Vertrocknete Maispflanzen auf sind auf einem Feld bei Welzow in der Lausitz zu sehen. (Quelle: dpa/Franke)
Audio: Antenne Brandenburg | 09.04.2019 | Susanne Hakenjos | Bild: picture alliance

Klimastrategien für die Landwirtschaft - "Diese Einförmigkeit ist nicht nachhaltig"

Hitze, Dürre, extreme Regenfälle: Angesichts des Klimawandels benötigt Brandenburgs Landwirtschaft neue Strategien, fordern Agrarforscher. Mehr Vielfalt, Bodenschutz und eine Entscheidung für nachhaltige Landwirtschaft sei notwendig. Von Susanne Hakenjos

Zunehmende Wetter-Extreme lassen sich besser abpuffern durch mehr Vielfalt auf den Acker, sagt Eckhard George. George ist wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) in Großbeeren, das Grundlagenforschung in der Agrarwissenschaft betreibt. Das bedeute aber: weg von den in Brandenburg üblichen riesigen Monokulturen, hin zu mehr Abwechslung auf den Feldern. "Diese Einförmigkeit ist nicht nachhaltig, nicht stabil. Wir müssen dazu kommen, dass Systeme wieder diverser sind, unterschiedlicher."

Wer mehrere verschiedene Arten mit unterschiedlichen Ansprüchen anbaut, verteilt das Risiko witterungsbedingter Ertragseinbußen. So sollten auf einem Acker bereits räumlich gesehen mehr verschiedene Fruchtarten angebaut werden, dazu auch in zeitlicher Abfolge in Form von Fruchtwechseln: "So, wie es auch früher war". Allerdings könnten heute im modernen Pflanzenbau neuste Steuerungs- und Überwachungstechnologien die Landwirte bei der gezielten Bewirtschaftung erfolgreich unterstützen.

Wärmere Temperaturen – Umstieg auf völlig neue Kulturen?

Wärmere Durchschnittstemperaturen vereinfachten nicht automatisch den Umstieg auf völlig neue Kulturen. Dass statt Winterroggen bald großflächig Weinstöcke hohe Erträge liefern sollen, Bauern Olivenhaine oder gar Zitronenplantagen in der Mark anlegen, sei angesichts dennoch möglicher kalter Ausnahmewinter und steigender Gefahr für Spätfröste unwahrscheinlich, betont der Forscher. Sinnvoll wäre dagegen ein Umstieg auf neue Kulturen wie Soja. Solche Sortimentsumstellungen im Anbau hängen aber ab von ökonomischen Faktoren wie Importbedingungen, benötigen also politische Entscheidungen: "Wenn man Anbau von Leguminosen wie von Soja in Brandenburg haben will, klappt das nur, wenn man den Weltmarkt abschließt."

Dass womöglich dem Brandenburger Spargel-Anbau bald das Aus droht, sieht der Experte nicht: "Der Spargel als mehrjährige Kultur kann Unregelmäßigkeiten eigentlich ganz gut ausgleichen."

Nachhaltiges Wassermanagement, bessere Bodenpflege

Was sind nun sinnvolle Strategien gegen Wasserknappheit, Dürren aber auch plötzlichem Starkregen mit ungewöhnlichen Wassermassen? Die Agrarexpertinnen und -experten nennen hier nachhaltigere Bewässerungssysteme wie eine Vielzahl kleinräumig regional verteilter Rückhaltebecken. Selbst wenn der Klimawandel begrenzt wird, gibt es für die Landwirtschaft der Mark Anpassungsbedarf. Darüber waren sich zuletzt nach einem Fachgespräch im Brandenburger Agrarministerium die Experten einig.

Für George, zu dessen Forschungsschwerpunkten auch der Effekt von Düngemitteln und anderen Wachstumsbedingungen auf die Pflanzenqualität zählt, gehört dazu vor allem eine bessere Boden-Pflege, die natürliche Voraussetzungen, die "Tricks der Natur", ausnutzt. So schütze zum Beispiel ein gesunder Boden mit vielen Mikroorganismen eine Pflanze besser gegen Wassermangel und helfe Trockenperioden besser zu überstehen. Wichtig sei auch hier die Vielfalt: "Wir brauchen Systeme, wo im Boden ganz viele verschiedene Insekten, Bakterien und Pilze leben, die sich gegenseitig ergänzen und den Pflanzen helfen. Wir wissen, dass es gute Mikroorganismen im Boden gibt, die der Pflanze helfen, vernünftig mit Wasser umzugehen. Wir weisen immer darauf hin, dass der Boden ein lebendiger Boden sein muss. Ein gesunder Boden hat eine viel höhere Speicherkapazität für Wasser."

Der Lausitz könnte in Zukunft eine Schlüssel-Rolle zukommen: Hier könnte in einer riesigen Modellregion nachhaltige Landwirtschaft der Zukunft erprobt werden, sagt Eckhard George. Das IGZ wolle dort in den kommenden Jahren und Jahrzehnten klimafreundliche Landnutzungssysteme auf den ehemaligen Braunkohletagebauen modellhaft erproben. Damit könnte Brandenburg in Zeiten des Klimawandels wegweisend werden: "Die Lausitz wäre dann ein Vorbild für viele andere Regionen der Welt, wo aus bestimmten Gründen der Boden gestört ist." 

Politische und gesellschaftliche Entscheidungen sind gefordert

Wichtig für die Zukunft sei der Umgang mit dem gesamten System Landwirtschaft, bilanziert der Agrarforscher: "Wir wollen einerseits erreichen, dass die Böden gesund sind und die Pflanzen gesund sind, die da wachsen. Und da geht es natürlich auch ums Geld: Wie finanzieren wir, wie kann die Öffentlichkeit bezahlen, dass wir Bewirtschaftungssysteme bekommen, die sich für die Leute, die das machen, lohnen? Und die gleichzeitig gesunde Nahrungsmittel erzeugen und den Klimawandel eher bremsen, als ihn noch zu befördern."

Denn bis jetzt so George, verdienten die Landwirtinnen und Landwirte zwar an dem, was sie angebaut haben und verkaufen - aber nicht an der Bodenpflege. "Diese Diskussion müssen wir aber führen in Brandenburg, in Deutschland, weltweit: Können wir die Leute, die auf dem Land leben und mit dem Boden arbeiten, dafür entlohnen, dass sie den Boden gut behandeln, dass der Boden zum Beispiel Kohlenstoff speichert, dass wieder mehr auf Humus geachtet wird. Die gesellschaftliche Diskussion ist: Wollen wir das bezahlen? Kurz die vieldiskutierte CO2-Steuer ist da gleich um die Ecke", so das Fazit Eckhard Georges.

 

Beitrag von Susanne Hakenjos

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9 Kommentare

  1. 8.

    Na, Sie haben sicherlich Alles richtig gemacht als Jugendlicher stimmts ? Ich persönlich erkenne Ihre Aussage nicht an, habe auch Kinder und empfinde Ihre Ansicht als egoistisch und verbittert. Jammern hilft nichts, aber wenn Sie dem verfallen möchten, dann nur zu. Das wird sie am Ende auch nicht zufriedener machen richtig ?

  2. 7.

    Kann ich nachvollziehen. Als ich 26 war, da hatte ich schon die ersten zehn Jahre einzahlen in die Rentenkasse weg verbunden mit dem Versprechen, wenn Du mal nicht mehr so richtig kannst, bekommst Du eine ordentliche Rente.

  3. 6.

    Wäre nur noch zu klären, wer in Brandenburg politisch dafür verantwortlich ist, dass es soviel Monokultur gibt. Das sah vor 30 Jahren noch ganz anders aus. Da gab es noch Feldraine wo alles mögliche wuchs. Da gab es an den Alleen noch Obstbäume. Wer wollte konnte doch dort einfach pflücken.

  4. 5.

    Ich will gar nicht nachhaltig sein, die Jugend verdient es nicht, sie lässt mich 51 Jahre arbeiten (16-67) und keimt ab.

  5. 4.

    Fakt ist, dass man überhaupt bei vielen Pflanzen keine Erde mehr braucht, Salat (z.B. für Burger) wird in den USA schon lange in der Wassermatrix mit Zusatz von Nährstoffen hergestellt bzw. "angebaut". Vorteil: sauber!

  6. 3.

    ... und die Restgesundheit der Menschen auch!

  7. 2.

    Mit der neuen Form der 3 Felderwirtschaft ( Mais,Raps,Getreide)werden wir nicht weiterkommen.
    Irgendwann sind die Böden,die Natur & die Artenvielfalt zerstört.

  8. 1.

    Die meisten konventionellen Bauern denken halt wirtschaftlich: geringer einfachster Arbeitsaufwand - größtmöglicher Gewinn = purer Kapitalismus, ohne Rücksicht auf Tiere und Umwelt.

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