Kommunalwahlen 2024 - Vereine in Brandenburg an der Havel klagen vor Wahlen über Situation der Sportstätten

Do 30.05.24 | 11:44 Uhr | Von Claudia Baradoy
  2
Sportverein in Brandenburg/Havel. (Quelle: rbb)
Video: rbb24 Brandenburg aktuell | 28.05.2024 | Claudia Baradoy | Bild: rbb

Fast jeder sechste Einwohner in Brandenburg/Havel ist in einem Sportverein organisiert. Landesweit betrachtet ist das überdurchschnittlich viel. Daher spielt das Thema Sport im Kommunalwahlkampf eine wichtige Rolle. Von Claudia Baradoy

Bei den Kommunalwahlen in Brandenburg werden Tausende zum größten Teil ehrenamtliche politische Posten verteilt. Doch wie funktioniert Kommunalpolitik überhaupt, was wird hier entschieden und welche Probleme gibt es? rbb|24 schaut sich in den Landkreisen und kreisfreien Städten um, welche Themen dort relevant sind.

Egal ob mit oder ohne Wasser: Brandenburg an der Havel ist eine echte Sportstadt. Ob auf der Regattastrecke auf dem Beetzsee oder den vielen Sportplätzen - irgendwo wird immer gerudert oder gekickt.

Der ESV Kirchmöser

Beispiel Kirchmöser: Vor 100 Jahren wurde hier ein Eisenbahnwerk gegründet, in dem Lokomotiven repariert wurden. Für die bis zu 2.500 Mitarbeiter wurde eigens ein Eisenbahnersportverein (ESV) gegründet. Bis heute bietet er Bürgern in Kirchmöser und Plaue eine sportliche Heimat. Es gibt zwölf Sparten - vom Angeln über Fitness und Fußball bis zum Tischtennis. Und bis heute gehören der Bahn die Sportstätten. Der Verein darf die Flächen mietfrei nutzen - unter der Bedingung, dass mindesten die Hälfe der rund 450 Mitglieder Eisenbahner sind.

Immer weniger Eisenbahner im Verein

Doch nach Wende und Abwicklung der Werke ist der Eisenbahner-Anteil natürlich geringer geworden. Das bringt ein zunehmendes Problem für den Verein mit sich: "Die Schwierigkeit im Moment ist, die 50 Prozent als Mindestanteil Eisenbahner zu halten, um die Sportstätten weiterhin kostenlos nutzen zu können und überhaupt weiter als Sportstätte betreiben zu können", klagt die Vereinsvorsitzende Heuke Kirchner. Sonst bestehe die Gefahr, dass die Verträge gekündigt würden, weil der Verein nicht mehr förderwürdig sei.

Viel organisieren und managen die Mitglieder in ehrenamtlicher Arbeit - nicht nur das Training. Der Rasen auf dem Fußballplatz am Seegarten ist stets grün und frisch gemäht. Die Hallen sind sauber und werden von den Mitgliedern in Ordnung gehalten. Doch mit Ehrenamt allein ist ein Sportverein nicht zu stemmen. Denn die Gebäude sind in die Jahre gekommen. Die Sanitär - und Umzugsräume brauchen dringend eine Sanierung.

Stadt müsste helfen, wenn Bahn Sportareale veräußern würde

Eine halbe Million Euro investiert die Stadt jährlich in ihre Sportstätten. 5.000 Euro davon bekommt der Eisenbahnersportverein Kirchmöser. Dazu kamen in den Jahren 2021-24 Landesmittel aus dem "Goldenen Plan Brandenburg" [lsb-brandenburg.de] in Höhe von knapp 60.000 Euro zum Beispiel für die Sanierung des Tennisplatzes, neue Fußballtornetze, Computertechnik und Betriebskosten.

Dennoch bleibt das Problem mit dem schwindenden Anteil der Mitglieder an Eisenbahnern. Der Verein befürchtet, dass die Bahn die Liegenschaft im schlimmsten Fall an zahlungskräftige Investoren verkauft, wenn er die Quote nicht mehr einhalten kann. Deshalb wünscht sich Heike Kircher, dass die neuen Stadtverordneten das Ansinnen des Vereins unterstützen, sämtliche Liegenschaften zu kaufen - und damit unabhängig von vorgeschriebenen Eisenbahneranteil Sport für alle Bürger anbieten zu können.

Der FC Borussia Brandenburg

Auch beim FC Borussia Brandenburg will man schon die Kleinsten für den Fußball begeistern. Deshalb hat der Verein sechs Trainer fest angestellt - ein Novum in der Stadt. Finanziert werden die Gehälter über die Beiträge der 700 Mitglieder. Trainer Karsten Lahn ist für zehn Kindergartengruppen zuständig. Auf dem Fußballpaltz nahe der Regattastrecke am Beetzsee bringt er den Drei - bis Sechsjährigen das Kicken bei.

Dazu holt er die Kinder im Minibus aus den Kitas mitten in der Stadt ab und bringt sie wieder zurück. Manchmal kassiert er dabei auch Knöllchen. Und da ist er nicht der einzige. Von den neuen Stadtverordneten wünscht er sich eine Vereinfachung der Parksituation für die Vereinsfahrzeuge. Freies Parken in der gesamten Stadt "würde uns sehr entgegenkommen", sagt er.

Neue Sporthalle auf Schulcampus soll kommen

Unterstützt wird Karsten Lahn neuerdings von der Sportstudentin Lara Sophie Becker. Das Angebot für die Kleinsten würde sie gerne ausbauen. Doch gerade im Winter gibt es da ein Problem: Sie würde gerne Kindersport am Nachmittag für Eineinhalb- bis Dreijährige sowie für Drei- bis Sechsjährige anbieten. Sie bekomme viele Eltern-Zuschriften diesbetreffend. "Doch im Moment ist das nicht möglich, weil die Sporthallen in der Stadt zu dieser Zeit alle schon belegt sind. Ich würde mir wünschen, dass es da mehr Kapazitäten gibt", erläutert Becker.

Den Platzmangel wird ein neuer Schulcampus mit Sporthalle beheben. Die Stadtverordneten haben Anfang des Jahres den Bau am Wiesenweg beschlossen. Die neuen Stadtverordneten müssen nun dafür Sorge tragen, dass das Projekt zügig vorankommt.

Beitrag von Claudia Baradoy

2 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 2.

    Ich habe auch die Befürchtung, das die DB die Flächen zwecks Sanierung ihrer Finanzen im Falle eines Falles eher veräußern wird. Es wäre allerdings ein leichtes die Satzungen seitens der DB so zu ändern, das das Nutzen für das Gemeinwohl nicht an diese 50%-Grenze gekoppelt sind. Etwas Imagepflege täte der Bahn schließlich auch gut. Auch könnte die Stadt möglicherweise die jetzigen Sportflächen im Flächennutzungsplan als Sondergebiet Sport aufnehmen, nach Erwerb möglicherweise als Gemeinbedarfsfläche und somit den Vereinen grundstücksseitig die Zukunft sichern.

  2. 1.

    Ist die Vereinsarbeit auch Carearbeit? Welchen Wert hat diese im Vergleich? Warum wird diese „vergessen/unterschlagen“ wie der Wehrdienst auch? (z.B.regelmäßig am 8.März)

Das könnte Sie auch interessieren

Archivbild: 17.06.1953 Demonstranten verbrennen die rote Fahne, die zuvor vom Brandenburger Tor heruntergeholt wurde.(Quelle:dpa/G.Bratke)
dpa/G.Bratke

Bildergalerie | Der 17. Juni 1953 - Protest statt Schicht

Viele kamen in Arbeitskluft - andere gingen gar nicht an ihre Maschinen oder Schreibtische: Am 17. Juni 1953 entlud sich DDR-weit im Protest, was sich in den Tagen und Wochen zuvor angestaut hatte: Wut, Unzufriedenheit und der Wille, dass es anders wird.