Peter Sauerbaum © Gregor Baron
Gregor Baron
Audio: rbbKultur | 16.08.2019 | 16:10 Uhr | Bild: Gregor Baron Download (mp3, 9 MB)

Interview | Peter Sauerbaum - "Die AfD macht mir Sorgen"

Derzeit laufe es gut mit der Kulturförderung in Brandenburg, sagt Peter Sauerbaum, Leiter des Choriner Musiksommers. Er fürchtet jedoch, dass sich das nach der Wahl - und einem möglichen AfD-Sieg - ändern könnte.

rbb: Herr Sauerbaum, woher kommt Ihre Liebe, Ihre Affinität zur Kultur?

Peter Sauerbaum: Ich bin damit aufgewachsen. Ich komme aus einem Elternhaus, meine Mutter war Ballerina, mein Vater war zu seiner Zeit einer der großen Tenöre. Da kann man gar nicht anders, als sich nur noch damit zu beschäftigen. Auch wenn ich sagen muss, ich habe beruflich erstmal eine andere Ausbildung erhalten.

Sind Sie Jurist geworden, weil Ihr Vater gesagt hat: Junge werde was Ordentliches?

Ja, es hat zum selber Singen nicht gereicht. Schade, aber wahrscheinlich auch viel besser.

Sie leiten seit letztem Herbst den Choriner Musiksommer. Nun stehen im September die Landtagswahlen bevor. Die AfD in Brandenburg hat eine aggressivere Rhetorik gegen Kulturprojekte und Institutionen. Wie sehr bekommen Sie das als einer der Player im Kulturbereich tatsächlich auch mit?

Nun gut, die AfD hat kommunalpolitisch immer noch wenig zu sagen, landespolitisch erst recht wenig. Ich hoffe, dass sich daran nach dem 1. September, dem Wahltag in Brandenburg, nichts ändern wird. Die AfD macht mir Sorgen mit ihrem nationalistisch-rechtpopulistischen Duktus. In Sachen Kultur hat man von der AfD in Brandenburg noch nichts gehört. Ich war kürzlich Gast einer Veranstaltung der kulturpolitischen Gesellschaft in Neuruppin, wo alle Vertreter der Parteien etwas zur Kulturpolitik sagten sollten. Es waren alle vertreten - bis auf die AfD. Die hatte auf die Einladung noch nicht einmal geantwortet. Ich vermute mal, sie hat auch nichts dazu zu sagen. Bis auf irgendwelchen nationalistischen Schmonzes hätte ich da auch nichts erwartet.

Sie treffen sich auch mit anderen Kulturinstitutionen und Kulturpolitikern: Wie versucht man sich zu positionieren gegen die AfD?

Bei den Gesprächen mit den Kollegen spielt die AfD keine Rolle. Unterschwellig ist die Sorge zu spüren, dass es eine Rolle spielen könnte. Aber das ist alles im Moment im Konjunktiv. Was die AfD in Sachen Politik vorhat, ist reine Spekulation. Wenn sie an die Schalthebel der Macht kämen, würde dieses Rückwärtsgewandte, dieses Fremdenfeindliche, dieses Nationalistische sicherlich auch eine Rolle spielen. Ich will jetzt nicht gleich sagen, die Nazi-Reichskulturkammer lässt schön grüßen, aber etwas in diese Richtung könnte man schon erwarten. Zumal der Herr Staatssekretär Gauland zu bemerken wusste, dass die zwölf Jahre Nationalsozialismus ein Vogelschiss der Geschichte wären. Da ist es mir dann schon sehr unwohl.

Was vermag Kultur in Zeiten, wo sich solche Fragen plötzlich auftun? Wenn wir über die berühmte Spaltung der Gesellschaft sprechen: Worin sehen Sie da ihre Rolle, als Kulturmanager?

Musik oder Kultur als solche verändern noch gar nichts, in welcher Erscheinungsform auch immer. Aber wir schaffen Räume, wo sich Menschen begegnen, und wir versuchen täglich, dass wir mit den Menschen ins Gespräch kommen und dazu anleiten, dass Menschen miteinander ins Gespräch zu kommen.

Was wünschen Sie sich von einer neuen Regierung in Sachen Kulturpolitik?

Ich wünsche mir weiter diese Offenheit. Jeder soll die Kultur machen, die er glaubt, machen zu müssen. Die derzeitige Brandenburgische Regierung hat eine großartige neue Finanzierung für die großen Kulturinstitutionen auf den Weg gebracht. Davon haben wir alle partizipiert in Brandenburg, auch die freien Gruppen, da wurden auch die Ansätze erhöht. Es hängt also auch immer ein bisschen mit Geld zusammen. Ich bin sehr froh, dass die Brandenburgische Landesregierung da nicht knauserig war.

Wir danken Ihnen für das Gespräch.

Mit Peter Sauerbaum sprach Shelly Kupferberg. Der Text ist eine gekürzte und leicht bearbeitete Version. Das Original-Interview können Sie mit Klick auf das Audiosymbol oben im Artikel nachhören.  

 

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

38 Kommentare

  1. 38.

    HVL, Dienstag, 20.08.2019 | 13:22 Uhr:
    "Die Finanzmittel könnten auch sinnvoller verteilt werden
    https://www.maz-online.de/Brandenburg/Rettungsdienst-in-Brandenburg-kommt-oft-zu-spaet"

    Natürlich knn man jegliche Kulturförderung streichen bis endlich vielleicht in 100 Jahren alle ökonomischen und infrastrukturellen Probleme gelöst sind. Dann wird man aber feststellen, dass man kulturell völlig verarmt ist und nichts mehr da ist, was gefördert werden könnte.

  2. 37.

    Die Finanzmittel könnten auch sinnvoller verteilt werden

    https://www.maz-online.de/Brandenburg/Rettungsdienst-in-Brandenburg-kommt-oft-zu-spaet

  3. 36.

    herman perman, Montag, 19.08.2019 | 12:39 Uhr:
    "Dass die AfD in dem üppigen Selbstbedienungsladen auch mal Bilanz ziehen würde, ist durchaus denkbar. Es gibt auf der Welt kaum ein Land, wo soviel Steuergeld in Kultur und vermeindliche Kultur fließt."

    Was meint herman perman wohl mit "vermeintliche Kultur"? Unter den Nazis hieß dies "Entartete Kunst" und unter den Neurechten nun wohl "vermeintliche Kultur".

  4. 35.

    SB, Berlin, Montag, 19.08.2019 | 12:07 Uhr:
    "Herr Sauerbaum ist ein gutes Beispiel für sehr viele Leute aus dem Kulturbetrieb, die ihren Lebensunterhalt nur mithilfe staatlicher Subventionen bestreiten können."

    Kultur braucht immer auch teilweise staatliche Förderung, so wie auch die übrige Bildung, ÖPNV und vieles andere mehr.

    Aber SB würde vermutlich auch über Lehrer und Busfahrer in der gleichen dummen Polemik schreiben:
    "Der Lehrer/Busfahrer ist ein gutes Beispiel für sehr viele Leute aus dem Lehr/Verkehrsbetrieb, die ihren Lebensunterhalt nur mithilfe staatlicher Subventionen bestreiten können. ... Lehren/Busfahren, kann er übrigens auch ehrenamtlich." IN VOLLZEIT!

    SB, Berlin, Montag, 19.08.2019 | 12:07 Uhr:
    "Und das, obwohl gerade Herr Sauerbaum doch vom Sozialismus gut lebt."

    Da hat wohl jemand den Mauerfall verpennt und wähnt sich noch in der DDR! Das zeigt gut, dass bei Manchem noch Viles bei der Bildung im Argen ist.

  5. 34.

    Frico Frieden, Montag, 19.08.2019 | 11:45 Uhr:
    "Hat dieser Mann nicht etwas zum Choriner Musiksommers zusagen?"

    Kurz vor der Wahl ist aber diese Wahl das Tagesthema! Und warum soll er dazu schweigen, wenn er etwas dazu zu sagen hat?

    Frico Frieden, Montag, 19.08.2019 | 11:45 Uhr:
    "Dann kann ich verstehen, dass er sich dem vorgegebenen Tenor, die AfD ist Böse, anschließt."

    Wer hat hier wem was "vorgegeben"???

    Frico Frieden, Montag, 19.08.2019 | 11:45 Uhr:
    "Und natürlich hat die AfD nichts zu kulturpolitischen Entwicklung zu sagen, sonst wären sie ja zu diesem Forum gekommen."

    Denn schließlich war sie ja eingeladen und das Nichterscheinen läßt Rückschlüsse auf die Intereseen und die Kompetenz zu.

  6. 33.

    Mir auch. - Permanent zu provozieren, muss doch sehr anstrengend sein.

  7. 32.

    Ähem - was wollen Sie damit sagen - ich wäre eine von denen, die man nur mit dem Pflock ins Herz und Silberkugel töten kann? Wie das so ist mit diesen Nicht-Normalsterblichen, die sich für ein Landestheater mit seinen sehr unterschiedlichen Inszenierungen für jung und alt interessieren? Schon mal auf die Idee gekommen das sich keineswegs beides ausschliesst?
    Das Ihnen das nur Leute aufschwätzen wollen, die sich das Geld nicht da holen wollen wo es am Ende landet - auf den Konten jener 1%, die angeblich das viele Geld, die Besteuerungsnull brauchen um es...in digitale Infrastruktur und bei guter Laune ins Landestheater zu investieren. Manchmal läuft man grausam lange den Falschen nach im Leben. Man fragt sich wie konnte das bloss einmal Liebe sein? Der, die hat mich doch bloß verarscht. Glauben Sie mir, ich weiss das. Die meisten Menschen kennen so etwas. Muss man durch. Trennen Sie sich.

  8. 31.

    Ähem - was wollen Sie damit sagen - ich wäre eine von denen, die man nur mit dem Pflock ins Herz und Silberkugel töten kann? Wie das so ist mit diesen Nicht-Normalsterblichen, die sich für ein Landestheater mit seinen sehr unterschiedlichen Inszenierungen für jung und alt interessieren? Schon mal auf die Idee gekommen das sich keineswegs beides ausschliesst?
    Das Ihnen das nur Leute aufschwätzen wollen, die sich das Geld nicht da holen wollen wo es am Ende landet - auf den Konten jener 1%, die angeblich das viele Geld, die Besteuerungsnull brauchen um es...in digitale Infrastruktur und bei guter Laune ins Landestheater zu investieren. Manchmal läuft man grausam lange den Falschen nach im Leben. Man fragt sich wie konnte das bloss einmal Liebe sein? Der, die hat mich doch bloß verarscht. Glauben Sie mir, ich weiss das. Die meisten Menschen kennen so etwas. Muss man durch. Trennen Sie sich.

  9. 30.

    Wie kommen Sie darauf, der RBB dürfe als öffentlich-rechtlicher Sender nicht öffentlich fragen, wie man sich gegen eine Partei positioniert, die die Abschaffung der öffentlich-rechtlichen Sender fordert? Die öffentlich-rechtliche Sender ohne unterlass als "Lügenpresse" bezeichnet? Um dann selbst eine Maschinerie zu betreiben, die mit Vigelantentum, Hetze, Lügen, geheimdienstartigen Medienstrukturen, illegalen Spenden eine Welt zu schaffen in der das alles dann normal ist.
    Wieso sollten sie sonst ohne unterlass behaupten der Gegner mache das, was sie doch selbst machen und mit ihren Mandaten noch mehr machen und finanziere wollen. Und wieso so empfindlich. Schliesslich verkaufen Ihnen die Westfunktionäre der AfD ihr ökonomisch-soziales Treuhand 2.0 Programm als...."Aufstand des Ostens" geführt durch Meuthen, durch Weidel, denen selbst die FDP zu staatsdirigistisch, zu etattistisch ist? Sprich: Der Staat soll sparen und Steuern senken. Wem wollen Sie denn danach in die Kissen heulen?

  10. 29.

    Schön, dass Sie es wieder einmal bestätigen, dass lesen und begreifen bei Ihnen sehr weit auseinander liegen. Noch, dass Sie das Interview des Herren gelesen haben. Sonst wäre es Ihnen aufgefallen, dass das von Ihnen zitierte Zitat aus dem Interview stammt.
    Vielleicht deshalb auch Ihr Nick.

  11. 28.

    Klar läuft es, dieses Jahr über 20 Mio mehr Etat als 2018. Dafür fehlt weiterhin ein flächendeckendes Internet. Echte Prioritäten setzten liebe Regierung. Es nützt dem Hartzer nix, wenn eine moderne Inszenierung gefördert wird, die eh kein Normalsterblicher sehen will.

  12. 27.

    "Wie versucht man sich gegen die AfD zu positionieren" Schon diese Fragestellung in einem öffentlichen Beitrag ist Wahlwerbung lieber rbb 24! Mehr fällt mir dazu nicht mehr ein!

  13. 26.

    Oh, ich würde nicht alle unterschätzen, den gleichen Fehler hat man in der deutschen Geschichte schonmal bitter bereut. :-(

  14. 25.

    Kunst und Kultur sorgen für Austausch von Ideen und Ansichten, bringen Menschen dazu, Dinge verstehen zu wollen, über den Tellerrand zu blicken, andere Perspektiven einzunehmen. Kurzum geht es um gelebte Vielfalt. Natürlich ist das völkisch nationalistisch bis nationalsozialistisch Geprägten ein Dorn im Auge. Kunst wird von Letzteren per se als unnütz deklassiert, ebenso Soziales, und wo nicht als Feindbild betrachtet, muss sie schön homogenisiert werden, damit der stramme Max oder wer auch nicht zu sehr gefordert wird. So wie der homogene "Volkskörper" möge auch die Kulturlandschaft geprägt sein. Hatten wir alles schon...

    Im Zweifelsfall suhlt man sich als sterbender Schwan auf dem Boden und behauptet, in Kunst- und Kulturförderung entweder Steuermittelverschwendung zu sehen oder unterstellt direkt, man werde von Kulturschaffenden ausgegrenzt, falsch dargestellt. Obwohl man doch nur aus Versehen von der Maus abrutscht. Täglich.

  15. 23.

    Hm...irgendwie beängstigend das Sie offenbar weder das Soziale, noch die Kultur zur unverzichtbaren "Infrastruktur" zählen. Schliesslich ist die Infrastruktur die Sie meinen offensichtlich die letzten 40 Jahre auch nicht Priorität. Und hat der Hedgefond mit dem erwirtschafteten Geld, neulich diese hässlich-abstrakte Figur auf dem Dorfplatz finanziert? Statt die Kohle in die Sanierung der Ortsschule zu stecken? Das Budget das Ihr Bürgermeister nicht hatte, weil Treuhand 2.0-Ökonomen wie AfD-Meuthen-Weidel finden, das der Staat, die öffentliche Hand die demokratischen Institutionen sowieso kein Budgets haben sollten die demokratisch kontrolliert sein könnten. Weil das doch dem Hedgefond sein, der nationalen Privatwirtschaft ihr Geld ist. Das die sauer verdient hat. Schon mal überlegt was es politisch bedeutet, findet ein Meuthen selbst die FDP zu "staatsdirigistisch" (Etattistisch) Was glauben Sie haben wir da in Fragen der sozialen technischen Infrastruktur zu erwarten?

  16. 20.

    Zum Glück bekommt Kalbitz ja morgen sein eigenes Kunstwerk verpasst und kann sein Kunstverständnis mal am veredelten Bronzeblock neu erden :) https://www.rbb24.de/kultur/beitrag/2019/08/bildhauer-opolka-mahnmal-afd-zentrale-potsdam.html

  17. 19.

    Sorgen? Ja, Geldsorgen. :-] Mittel für Soziales und Kultur könnten auch mal in die Wirtschaftsförderung gesteckt werden. Oder in die Infrastruktur. Da hapert es mächtig.

Das könnte Sie auch interessieren