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Quelle: imago images / epd

"Sportpfarrer" Bernhard Felmberg im Interview

"Als Fan von Hertha BSC betet man eigentlich jeden Tag und zwar seit Jahrzehnten"

Bernhard Felmberg ist Bischof und Hertha BSC-Fan. In der Kapelle des Olympiastadions verknüpft er Glaube und Fußball. Im Interview mit rbb|24 spricht er über seine Arbeit und erklärt, warum er nicht die Weihnachtsgeschichte beim Singen in der Alten Försterei lesen wollte.

Seit 2006 gibt es eine Kapelle im Berliner Olympiastadion. Das geht zurück auf die Initiative von Bernhard Felmberg. Der 57-jährige Bischof ist seit 1999 Sportbeauftragter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und hält vor Heimspielen von Hertha BSC Andachten ab.

rbb|24: Herr Doktor Felmberg, ein Gottesdienst im Stadion: Wie passt das für Sie zusammen?

Ich finde, Sport und christlicher Glaube passt ganz gut zusammen, denn auf dem Sportplatz geht es auch um Werte und in der christlichen Religion geht es eben auch darum, dass das Gewinnen nicht das gesamte Leben ist. Von daher ist es ein guter Ansatz, die Leute immer wieder zu erden und ihnen klarzumachen, dass es mehr gibt als den Sieg auf dem Platz. Trotzdem ist das Leben in vieler Weise auch ein Kampf und fast eine sportliche Auseinandersetzung. Da können das Wort Gottes und der christliche Glaube gut helfen.

Für Hertha BSC läuft es sportlich vielleicht etwas besser als in den letzten Saisons. Beten Sie in dieser Saison dennoch häufig für ihren Lieblingsverein?

Wenn man Fan von Hertha BSC ist, betet man eigentlich jeden Tag und zwar seit Jahrzehnten. Aber Scherz beiseite. Wir sind als diejenigen, die als Geistliche in der Kapelle Berliner Olympiastadion tätig sind, natürlich dicht am Verein dran und wir beten gern für Menschen, die es brauchen, denen es schlecht geht. Seien es Fans, Spieler oder Menschen aus der Administration. Von daher nehmen wir gerne auch den einen oder anderen ins Gebet, wenn wir den Eindruck haben, es könnte besser gehen.

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Was suchen die Fans vor dem Anpfiff in ihrer Kapelle?

Die wollen einen richtig guten Gottesdienst erleben. Manche kommen rein und sagen: "Das Beste an diesem Nachmittag war dein Gottesdienst." Sie suchen die Begegnungen miteinander und die Begegnung mit Gott. Das Schöne an der Kapelle im Olympiastadion ist, dass alle rein können. Da sitzt vielleicht der Spieler neben dem Präsidenten, da sitzt jemand aus der Ostkurve neben einem Fan des anderen Vereins.

Das ist der einzige Bereich, wo man mal 30 Minuten zusammenkommt, alle singen zusammen, dann geht jeder wieder in seine Ecke und sieht das Spiel. Da wir Andachten halten, wo der Glaube natürlich eine Rolle spielt, aber es auch immer einen Bezug zum Fußball gibt, ist jeder gespannt, was wir diesmal wieder predigen. Da hat sich eine richtige Gemeinde gebildet.

Waren auch schon Profis bei Ihnen in der Andacht?

In der Regel ist es so, dass maximal verletzte Spieler oder Leute aus dem Trainerteam kommen. Die aktiven Spieler müssen sich warm machen und die Andacht findet quasi parallel dazu statt. Manche kommen vorbei, weil wir in der Nähe des Spielertunnels sind. Dann grüßt man sich, freut sich, dass man sich sieht und dann geht jeder seiner Aufgabe nach.

Das klingt, als pflegen Sie einen engen Kontakt zu den Spielern?

Das ist unterschiedlich und hat unter Corona gelitten, weil wir mehr als ein Jahr lang keine Andachten machen konnten. Die Kapelle ist ein abgeschlossener Raum und hat keine Fenster, die man öffnen kann. Aber seit dieser Saison sind wir Gott sei Dank wieder voll am Ball.

Herthas Stadtrivale, der 1. FC Union, veranstaltet jedes Jahr ein Weihnachtssingen. Hand aufs Herz: Waren Sie da auch schon vor Ort?

Nein, ich war da noch nicht vor Ort. Aber ich halte das für eine tolle Idee. Allerdings war der alte Pfarrer Müller mal bei mir. Das ist schon zehn oder 15 Jahre her. Er sagte damals: "Lieber Bruder Felmberg, wollen Sie nicht die Weihnachtsgeschichte in der Alten Försterei lesen?". Ich habe ihm dann gesagt: "Wissen Sie, Bruder Müller, ich bin derartig Hertha-gelabelt, wenn ich in die Alte Försterei gehe und da die Weihnachtsgeschichte lese, das geht nicht gut, das müssen Sie machen". Und dann hat er es wirklich noch viele Jahre gemacht.

Man muss ganz ehrlich sagen, dass vom dem Weihnachtssingen in der Alten Försterei eine der größten adventlichen und weihnachtlichen Gesangsbewegungen in ganz Deutschland ausgegangen ist. Mittlerweile finden diese Aktionen in vielen Stadien statt. Ich finde das großartig, freue mich aber trotzdem, dass ich im Olympiastadion meine Kapelle habe und freue mich auch für den Kollegen, der jetzt dort in der Alten Försterei ist.

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Gibt es denn aus Ihrer Sicht grundsätzlich Gemeinsamkeiten zwischen der Botschaft der Weihnachtsgeschichte und den Werten des Fußballs?

Ob es völlige Parallelitäten gibt, das weiß ich nicht. Gott wird jedenfalls Mensch zu Weihnachten. Wir glauben, dass Jesus Christus als Gottes Sohn Heiligabend zur Welt kommt, die Welt erlöst und ihr Frieden bringt. Eine gegenteilige Geschichte gibt es höchstens im Fußball, wo man Menschen manchmal zu Fußballgöttern macht. Das finde ich immer eine schwierige Formulierung. Denn spätestens, wenn dieser Fußballgott einmal nicht das Tor getroffen hat, fällt er vom Sockel.

Fällt es denn Fußballfans leichter, an Wunder zu glauben? Als Hertha-Fan musste man ja in den letzten Saisons häufiger an Wunder glauben.

Ich glaube, Fußballfans - und vor allen Dingen christliche Fußballfans - glauben an Wunder und wissen, was das bedeutet, wie schön sich ein Wunder anfühlt und wie es schön ist, wenn der Schmerz nachlässt. Aber was Hertha-Fans in erster Linie können, ist zu leiden. Ich bin froh, wenn mal eine Phase kommt, wo jeder Hertha-Fan ins Stadion geht und einfach sagt: "Das wird heute ein tolles Spiel und den Gegner hauen wir weg".

Sowohl der Profifußball als auch die Kirche erleben derzeit eine Phase des Misstrauens und der öffentlichen Abkehr. Könnte es dafür irgendwie auch ähnliche Ursachen geben?

Ich glaube, wenn der Fußball sich um den Fußball kümmert, dann wird man auch wieder Menschen für den Fußball gewinnen. Auch in der jüngeren Generation. Dazu gehört, dass man sich um das kümmert, was auf dem Platz geschieht und dass der Fußball sich Mühe gibt in der Kommunikation mit den Fans und nicht so tut, als ob Fans etwas sind, was man nur noch zur Kenntnis nimmt, während man sein Geld mit anderen Dingen verdient. Wir haben ja gerade erlebt, dass Fußball selbst während einer Weltmeisterschaft kein Selbstläufer mehr ist.

Hier gibt es klare Hausaufgaben zu machen, und das gilt auch für die Kirche. Wenn die Kirche sich nicht um ihre Kernaufgabe kümmert, nämlich den Glauben zu verkünden und bei den Menschen zu sein, dann werden sich die Menschen von der Kirche abkehren. Deswegen ist es mir persönlich wichtig, dass ich im Stadion bin, weil im Stadion viele Menschen sind. Auch junge Männer und Frauen, die auf einmal Kirche in einem Bereich erleben, der ihnen Spaß macht. Ich glaube, da liegt enorm viel Potential und auch Hoffnung – sowohl für den Fußball als auch für die Kirche.

Was wünscht sich der Fußballfan Bernhard Felmberg zu Weihnachten?

Also ich wünsche mir erst einmal, dass Heiligabend ganz viele Menschen zu mir in die Kirche kommen und auch landauf, landab die Möglichkeit nutzen, eine Kirche zu besuchen, um dort fröhlich Gottesdienst zu feiern. Als Fußballfan hoffe ich, dass alle Spiele, die ich im neuen Jahr sehe, noch einen Tick besser sind als die, die ich bisher gesehen habe. Dazu wünsche ich meinem Verein alles Gute und Gottes Segen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Fabian Friedmann, rbb Sport.

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