Nach der Wahlschlappe kommt die Jobsuche - Raus aus dem Landtag, rein in den Alltag

Freud und Leid liegen im Brandenburger Landtag zurzeit dicht beieinander. Während Landtagsneulinge ihre Büros beziehen, müssen rund 20 gestandene Abgeordnete ihre Kisten packen - sie haben am Wahlsonntag kein Mandat bekommen. Für sie beginnt nun der Alltag zwischen Fraktionsauflösung und Jobsuche. Von Björn Haase-Wendt

"Keine Sau braucht die FDP" - was als provokanter Wahlslogan gedacht war, ist für den bisherigen liberalen Landeschef Gregor Beyer zur bitteren Wahrheit geworden. Zur Landtagswahl in Brandenburg ist er mit seiner Partei am Wiedereinzug gescheitert. Verbitterung, Resignation oder Frust sucht man bei dem 46-jährigen Eberswalder aber vergebens. Beyer ist unterwegs in seinem dunklen Jackett mit Brandenburg-Enblem am Revers, in der Hand sein Smartphone und der Tablet-PC. Er scheint noch mitten im politischen Betrieb zu stecken: "Es ist noch jede Menge Arbeit zu erledigen. Die Fraktion und das Wahlkreisbüro müssen aufgelöst werden. Man ist noch gar nicht im Modus des Auslaufens", sagt der FDP-Politiker, der sich jetzt eher um seine Wahlkreismitarbeiter sorgt, als um seine eigene Zukunft. Trotzdem muss auch er sich die Frage stellen, wie es weiter geht.

Keine Rückkehr zum alten Job

Vor seinem Einzug in den Landtag war der Diplom-Forst-Ingenieur Geschäftsführer des NABU-Informationszentrums Blumberger Mühle in Angermünde. Auch wenn der 46-Jährige dorthin zurückkehren könnte, ist das für ihn keine Option. "Liberale Politik in den letzten Jahren und dann zurück zum Naturschutzbund, das würde nicht so recht passen." Bis zum Jahresende will sich Beyer deshalb nach Jobmöglichkeiten umschauen. "Beschäftigung mit den ländlichen Räumen, von der Forst- über die Land- bis zur Fischereiwirtschaft, das steht ganz oben auf der Liste."

Diese Zeit können sich Beyer und die rund 20 weiteren Abgeordneten, die den Wiedereinzug verpasst haben auch nehmen. Denn ehemalige Abgeordnete, die mindestens ein Jahr lang dem Landtag angehört haben, erhalten ein Übergangsgeld. Für das erste Jahr Landtagszugehörigkeit gibt es drei Monate lang die volle Entschädigung - jeweils rund 4.500 Euro. Für jedes weitere Jahr im Landtag wird das Übergangsgeld um einen weiteren Monat gezahlt - maximal zwei Jahre lang.

Bis auf die Grünen müssen alle Fraktionen Niederlagen beim Wiedereinzug ihrer Abgeordneten hinnehmen. Besonders groß ist der Verlust bei den Linken. Neun ihrer bisherigen Abgeordneten haben den Wiedereinzug verfehlt. Einer von ihnen ist Marco Büchel aus Bad Freienwalde. Der 31-Jährige war vor fünf Jahren als jüngster Abgeordneter in den Landtag eingezogen. Jetzt ist er gegen Jutta Lieske (SPD) gescheitert und muss sich umorientieren. "Ich möchte zurück zur gesetzlichen Krankenkasse, für die ich schon vor meiner Zeit als Landtagsabgeordneter tätig war. Es gab auch schon erste Gespräche", so der Bad Freienwalder.

Neuer Alltag ist gewöhnungsbedürftig

Die Niederlage kam für ihn überraschend, er hatte gehofft, zumindest über die Landesliste in den Landtag zu kommen. "Ich bin schon ein Stück enttäuscht, weil das eine Tätigkeit war, die ich wirklich gerne gemacht habe." In seinem Wahlkreisbüro stapeln sich schon die Kisten, die Spuren des Wahlkampfes sind noch zu finden. Die große Herausforderung ist für ihn allerdings der Wegfall der bisherigen klaren Strukturen - die Sitzungstermine, politischen Beratungen und Vor-Ort-Termine. "Einen anderen Alltag zu haben, das ist jetzt schon gewöhnungsbedürftig."

Rückhalt bekommt er in dieser Zeit von seiner Familie und vor allem seinem kleinen Sohn. Ganz will der 31-Jährige aber nicht auf die Politik verzichten. In der Bad Freienwalder Stadtverordnetenversammlung ist er weiter aktiv und auch die Hoffnung als Nachrücker eventuell doch noch in den Landtag zu kommen, hat der junge Politiker noch nicht verloren.

Beitrag von Björn Haase-Wendt

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