28.000 Wahlhelfer begleiten die Landtagswahl - Stimmzettel statt Sterne

Es gibt ein "Erfrischungsgeld", Kuchen und Obst – und man kommt mit den verschiedensten Leuten ins Gespräch:  Der Job der insgesamt 28.000 Wahlhelfer in Brandenburg kann richtig Spaß machen. In Bernau zumindest sind die Helfer schon seit 15 Jahren dabei. Wo sonst Sterne begutachtet werden, geht es dann um Stimmzettel. Von Björn Haase-Wendt

Mit einem kräftigen Ruck öffnet Norbert Thorn das Dach der Sternwarte in Bernau. In einem kleinen Gebäude im Bernauer Blumenhag stehen die Teleskope, mit denen der 45-Jährige und die elf Mitglieder der Sternwarte die Himmelskörper beobachten. Jeden Montag und Freitag treffen sie sich hier zum Fachsimpeln und geben dann für Interessierte auch Vorträge.

Regelmäßig wird die Sternwarte aber zum Wahllokal - allein in diesem Jahr mit der Landtagswahl am 14. September bereits zum dritten Mal. Denn die Bernauer haben im Frühjahr per Bürgerentscheid ihren Bürgermeister abgewählt, zum anderen standen die Kommunal- und Europawahlen an. Seit 15 Jahren stellen die Vereinsmitglieder das Personal für das Wahllokal. Wahlmüde werden Norbert Thorn und seine Vereinsmitglieder aber nicht, auch wenn manche Wahlabende bis tief in die Nacht andauern. "Wir mussten sowieso unsere Räume für das Lokal aufschließen, und irgendwann haben wir gesagt, das können wir auch selbst machen und haben Spaß dabei gefunden", erzählt der Sicherheitstechniker.

"Interessant zu erfahren, wie eine Wahl abläuft"

Seitdem unterstützen die Bernauer Astronomen jede Wahl. Acht Personen sind für die Besetzung des Wahllokals nötig, meist finden sich vier bis sechs Vereinsmitglieder, die mitmachen. "Wir fragen dann noch im Freundeskreis, da werden wir immer fündig", sagt Norbert Thorn.

Die Motivation ist dabei vielfältig. Zum einen kommen die Vereinsmitglieder auf diese Weise mit ihren Nachbarn ins Gespräch und erfahren, wie das Stimmungsbild in der Stadt ist. "Und es ist ganz interessant zu erfahren, wie eine Wahl abläuft, was dazugehört und warum so ausgezählt wird, wie es wird." Auch wenn der Rahmen eng gesteckt ist, wird der Wahltag für die Mitglieder der Sternwarte immer zu einem kleinen Treffen unter Freunden. "Von der Stadt bekommen wir Obstplatten, wir bringen selbst noch Kaffee und Kuchen mit und können, wenn nichts los ist, miteinander sprechen. Langweilig wird's uns nicht!"

Besonders jüngere Bernauer haben sich gemeldet

Für die Stadt Bernau sind Wahlhelfer wie die Norbert Thorn und seine Vereinsmitglieder ein wertvolles Pfund. Denn nicht immer ist es einfach, ausreichend Ehrenamtliche zu finden. Allein zur Landtagswahl sind in Bernau 307 Männer und Frauen nötig, um alle Wahllokale besetzen zu können. "Erfreulicherweise haben wir jetzt alle zusammen", sagt Bernaus Wahlleiterin Viola Lietz. Bei den vergangenen Wahlen war das nicht immer der Fall.

Besonders zur Europa- und Kommunalwahl hatte Bernau massive Schwierigkeiten. "Wir haben durch die Bürgerentscheide in der Vergangenheit auch einen enormen Bedarf", so die Wahlleiterin. Die Stadt hatte aus diesem Grund das sogenannte Erfrischungsgeld verdoppelt - von 20 auf 40 Euro für Wahlhelfer, 45 Euro für Wahlvorsteher. Damit liegt Bernau im oberen Mittelfeld. Landesweit werden Erfrischungsgelder zwischen 15 und 60 Euro gezahlt. "Es zeigt sich, dass damit das Ehrenamt auch deutlich attraktiver geworden ist", sagt Viola Lietz. Besonders jüngere Bernauer hätten sich jetzt für das Ehrenamt gemeldet. 

Diese Entwicklung dürfte Landeswahlleiter Bruno Küpper freuen. Er hatte die jungen Brandenburger aufgerufen, sich auch als Wahlhelfer an der Landtagswahl zu beteiligen.

In welcher Stadt noch Wahlhelfer gesucht werden, erfährt man bei der zuständigen Wahlbehörde. Alle Helfer bekommen vor dem Wahltag eine Schulung zum Wahlablauf, der Auszählung und der Protokollführung.

Beitrag von Björn Haase-Wendt

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