rbb24
  1. rbb|24
  2. Kultur
Audio: rbb24 Inforadio | 07.03.2024 | Magdalena Bienert | Quelle: picture alliance/Capital Pictures/M.Harris

Konzertkritik | Fever Ray in Berlin

Großes Theater

Gleich zwei Mal spielt die schwedische Synthie-Pop-Künstlerin Fever Ray in Berlin. Das erste Konzert fand im Theater des Westens in Charlottenburg statt. Ja, und es war theatralisch. Im allerbesten Sinne. Von Magdalena Bienert

Auf der Bühne steht eine flackernde Straßenlaterne, sonst erkennt man nicht viel, Nebel wabert am Boden, nach ein paar Minuten kommen schemenhafte Gestalten auf die Bühne, eine stellt sich hinters Schlagzeug, die andere hinter eine Reihe von Keyboards und Synthesizern.

In ihrem weißen Oversize-Anzug erkennt man schließlich Karen Dreijer, die nach vorne tritt. Ihr blondes kurzes Haar mit den drei, vier bewusst abstehenden Strähnen ist unverkennbar, sicherlich trägt die genderfluide Künstlerin auch ein wüstes Make-up im ganzen Gesicht, doch es bleibt zu schummrig, um das je wirklich genau zu erkennen. Mit dem langsamen "What they call us" eröffnet Fever Ray punkt 21 Uhr den Abend.

Konzertkritik | Kite im Club Æden

Kino ohne Leinwand

In ihrer Heimat Schweden sind Kite eine große Nummer. In Deutschland hingegen ist das Synthie-Pop-Duo noch eher ein Geheimtipp, am Donnerstag haben sie im kleinen Club Æden auf der Berliner Lohmühleninsel gespielt – ein cineastisches Erlebnis. Von Jakob Bauer

Weniger Herzklopfen, mehr Radikale Romantik

Fever Ray ist mit ihrem dritten Album auf Welttournee. Auf "Radical Romantics" hat wieder ihr Bruder Olof mitgearbeitet. Mit ihm und dem gemeinsamen Projekt The Knife waren sie DER schwedische Elektropop-Export der Nullerjahre. Ihr Song "Heartbeats" wurde vielfach gecovert (etwa sehr bekannt von José Gonzales). Doch schmerzlicherweise fehlt das Lied auf der Setlist. Früher hat sie es noch gespielt, aber zehn Jahre sind vergangen, seit The Knife sich aufgelöst haben und Fever Ray zu einer der spannendsten, düsteren Synthie-Pop-Musiker:innen wurde.

Das Konzert ist eher eine Performance und passt perfekt in das Theater des Westens. Nach zehn Minuten stehen die ersten auf, nach einer halben Stunde wogt der ganze Innenraum stehend zu den hypnotischen bis technoiden Songs. Auch auf den Rängen wird getanzt.

Konzertkritik | Kim Petras

Superstar made in Germany

Seit dem Hit “Unholy” gilt Kim Petras als Superstar. Doch die queeren Communitys liebten sie lange vor ihrem Welterfolg für ihren schambefreiten Pop. Den gab es im Rahmen ihrer Welttournee auch in der Columbiahalle zu hören. Von Christopher Ferner

Festival-Stimmung im proppevollen Theater

Ihre vier weiblich gelesenen Mitmusiker:innen ergänzen Fever Ray kongenial. Mit den beiden Background-Sänger:innen performt Dreijer dreistimmig, teils noch mit Choreo oder zärtlich umeinander tänzelnd. Oder Dreijer stellt sich breitbeinig vor ihr jubelndes Publikum und grinst ihm entgegen. Solange musste es auf diese faszinierende Musikerin mit der markanten Stimme warten. Das Haus ist ausverkauft, viele tragen Glitzer im Gesicht, jemand eine goldene Hose, alle sind bereit alles zu geben – wären da nicht die Klappstühle des Theaters im Rücken.

Nach 80 Minuten Rückfall in die Wirklichkeit

Ab und zu kommt ein leises "Thank you" von der Bühne, mehr braucht es auch nicht, um den Bann zu den Fans zu halten, doch nach 80 Minuten und dem treibenden "Coconut" ist es plötzlich vorbei. Der Nebel lichtet sich, hoffnungsvoll wird weitergeklatscht, schließlich fehlen doch noch Lieblings-Lieder ... aber es hilft nichts. Das Saallicht geht unerbittlich an und spuckt uns zurück in die Wirklichkeit. Was für ein großartig theatralischer Abend.

Donnerstagabend spielt Fever Ray erneut im TdW, leider ist dies auch schon ausverkauft.

Sendung: rbb24 Inforadio, 07.03.2024, 06:30 Uhr

Beitrag von Magdalena Bienert

Artikel im mobilen Angebot lesen