Jede zehnte Stelle weltweit soll wegfallen, wie Konzernchef Musk in einem Brief an die Belegschaft ankündigte. In Grünheide sind die Auswirkungen unklar.

  • Elon Musk hat weltweiten Stellenabbau bei Tesla angekündigt
  • Grund dafür könnten schlechte Verkaufszahlen und starke Konkurrenz aus China sein
  • in Grünheide soll laut einem Medienbericht jede vierte Stelle wegfallen
  • nach rbb-Informationen ist das Ausmaß hier aber geringer

Von einem geplanten weltweiten Stellenabbau beim US-Elektroauto-Hersteller Tesla ist nach rbb-Informationen auch der Standort Grünheide (Oder-Spree) betroffen. Das genaue Ausmaß ist allerdings noch unklar. Das "Handelsblatt" [Bezahlinhalt] hatte am Montag von 3.000 Stellen gesprochen.

rbb-Recherchen in Unternehmenskreisen haben aber ergeben: Der Umfang des Stellenabbaus in Grünheide wird offenbar deutlich geringer ausfallen. Insider sagten, sie gehen davon aus, dass weniger als zehn Prozent der rund 12.500 Beschäftigten betroffen seien.

Eine Größenordnung von zehn Prozent war zuvor von Tesla-Chef Elon Musk weltweit für den Stellenabbau bei Tesla beziffert worden. "Das wird uns schlank, innovativ und hungrig für die nächste Wachstumsphase machen", schrieb Musk demnach in einer internen Mitteilung an die Belegschaft, die auch dem rbb vorliegt. Zuvor hatte der US-amerikanische "Business Insider" bereits am Wochenende über entsprechende Gerüchte informiert.

rbb-Informationen: Vor allem Leiharbeit-Stellen in Grünheide betroffen

Tesla hatte die Medienberichte am Montag zunächst nicht kommentiert, am Dienstag dann aber mitgeteilt, die genannte konkrete Zahl "entbehrt dabei jeder Grundlage".

Nach rbb-Informationen steht im Raum, dass Tesla die Zahl der Leiharbeiter reduzieren könnte, wie auch das "Handelsblatt" berichtet. Das sind derzeit etwas mehr als 1.000 Beschäftigte, die genauso wie die Tesla-Angestellten bezahlt werden. Wenn sich das Unternehmen nur von ihnen trennen würde, wären das etwa die zehn Prozent, die Musk in seiner Mitteilung ansprach.

Auch der Brandenburger Wirtschafts- und Arbeitsminister Jörg Steinbach (SPD) rechnet im Falle eines Personalabbaus im Werk in Grünheide mit einem Wegfall von weit weniger als den vom "Handelsblatt" genannten 3.000 Stellen. Steinbach sagte auf Anfrage am Montag: "Der Einbruch beim Absatz von Elektroautos in Deutschland und Europa dürfte auch an einem Marktführer wie Tesla nicht spurlos vorübergehen." Er stehe mit dem Unternehmen im Kontakt. "Wenn es zu einem Stellenabbau bei Tesla in Grünheide kommen sollte, dürfte sich die Zahl der Stellen nach unseren Informationen nicht um 3.000 bewegen, sondern signifikant niedriger ausfallen."

Betriebsrat und Gewerkschaft haben keine Informationen erhalten

Sowohl Mitglieder des Betriebsrats als auch der IG Metall erklärten dem rbb, dass im Betriebsrat von Tesla in Grünheide keinerlei Informationen zu einem Stellenabbau vorlägen. "Bisher gibt es jede Menge Gerüchte und eine Absichtserklärung von der Konzernzentrale", sagte IG-Metall-Bezirksleiter Dirk Schulze dem rbb. "Es ist die gesetzliche Pflicht des Managements, den Betriebsrat nicht nur umfassend zu informieren, sondern mit ihm zu beraten, wie Beschäftigung gesichert werden kann." Auch die Arbeitsagentur Frankfurt (Oder) hat aktuell noch keine Informationen über einen geplanten Stellenabbau. Sie müsste vom Unternehmen genauso wie der Betriebsrat informiert werden.

Bislang hatte das Unternehmen mehrfach erklärt, dass die Belegschaft in Grünheide auf 22.500 Mitarbeitende aufgestockt werden soll. Am Montagabend waren auf der Webseite des Unternehmens noch zahlreiche offene Stellen ausgeschrieben [tesla.com]. Zudem hatte Tesla zuletzt einen Ausbau des Standortes Grünheide angekündigt. So will das Unternehmen einen eigenen Güterbahnhof errichten und die Produktion von bislang angepeilten 500.000 E-Autos auf eine Million pro Jahr verdoppeln.

Wohl eine Reaktion auf schwache Verkaufszahlen

Der Stellenabbau könnte Medienberichten zufolge eine Reaktion auf die schwachen Verkaufszahlen von Tesla sein. Diese sanken im ersten Quartal um mehr als acht Prozent im Vorjahresvergleich. Laut Anfang April veröffentlichten Zahlen lieferte das Unternehmen seit Beginn des Jahres insgesamt 386.810 Fahrzeuge aus, Experten waren von 457.000 Fahrzeugen ausgegangen. Auch die Produktion ging um rund 1,7 Prozent zurück.

Tesla selbst erklärte den Absatzrückgang unter anderem mit Lieferproblemen im Zusammenhang mit den Angriffen der Huthi-Miliz auf Handelsschiffe im Roten Meer sowie dem Brandanschlag einer linksextremistischen Gruppe auf eine Stromleitung nahe des Werks in Grünheide. In der Folge war dort die Produktion für eine Woche zum Erliegen gekommen. Experten zufolge ist auch ein schwacher Absatzmarkt in China für die sinkenden Zahlen verantwortlich, wo sich Tesla gegen die wachsende Konkurrenz von E-Autoherstellern wie BYD behaupten muss.

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 15.04.2023, 19:30 Uhr

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144 Kommentare

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  1. 144.

    Alles Fachlaien. Jedoch habe ich persönlich ja u. A. auf das Hire&Fire System des Elon hingewiesen und alle Teslahörigen haben mich dafür abgestraft. Nun, da Herr. M. darauf abzielt, die Produktion fast menschenleer zu gestalten, sehe ich mich bestätigt und sehe die Erweiterungspläne als obsolet. Alles nur Opium fürs willige Muskvolk.

  2. 142.
    Antwort auf [Karsten] vom 15.04.2024 um 22:58

    Welcher Hype?
    So eine Umstellung dauert mehr als einen Produktlebenszyklus. Irgendwann muss man ja mal den Anfang machen. Wenn wir alle Probleme nacheinander lösen, dauert es einfach zu lange. Ein Zusammenbruch der europäischen E-Branche würde den Zusammenbruch der PV Industrie in den 2010er Jahren noch mal in seinem volkswirtschaftlich negativen Ausmaße überragen. Stromerzeugung und E-Mobilität haben in Europa mind. 10 Jahre Trödelei hinter sich.

  3. 141.

    Finden Sie VW toll, innovativ? Ehrlich von der e-Mobilität erwarte ich grundsätzlich etwas anderes als VW anbietet. Es ist dermaßen miserabel was die anbieten. Da fahre ich meinen Verbrenner lieber noch Jahre weiter bis entweder VW wirklich innovativ ist und nicht dem Trend hinterher hechelt. VW wird mit der jetzigen Arbeitsweise nicht überleben.

  4. 140.

    Der Anteil an E-Autos steigt (in Deutschland) weiter. Der Modetrend hält also (noch) weiter an.

  5. 139.

    Ja genau - In Brandenburg bekommen nur Landkreise und Regionen Unterstützung - wo die AfD mindestens zweitstärkste Kraft ist - deshalb wählen Wir im Südosten, auch immer AfD.
    AfD = Ansiedlungen, Wirtschaft und Fördergelder !

  6. 138.

    Vor drei Jahren schrieben hier Fachleute bereits, dass sich dieser Modetrend nicht halten wird.
    Leut wie Neumann und Dominik bleiben dabei auf der Strecke, aber auch da wurde prophezeit.
    Die Menschen entscheiden und nicht die Grünen, die schon genug Schaden angerichtet haben.

  7. 137.

    In Cottbus und Umgebung hilft es jedenfalls, kräftig die AfD gewählt zu haben.
    30+ Prozent AfD = 30 Milliarden Strukturhilfen.
    So schlecht kann die AfD also nicht sein, das man dafür noch Strukturhilfen und Förderungen in Milliardenhöhe, vom Land, Bund und EU bekommt !!!

  8. 136.

    Wir müssten 2 Sonnen haben. Eine für die Nacht. Und immer das richtige Lüftchen für die WKA. Energiesorgen hätten wir keine.

  9. 135.

    Ganz ehrlich ich empfinde die aktuelle Politik als absolut unideologisch weil sie nahezu durchgehend auf wissenschaftlicher Basis agiert. Man kann über diese Basis diskutieren aber als Ideologie würde ich diese kompromissbehaftete Politik nicht bezeichnen. Wenn es ideologisch wäre, würde es zu keiner einzigen Einigung zwischen den 3 Parteien kommen, mit all ihren Widersprüchen.
    Man diskutiert, streitet und löst mit den notwendigen teilweise schmerzhaften Kompromissen.
    Nur die Öffentlichkeitsarbeit ist unter aller Kanone.
    Wer ist denn der Bürger? Soweit ich diesen Staat kenne, gibt es zum Glück nicht den Bürger sondern über 80 Mio verschiedene.

  10. 133.

    In Brandenburg werden dort vorrangig Arbeitsplätze angesiedelt und gefördert, wo die Bevölkerung alt und von Abwanderung geprägt ist, so wie in Ost/Südostbrandenburg.
    Diese Auto-Fabrik ist doch von Anfang an, nicht rund gelaufen und wird es auch Nie.
    Massive Proteste - Massive Zerstörungen - Massive Proteste und jetzt Entlassungen - falscher Standort, bei einer Alten und immer weniger werdenden Bevölkerung in Ostbrandenburg - am Besten ist ein Neuanfang in Osteuropa.

  11. 132.

    Prinzipiell richtig, mehr EE ist nie verkehrt.
    Nur der Vergleich mit Kohlestrom nachts hinkt doch gewaltig bei stetig steigendem EE-Anteil und sinkendem Kohlestrom ist die Wahrscheinlichkeit zunehmend geringer und der CO2 Anteil sinkt und sinkt.
    Da es Nachts häufiger dunkel ist, setzt man u.a auch auf Windkraft.
    20kWh/100km würden beim mittleren Strommix 2023 ca. 85g/km CO2 bedeuten. Das schafft mein Diesel ganz sicher nicht.
    Wenn man börsenpreisoptimiert lädt wird die Sache ganz schnell deutlich weniger und nebenbei nochmal preiswerter. Billiger Preis = hoher EE-Anteil

  12. 131.

    Ich dachte schon von den üblichen Tesla-Jüngern meldet sich keiner zu Wort:-)
    „Herr Steinbach und sein Team wussten es und haben den Boden bereitet, dass Brandenburg fit für die neue Arbeitswelt wird.“
    Na wenn dies stimmt ist die SPD Geschichte.

  13. 130.

    Meinen Sie dass dieses Konzept der "schönen neuen Arbeitswelt" auch langfristig aufgeht?
    Bei VW kann sich ein Großteil der Mitarbeiter einen VW leisten.
    Bei Tesla auch?
    Warum ging die US-amerikanische Autoindustrie eigentlich in den 80ern den Bach runter?
    Stimmte vielleicht doch etwas nicht mit dem Konzept?

  14. 129.

    "Die Politik schafft es gerade nicht, eine unideologische Zukunftsvision darzubieten. Im Gegenteil!"

    Mag sein, aber wenn wir in Brandenburg ca. 30 Prozent eine Partei wie die AfD wählen wollen, die eine rein ideologisch Politik betreibt und deren Zukunftsvisionen mehr ein Zurück ind die Vergangenheit ist, dann stellt sich die Frage - liegt es nicht auch maßgeblich am Bürger aka Wähler?

  15. 128.

    Sie vernachlässigen weiterhin den schlechten Wirkungsgrad einer thermodynamischen Maschine im Vergleich zum Elektromotor. Überschlägig wird die 3fache Menge Primärenergie benötigt. Strom aus erneuerbaren Quellen ist praktisch 1:1 Primärenergie.
    Ob das nun Bio, H2 oder Öl ist, es bleibt ineffizient.
    Synthetische oder biologische Brennstoffe wie von Ihnen beschrieben, benötigen wir für die Industrie und Reservestromproduktion aber nicht um es in PKW ineffizient zu verbrennen um diese in Bewegung zu versetzen. Das wird auch in 20 Jahren nicht anders sein.

  16. 127.

    Misere, wenn schon von Bildung die Rede ist. Treibstoff wächst auf Bäumen? Nicht ganz, aber Holzvergaser gibt es. Es gibt auch pflanzliche Treibstoffe, z.B. Rapsöl. Frau Benz holte ihren Kraftstoff aus der Apotheke. Vieles ist möglich. Ob es für die Mobilität ausreicht, ist eine andere Frage. Ob die Sonne extra für Sie im Winter Sonderschichten fährt, erfragen Sie bitte bei beim Wetterdienst.

  17. 126.

    Was haben die Leute auf den Bäumen geschafft? Herr Musk hat eine strategischen Unternehmensentscheidung getroffen, da haben die paar Demonstranten nichts mit zu tun. Ohne die Proteste wäre die Entscheidung genau so getroffen worden. Verabschiedenden Sie sich vom Bild des selbstlosen Wohltäters.

  18. 125.

    Was für eine Hysterie. Tesla ist gekommen, um zu bleiben. Selbst wenn die jetzt 300 oder 3000 abbauen. Sobald es wieder besser läuft, stellen die die 300/3000 plus weitere ein. Glaubt hier wirklich jemand, das Tesla den Laden dicht macht? Im Gegenteil. Aber gut. Tesla ist USA nicht Old Germany. Wird Zeit sich daran zu gewöhnen. Old Germany treibt seine Industrie ins Ausland. Statt denen kommen Firmen mit anderen Verhaltensweisen. So Mancher hier wird sich umsehen. USA, China, Indien usw. haben andere Arbeitsmethoden. Herr Steinbach und sein Team wussten es und haben den Boden bereitet, dass Brandenburg fit für die neue Arbeitswelt wird.

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