Landesschülersprecherin über Wählen ab 16 - Endlich mitbestimmen! Oder?

Jugendliche im Park (Bild: imago)

Wenige Tage noch - dann dürfen auch schon 16-jährige Jugendliche erstmals an der Landtagswahl in Brandenburg teilnehmen. Doch sich für eine bestimmte Partei zu entscheiden, fällt vielen Jungwählern schwer, sagt Brandenburgs Landesschülersprecherin Josefin Bär.

rbb: Hat es sich herumgesprochen, dass man in Brandenburg schon mit 16 Jahren wählen kann?

Josefin Bär: Es git zwei große Kampagnen. 'Mach's ab 16', die maßgeblich vom Landesjugendring geführt wird, da sind viele Jugendclubs dabei und bereiten die Jugendliche außerhalb der Schule vor. Das ist schön, weil es nicht in so ein beklemmendes Gefühl gibt: 'Ich muss mich jetzt anstrengen und darf nichts falsches sagen'.  Man kann wirklich die Fragen stellen, die man stellen will.

Auch mit der 'Wahlwecker'-Kampagne, bei der  junge Menschen 16 Tage lang durch Brandenburg touren und in Schulen und auf Stadtfesten mit Jugendlichen ins Gespräch kommen, haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht.

Wie begeistert sind die Ü16-Brandenburger?

Unterschiedlich. Viele Gymnasiasten freuen sich total, endlich mitbestimmen zu dürfen, weil sie ein hohes politisches Interesse haben.  Aber viele Jugendliche an Oberschulen, Gesamtschulen und Oberstufenzentren  kommen nicht so gut damit klar, zu sagen:  'Das wähle ich am Sonntag, die Partei ist es für mich', weil sie sagen: 'Von jedem gibt es etwas, das mich begeistert, ich weiß nicht, worauf ich mich festlegen soll.'

Wie ernst genommen fühlen sich 16- bis 18-Jährige von den Spitzenkandidaten?

Wählen ab 16 ist ja eine ganz neue Sache - viele Politiker probieren, sich darauf einzustellen. Aber jeder hat sein Ressort. Wenn man zum Beispiel Wirtschaftspolitiker ist, dann stehen die Jugendlichen nicht so im Vordergrund… was wir uns wünschen würden, zum Beispiel beim Thema Arbeitskräftemangel, das uns ja definitiv betrifft.

"Sonntags auch immer hundemüde?"

Gibt es ein zentrales Thema?

Bildungspolitik definitiv - und Umweltschutz. Dazu bildet sich jeder Schüler, jede Schülerin eine eigene Meinung.

Die Wahlbeteiligung bei Jungwählern ist oft gering. Woran liegt das?

Zu einen denke ich, dass ein großer Einfluss vom Elternhaus ausgeht. Wenn Eltern schon nicht wählen gehen,  dann ist das normale politische Interesse bei den Kindern eher niedrig. Zum anderen denke ich, dass dieser Satz 'Wir sind eh egal, und man kann eh nichts erreichen, weil alles gleich bleibt, egal, was ist' ein entscheidender und oft gehörter Satz ist.

Und nicht der Satz "Wir werden das jetzt ändern"…

Ich hoffe, dass dieser Satz nach der Wahl in der nächsten Legislatur öfter zu hören sein wird.

Das Interview führte Martin Krebbers.

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