Landtagswahl in Brandenburg - Hochburg der AfD liegt im Osten

12,2 Prozent der Stimmen hat die Alternative für Deutschland am Sonntag in Brandenburg für sich verbuchen können - und das aus dem Stand. Besonders viel Zuspruch bekam die Partei im Osten des Landes. In einem Wahlkreis lag der Wert sogar über 20 Prozent.

Die rechtskonservative Alternative für Deutschland (AfD) hat bei der Landtagswahl in Brandenburg erneut Stimmen abräumen können - wie schon bei der Europawahl in diesem Jahr. Erneut liegt die AfD-Hochburg im Osten Brandenburgs.

In der deutsch-polnischen Grenzregion erzielte die AfD am Sonntag im Wahlkreis Oder-Spree II südlich von Frankfurt (Oder) 21,3 Prozent der Zweitstimmen. Damit übertraf die AfD ihren brandenburgweiten Spitzenwert von der Europawahl noch.

Im Mai hatten in der Grenzstadt Frankfurt (Oder) mit 12,8 Prozent die meisten Wähler ihr Kreuz bei der AfD gemacht. Dort kam die Partei am Sonntag auf 19,7 Prozent der Zweitstimmen.

Laut infratest dimap wählten 19.000 der AfD-Wähler vorher die Linke. Der zweitgrößte Anteil mit 18.000 Wählern kam von der CDU. 17.000 Wählern wandten sich von der FDP ab und der AfD zu. 12.000 Stimmen gab es von früheren Nichtwählern. 11.000 Stimmen gingen der SPD verloren.

"Man muss offen mit solchen Problemen umgehen"

"Wir sind eine sehr bodenständige Partei, so ist auch das Programm", erklärte Spitzenkandidat Alexander Gauland am Wahlabend den Erfolg seiner Partei. "Ich habe das Gefühl, dass viele Brandenburger mit ihrer Vertretung im Landtag nicht zufrieden sind, weil die beiden großen Parteien nicht ansprechen, was die Menschen bedrückt."

"Ich weiß nicht, ob man für solche Probleme immer die Lösungen hat, aber man muss offen mit solchen Problemen umgehen und das tun die großen Parteien nicht", sagte Gauland weiter. Er räumte ein, dass die AfD noch Landtagsarbeit lernen müsse, kündigte aber auch an: "Es wird uns keiner mehr verdrängen." Und: "Die anderen dürfen sich warm anziehen."

Die Flüchtlingspolitik - ein wichtiges Thema für Gauland - spiele nicht nur auf der Bundesebene. "Und es ist wichtig, dass politisch deutlich zu machen, dass die Asylproblematik insgesamt angepackt werden muss. Es kann nicht sein, dass wir ununterbrochen Menschen bei uns aufnehmen – aber die falschen."

AfD-Chef: "Wir steigern und von Wahl zu Wahl"

Der 73-jährige Gauland war 2013 einer der Mitbegründer der eurokritischen Partei. Der moderat auftretende Politiker im Rentenalter war mehr als 40 Jahre lang Mitglied der CDU, bevor er aus Unzufriedenheit über mangelndes konservatives Profil die Christdemokraten verließ.

Der Bundesvorsitzende Bernd Lucke lobte am Sonntagabend: "Wir steigern uns augenscheinlich von Wahl zu Wahl. Wir finden trotz der Versuche der anderen Parteien uns auszugrenzen immer mehr Zuspruch beim Bürger", so der Bundesvorsitzende. "Man kann es einfach nicht mehr abstreiten: Die Bürger dürsten nach einer politischen Erneuerung im Lande."

Kritische Stimmen von der alten und neuen Regierungspartei

Woidke äußerte sich am Sonntag skeptisch zu einer Zusammenarbeit mit der AfD. Die Partei sei rechtspopulistisch und habe in den letzten Wochen ihr wahres Gesicht gezeigt, vor allem was Ausländerfeindlichkeit betrifft. "Ich glaube man muss abwarten, wie sich die Partei im Landtag aufstellt und welche Themen sie benennt. Aber: Populistische Parteien haben Themen benannt, aber noch nie ein Problem gelöst", sagte Woidke.

Woidkes Vorgänger Mathias Platzeck sagte, die Themen der AfD dürfe man nicht ignorieren. "Sie haben Ängste aufgenommen und die müssen wir ernst nehmen."

Ergebnis, Sitzverteilung und Analysen

Ergebnisse im Detail: Wahlkreise, Landkreise und Bundesland  

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