Sebastian Czaja (Quelle:dpa/Sophia Kembowski)
Audio: 18.09.2016 | Kirsten Buchmann | Bild: dpa

Porträt Sebastian Czaja (FDP) - Tegel-Fan tritt aus dem Schatten des Bruders

Er ist der Strahlemann nach der Wahl in Berlin: Sebastian Czaja hat die FDP zurück ins Abgeordnetenhaus geführt. Abzusehen war das in den letzten Jahren nicht unbedingt. Ein Porträt des Spitzenmannes der Liberalen von Kirsten Buchmann

Sein Bild prangte während des Wahlkampfes groß auf den neonbunten FDP-Plakaten in Berlin. Sebastian Czaja, 33 Jahre alt, weißes Hemd, dunkles Sakko und selbstbewusster Blick. Ein smarter Politiker, der sich gerne als Pragmatiker mit einfachen Lösungen präsentiert. Eine App
gegen das Chaos in den Bürgerämtern, ein besseres Verkehrsmanagement, ein Wohnungsbaubeschleunigungsprogramm. Vor allem aber setzt sich der stets gut gekleidete Mann (Lieblingsfarbe für Pullis ist lila) mit der kleinen Haartolle für den Flughafen Tegel ein. Er ist Mitbegründer der  Bürgerinitiative "Berlin braucht Tegel", die verhindern will, dass der alte Innenstadtflughafen nach dem Start des künftigen Hauptstadtflughafens BER geschlossen wird.

Sebastian Czaja, jubelt am 18.09.2016 bei der Wahlparty Bekanntgabe der ersten Ergebnisse. (Quelle:dpa/Jörg Carstensen)
Freude pur am Wahlabend: Das Thema Flughafen Tegel sei jetzt auf der Tagesordnung, sagt Czaja | Bild: dpa

In Berlin will der Politiker vor allem die Verwaltung umkrempeln. Schließlich könne man heute jedes Bankgeschäft online tätigen, warum also dann nicht auch die Ummeldung auf diesem Weg managen, sagt Czaja. "Wenn ich von A nach B ziehe, warum muss ich mich dann heute noch auf dem Berliner Bürgeramt ummelden? Das ist doch nicht mehr zeitgemäß." Berlin braucht also ein Update, auch die Polizei, findet der FDP-Politiker. Jeder Polizist in dieser Stadt verbringe von seinem 12-Stunden-Dienst sechs Stunden mit Bürokratie. "Da kann Digitalisierung ein Schlüssel zur Lösung des Problems sein."

Seine Rechnung: 3.000 Polizisten könne man durch eine bessere Computerausstattung der Polizei aus dem Innendienst raus und auf die Straße bringen. In der Verkehrspolitik pocht er darauf, den Flughafen Tegel auch nach dem Start des neuen Großflughafens BER in Betrieb zu halten. Von einem Plan B für Berlin spricht er gerne. Er wolle der Stadt eine Vision geben. Denn der Plan A der jetzigen Regierung habe nicht funktioniert, so Czaja.

Wechsel von der CDU zur FDP

Der in Berlin geborene und aufgewachsene Sebastian Czaja arbeitet als Projektentwickler in der Baubranche. Er war bereit bis 2011 für die Liberalen im Parlament, saß dort im Sportausschuss, außerdem war der stellvertretende FDP-Fraktionschef. Viele kennen ihn aber vor allem als den jüngeren Bruder des Gesundheits- und Sozialsenators von Berlin, Mario Czaja - bis 2005 hatten beide ein CDU-Parteibuch. Lange stand Sebastian Czaja im Schatten seines großen Bruders, der in der Flüchtlingskrise viel Kritik einstecken musste.  

Zur Person

Der 33-Jährige Sebastian Czaja ist der jüngste Spitzenkandidat, den Berlin bisher hatte. Seit einem Jahr ist er Generalsekretär der Berliner FDP. Geboren ist Czaja in Berlin-Mahlsdorf. Die meisten Berliner kennen den Nachnamen des gelernten Elektrotechnikers, der als Berater für eine Baufirma arbeitet, in anderem Zusammenhang: Sein älterer Bruder Mario ist Sozialsenator für die CDU und musste in der Flüchtlingskrise einige Kritik einstecken.

Sebastian Czaja war von 1999 bis 2005 Mitglied der CDU und 2001/02 Kreisvorsitzender der Jungen Union Marzahn-Hellersdorf. Zeitgleich war er stellvertretender Landesvorsitzender der Schüler-Union Berlin. Die CDU hat Czaja 2005 verlassen, weil er die Subventionierung der Arche-Suppenküche in Berlin-Hellersdorf streichen wollte. Die CDU war damit aber nicht so einverstanden. Also wechselte er zur FDP und stimmte mit der Linksfraktion für die Halbierung der Subventionen für die Suppenküche. Daraufhin wurde Czaja von den Lesern der "Berliner Morgenpost" zum zweitunbeliebtesten Berliner des Jahres 2005 gewählt, gleich hinter dem damaligen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn.

Beitrag von Kirsten Buchmann

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