Rentnergruppe im Landtag (Quelle: rbb, Foto: Tina Rohowski)

Besucherandrang am Landtag Brandenburg - "Da fahren wir eben mal nach Potsdam"

Zum allerletzen Mal vor der Wahl kommen die Abgeordneten des brandenburgischen Landtags am Freitag zusammen: Ab Montag ist Sommerpause – und Vorwahlkampf. Doch auch ohne Politiker wird das neue Parlamentsgebäude im Sommer nicht leerstehen. Denn dort haben sowieso schon ganz andere Leute die Macht auf den Fluren übernommen. Von Alex Krämer

Sie sind viele. Sie sind im Schnitt über 70 Jahre alt. Sie tragen oft beige Jacken. Und sie sind überall – auf den Treppen, in den Fahrstühlen, vor dem Kaffee-Stand, im Foyer – die Besucher, die den Landtag stürmen.

"Am Anfang war der Andrang schon sehr groß, aber ich habe das Gefühl, es wird immer mehr", sagt Heike Heiske. Ihr hat das sogar einen neuen Job verschafft: Seit Mai arbeitet sie am eigens eingerichteten Infotresen, der ersten Anlaufstelle für die vielen Fragen: "'Ist das ein Schloss?' Und dann sag ich immer: 'Nein, das ist kein Schloss. Es ist wirklich ein Parlament.' Und dann kommen die ersten Fragen: 'Was kann man sich anschauen? Wohin kann man? Wie viele Abgeordnete sitzen hier? Wie viele Parteien arbeiten überhaupt hier?' Also sie sind schon sehr interessiert."

"Wir haben alle Zeit"

Von ihrem Info-Tresen aus kann Heiske gut beobachten, wie sich das Foyer mit immer neuen Besuchern füllt. Jeder, der will, darf rein. Viele kommen auch auf Einladung der Abgeordneten. So wie die Gruppe aus dem Havelland, die auf ihre Führung wartet.

Ursula Vollbracht, eine ältere Dame aus Priort, ist sogar schon zum zweiten Mal hier: "Wir kommen zur Abwechslung, wir haben alle Zeit, wir sind alles alte Leute. Wir interessieren uns politisch. Und da fahren wir eben mal nach Potsdam und gucken uns den Reichstag an und hören uns einen Teil der Plenarsitzung an."

Das Hoheitszeichen des neuen Brandenburger Landtages, ein weißer Adler (Bild: dpa)
Umstrittener Vogel: Der weiße Adler | Bild: dpa

Das Schloss macht neugierig

Politisches Interesse alleine ist es aber nicht. Für den alten, schäbigen Landtag auf dem Brauhausberg interessierte sich nämlich kaum jemand. Seit das Parlament aber im neuen Haus sitzt, ist das völlig anders, sagt Manfred Richter, SPD-Abgeordneter aus Rheinsberg.

"Sie wollen dann natürlich auch das Schloss sehen. Den Streit mit dem Adler kannten alle und haben deswegen auch nach dem weißen Adler da oben geguckt. Also ich glaube das Interesse ist sehr groß. Ich hab mich eigentlich darüber gewundert, denn es ist hier ja ein Verwaltungsbau. Aber ein guter."

Manche sind auch genervt

Landtagssprecherin Katrin Rautenberg wurde sogar schon mal gefragt, wo denn hier der Souvenirshop sei. Sie hat auch beobachtet, dass der Andrang manchen ein bisschen viel wird. Vor allem denen, die eilig in eine Sitzung müssen. "Man sieht schon manchmal die Augen rollen oder auch Leute genervt aus dem Fahrstuhl wieder herausspringen, weil sie sich inmitten von vielen Besuchergruppen wiederfinden und in jeder Etage angehalten wird. Also es ist schon im Tagesgeschehen manchmal etwas schwierig.

Zwei Euro für das Kaffeekränzchen

Aber das offene Haus war so gewollt. Und manche Bürger scheinen sich wie zu Hause zu fühlen. Anna Mikulcova, Fraktionsgeschäftsführerin der Grünen, stieß in der Teeküche einmal auf ein Sechsergrüppchen, das sich gerade ganz selbstverständlich an der Kaffeemaschine bediente.

"Eine hat gedrückt, eine hat abgewaschen, die anderen haben gesessen und schon getrunken." Auf ihren Hinweis hin, dass die Fraktionsmitarbeiter den Kaffee privat bezahlen, gab's dann eine Zwei-Euro-Spende.

An schönen Tagen kommen zurzeit etwa 1000 Besucher täglich in den Landtag. Ab Montag haben sie dann dort den ganzen Sommer über so richtig Platz.

Beitrag von Alex Krämer

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