Nach offenem Brief - Berliner Senat und Claudia Roth verteidigen Berlinale-Einladungen für AfD-Abgeordnete

Mo 05.02.24 | 16:50 Uhr
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Archivbild: Kulturstaatsministerin Claudia Roth am 1.12.23. ( dpa / Hannes P Albert)
Video: rbb24 Abendschau | 05.02.2024 | J. Kubowitcs | Bild: dpa / Hannes P Albert

Die viel kritisierten Einladungen für AfD-Politiker zur Berlinale-Eröffnung folgen offenbar einer geübten Praxis. Kulturstaatsministerin Claudia Roth und der Berliner Senat stärken der Festival-Leitung den Rücken und erklären Gründe für die Einladungen.

  • Berlinale wurde für Einladungen zur Eröffnungsfeier AfD-Abgeordnete kritisiert
  • Senat bezeichnet Einladungen an alle Fraktionen des Abgeordnetenhauses als jahrelang geübte Praxis
  • Auch auf Bundesebene seien Einladung an Mitglieder des Kulturausschusses üblich, erklärt Kulturstaatsministerin Roth

In der Diskussion um Einladungen für Politiker der AfD zur Berlinale-Eröffnung hat der Berliner Senat seine übliche Einladungspraxis erklärt. Die Vergabe von Plätzen an alle Fraktionen sei eine "protokollarische Gepflogenheit", so eine Sprecherin. Auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth(Grüne) hat das Vorgehen der Festspielleitung verteidigt.

Die Kritik an den Einladungen geht zurück auf einen offenen Brief im Internet vom 2. Februar, der mittlerweile nicht mehr online zu finden ist. In dem unter anderem von mehr als 200 Kulturschaffenden getragenen Statement wurde die Einladung der Berliner AfD-Vorsitzenden Kristin Brinker und des Parlamentarischen Geschäftsführers der AfD Ronald Gläser kritisiert. Jene werden als Beispiel genannt für "das feindselige und heuchlerische Umfeld, mit dem Kunst und Kultur in Deutschland konfrontiert sind". Das Bundesamt für Verfassungsschutz behandelt die AfD als rechtsextremistischen Verdachtsfall.

Berliner Senat vergibt Einladungen an alle Fraktionen des Abgeordnetenhauses

Die beiden Berliner AfD-Politiker Kristin Brinker und Ronald Gläser sind aufgrund ihrer Funktionen innerhalb ihrer Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus zur Berlinale eingeladen worden. Die Leiterin der Berlinale, Mariëtte Rissenbeek, hatte bereits am Wochenende erklärt, dass vom Veranstalter unter anderem Einladungen an den Berliner Senat verteilt würden, der sie an alle Fraktionen im Abgeordnetenhaus weiter gebe. So seien die Einladungen für Brinker und Gläser zustande gekommen.

Eine Sprecherin der Berliner Senatskanzlei bestätigte das auf rbb-Anfrage am Montag und sagte, die Einladungspraxis entspräche "protokollarischen Gepflogenheiten". In diesem Jahr konnten 100 Plätze für die Eröffnungsfeier über das Landeskontingent belegt werden, dabei sei der Gleichbehandlungsgrundsatz eine jahrelang geübte Praxis, so die Sprecherin. Aus dem Abgeordnetenhaus würden üblicherweise die Präsidentin und die Vizepräsidenten, die Fraktionsvorsitzenden (Brinker im Falle der AfD) und die kultur- und medienpolitischen Sprecher der Fraktionen (Gläser im Falle der AfD) eingeladen. Die Namensliste für das Gästekontingent des Landes Berlin erstellt das Protokoll der Senatskanzlei, die Berlinale versendet anschließend nur die Einladungen.

AfD-Abgeordnete müssten mit Gegenwind rechnen

Auch die Kulturstaatsministerin Roth stärkte der Festivalleitung den Rücken und begründete, warum neben den beiden Berliner AfD-Politikern weitere AfD-Abgeordnete zur Berlinale eingeladen würden: "Für die Eröffnung der auch mit erheblichen Bundesmitteln ermöglichten Berlinale wurden auf unseren Vorschlag hin auch die Mitglieder des fachpolitisch zuständigen Kulturausschusses des Deutschen Bundestages eingeladen", sagte ein Sprecher Roths am Montag in einer Reaktion. "Das entspricht der demokratischen Praxis und dem Respekt der Bundesregierung vor dem Parlament und seinen gewählten Abgeordneten." Im Kulturausschuss des Bundestags sitzen zwei ordentliche AfD Mitglieder.

Roths Sprecher betonte zudem das "große Bedauern" der Grünen-Politikerin, dass die AfD im Bundestag vertreten sei. "Antidemokratische, rechtsstaatsfeindliche und rassistische politische Kräfte haben aus Sicht von Claudia Roth nichts im Deutschen Bundestag verloren." Roth werde sich weiterhin "mit großer Entschiedenheit gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit sowie für ein vielfältiges, offenes und demokratisches Gesellschaftsmodell einsetzen".

Die Berlinale und ihr Programm zeigten ein weltoffenes und von Vielfalt geprägtes Deutschland, so der Sprecher. "Die Berlinale steht für die Freiheit der Kunst sowie für den Einsatz gegen Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung." Das werde Roth auch immer unterstützen, schützen und verteidigen. "Dafür sollten sich und dafür werden sich auch bestimmt die überwältigende Mehrheit der eingeladenen Gäste einsetzen und werden alle zusammen genau dafür stehen."

Sollten AfD-Abgeordnete den Einladungen zur Berlinale-Eröffnung folgen, müssten sie es aushalten, "dass sie bei der Berlinale genau damit in aller Deutlichkeit konfrontiert werden. Ansonsten sollen sie wegbleiben", so Roths Sprecher.

Berlinale gegen Ausgrenzung und Diskriminierung

Das Filmfestival selbst äußerte sich in seinem Statement ähnlich: "Wir setzen uns gegen jede Form von Ausgrenzung und Diskriminierung ein und treten konsequent für die Werte einer weltoffenen und liberalen Demokratie ein." Weiter hieß es: "Menschen - auch Mandatsträger - die diesen grundlegenden Werten zuwiderhandeln, sind auf der Berlinale nicht willkommen." Dies werde man deutlich und nachdrücklich in persönlichen Schreiben an die AfD-Vertreter und auch bei anderen Gelegenheiten zum Ausdruck bringen.

Die Berlinale zählt neben Cannes und Venedig zu den großen Filmfestivals der Welt. Die nächste Ausgabe läuft vom 15. bis zum 25. Februar.

Sendung: rbb24 Abendschau, 05.02.2024, 19:30 Uhr

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69 Kommentare

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  1. 69.

    die afd disqualifiziet sich jede Minute selbst, fährt mit einem Programm auf für Deutschlands Totalschaden, will uns um 89 Jahre zurück werfen.

  2. 68.

    "wenn die AfD ein Recht hat dort eingeladen zu werden, dann ist es so." Diese Frage ist ungeklärt, aber die Berlinale hat Handlungsprivileg über das Hausrecht auszuladen wen sie will.

  3. 67.

    "... In einem Facebook-Post werden zahlreiche Zitate aufgelistet, die AfD-Politikern oder deren Mitarbeitern zugeschrieben werden. Die meisten von ihnen sind richtig, aber für einige fehlen eindeutige Belege, oder sie wurden leicht verändert. ..."
    aus correctiv-Faktencheck vom 18. Februar 2020

    Diesem Faktencheck ist zu entnehmen, dass zwei Ihrer Zitate richtig sind, eins teilweise falsch und eins unbelegt ist.

  4. 66.

    "Wer Homosexualität auslebt, dem droht dafür eine Gefängnisstrafe … Das sollten wir in Deutschland auch machen!“ – Andreas Gehlmann, AfD

    "Das große Problem ist, dass man Hitler als das absolut Böse darstellt.“ – Björn Höcke, AfD

    "Das Pack erschießen oder zurück nach Afrika prügeln.“ – Dieter Görnert, AfD

    "Von der NPD unterscheiden wir uns vornehmlich durch unser bürgerliches Unterstützerumfeld, nicht so sehr durch Inhalte." - Dubravko Mandic, AfD

    Wollen sie noch mehr Beweise?

  5. 65.

    "Wer Homosexualität auslebt, dem droht dafür eine Gefängnisstrafe … Das sollten wir in Deutschland auch machen!“ – Andreas Gehlmann, AfD

    "Das große Problem ist, dass man Hitler als das absolut Böse darstellt.“ – Björn Höcke, AfD

    "Das Pack erschießen oder zurück nach Afrika prügeln.“ – Dieter Görnert, AfD

    "Von der NPD unterscheiden wir uns vornehmlich durch unser bürgerliches Unterstützerumfeld, nicht so sehr durch Inhalte." - Dubravko Mandic, AfD

    Wollen sie noch mehr Beweise?

  6. 64.

    Wen diskriminiert die Berlinale und grenzt ihn aus? Die AFDler haben doch ihre Tickets bekommen.
    Ihr Kommentar ist leider Unfug.

  7. 63.

    Haha, eine Partei, deren Jugendorganisation als rechtsextrmistisch bekannt ist, ist im Gegensatz zu denen natürlich hochdemokratisch. rofl
    Wie wäre es mal mit paar Argumenten von Ihnen, mit denen Sie Ihre abstruse Behauptung beweisen können?
    "Gericht: Verfassungsschutz darf AfD-Jugend als rechtsextremistisch einstufen"

  8. 61.

    Viel Gelaber, wenig Inhalt. Und noch falsch obendrein. Alle Parteien außer der rechtsextremen AfD eint das GG. Alle demokratischen Parteien achten die Menschwürde.

    Die rechtsextreme AfD will beides abschaffen, bzw. einschränken.

  9. 60.

    In diesem Fall ist Frau Roth in meiner Achtung gewaltig gestiegen, denn das zeugt von wahrer Größe!

  10. 59.

    Genau das ist es. Alles muss man Ihnen "erklären". Auch was Demokratie ist, möchten Sie erklärt bekommen.
    Gehen Sie zum Fenster. Die Straße erklärt es Ihnen gerade.

  11. 58.

    Zur Spaltung gehören zum einen immer mindestens 2. Die, die ihre Schäfchen nicht hergeben möchten wegen Geld und Macht und die, die überzeugendere Argumente haben. Zum Anderen ist Spaltung ein normaler politischer Prozess zwischen allen Parteien. Die Linken spalten für sich, die Grünen für sich, die SPD für sich und die FDP genauso wie die CDU/CSU für sich, denn sie wollen alle zur Wahl die Menschen auf ihre Seite ziehen um zu gewinnen. Geld und Macht. Jede Partei rattert überall ihre Ansichten und Ziele runter aber wenn das die AfD tut dann ist es schlecht, wenn es alle anderen tun ist es was ??? Demokratie? Dagegen ist ja zweierlei Maß gar nichts.

  12. 57.

    Dit soll demokratisch sein? Ich würde ja gerne mal erklärt haben, was an der AfD undemokratisch ist. Alle behaupten es einfach aber niemand hat Argumente. Und wenn, dann treffen sie auf alle anderen Parteien ebenso zu. Sind es Volksentscheide die NUR die AfD möchte, die undemokratisch sind? Oder soll es die Migrationspolitik sein bei der Scholz (SPD) Abschiebungen im großen Stil fordert oder Frau Faser für Sippenhaft plädiert? Es geht um die Einhaltung bestehender Gesetze welche die Ampel nicht umsetzt. Wer ist denn noch für die Einhaltung der Europäischen Verträge außer der AfD? Wer prangert den 2. verfassungswidrigen Haushalt der Ampel an und wer lässt diesen verfassungswidrigen Haushalt gewähren? Es gibt auch farbige Politiker bei der AfD, ausländische und viele sind mit Ausländern verhiratet, Schwule, Lesbische... ist das überzeugend, dass die bei Regierungseintritt ihre Mitglieder, Kollegen und Partner ausweisen? Wo sind die Argumente auf Faktenbasis?

  13. 56.

    Dann ist es wohl an der Zeit, "protokollarische Gepflogenheiten" der Realität in diesem Land anzupassen, anstatt eine jahrelang gelebten Praxis ohne Nachdenken umzusetzen. Und ja, es gehört zu den Grundrechten der Demokratie, sich gegen diejenigen zu verteidigen, die an den demokratischen Grundfesten sägen. Ich erwarte ein Bekenntnis gegen die AfD und eine aktive Ausladung von der Berlinale!

  14. 55.

    "Wer die AfD ausschließen will trägt zur Spaltung unserer Gesellschaft bei!"

    Okay, wer also die Spalter unserer Gesellschaft ausschließen will... bis dahin konnte ich ihnen folgen...

    "Aber genau die wollen die anständigen Demokraten sein?"

    Ja. Die Rechtsextremen treffen auf die Mitte der Gesellschaft, sie haben es erfasst. Es sind nicht die Demonstrationen die Mut und Hoffnung machen...

    Das Thema ist endlich in der "Mitte der Gesellschaft" angekommen.

  15. 54.
    Antwort auf [Bernd] vom 05.02.2024 um 21:12

    Und?

  16. 52.

    Wer die AfD ausschließen will trägt zur Spaltung unserer Gesellschaft bei!
    Aber genau die wollen die anständigen Demokraten sein?

  17. 51.
    Antwort auf [Steinhart] vom 05.02.2024 um 20:09

    Sie befinden sich im Irrtum.
    Nicht ich unterstelle "jedem ein Faschist zu sein"
    Es haben sich die Leute auseinanderzusetzen, die empfänglich sind für Parolen und Praxis, die offenbar ohne tiefere Reflexion die Wortbildmarke, die Funktion "Der Jude ist unser Unglück"
    durch die Parole ersetzt haben "Der Einwanderer, der Ausländer, der Geflüchtete, der Ausreisepflichtige, der irgendwie Kulturfremde ist unser Unglück" und mit dieser Parole und Haltung praktisch jedem gesellschaftlichen, sozialen, ökonomischen Problem oder Konflikt im Land begegnen.
    Das habe ja nicht ich erfunden und ich zwinge auch niemanden diese Modernisierung einer alten Parole und Haltung auf.
    Das ist ganz allein das Problem der Leute die das tun. Und der Leute die sich in solche Gesellschaft begeben.

  18. 50.
    Antwort auf [Bernd] vom 05.02.2024 um 19:16

    Na, mit Ihrem 1933-Vergleich haben Sie den Nationalsozialismus verharmlost. Gerade damit sich Geschichte nicht wiederholt, gehen Menschen gegen Rechtsextremismus und auch gegen die afd auf die Straße. Dass die afd rechtsextrem ist, steht doch eigentlich gar nicht mehr zur Debatte. Und dass Rechtsextreme häufig abstreiten rechtsextrem zu sein, ist auch nichts neues. Haben Sie Leuten wie Weidel, Höcke, Krah, Curio eigentlich mal zugehört?

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