Symbolbild: Ein Labortechniker führt einen Dogentest zum <<drug checking>> vor. (Quelle: imago images/B. Friedel)
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Audio: Inforadio | 22.10.2019 | Bild: imago images/B. Friedel

Berlin auf Droge | Psychiater Betzler zu Drug-Checking - "Aus medizinischer Sicht auf jeden Fall sinnvoll"

Berliner Clubgänger sollen ab nächstem Jahr ihre Drogen vor dem Feiern überprüfen lassen können. Felix Betzler forscht an der Charité zu Partydrogen und sagt ganz klar: Drug-Checking ist ein sehr guter Weg, um die Konsumenten zu erreichen.

Das deutschlandweit erste Modellprojekt für Drug-Checking soll in Berlin 2020 starten. Felix Betzler leitet an der Berliner Charité die Spezialsprechstunde und wissenschaftliche Arbeitsgruppe für Partydrogen. Er hat unter Berliner Clubgängern unter anderem eine Umfrage dazu gemacht, ob sie Drug-Checking überhaupt nutzen würden.

rbb: Herr Betzler, was halten Sie davon, dass Konsumenten Ihre Drogen vor dem Trip auf Reinheit und Substanzgehalt überprüfen lassen können? Ist das sinnvoll?

Felix Betzler: Aus medizinischer Sicht auf jeden Fall, weil wir davon ausgehen, dass die Substanzen ohnehin genommen werden, ob sie legal sind oder nicht. Das wissen wir aus der Vergangenheit. Wenn wir davon ausgehen, dann wollen wir auf jeden Fall, dass dieser Konsum mit größtmöglichen Informationen auf Seiten des Konsumenten stattfindet.

Wie darf ich mir diesen Drogen-Check in der Praxis vorstellen? Steht da jemand an der Tür des Clubs, den ich besuchen möchte?

Also im Moment ist es so, dass geplant ist, ein stationäres Drug-Checking anzubieten. Das bedeutet, man muss vorher seine Substanz in einer Beratungsstelle abgeben, also einen Teil der Substanz, und das wird dann zu einem Labor weitergeschickt und analysiert und drei, vier Tage später liegen die Ergebnisse vor. Dann geht man also wieder in die Beratungsstelle und bekommt die Testergebnisse.

Wenn ich Freitagabend in den Club gehen möchte, dann muss ich am Dienstag schon dahin, um das abzugeben, was ich mir möglicherweise am Freitag nehmen will. Es ist das nicht viel zu aufwendig?

Würde man denken, aber es ist tatsächlich so, dass die Studie, die wir durchgeführt haben, ergeben hat, dass die überwiegende Mehrzahl tatsächlich schon vorher ihre Substanzen bezieht und nicht erst im Club oder auf der Party. Das war auch für uns überraschend. Das Besondere an der Ergebnismitteilung des Drug-Checkings ist, dass zusätzlich ein Informationsgespräch stattfindet. Das ist verpflichtend. Ich erfahre also nicht nur, was in der Substanz drin ist, sondern werde auch darüber aufgeklärt, welches die Risiken der Substanz sind und des Substanzkonsums im Allgemeinen.

Das Ganze ist also nicht in dem Sinn anonym, dass ich irgendwo eine Droge abgebe, die wird untersucht und wird dann wieder zurückgeschickt. Da findet dann schon auch Kommunikation statt.

Ganz genau. Mit einem der Sozialarbeiter. Das ist sehr sinnvoll, aus meiner Sicht, weil wir dann eben nicht nur den Drogen-Check als Dienstleistung anbieten, sondern eben auch Prävention auf einer weiteren Ebene machen können. Wir können dafür sorgen, dass Informationen dort ankommen, wo sie ankommen sollen, nämlich beim Konsumenten. Und Studien haben auch gezeigt, dass diejenigen, die Drug-Checking wahrnehmen, auch diejenigen sind, die häufig konsumieren. Das ist unsere Zielgruppe.

Und da macht sich niemand strafbar? Wir reden ja über illegale Drogen und deren Konsum.

Das war das Problem, weswegen es auch so lange gedauert hat, dass in Berlin der Vorstoß gemacht wurde. Es gab da immer diese rechtlichen Hürden, dass es letztendlich um illegale Substanzen geht. Aber da ist jetzt eine Absprache im Gange, dass das straffrei erfolgen kann.

Kritiker sagen, durch diese Drogenchecks werden gerade junge Menschen zum Konsum animiert, weil der Stoff ja vorher untersucht wurde. Was antworten Sie?

Da muss man auf die Daten schauen. Es gibt ja tatsächlich schon Untersuchungen zu dem Thema aus der Schweiz. Da gibt es Drug-Checking schon seit Langem und anhand der Studien sieht man eben, dass es nach der Einführung des Drug-Checkings in der untersuchten Kohorte keinen Zuwachs gab, also weder in der Frequenz noch in der Anzahl der Drogen. Andere Studien haben sogar eine Abnahme von Substanzkonsum gefunden. Ich glaube, dass das eben genau an diesem Informationsgespräch liegt, dass man da mit den Konsumenten reflektieren kann, was es eigentlich für Risiken gibt beim Drogenkonsum.

Mit Felix Betzler sprach Martin Heiner für Inforadio. Dieser Beitrag ist eine gekürzte und redigierte Fassung. Das vollständige Interview können Sie mit Klick auf das Audiosymbol im Aufmacherbild nachhören.

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6 Kommentare

  1. 6.

    Na den Rock’n Roll ohne Drugs nimmt Ihnen hier keiner ab. Alkohol ist nun mal die Droge Nr.1 Im übrigen kenne ich kaum einen Kiffer, dem nicht auch schon mal schlecht wurde. Aber wenn Sie es schon nach einem Joint bereuen getan zu haben, auch gut.

  2. 5.

    Drogenaufklärung ist eine sinnvolle Unternehmung. Daran könnten sich einige Psychiaterkollegen, die ganz im Gegenteil ihre eigenen Drogen verabreichen, ein Beispiel nehmen.

  3. 4.

    Im Einführungstext heißt es: "Das deutschlandweit erste Modellprojekt für Drug-Checking soll in Berlin 2020 starten." Das erste Modellprojekt für Drug-Checking startete in Berlin schon im Februar 1995. Alle Einzelheiten hierzu sind unter der Folgenden URL zu finden: https://www.eve-rave.net/download.sp?file=dc111.pdf

  4. 3.

    Keine Ahnung was die Konsumenten dazu sagen. Ich habe meinen ersten und letzten Joint in der Deutschlandhalle geraucht. "Supertramp" - muss so 78 / 79 gewesen sein. Man war mir mir schlecht. Nie wieder!
    No Drugs und Rock'n Roll macht echt mehr Spass.

  5. 2.

    Kann man ja mal nächstes Jahr mit einer Tube Uhu mal überprüfen lassen, ob man das gefahrlos schnüffeln kann. Ob der Uhu echt geiler shit ist oder einfach nur shit...

    kann man eigentlich auch die Hauptstadt von Deutschland neu wählen?
    Berlin wird langsam nur noch peinlich für Deutschland!

  6. 1.

    Habe da jetzt (leider?) überhaupt keine Erfahrung. Was sagen denn die Konsumenten dazu?

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