Scheidende Abgeordnete | Karlheinz Nolte (SPD) - Der Aufpasser mit Fliege

Karlheinz Nolte, stellv. Fraktionsvorsitzender der SPD im Berliner Abgeordnetenhaus (Quelle: dpa / Nestor Bachmann)
Bild: dpa / Nestor Bachmann

Er war Nachfolger von Klaus Wowereit, zählt den Neuköllner Alt-Bürgermeister Heinz Buschkowsky zu seinen Freunden und bekam seinen Spitznamen vom SPD-Urgestein Peter Glotz verpasst. Karlheinz - genannt Charly - Nolte stand nie im grellen Rampenlicht, hat aber an entscheidender Stelle das Geld zusammengehalten. Von Jan Menzel

Er kommt, sieht und setzt sich. Wenn andere mit großem "Hallo" die Ausschussbühne betreten, hat Karlheinz Nolte den Akten-Stapel im Sitzungssaal 113 schon vor sich aufgetürmt. Hier im mächtigen Hauptausschuss des Parlaments ist der SPD-Mann keiner, der große Reden schwingt oder sich in den Vordergrund drängt. Aber wenn er etwas sagt, sitzt es.

"Es nützt mir nichts, wenn sie hier rumsitzen wie beim Schummeln erwischte Kinder": Das ist ein Satz, den der Abgeordnete Nolte einem Senator samt seinen Staatssekretären um die Ohren haut, die keine rechte Antwort darauf finden, dass mal wieder ein Bauprojekt teurer geworden ist als geplant. Dinge, die teurer werden, mag Nolte nämlich überhaupt nicht. Generell hat der 67-Jährige Sorge, dass der alte Schlendrian wieder Einzug hält.

"Sparen bis es quietscht" umsetzen

Als Rot-Rot unter Klaus Wowereit der Stadt ab 2011 "Sparen bis es quietscht" verordnet, sorgt Nolte im Parlament mit dafür, dass die Konsolidierungspolitik ohne Störgeräusche umgesetzt wird. Er ist damals als Haushaltspolitiker Nachfolger von Klaus Wowereit in dieser Position. Und so wie er damals hinter dem Mentalitätswechsel stand, sorgt sich der Neuköllner jetzt, dass das Geld wieder mit vollen Händen zum Fenster rausgeschmissen wird, dass quasi die nachfolgenden Politikergenerationen das Spar-Erbe durchbringen.

In der SPD gilt der sparsame Haushälter als Parteirechter. "Doch für Buschy [gemeint ist Neukölln ehemaliger Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky] war ich eher ein linker Spinner“, schmunzelt Nolte. Tatsächlich startete er als Juso und machte Hochschulpolitik an der Freien Universität. Dort brachte der damalige Wissenschaftssenator Peter Glotz auch den Spitznamen "Charly" auf.

Politischer Aufbauhelfer in Treptow

Den behielt Nolte, als er 1990 als politischer Aufbauhelfer nach Treptow im Osten Berlins ging. "Eigentlich wollte ich nur eine Wahlperiode bleiben", erinnerte er sich. Daraus ist ein Vierteljahrhundert geworden - und Nolte inzwischen dienstältester Abgeordneter der SPD-Fraktion mit dem Markenzeichen Fliege. Die hat er sich schon als Lehrer zugelegt. "Schlips geht nicht im Chemieraum, aber ich finde schon, dass ein Lehrer anständig aussehen muss", grinst er verschmitzt. Ganz Pragmatiker eben, aber einer mit Überzeugungen.

Beitrag von Jan Menzel

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