BER-Baustellenschild (Quelle: dpa/Bernd Settnik)
Audio: Antenne Brandenburg | 14.12.2017 | Torsten Sydow | Bild: dpa/Bernd Settnik

Harsche Kritik im Brandenburger Landtag - "Amerika ist früher wieder auf dem Mond als wir auf dem BER"

Im Landtag in Potsdam ist die Geduld mit dem BER aufgebraucht: Mehrere Oppositionspolitiker äußern mit deutlichen Worten ihr Misstrauen - mit Forderungen vom Teilabriss bis zu einer neuen Geschäftsführung. Nur der Aufsichtsratschef ist zuversichtlich.

Die Opposition im Brandenburger Landtag glaubt nicht mehr an eine Zukunft für die Flughafenbauten des BER in ihrer jetzigen Form.

Für die Grünen gibt es keinen Grund mehr, der Flughafen-Geschäftsführung zu vertrauen, sagte Fraktionschef Axel Vogel im Landtag. Er verlangte, dass die Regierung eingestehe, dass das Großprojekt in seiner jetzigen Form gescheitert sei.

Vogel forderte konkret einen Baustopp am BER-Hauptterminal, um keine weiteren unnötigen Kosten zu verursachen. Und er ging noch weiter: Es brauche jetzt eine "tabulose Prüfung von Entkernung" dieses Terminals. Im Extremfall müsse das Gebäude abgerissen werden. Das komplette Bauvorhaben BER - und nicht nur einzelne Erweiterungsbauten - müssten in eine Baugesellschaft mit Baufachleuten an der Spitze ausgegliedert werden. Es müssten unabhängig vom Hauptterminal schnell und kostengünstig funktionstüchtige Abfertigungskapazitäten errichtet werden.

CDU-Politiker fordert neue Bauleitung

Mehrere Redner äußerten in der Aktuellen Stunde ihr starkes Missfallen. Der CDU-Abgeordnete Rainer Genilke kritisierte, dass noch nicht einmal alle Planungen vorlägen. Die Verkehrsanbindung sei nicht gelöst. "Ich glaube ihnen nichts mehr", sagte Genilke. Selbst wenn das Terminal eröffne, werde es Chaos geben. Er forderte eine neue Bauleitung auf der BER-Baustelle. "Die Amerikaner sind früher wieder auf dem Mond als wir auf einem fertigen Flughafen".

Der SPD-Abgeordnete Helmut Barthel forderte, ein neuer Termin müsse nun absolut verlässlich sein. Er könne sich auch vorstellen, einen privaten Investor mit ins Boot zu holen.

Bretschneider verbreitet Optimismus

Der Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft, Rainer Bretschneider, hingegen stellt sich weiter hinter das immer wieder verzögerte Großprojekt BER. Er sei der festen Überzeugung, dass das Terminal in Betrieb genommen werden könne, erklärte Bretschneider, der auch Flughafenbeauftragter Brandenburgs ist. Es müssten Fehler der Vergangenheit auf der Terminal-Baustelle ausgebügelt werden und, ja, es sei Vertrauen verloren gegangen. Der BER werde aber dennoch funktionstüchtig übergeben.

An diesem Freitag will die Flughafengesellschaft einen neuen Eröffnungstermin nennen. Aus Kreisen der Gesellschafter und des Aufsichtsrats sickerte in dieser Woche bereits durch, dass man wohl von einer Eröffnung im Herbst des Jahres 2020 ausgeht oder sogar erst im Frühjahr 2021.

Mit Informationen von Torsten Sydow, Antenne Brandenburg

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10 Kommentare

  1. 10.

    In China bauen sie so einen Micky Mouse Flughafen in 1 1/2 Jahren, doppelt so groß!

  2. 9.

    Ich würde für Politiker auch einen Einstellungstest einführen wie bei normalen Arbeitnehmern, damit sowas nicht noch mal passiert. Außerdem wäre der Senat dann RRG-frei.

  3. 8.

    Kann nur voll zustimmen.
    Vor allem, wenn man sich vor Augen führt, dass die Mechanismen zur Vermeidung solcher massiver Steuerverschwendung ja allgemein bekannt sind. Klare Zeitvorgaben, Strafzahlung bei Verzug, Boni nur bei Erfüllung, Sonderkündigungrecht des Auftraggebers bei Nichterfüllung der vorgegebenen Zeiten und Leistungen, kurze Intervalle bei den Zwischenabnahmen, und, und, und. ..Aber scheinbar ignoriert man dies gerne, wenn man nicht das eigene Geld ausgibt, und für die Schäden auch nicht mit seinem Privatvermögen haftet. Und ihre sogenannte politische Verantwortung, können sich die die Verantwortlichen, mit Verlaub, sonst wo hhinschreiben. Was muss das für eine fürchterliche Sanktion sein, nach Übernahme dieser schweren Last ins Netz der parlamentarischen Absicherung zu fallen, oder mit Abfindungen wegglobt zu werden, die für den Normalverdiener eine lebensarbeitsleitung darstellen.

  4. 7.

    Wozu wurde überhaupt über Tegel abgestimmt? Ich bin dafür, den BER im Jahr 3000 den Amis oder Russen für ihre erste Jupitermission zur Verfügung zu stellen. Im Moment gibt es ja noch Magdeburg Cochstedt ais Zwischenlösung.

  5. 6.

    Typisch für die BR DEUTSCHLAND Menschen Verantwortung zu übertragen, die von dem was sie verantworten sollen keine Ahnung haben, um dann auch keine Verantwortung zu übernehmen. Auch typisch für dieses Land, immer sind andere Schuld.

  6. 5.

    Das sehe ich auch so !
    Aber wisst ihr denn eigentlich was "ihr" da überhaupt gemacht habt statt euch einen vernünftigen Generalauftragnehmer zu nehmen alles selber machen gewollt zu haben ?
    Hoch-Tief kann doch sowas,das wäre glatt gelaufen und ihr hättet einen Ansprechpartner gehabt und alles andere wäre dessen Sache gewesen.
    Ihr habt ungefähr dasselbe gemacht wie wenn der Bäckermeister zum Gesellen sagen würde wenn du in der neuen Bäckerei weiter arbeiten willst musst du sie bauen.
    Logo,dass der spätere Flughafenbetreiber als Bauträger Freiwild im Dschungel der vielen Sub-,Sub-,Sub-,Sub-Unternehmen ist
    und
    es ist die Frage ob bei der voneinander unabhängige Friemelei der vielen beteiligten Firmen,also das wo am Ende der Schlange wirkliche Arbeiter und Monteure stehen
    überhaupt noch was zu retten ist.
    Also,
    wenn der Staat mal wieder was bauen will dann vorher das Volk fragen !
    Auf das Volk kann sich der Staat immer verlassen.
    Wenn`s man umgekehrt genau so wäre !

  7. 3.

    Selbst, wenn der Flughafen eröffnet... Ob er funktionieren wird, ist eine ganz andere Frage. Wenn man sich mal die Pannen im Betrieb des Sprinters zwischen München und Berlin ansieht, wie viel komplexer ist da dieser Flughafen... Ich hätte echt Hemmungen, von dort einen Flug anzutreten, bevor nicht alles reibungslos funktioniert.

  8. 2.

    Könnte man dieses Bauprojekt nicht einem ausländischen Unternehmen übergeben? Irgendann soll der Flughafen der "Hauptstadt" ja mal eröffnet werden. Wenn der Bauauftrag beim jetzigen Bauträer verbleibt, wird die Eröffnungsfeier wohl erst dann stattfinden, wenn Berlin nicht mehr die Hauptstadt von Absurdistan ist.

  9. 1.

    Die Lachnummer schlecht hin.
    Die Aufregung der Politik? Schauspieler geben besseres her.
    Egal welches Thema der letzten Jahre auf der Agenda stand oder steht. Es wird verarscht das sich die Balken biegen. Alle lachen, nur wir sollten wohl weinen.
    Aber so ist das in Deutschland, selbst gewähltes Elend.

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