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Video: rbb|24 | 27.02.2024 | Material: rbb24 Abendschau | Quelle: dpa

Über 30 Jahre auf der Flucht

Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette in Berlin-Kreuzberg festgenommen

Die ehemalige RAF-Terroristin Daniela Klette ist in Berlin gefasst worden. Sie soll für Sprengstoffanschläge und Überfälle auf Geldtransporter verantwortlich sein, mehr als 30 Jahre war Klette untergetaucht. Am Dienstag gab es eine weitere Festnahme.

Die frühere RAF-Terroristin Daniela Klette ist gefasst worden. Die 65-Jährige wurde am späten Montagabend in Berlin-Kreuzberg festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft im niedersächsischen Verden am Dienstag mitteilte. Es handele sich um mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" um Klette, hieß es am Dienstagnachmittag auf einer Pressekonferenz. Die Identität sei mit Fingerabdrücken festgestellt worden. Sie habe bei ihrer Festnahme auch nicht abgestritten, die Gesuchte zu sein.

Klette befindet sich mittlerweile in Untersuchungshaft. Gegen sie lagen sechs Haftbefehle vor. Klette wurde nach Angaben des Landeskriminalamtes Niedersachsen am Dienstag mit einem Hubschrauber nach Bremen geflogen und von dort aus weiter zum Amtsgericht Verden gebracht. Wo genau sie sich jetzt befindet, teilten die Ermittler nicht mit.

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Verdacht auf weiteres RAF-Mitglied bestätigte sich nicht - Mann wieder frei

In Zusammenhang mit Klettes Festnahme war am Dienstag eine zweite Person in Berlin zunächst festgenommen worden. Der Mann wurde inzwischen aber wieder freigelassen. Der Verdacht, es könnte sich bei ihm um einen der beiden gesuchten früheren RAF-Terroristen Burkhard Garweg oder Ernst-Volker Staub handeln, hat sich nicht bestätigt. Das gab das Landeskriminalamt Niedersachsen am Mittwochmorgen in Hannover bekannt. Das hatte zuvor in der Nacht bereits der NDR berichtet.

Der Verdacht, es könne sich um einen der gesuchten ehemaligen Terroristen handeln, war unter anderem aufgekommen, weil das Alter des festgenommenen Mannes zu dem der beiden gesuchten Männern gepasst habe, hieß es.

Die Staatsanwaltschaft Verden und das Landeskriminalamt fahnden seit Jahrzehnten nach den früheren RAF-Terroristen Garweg, Staub und Klette. Tausende Hinweise habe man währenddessen aus der Bevölkerung bekommen, sagte de Vries. Ein einziger brachte nun den Durchbruch.

Mehrere Raubüberfälle innerhalb von 17 Jahren

Klette, Staub und Garweg wird unter anderem versuchter Mord sowie eine Serie von schweren Raubüberfällen vorgeworfen. Klette wird unter anderem für einen Sprengstoffanschlag auf die JVA im hessischen Weiterstadt im Jahr 1993 verantwortlich gemacht. Sie soll laut Bundesanwaltschaft außerdem an einem RAF-Anschlag auf die US-Botschaft in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn im Jahr 1991 beteiligt gewesen sein. Das Gebäude wurde beschossen, Verletzte gab es damals aber nicht.

Die gesuchten drei ehemaligen RAF-Terroristen sind bereits in den 90er Jahren untergetaucht. DNA-Spuren brachten die Ermittler darauf, dass die drei für Raubüberfälle auf Geldtransporte und Supermärkte im Zeitraum zwischen 1999 und 2016 verantwortlich sein können.

Die Staatsanwaltschaft Verden geht davon aus, dass die Raubüberfälle nicht politisch motiviert waren, sondern die drei damit ihren Lebensunterhalt im Untergrund finanzieren, weshalb weitere Taten möglich seien. Insgesamt sollen sie mehr als zwei Millionen Euro erbeutet haben. Ermittler sehen keine Hinweise auf aktuelle terroristische Aktivitäten.

Kein Widerstand bei Festnahme

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur handelt es sich beim Ort der Festnahme um ein siebengeschossiges Mietshaus in der Kreuzberger Sebastianstraße. Die Straße verläuft in der Gegend unmittelbar entlang der früheren Grenze zwischen West- und Ost-Berlin. Am Dienstag standen uniformierte Polizisten vor dem Haus. Der Eingang war gesperrt. Kriminaltechniker waren noch vor Ort und untersuchten die betreffende Wohnung.

Zielfahnder aus Niedersachsen nahmen Klette dort fest, mit Unterstützung der Berliner Polizei. Laut der Staatsanwaltschaft war sie alleine in der Wohnung, sie war nicht deren Mieterin. Sie habe keinen Widerstand geleistet. In der Wohnung fanden die Zielfahnder zwei Pistolenmagazine mit Munition, eine Waffe fanden sie nicht. Wie lange sich Klette dort aufgehalten habe, wisse man noch nicht. Sie habe sich mit einem Pass ausgewiesen, der auf einen anderen Namen ausgestellt und somit gefälscht war. Ihr Aussehen habe sie nicht wesentlich verändert. "Ein Erkennen von Angesicht zu Angesicht war möglich", sagte de Vries.

"Dritte Generation" der linksextremistischen RAF

Staub, Garweg und Klette werden zur sogenannten dritten Generation der linksextremistischen Roten Armee Fraktion gezählt. Die Terrororganisation löste sich 1998 auf. Der dritten RAF-Generation werden unter anderem die Morde an Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen im Jahr 1989 und an Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder im Jahr 1991 zur Last gelegt. Rohwedder war am 1. April 1991 in Düsseldorf in seinem Haus am Schreibtisch erschossen worden. Das RAF-Kommando hatte ihn aus einer Kleingartenlage und mehr als 60 Metern Entfernung ins Visier genommen. Es war der letzte RAF-Mordanschlag.

Zuletzt hat die Staatsanwaltschaft Verden am 14. Februar Hinweise zu früheren Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" erbeten. Für Hinweise zur Festnahme wurde eine Belohnung von 150.000 Euro ausgesetzt. Daraufhin gingen laut der Redaktion 250 Hinweise von Zuschauern ein.

Am 27. März 1993 hatte ein Kommando der RAF einen Sprengstoffanschlag auf die Baustelle von Hessens modernster Justizvollzugsanstalt verübt. Verletzt wurde niemand, aber die Baukosten stiegen um 90 Millionen Mark. | Quelle: dpa / Kleefeldt

Hinweis bereits im November 2023

Laut der Sicherheitsbehörden hat keiner dieser Hinweise nun zur Festnahme geführt. Stattdessen habe es im November 2023 einen Hinweis aus der Bevölkerung gegeben. Man habe mit dem Hinweisgeber jedoch Vertraulichkeit vereinbart. Seit dem Hinweis habe die Polizei "mehrere Maßnahmen" durchgeführt. Das kann beispielsweise zum einen eine Observation sein, zum anderen das heimliche Sammeln von Fingerabdrücken der Gesuchten zum Abgleich.

Nach der Festnahme wurde Klette laut des niedrsächsischen LKA-Präsidenten de Vries mit einem Hubschrauber nach Bremen geflogen, am Gericht von Verden einem Haftrichter vorgeführt. Der ordnete Untersuchungshaft an. Nun befinde sich Klette in einer Justizvollzugsanstalt, Genaueres zum Ort sagte de Vries nicht. Ob es Mitwisser und Unterstützer aus der linksextremen Szene gegeben hat, sei noch nicht bekannt. Zur Sache habe sich Daniela Klette bisher noch nicht geäußert.

Sendung: rbb24 Inforadio, 27.02.2024, 12 Uhr

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