Der Terminal des Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER). Foto: Patrick Pleul/ZB
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Ausschuss zu BER-Finanzen - Wer rechnet wie beim neuen Flughafen?

Droht dem Flughafen BER nach der Inbetriebnahme ein Finanzdesaster? Eine Studie legt das nahe. Deren Verfasser werden am Donnerstag im Abgeordnetenhaus gehört. Das könnte spannend werden - denn die Flughafengesellschaft hat ganz andere Zahlen vorgelegt. Von René Althammer, rbb24 Recherche

Es könnte heiß hergehen am Donnerstag, wenn sich die 13 Mitglieder des "Unterausschusses Beteiligungsmanagement und -controlling" des Berliner Abgeordnetenhauses treffen. Der Unterausschuss mit dem wenig verheißungsvollen Namen hat eine große Bedeutung für die Berliner Steuerzahler, denn seine Mitglieder kümmern sich um die "großen Beteiligungen" des Landes Berlin: die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften und 15 weitere Unternehmen, darunter auch die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg GmbH (FBB). Sie kontrollieren quasi im Auftrag der Bürger die Investitionen des Landes, kümmern sich um die Situation der Unternehmen und ihre Strategien – meist in nicht-öffentlicher Sitzung, denn es geht oft um Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse.

Studie sieht Verluste, die Flughafengesellschaft nicht

Auf der Tagesordnung am Donnerstag stehen unter anderem der Businessplan der FBB, der Lärmschutz und die Verkehrsanbindung des neuen BER. Und es gibt besondere Gäste: Karl-Heinz Wolf und Harald Krehl. Wolf ist Wirtschaftsprüfer und Krehl ein anerkannter Rating-Experte. Gemeinsam mit dem Projektmanager Hans Georg Gemünden haben sie im April eine Studie vorgestellt, in der sie zu dem Ergebnis kamen, dass der FBB nach Inbetriebnahme des neuen BER ein Finanzdesaster droht. Für die Freunde der Bilanzprüfung: Die Autoren sind der Überzeugung, dass der Flughafengesellschaft wegen der bislang knapp sechs Milliarden Euro Baukosten und bislang unklarer Abschreibepraktiken eine bilanzielle Überschuldung droht - und außerdem wegen zu geringer Einnahmen ein Liquiditätsengpass. Alles ohne jeglichen Corona-Einfluss.

Die FBB hält dagegen, dass der Konzern gut aufgestellt sei und allein schon wegen der neuen Entgeltordnung am BER von einer Steigerung der Umsatzerlöse von 40 bis 50 Prozent ausgeht. Im Mai sprach Flughafenchef Lütke-Daldrup sogar von gut 70 Prozent, doch davon spricht schon lange niemand mehr - öffentlich.

Eigene Berechnungen des rbb, die bislang nicht widerlegt wurden, wecken Zweifel an den Prognosen der Flughafengesellschaft. Danach liegen die Einnahmen aus dem reinen Flugbetrieb, also dem, was die Airlines für Starts- und Landungen und alles was dazugehört, bezahlen müssen, bei höchstens 25 Prozent. Und ob die erhofften Mehrerlöse durch die Parkhäuser, neue Geschäfte und Restaurant erzielt werden können, halten viele Experten für fraglich. Am alten Schönefelder Terminal wird sich kaum etwas ändern und an den neuen Terminals kommen weiterhin hauptsächlich Low-Cost-Flieger an, deren Passagiere vor allem eins wollen: kostengünstig nach Berlin und wieder zurück – oder umgekehrt. Ausgiebiges Schlemmen und Shoppen am Flughafen gehört eher nicht zu ihrem Konsumentenprofil.

Wirtschaftsprüfer versus Flughafengesellschaft

Von Karl-Heinz Wolf und Harald Krehl wollen die Abgeordneten wissen, wie die Autoren zu ihrem Ergebnis kommen. Es wird eine interessante Befragung werden, denn zum ersten Mal sitzt ein Kritiker der FBB-Finanzplanung dem Flughafenchef und seinem Aufsichtsratsvorsitzenden gegenüber. Zur Vorbereitung hatten die Ausschussmitglieder die FBB gebeten, eine ausführliche Darstellung zur aktuellen Unternehmenssituation vorzulegen.

Dem Vernehmen nach soll diese jedoch nicht besonders hilfreich gewesen sein. Die Geschäftsführung soll sich in Bezug auf die Finanzen darauf beschränkt haben, eine Zusammenstellung aus dem Mai vorzulegen, heißt es. Die wurde allerdings bereits im Abgeordnetenhaus präsentiert.

A1-Rating nur, wenn Steuerzahler die Verluste abdecken

Dazu gehört auch ein Auszug aus einem Testat der Ratingagentur Moodys, die der FBB ein stabiles A1-Rating bescheinigt. Allerdings schränkt Moody´s gleich ein: Angesichts der hohen Verschuldung und der geringen Einnahmeerwartungen gelte das nur unter der Voraussetzung, dass die Gesellschafter das Unternehmen weiterhin stützen. Im Klartext: A1-Rating gibt es nur, wenn der Steuerzahler alle Defizite abdeckt. Ohne die Bürgschaften oder Kredite der öffentlichen Gesellschafter wird die FBB von Moody's mit B3 - quasi Ramschniveau - bewertet.

Spannend wird auch die Frage sein, wie die FBB zu ihren Einnahmeerwartungen kommt. Bislang wurde das betriebseigene Rechenwerk nicht im Detail offengelegt, obwohl die Daten und Berechnungsgrundlagen für den Flugverkehr alle öffentlich zugänglich sind.

Wurden die Bilanzen schöngerechnet?

Für die Fans der Bilanzprüfung gibt es noch interessante Fragen am Rande: Inzwischen liegen nämlich sowohl der Jahresabschluss der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH als auch der FBB- Konzernabschluss für 2019 vor. Im Konzernabschluss wird auch die Berliner Flughafengesellschaft berücksichtigt, die derzeit Tegel betreibt. Wer sich in die Zahlen vertieft, dem stellen sich schnell einige Fragen.

Ein Beispiel: Während der Konzern "Bauten" über einen Zeitraum von zehn bis 60 Jahre abschreibt, geht die FBB GmbH nur von zehn bis 50 Jahren aus. Wie sich diese Unterschiede erklären lassen, ist derzeit unklar. Ein weiteres Beispiel: Im Jahresabschluss der FBB GmbH werden Erlöse aus sogenannten "Services" von über 59 Millionen Euro ausgewiesen. Im Konzernabschluss finden sich jedoch nur gut sechs Millionen. Bilanzexperten, die rbb24 Recherche dazu befragt hat, erklären, dass die FBB hier wohl ihre Umsätze durch interne Leistungsverrechnungen mit ihren Tochtergesellschaften nicht unerheblich aufgebläht habe. Im Klartext: Einige Tochterunternehmen könnten Verluste gemacht haben, von denen die "FBB-Mutter" in ihrem Abschluss profitiert.

Wie es wirklich war, das lässt sich nur schwer nachvollziehen, denn für die "Töchter" werden keine eigenen Jahresabschlüsse veröffentlicht. Auch hier könnten die Abgeordneten nachfragen. Wer rechnet also wie und warum: Es könnte ein spannender Tag werden.

Beitrag von René Althammer

11 Kommentare

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  1. 11.

    Und was ist mir der Maskenpflicht? Auch nicht gesund und jeder tut sich das an.
    Wir können ja wieder mehr Esel züchten und per Fuß den Kontinent erkunden. ;-) Und über See ne alte Jolle, geht alles ganz prima, über Jahre.

    Fast Jeder will Urlaub auf Mallorca oder sonst wo erleben, aber wie geht das ohne Flughafen und mittlerweile ist dieser eine Jobbörse. Flughafen Frankfurt mindestens 60.000 Jobs. Wohin mit den ganzen Mitarbeitern?

    Mal über den Tellerrand hinaus denken. ;-)

  2. 10.

    Meine Lebenserfahrung: Ehrlich wâhrt am längsten. Die Geschichte hat's bewiesen!

  3. 9.

    Die Info stammt aus einer offiziellen Quelle. In der Bahn erfolgt ein Luftaustausch von 30 % im Flieger von 50 %.
    " wirksame Filter" haben nur neuere Flieger !

  4. 8.

    und Schuld ist am Ende Corona, wetten !

    also was soll es, der BER ist Berlin s Meisterstueck, nach dem Gesellenstueck Hauptbahnhof

  5. 7.

    Was bedeutet die Feststellung BER wird nicht rentabel. Was für eine aussergewöhnliche Entdeckung. Ich lach mich schlapp, diese Erkenntnis war schon vor 10 Jahren klar. Was sind das für Experten? Es gibt keine Alternative,
    oder wie schon mal erwähnt. Berlin ohne Flughafen Leipzig Hannover Rostock u Warschau sind nur ca 1 Stunde entfernt.
    Erfindet das Fahrrad nicht immer wieder neu.
    Die Steuerzahler kommen nicht vom Mond.

  6. 6.

    Na da erzählen Sie ja schöne Märchen. Klar es gibt in Flugzeugen einen HEPA Filter, wie im OP. Das wars aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Den hat mein Staubsauger übrigens auch.
    Die Luft wird im Übrigen auch nicht von oben nach unten sauber durchgeschoben, sondern die gefilterte wird mit der ungefilterten Luft durchmischt.

    Bevor Sie wieder mit "Wenn man keine Ahnung hat......" kommen. BIn Strömungstechniker.

    Und übrigens....falls Sie mir nicht glauben, essen Sie doch vor dem nächsten Flug jede Menge Bohnen oder nehmen einen Knoblauchdöner mit in die Kabine. Wenn Sie vielleicht doch Recht haben sollten wird es keine Beschwerden ihrer Mitreisenden geben.


  7. 5.

    Wenn sich die Befürchtungen und Prognosen vieler Airlines und Reiseveranstalter bestätigen und die Branche sich erst in 2023/2024 erholt, wird der BER noch ein Vermögen kosten.

  8. 4.

    "Solange unsere Volksvertreter nach wie vor massenhaft von Bonn nach Berlin fliegen bleibt alles wie gehabt."

    Die wollen ja lieber von Tegel fliegen. Deswegen ja die Bestrebungen mancher Parteien, diesen offen zu halten.

  9. 3.

    Ach, immer diese sinnfreien Allgemeinplätze. Erzählen Sie doch mal, wo "überall" gelogen wird, um Fliegerei zu fördern.

    Wo haben Sie Ihr "Wissen" her, dass in Flugzeugen die Ansteckungskraft enorm ist. Flugzeuge arbeiten mit Hepa-Filterung. So wie im OP. Auch wird die Luft nicht durch die Kabine, sondern nur von oben nach unten und umgekehrt verteilt. Wenn man keine Ahnung hat, ............................

  10. 2.

    Moin zusammen,

    Wir rechnen im täglichen Leben nach Adam Ries, zumindest haben wir alle das mal in der Schule gelernt. Das sich Neoliberale BWLer daran nicht orientieren ist bekannt.

    Mir braucht niemand etwas vom sparen zu erzählen, sonst hätte man Tegel schon seit mehreren Wochen schließen können.
    Also ist genug Geld vorhanden.

    Es wird nur auf unsere Kosten auf absolut überhöhtem Niveau gejammert, andererseits wird Geld mit vollen Händen zum Fenster rausgeschmissen.

    Hört endlich auf Euch und den Bürgern die Taschen vollzulügen!

    Mfg

  11. 1.

    Um die umweltschädliche Fliegerei zu fördern wird überall gelogen. Die Ansteckung in den Flugzeugen ist enorm. Die virenbelastete Luft wird zu 50 % umgewälzt, die Billigfliegerei weiter gefördert.

    Solange unsere Volksvertreter nach wie vor massenhaft von Bonn nach Berlin fliegen bleibt alles wie gehabt.

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