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Audio: rbb24 Inforadio | 20.10.2023 | Anja Caspary | Quelle: dpa/Scott Garfitt

Neues Rolling-Stones-Album

Die Glimmer Twins funkeln heller denn je

Seit 2005 ("A Bigger Bang") ließen sich die Rolling Stones Zeit für eigene neue Musik. Nun bringen sie mit "Hackney Diamonds" eines der besten Alben ihrer Bandgeschichte raus. Von Anja Caspary

Das 24. Studioalbum der Rolling Stones erscheint am Freitag und auch wenn sich die berühmte Zunge des Bandlogos auf dem Cover von "Hackney Diamonds" in zerbrochene Stücke auflöst, die Kern-Besetzung existiert immer noch. Weder Exzesse mit Drogen noch bei Konzerten, wie beim legendäre Auftritt in der Berliner Waldbühne 1965, Abstürze von Palmen oder gar Todesfälle können die Rolling Stones erschüttern.

Erste eigene neue Songs seit 2005

1995 sagte Keith Richards selbstbewusst in einem Interview zum Album "Voodoo Lounge": "You have the sun, you have the moon, you have the air that you breathe - and you have the Rolling Stones" [zu Deutsch: Du hast die Sonne, du hast den Mond, du hast die Luft, die du atmest – und du hast die Rolling Stones; Anm. d. Red.]

Damals musste ein mediokres Album mit kernigen Sprüchen schöngeredet werden, bei "Hackney Diamonds" ist das nicht nötig. Schon die 2020 spontan veröffentlichte Single "Living In A Ghost Town" überraschte durch neuen Sound und Eingängigkeit. Von dieser Sorte gibt es zwölf Tracks auf dem neuen Album. "Hackney Diamonds" ist das erste Album mit eigenen neuen Songs seit "A Bigger Bang" von 2005. Und es hinterlässt einen staunend: "Hackney Diamonds" ist so durchhörbar wie "Rumours" von Fleetwood Mac, keine Ausfälle, nur Diamanten.

Mick Jagger präsentiert sich in Topform, er knurrt und schmelzt und schreit mit der Vitalität eines jungen Mannes, seine Stimme klingt so frisch wie vor einem halben Jahrhundert. Wer weiß, ob es an intravenösen Sauerstoffgaben, der modernen Technik oder Jaggers unerschütterlichem Ehrgeiz liegt, der Meister selbst gibt jedenfalls zu: "Als wir die Maschine anschmissen und die alte Dampfwalze wieder loslegte, war uns sofort klar, dass wir einen besonderen Moment haben und die alte Energie wieder da ist".

"Falling in Love"

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New Yorker Produzent sorgt für Feinschliff

Einen großen Einfluss hatte sicherlich der New Yorker Produzent Andrew Watt, der selbst ein Multiinstrumentalist ist und sowohl durch seine Zusammenarbeit mit den alten Haudegen Pearl Jam und Metallica, als auch den jungen R&B-Stars Rita Ora und Miley Cyrus bekannt wurde.

Angeblich trug er zu jeder Studiosession ein anderes Rolling-Stones-T-Shirt. Der 32 Jahre alte Stones-Fan Watt schaffte mühelos den Brückenschlag zwischen Alt und Neu und polierte die Tracks des als "Glimmer Twins" bekanntem Duo Jagger/Richards auf Hochglanz: Die Country-Ballade "Dreamy Skies" könnte direkt dem Meilenstein der 1970er Jahre "Exile On Mainstreet" entsprungen sein, Keith Richards' Riff auf dem Midtempo-Rocker "Driving Me Too Hard" ist fast besser als das von "Tumbling Dice" und sein Gesang auf dem eigenen Track "Tell Me Straight" klar und biegbar, was womöglich eine Folge der Abstinenz vom Rauchen ist. Dieses letzte Laster gab der 79-jährige Richards vor vier Jahren auf.

Es gibt ein Wiederhören mit Original-Bassist Bill Wyman ("Live By The Sword") und zwei Songs, die Charlie Watts noch vor seinem Tod einspielte. Dass mit dem 2021 verstorbenen Schlagzeuger ein weiteres Originalmitglied fehlt, bot keinen Grund zum Aufhören. Keith Richards lakonisch: "The band goes on. Things have to move, you know".

Ein weiser Guru, dieser Richards, der auch im hohen Alter keine Angst vor Veränderungen hat. Der auch nicht festhalten muss an den historischen Sixties, als die alles entscheidende Frage der Heranwachsenden war, ob man dem Beatles- oder dem Stones-Lager angehört. An der Brillanz von "Hackney Diamonds" ist nämlich ausgerechnet ein Beatle schuld: Paul McCartney war es, der den Glimmer Twins Andrew Watt als Produzenten empfahl.

Beatle Paul McCartney bringt Stones in die Spur

Watt singt zudem auf dem neuen Album nicht nur Backing Vocals, sondern spielt auch Keyboards und Bass. Nur nicht auf dem 150-Beats-per-Minute-schnellen "Bite My Head Off"; Das aggressivste Stones-Lied seit "Get Off My Cloud" war für den jungen Mann zu schnell. Da musste Paul McCartney ran und laut Jagger lieferte der 81-Jährige beim ersten Take sofort ab: "Andy war einfach nicht laut und aggressiv genug, deshalb riefen wir Paul an. Der kam, spielte und siegte – he just nailed it."

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With a little help from my friends

Die Stones riefen auch noch ein paar andere alte Freunde an, darunter Elton John und Stevie Wonder. Mit Wonder waren sie schon in den 1970ern auf Tour. Seit seiner Nierentransplantation 2019 ist es still um ihn still geworden. Aber auf dem Höhepunkt des Albums, der Soulballade "Sweet Sounds Of Heaven" präsentiert Wonder ein virtuoses Keyboard-Solo; und unterstützt damit Jagger und seine Duettpartnerin Lady Gaga. Es ist eine wahre Freude, den beiden sieben Minuten lang zuzuhören: Gaga bellt den Himmel an und schraubt ihre Stimme in unglaubliche Höhen, Jagger schiebt die Brust raus und wird noch einmal 30.

Hiermit haben die Stones einen Klassiker geschaffen, der in die Top 10 ihres Oeuvres gehört. Das weiß auch Mick Jagger, der sagt: "Stevie an Keyboards und Piano und dann geht die Tür auf und Lady Gaga kommt herein - That what makes it so special, I'm in my element."

Sendung: rbb24 Inforadio, 20.10.2023, 9:54 Uhr

Beitrag von Anja Caspary

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