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Audio: Antenne Brandenburg | 09.09.2020 | Fred Pilarski | Quelle: rbb/Fred Pilarski

Kommunen und Wirtschaftsverbände gründen Interessenvereinigung

Eine Lobby für die Ostbahn

Vertreter von Kommunen und Wirtschaftsverbänden haben in Küstrin-Kietz die Interessengemeinschaft Ostbahn symbolisch neugegründet. Früher ging es den Akteuren darum, die Strecke überhaupt zu erhalten. Heute ist deren Überlastung das Problem.

Ein Gruppenfoto. Auf der Bühne des Kulturhauses Küstrin-Kiez versammeln sich Vertreter von 12 Gemeinden an der Ostbahn, der Industrie- und Handelskammern Berlin und Ostbrandenburg, des Landkreises Märkisch-Oderland und der Euroregion Pro Europa Viadrina. Sie alle erklärten am Mittwoch, dass sie mitmachen wollen bei der Wiederbelebung der Interessengemeinschaft Ostbahn, die sich für die mehr als 150 Jahre alte Schienenverbindung einsetzt.

Heute gilt die Ostbahn als meistgenutzte deutsch-polnische Pendlerstrecke. Doch die Züge zwischen Berlin und Kostrzyn sind oft überfüllt und unpünktlich, der Stundentakt reicht nicht aus.

Gründung der Interessengemeinschaft Ostbahn | Quelle: rbb/Fred Pilarski

Verbesserungen werden wieder rückgängig gemacht

Leichte Verbesserungen, die 2019 eingeführt wurden, werden nun sogar wieder teilweise rückgängig gemacht. So fährt in der Hauptverkehrszeit nur noch jeder zweite Zug bis nach Ostkreuz, die anderen halten in Lichtenberg, sagte Thomas Dill vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg ein. Ursache seien die schwierigen technischen Bedingungen.

Die Ostbahn-Lobbyisten fordern deshalb vehement den zweigleisigen elektrifizierten Ausbau. In den letzten Bundesverkehrswegeplan hatten sie es damit nicht geschafft. Theoretisch kann es nun erst 2030 einen neuen Anlauf geben. Doch Rainer Schinkel, der Wirtschaftsbeigeordnete von Märkisch-Oderland sieht auch die Möglichkeit, noch in den laufenden Verkehrswegeplan hineinzurutschen, "wenn es Tatsachen gibt, die das rechtfertigen".

Die Ostbahn-Lobbyisten fordern deshalb vehement den zweigleisigen elektrifizierten Ausbau. In den letzten Bundesverkehrswegeplan hatten sie es damit nicht geschafft. Theoretisch kann es nun erst 2030 einen neuen Anlauf geben. Doch Rainer Schinkel, der Wirtschaftsbeigeordnete von Märkisch-Oderland sieht auch die Möglichkeit, noch in den laufenden Verkehrswegeplan hineinzurutschen, „wenn es Tatsachen gibt, die das rechtfertigen“.
Die Ostbahn-Lobbyisten fordern deshalb vehement den zweigleisigen elektrifizierten Ausbau. In den letzten Bundesverkehrswegeplan hatten sie es damit nicht geschafft. Theoretisch kann es nun erst 2030 einen neuen Anlauf geben. Doch Rainer Schinkel, der Wirtschaftsbeigeordnete von Märkisch-Oderland sieht auch die Möglichkeit, noch in den laufenden Verkehrswegeplan hineinzurutschen, „wenn es Tatsachen gibt, die das rechtfertigen“.

Tesla erhöht noch einmal den Druck

Dazu zählt nach seiner Meinung die Tesla-Ansiedlung, die den Pendlerdruck noch einmal deutlich erhöhen dürfte. Ein weiteres wichtiges Argument: Auf der polnischen Ostbahn-Seite sind Elektrifizierung und zweigleisiger Ausbau fest geplant und stehen unmittelbar bevor. Schon 2023 sollen die Bauarbeiten beginnen. Ein Vertreter der Wojewodschaft Lubuskie begründete dies auf der Konferenz u.a. mit einem schnellen Anschluss der Region an den Flughafen BER, den viele Menschen im Westen Polens nutzen wollen.

Zudem wird ab Dezember die alte Eisenbahnbrücke über die Oder abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, der zwei Gleise und Oberleitungen aufnehmen kann.

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Aufschwung-Träume im Oderbruch

Auch die kleinen Gemeinden im Oderbruch erwarten einen Entwicklungsschub von einer modernisierten Bahn. Mit einem schnelleren Takt und höheren Geschwindigkeiten erhoffen sich Gemeinden wie Letschin und Golzow auch für Pendler, Touristen und Unternehmer attraktiv zu werden. Um die Bahnhöfe könnten attraktive Zentren für Tourismusdienstleistungen, Gastronomie und anderes Gewerbe entstehen – ähnlich wie es rund um den Bahnhof Rehfelde bereits gelungen ist. Im Bahnhofs-Gebäude von Seelow-Gusow hoffen die Lokalpolitiker eine Art Ärztehaus installieren zu können, um dem Facharztmangel in der Region abzuhelfen. Berliner Mediziner mit Wochenendhäusern im Oderbruch würden dort tageweise Sprechstunden halten - wenn die Gesundheitsbürokratie mitspielt.

Allerdings hat Golzows Bürgermeister Frank Schütz wenig Lust, bis in die 2030er Jahre zu warten, um in seiner Gemeinde das Bahnhofsquartier zu entwickeln. Das sei viel zu spät, deshalb brauche man ja diese Lobbyarbeit, um früher voranzukommen.

Eine Botschaft, die auch Staatssekretär Rainer Genilke vom Brandenburgischen Infrastrukturministerium aus der Veranstaltung mitnimmt. Das Land Brandenburg sei bereit, mit Planungsleistungen finanziell in Vorleistung zu gehen, sicherte er zu, damit sich der Bund hoffentlich doch noch bewegt. Umso besser, wenn die Region dahinter stehe. "Das ist etwas anderes, als wenn man nur ein Stück Papier auf den Tisch legt."

Sendung: Antenne Brandenburg, 09.09.2020, 16:40 Uhr

Anmerkung: In einer früheren Fassung des Beitrags wurde der VBB-Vertreter Thomas Dill irtümlich mit der Aussage zitiert, der zusätzliche Halt der RB 26 in Mahlsdorf werde eingestellt. Tatsächlich hat er dies so nicht gesagt. Die entsprechende Passage wurde korrigiert.

Allerdings hat Golzows Bürgermeister Frank Schütz wenig Lust, bis in die 2030er Jahre zu warten, um in seiner Gemeinde das Bahnhofsquartier zu entwickeln. Das sei viel zu spät, deshalb brauche man ja diese Lobbyarbeit, um früher voranzukommen.

Eine Botschaft, die auch Staatssekretär Rainer Genilke vom Brandenburgischen Infrastrukturministerium aus der Veranstaltung mitnimmt. Das Land Brandenburg sei bereit, mit Planungsleistungen finanziell in Vorleistung zu gehen, sicherte er zu, damit sich der Bund hoffentlich doch noch bewegt. Umso besser, wenn die Region dahinter stehe. „Das ist etwas anderes, als wenn man nur ein Stück Papier auf den Tisch legt.“

Allerdings hat Golzows Bürgermeister Frank Schütz wenig Lust, bis in die 2030er Jahre zu warten, um in seiner Gemeinde das Bahnhofsquartier zu entwickeln. Das sei viel zu spät, deshalb brauche man ja diese Lobbyarbeit, um früher voranzukommen.

Eine Botschaft, die auch Staatssekretär Rainer Genilke vom Brandenburgischen Infrastrukturministerium aus der Veranstaltung mitnimmt. Das Land Brandenburg sei bereit, mit Planungsleistungen finanziell in Vorleistung zu gehen, sicherte er zu, damit sich der Bund hoffentlich doch noch bewegt. Umso besser, wenn die Region dahinter stehe. „Das ist etwas anderes, als wenn man nur ein Stück Papier auf den Tisch legt.“

Beitrag von Fred Pilarski

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