Installation "Vision in Motions" Brandenburger Tor (Quelle: dpa/ Paul Zinken)
Video: Abendschau | 04.11.2019 | Arndt Breitfeld | Bild: dpa/Paul Zinken

200 Veranstaltungen - Berlin feiert eine Woche lang den Mauerfall

4. November 1989: Hunderttausende demonstrieren auf dem Berliner Alexanderplatz für Meinungsfreiheit. Genau 30 Jahre später ist genau dort eine Festwoche mit mehr als 200 Veranstaltungen gestartet - und an sieben Orten in Berlin wird an den Mauerfall erinnert.

In Berlin haben einwöchige Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag des Mauerfalls begonnen. Bis zum 9. November sind in der Hauptstadt rund 200 Veranstaltungen an Orten der friedlichen Revolution 1989 geplant.

Auf dem Alex hatten sich am 4. November 1989 - also wenige Tage vor dem Mauerfall am 9. November - Hunderttausende DDR-Bürger versammelt. Nun wurde am Schauplatz der größten Demonstration im Wendeherbst mit einer riesigen Videoprojektion sowie Licht- und Soundeffekten der historische Tag wieder lebendig.

"Gegen jede Form der Ausgrenzung"

Zum Auftakt erinnerte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Montagabend auf dem Alexanderplatz an den Mut der Menschen, die dort am 4. November 1989 für Meinungsfreiheit und Demokratie in der DDR demonstriert hatten. Daher müsse von Berlin als Stadt der Freiheit heute das Signal "Wir kämpfen gegen jede Form der Ausgrenzung" ausgehen, sagte Müller.

Die Festivalwoche spielt sich an sieben Orten in der Stadt ab, an denen an die Ereignisse vom 9. November 1989 erinnert werden soll. Darunter sind der Alexanderplatz, die Gethsemanekirche, das Brandenburger Tor, der Schlossplatz, der Kurfürstendamm, die East-Side-Gallery und die Stasi-Zentrale in Lichtenberg.

"Sprechende Fassaden" in 3D-Optik

Nach Einbruch der Dunkelheit sind dort zudem 3D-Videoprojektionen gestartet. Die "sprechenden Fassaden" erzählen ortsspezifische Geschichten mit historischen Filmaufnahmen. In Programmpavillons gibt es zum Ort passende Konzerte, Lesungen und Diskussionen. Als einziger Ort im ehemaligen Westteil der Stadt wird das Europacenter am Kurfürstendamm bespielt – es soll einen Ort der Sehnsucht und der Hoffnung nach persönlicher Freiheit darstellen.

Besucher können bis zum 9. November auf einer Route der friedlichen Revolution Lesungen, Filme, Installationen und Open-Air-Ausstellungen erleben. Außerdem soll es Gespräche mit Zeitzeugen geben. Die Open-Air-Angebote sind rund um die Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Entwickelt wurde auch eine App, die einen dreidimensionalen Eindruck der einst knapp 160 Kilometer langen Berliner Grenze zwischen Ost-West vermittelt.

Schwebende Botschaften

Ein weiteres Highlight ist eine Installation des US-amerikanischen Künstlers Patrick Shearn zum Mauerfalljubiläum am Brandenburger Tor. Das "Skynet", ein bunter Teppich aus 100.000 Stoffstreifen, spannt sich scheinbar schwerelos vom Lindenrondell aus über hundert Meter weit bis zur Straße des 17. Juni in den Himmel.

30.000 der Stoffstreifen tragen persönliche Botschaften, die Berliner und Berlin-Besucher seit September abgeben konnten. Die schwebenden "Botschaftsbänder" sollen laut dem Künstler Shearn versinnbildlichen, dass, wer gemeinsam die Stimme erhebt, Diktaturen überwinden und das scheinbar Unmögliche möglich machen könne.

Das komplette Festivalprogramm mit vielen Details und Informationen finden Sie auf der Internetseite des Veranstalters unter mauerfall30.berlin.

Karte mit Orten der Festivalwoche (Quelle: Kulturprojekte Berlin GmbH)7 Tage - 7 Orte: Hier finden die Feierlichkeiten zum Mauerfall-Jubiläum statt

Reden von Steinmeier und Birthler

Höhepunkt der Festivalwoche soll am Abend des 9. November eine große Bühnenshow mit einer Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Brandenburger Tor sein.

Die Zuschauer erwartet den Veranstaltern zufolge ein multimediales Showereignis, das den Themen Mut, Sehnsucht nach Freiheit und ihre Bedeutung für die Menschen damals und heute in vielfältigen künstlerischen Formaten Ausdruck verleiht.

Die Staatskapelle unter Daniel Barenboim wird die Schicksalssinfonie von Beethoven spielen. Auch eine Rede der früheren Bürgerrechtlerin Marianne Birthler ist vorgesehen.

Veranschlagt ist laut der Kulturprojekte GmbH, die die Feiern im Auftrag des Berliner Senats organisiert, ein Budget von rund zehn Millionen Euro. Davon fließen etwa fünf Millionen Euro in das Programm, wie eine Unternehmenssprecherin sagte. Weitere 2,5 Millionen Euro seien für Sicherheit und Infrastruktur einkalkuliert.

Sonderticket von VBB und S-Bahn

Auch die Deutsche Bahn hat sich etwas zum Mauerjubiläum einfallen lassen. Für die Zeit zwischen 4. und 10. November kann man unbegrenzt allein oder zu zweit im Tarifbereich AB mit einem Ticket für 30 Euro fahren.

Darüber hinaus soll es einen auf 1.000 Stück limitierten Sonderdruck mit einem Wackelbild geben. Das Bild auf der Rückseite des Tickets wechselt dann durch Kippen von der alten S-Bahn aus den 1980er-Jahren auf die aktuelle Baureihe. Die Sonderedition kann bis zum 10. November bei der S-Bahn erworben werden.

Alle Straßensperrungen im Überblick:

  • 21.10.2019 bis 16.11.2019

  • 6.11.2019 bis 12.11.2019

  • 8.11.2019 bis 10.11.2019

  • 9.11.2019 bis 10.11.2019

Kommentar

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32 Kommentare

  1. 32.

    Liebe Berliner,
    ich bin Touristin, aber im Herzen nach langem Lebensaufenthalt in B immer noch ein bisschen Berlinerin. Aber darum gehts heute gar nicht. Berlin steht für Vieles und eben auch für den Mauerfall und als Bundeshauptstadt (ja liebe Berliner, zur Erinnerung: das seid ihr auch) finde ich es völlig richtig, hier jetzt und heute gemeinsam zu feiern und auch zu gedenken und zu erinnern und optimistisch in die Zukunft zu blicken. Und Danke Sebastian für die Statements. Bin ich bei dir.

  2. 31.

    "Berlin feiert eine Woche lang den Mauerfall" und ich geh arbeiten. Ich wünsche viel Spaß.

  3. 30.

    Wenn Sie Probleme damit haben, dann frage ich mich, warum Sie überhaupt Artikel zu dem Thema anklicken, dann scrolle ich weiter und dann hat es sich. Soll auch Menschen geben, die sich über den Anlass freuen und nicht so miesepetrig seind.

  4. 28.

    Also ich zähle derzeit vier Artikel zum Thema. Vielleicht empfiehlt sich für Sie eher der Konsum der Neuen Strausberger Zeitung? Da wird man nicht mit Artikel zu überregional bedeutenden polit. Ereignissen, die möglicherweise auch Ihr Leben entscheidend verändert haben, belästigt. Sondern kann sich über das Wesentliche informieren: den geselligen Abend an der Fähre, wo es günstig Brennholz gibt und über das 65jährige Jubiläum der Wohnungsgenossenschaft - ein bisschen Feiern darf doch schon sein, oder? Wenn ich so einen Kommentar wie den Ihren lese frage ich mich wozu damals das alles. Ganz schön arm...

  5. 27.

    Dieses ganze Einheitsgejubelgeseier geht mir sowas von auf den Geist!
    Die rbb-Seite trieft derzeit nur so von Mauerfall, Einheit, 30-Jahre-Jubiläum...
    Haben wir wirklich keine anderen Probleme?
    Das erinnert mich alles sehr, sehr, sehr an den verordneten Jubel zu den DDR-Geburtstagen etc.

  6. 26.

    Ihre zeitliche Vorstellung und die zur Quantität einer solchen Veranstaltung hätte selbstredend auch den von Ihnen gewünschten Einsparungseffekt. Eines sollte Ihnen und den anderen, die den Machern hier Geldverschwenung vorwerfen, klar sein: bei den Schulen, Kitas und sonstig unbestritten bedürftigen Einrichtungen und Institutionen käme trotz Ihres Gemäkels kein Cent mehr an. Mal abgesehen davon, dass der Erinnerungskultur der deutschen Gesellschaft mal wieder ein Bärendienst erwiesen wäre. Aber wahrscheinlich verhält es sich hierbei ähnlich wie beim Erinnern an die schrecklichsten Ereignisser der dt. Geschichte des 20. Jh.: was geht mich die Vergangenheit an. Dass uns gerade aber diese Geschehnisse definieren ist offenbar nicht jedem klar. Ergo klares Statement meinerseits: schöne Feier, Berlin!

  7. 25.

    Ganz einfach, heißt einen Tag lang oder ein Wochenende.
    Ausserdem würden halb so viele öffentliche Veranstaltungen auch ausreichen.
    Geredet oder gezeigt werden ja eh nur immer die
    selben Worte oder Bilder.

  8. 24.

    Danke, lieber Sebastian, du sprichst mir aus der Seele!
    Ich bin auch etwas erschrocken über die vielen negativen Kommentare hier und kann die Diskussionen nicht wirklich nachvollziehen. Es handelt sich nicht um eine Feier von und für Politiker, sondern für alle interessierten Berliner Bürger. Das breite Veranstaltungsangebot, das Kids und Jugendliche, Leute mit Migrationshintergrund, die Queer-Szene etc. (also alle) einbezieht und komplett kostenfrei für den Besucher ist, finde ich wirklich klasse: über Musik, Filmvorführungen, Podiumsdiskussionen, Ausstellungen und Gespräche mit Zeitzeugen ist für jeden etwas dabei. Sogar eine App, die die Mauer virtuell wieder auferstehen lässt, wurde entwickelt. Ich find's auch super, dass das Programm die ganze Woche über läuft. So kann man sich verschiedene Dinge ansehen/anhören und muss sich nicht zwangsläufig mit 3,x Millionen anderen Menschen am Samstagabend vor das Brandenburger Tor quetschen. :)

  9. 23.

    Klar können Sie dürfen, habe ich das behauptet? Wie soll denn aber Ihr "kleiner" konkret aussehen? Wer darf sich denn erinnern und dabei feiern und was ist angemessen, welche der Veranstaltungen sollte denn aus Ihrer SIcht nicht stattfinden? Wenn es eine zentrale Feierlichkeit geben würde, auf der pompös 10Mio verprasst werden würde, wäre ich ganz Ihrer Ansicht. Da es sich aber um ein vollkommen dezentrales Konzept handelt, an dem die Bürger sehr wohl teilnehmen und sich wohlfühlen können, verstehe ich nicht, was dieses Abstellen auf Verschwendung, wie es die meisten hier vermitteln wollen, eigentlich soll: es geht um das Jubiläum DES Ereignisses der jüngeren deutschen Geschichte. Angesichts der Tragweite der daraus resultierenden weltpolitischen Veränderungen damals kann man den Stolz und die Freude darüber eigentlich gar nicht laut genug in die Welt herausschreien. Dass es die versprochenen blühenden Landschaften nicht gibt weiß ich selbst. Aber das ist ein anderer Acker.

  10. 22.

    Wer soll das? Ich darf doch wohl eine andere Meinung haben als Sie?
    Keiner hat was gegen eine Feier, aber etwas bescheidener reicht wohl auch.

  11. 21.

    Das hat nichts mit RRG zu tun. Die CDU wird ihren Kohl feiern, der hat doch die blühenden Landschaften versprochen.

  12. 20.

    Nimmt man mal die 200 geplanten Veranstaltungen, die sich in allererster Linie intensiv mit dem Thema denn weniger mit "Feiern" auseinandersetzen, bleiben roundabout 25k Euro/Event übrig. Nicht gerade viel. Wie wäre es Ihnen denn lieber? So´n bisschen wie im Iran? Am Wochenende aufm Alex DDR-Fahnen verbrennen und ein paar tausend Häftlinge amnestieren, damit der Steuerzahler Haftkosten spart? Wo wäre denn aus Ihrer Sicht die Verhältnismäßigkeit gewahrt?

  13. 19.

    Sorry aber aus welchem Finanz-party-topf sie das Geld auch herausnehmen es kommt letztendlich immer aus einer Quelle: dem Steueraufkommen. Und: ja sie haben recht was das Schwarzbuch betrifft. Aber genau aus diesem Grund sollte mit Steuergeldern verantwortungsbewusst umgegangen werden. Party machen gehört für mich nicht dazu genauso wenig wie diese Wippe!

  14. 18.

    Schwarzbuch kenne ich. Deshalb ist es notwendig genauer hinzusehen, wo das Geld verschwendet wird. Es geht nicht darum, dass wir den Politikern die Feier nicht gönnen. Sie können sie doch allein bezahlen. Der Bürger hat andere Vorstellungen.

  15. 17.

    Ob man für 10 Millionen den Flughafen fertigstellen könnte? Es müssen halten Prioritäten gesetzt werden...

  16. 16.

    sie haben ja so recht -----ABER: muss das sein ??
    da leben viele Berliner in großer Not und dort wir das Geld--ich sage vergeudet !!
    und :muss denn immer wieder in der Vergangenheit rumgebaggert werden--
    WICHTIG: in die ZUKUNFT schauen und auf der Berliner dickes Fell vertrauen---
    es ist doch genug Mauererinnerung in Berlin da und wer geht hin ?- Touris--
    schöne Woche ALLEN-- ein Berliner , der in Frieden leben möchte in Zukunft

  17. 15.

    Welche Einheit denn?
    Berlin muss eine Menge Geld haben dank Länderfinanzausgleich. Der Berliner Senat sollte sich mal um Dinge kümmern die überfällig sind.
    Dann feiert mal schön.

  18. 14.

    Aufregen scheint ja mal wieder Volkssport zu sein hier. Dass solche Veranstaltungen mal abgesehen von ihrem gesellschaftlichen Stellenwert aus dafür eigens zur Verfügung stehenden Finanztöpfen bestritten werden dürfte wohl jedem klar sein. Und wenn hier alle schon so gerne undifferenziert pöbeln, dann doch bitte gern auch über wirkliche Geldverschwendung. Man nehme das Schwarzbuch zur Hilfe und darf sich ehrlich und wahrhaftig gruseln. Zu einem 30jährigen Jubiläum des Mauerfalls darf ruhig richtig gefeiert werden.

  19. 13.

    Sind denn die eingeladen, die auf der Straße waren. Warum hängt der "Künstler" Shaern sein Kunstwerk nicht in New York auf - als Symbol gegen Trump. Reine Geldverschwendung, für die wieder einmal keiner zur Verantwortung gezogen wird. Hallo Senat - vielen Dank für Nichts. Mehr wird hinter her nicht bleiben.

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