Karl-Heinz Schröter wird Innenminister - Woidkes Mann fürs Grobe

Karl-Heinz Schröter hat Erfahrung mit Gegenwind. Der dienstälteste Landrat Brandenburgs ist bei Freund und Feind als Hardliner verschrien, besonders in der Flüchtlingspolitik. Dietmar Woidke holt sich mit dem 60-jährigen SPD-Mann aber auch einen erfolgreichen Leitwolf ins Regierungsteam. Mit ihm soll die Kreisreform gelingen. Von Tina Friedrich

Ein Wort fällt am häufigsten im Zusammenhang mit Karl-Heinz Schröter: durchsetzungsstark. Dass das nicht immer als Kompliment gemeint ist, wird klar, wenn Beobachter länger über den Landrat von Oberhavel sprechen. Er ist ein Hardliner in sozialen Fragen, ein erfahrener Kommunalpolitiker, einer den es nicht stört, auch mal anzuecken.

Seit 20 Jahren hält er den Brandenburger Landkreistag zusammen - auch mal gegen die Position der Parteifreunde. Freunde habe er allerdings eher wenige in Potsdam, ließ er verlauten, als er 2006 kurz als Landesparteivorsitzender gehandelt wurde. Und auch in seinem Heimatlandkreis findet er nicht nur Zustimmung. "Schröter ist ein innenpolitischer Sarrazin", wettert etwa der Linken-Delegierte Peter Liegner aus Oberhavel.

Harte Linie in der Flüchtlingspolitik

Das liegt vor allem an der rigorosen Flüchtlingspolitik, die Schröter vertritt. Sein Landkreis ist einer von zweien in Brandenburg, in denen Flüchtlinge weiter auch Gutscheine statt ausschließlich Bargeld für ihre Versorgung bekommen. Diese Praxis ist umstritten, schränkt sie doch den Bewegungsspielraum der Flüchtlinge weiter ein als die Residenzpflicht.

Linkenchef Görke beruhigt: Der Bundesrat wird das Gutscheinsystem abschaffen. "Außerdem beschreibt unser Koalitionsvertrag in richtigen und wichtigen Passagen die Willkommenskultur in unserem Land. Daran muss sich auch ein Innenminister halten." Der neue Innenminister selbst fand es in einem Interview noch fatal, seine Flüchtlingspolitik aus dem Zeitgeist heraus zu verändern.

Kommunalexperte für die Kreisreform

Doch Ministerpräsident Dietmar Woidke hatte wohl anderes im Blick, als er den Landrat ins Regierungsamt bestellte: Schröter kann vor allem kommunale Verwaltung. Seit zwei Jahrzehnten hat er sich darin profiliert – auch mal mit harter Hand gegen die Interessen seiner Kollegen.  Das kann der alte neue Ministerpräsident gut brauchen, wenn er seine Kreisreform durchsetzen will.

Gleichzeitig schaltet er einen Kritiker stumm: Schröter hatte noch im vergangenen Dezember gedroht, gegen eine Fusion seines Landkreises mit dem benachbarten Ostprignitz-Ruppin zu klagen, sollte er dazu gezwungen werden. Nun ist er dem Koalitionsvertrag verpflichtet und wird die ungeliebte Reform vorantreiben müssen.

"Wir werden ihn kritisch begleiten"

Seine berühmt-berüchtigte Durchsetzungskraft könnte ihm dabei nützen, sagt auch Andreas Schuster von der Brandenburger Polizeigewerkschaft GDP. Er sieht die Kompetenz seines künftigen Chefs vor allem im Regionalen. "Wir bekommen eher einen Kommunalminister als einen Innenminister", sagt er, auch mit Blick auf die anstehende Polizeireform.

Woidke streut dem Neuen Rosen: Er sei ein erfolgreicher Landrat mit guten Kenntnissen über Polizei und Katastrophenschutz. Davon habe er bisher allerdings noch nicht besonders viel mitbekommen, sagt der Polizeigewerkschafter Schuster rbb-online. Aber er wolle Schröter unvoreingenommen begegnen und ihn "sachlich unterstützen und kritisch begleiten".

Privater Marathonläufer

Schröter wird wohl ein eher unbequemer Innenminister werden. Er ist es gewohnt, seine Positionen gegen Widerstand durchzusetzen, und er ist es gewohnt, zu führen. Zuviel direkten Einfluss, etwa durch eine Direktwahl der Landräte, lehnt er ab. Auch Sigmar Gabriel soll er am Telefon bereits abgewürgt haben. Seinen Landkreis zwingt er zu sparen: Und Oberhavel steht wirtschaftlich sehr gut da. Ins Profil passt auch die liebste Freizeitbeschäftigung des 60-jährigen: Er läuft Marathon. Bei einem Benefizlauf für eine Schule in Gambia hat er die meisten Runden geschafft - und damit die höchste Spendensumme generiert.

Mit Informationen von Torsten Sydow

Beitrag von Tina Friedrich

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