Serie "Wahlfahrt" | Inforadio | 21.08.2014 - Zweiländer-Cops auf Einbrecherjagd

Nach der umstrittenen Polizeireform ist die Kriminalitätsrate in Brandenburg gestiegen. Vor allem im Speckgürtel rund um Berlin häufen sich die Einbrüche, die Täter werden seltener ermittelt. Kein Wunder also, dass die umstrittenen Polizeireform zum Thema für die Landtagswahl geworden ist. Von Alex Krämer

Große Grundstücke, alte Eichen, schicke Häuser mit ebenso schicken Autos davor - dass Einbrecher die ruhigen Kleinmachnower Wohnstraßen mögen, ist kein Wunder. Bei Dieter Puschmann kamen sie, während er in Urlaub war. Danach war der Tresor mit Familienschmuck weg - die Täter haben ihn aus der Schlafzimmerwand gebrochen. "Sie haben frecherweise sogar noch unsere Schubkarre genommen und sie zum Abtransport des Tresors benutzt." Es sei ein unheimliches Gefühl, dass jemand im Haus war, sagt Puschmann. "Hier oben haben wir sogar eine Überwachungskamera, die eigentlich nicht jeder sofort sieht. Die haben sie auch noch weggedreht." Jetzt macht er sich Gedanken, wer kann so etwas alles wissen kann.

Professionelle Banden im Speckgürtel

Gut 1.300 Einbrüche gab es 2009 im Speckgürtel, 2013 waren es mit 2.500 schon fast doppelt so viele. Für diese Einbrüche gibt es eine eigene Polizeieinheit - die "Gemeinsame Ermittlungsgruppe" in Potsdam, in der Berliner und Brandenburger Polizisten zusammenarbeiten. Sie hat zwei Chefs, einen aus Berlin, einen aus Brandenburg. Michael Giehl ist der Berliner Kopf der Gruppe. Seiner Ansicht nach sind hier keine Gelegenheitsdiebe am Werk. "Wir haben es überwiegend mit professionellen Banden zu tun, die eigens hier einreisen um Straftaten zu begehen." Die Banden hielten sich oft mehrere Monate hier auf und fänden nach Erkenntnissen der Ermittler überwiegend im Berliner Gebiet anonym Unterschlupf. "Dann begehen sie gezielt Einbrüche in Berlin und im Speckgürtel."

Verdeckte Aktionen sind gefragt

Neben guten Fenstern und Türschlössern, helfe eben auch die Polizei gegen die Einbrüche, meint Thomas Latzo, der Brandenburger Chef der Einbrecherjäger. "Wir müssen auch Präsenz zeigen - wobei der Bürger nicht unbedingt gleich wissen muss, wenn die Polizei vor Ort ist", so Latzo. Der Funkwagen zum Beispiel sei an sich noch keine Erfolgsgarantie, da diese organisierten Gruppen sich vorab sehr gut über das Gebiet informieren. "Wenn dann dort ein Funkwagen kommt, lassen sie ihn vorbeifahren und steigen anschließend in ein Haus ein." Besser seien also verdeckte Aktionen, bei denen man den Polizisten nicht als Polizisten erkennt.

Aber auch für verdecktes Ermitteln braucht es Polizisten. Die aber gebe es nicht mehr in ausreichendem Maß, heißt es von der Gewerkschaft der Polizei. Deren Landeschef Andreas Schuster sieht den Ausgangspunkt für die jetzige Situation im Speckgürtel in einem drastischen Stellenabbau bei der Polizei. "Der schränkt uns jetzt in der Bekämpfung ein."

Innere Sicherheit - Das wollen die Parteien

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Beitrag von Alex Krämer

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