Nach Anschlag bei Moskau - Berlin und Brandenburg sehen keine verschärfte Bedrohungslage

Mo 25.03.24 | 16:24 Uhr
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Symbolbild: Die Polizei sichert am 12.03.2024 den Besuch des Bundespräsidenten ab. (Quelle: dpa/Noah Wedel)
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Video: rbb24 | 25.03.2024 | Norbert Siegmund | Bild: dpa/Noah Wedel

Nach dem Anschlag bei Moskau haben mehrere Staaten ihre Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Deutschland gehört nicht dazu, die Gefährdungslage sei bereits akut hoch, so das Innenministerium. Ähnlich sehen das die Landesregierungen in Berlin und Brandenburg.

Berlin und Brandenburg sehen nach dem Terroranschlag von Moskau keine verschärfte Bedrohungslage für die beiden Bundesländer.

"Wir haben weiter seit vielen Monaten, wenn nicht sogar Jahren, eine akute Gefährdungslage - in Europa, in Deutschland, so auch in Berlin," sagte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) am Montag bei einer Pressekonferenz. "Selbstverständlich," fügt er hinzu, seien die Landessicherheitsbehörden "seit Monaten, nicht erst seit dem Wochenende" im Austausch mit den Bundesbehörden und damit beschäftigt, die Sicherheit der Menschen in der Stadt sicherzustellen.

Wegner warnt vor Instrumentalisierung des Anschlags

Dass sich die Lage zeitnah entspannt, glaubt Wegner nicht. "Wir werden mit der Gefährdungslage sicherlich noch einige Zeit leben müssen - wie wir es aber nicht seit Samstag verschärfter tun, sondern seit einiger Zeit." Den Anschlag selbst verurteilte Wegner. Gleichzeitig warnte er, dieser dürfe "niemals zu Propagandazwecken missbraucht" oder für den Krieg gegen die Ukranine instrumentalisiert werden. Moskau ist Partnerstadt Berlins. Wegen des Ukraine-Kriegs ist die Städtepartnerschaft allerdings eingefroren.

Auch nach Einschätzung von Innenpolitikern der Abgeordnetenhausfraktionen gibt es keine neue Gefährdungslage. Berlin als Hauptstadt stehe immer im Fokus auch des islamistischen Terrors, sagten die Innexperten von CDU und Grünen, Burkard Dregger und Vasili Franco, dem rbb. Der innenpolitische Sprecher der SPD, Martin Matz, betonte, es handele sich um eine "abstrakte" Gefährdung. Hinweise auf konkrete Anschlagspläne gibt es laut den Innenpolitikern nicht.

Brandenburg: Keine Änderung des Lagebilds

Brandenburgs Innenministerium sieht weiterhin eine abstrakte hohe Gefährdungslage. Eine Änderung des Lagebildes für Brandenburg ergebe sich durch den Anschlag allerdings "gegenwärtig nicht", hieß es auf Anfrage von rbb|24. "Ein Bezug in das Land Brandenburg ist nach derzeitiger Erkenntnislage nicht gegeben", erklärte ein Sprecher des Innenministeriums.

Insgesamt sei wahrzunehmen, dass von der Terrorgruppe "Islamischer Staat Provinz Khorsan" (ISPK) in diesem und im letzten Jahr eine erhöhte Aktivität zur Begehung von Anschlägen in Westeuropa ausgehe. Das islamistisch motivierte Personenpotential in Deutschland habe dabei eine "besondere Relevanz". Es bewege sich seit Jahren auf hohem Niveau.

Bei dem Anschlag am vergangenen Freitag in Moskau waren mindestens 137 Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der Verletzten wird mit 182 angegeben. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hat sich zur Tat bekannt.

Bundesinnenministerium: Gefährdung war bereits akut hoch

Auch das Bundesinnenministerium sieht die Sicherheitslage in Deutschland nach dem Anschlag von Moskau nicht wesentlich beeinträchtigt. Die Gefährdung auch durch islamistische Extremisten sei bereits akut hoch gewesen und bleibe das auch, sagt ein Ministeriumssprecher in Berlin. Dies gelte auch für die Fußball-Europameisterschaft im Sommer. Es gebe eine "bekannte Bedrohungslage". Dagegen hat beispielsweise Frankreich auf den Terroranschlag mit der Ausrufung der höchsten Sicherheitsstufe reagiert.

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat den Anschlag in mehreren Botschaften für sich reklamiert. Westliche Sicherheitsbehörden und Experten halten das Bekenntnis für glaubhaft und vermuten den IS-Ableger Islamischer Staat Provinz Khorasan (ISPK) hinter dem Anschlag. Die russische Propaganda versucht indes, einen Zusammenhang mit der Ukraine herzustellen. Die vier mutmaßlichen Haupttäter wurden am Samstag bei Brjansk nahe der Grenze zur Ukraine und zu Belarus festgenommen. Am Sonntagabend wurden sie in Moskau vor Gericht vorgeführt und in Haft genommen.

Sendung: rbb24, 25.03.2024, 18:00 Uhr

20 Kommentare

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  1. 20.

    Berlin hat doch alles im Griff. Im Anschlagsfall ertönen doch überall die nicht funktionierenden Warnsirenen und anschließend wird die Bevölkerung die nicht vorhandenen Schutzräume aufsuchen. Solange in dieser Stadt der Datenschutz, Denkmalschutz und die Sparpolitik einen höheren Stellenwert haben als Menschenleben, kann man sich wirklich nur zurücklehnen und hoffen das nichts passiert. Und natürlich auch hoffen das Komissar-Zufall wieder mal erfolgreich vorher zuschlägt.

  2. 17.

    "ganz einfach: Deutschland verpennt die Gefährdungslage, bis es zu spät ist, nach Vorbild Putin, der schlug die Warnungen aus den USA in den Wind."
    Welche Warnungen aus den USA schlägt denn Deutschland gerade in den Wind? Mir ist diesbezüglich nichts bekannt.
    Sind Sie vom Fach? Was schlagen Sie vor?

  3. 16.

    Es ist eigentlich ganz einfach aber die Wahrnehmung ist nur eine andere.
    Ein ganz simples Beispiel.
    Wie viel Opfer gibt es in Deutschland durch Terroranschläge ? Und dann stellen sie dem mal gegenüber wie viele Opfer gibt es durch Unfälle im Haushalt.
    Und dann überlegen sie mal wovor haben viele mehr Angst.
    Die Wahrnehmung hat oft nichts mit der realen Bedrohung zu tun.

  4. 15.

    Kann es sein, dass Sie nicht vollständig informiert sind? NRW hat Berlin vor einem bevorstehenden Anschlag konkret gewarnt. Berlin hat das in den Wind geschlagen.

    Sie machen es sich mit Ihrer Einstellung zur Gefahrenabwehr ein wenig einfach. Um nicht zu sagen ignorant.

  5. 14.

    Anis Ben Othman Amri ist nur leider das falsche Beispiel, weil es nur so strotzt von breitgefächerter Schlamperei deutscher Sicherheitsbehörden und zwar auf ganzer Linie.

  6. 13.

    Vorweg: Ich nehme Putin nicht in Schutz. Wie geht man mit einer Warnung in einer Millionenmetropole um? Vielleicht ist das Beispiel Breitscheidplatz-Amri-Gefährder noch in Erinnerung?
    Es ist nicht möglich, wochenlang eine Metropole lahmzulegen. Der Anschlag hätte auch die Metro, eine Universität, einen Flughafen oder Bahnhof treffen können. Genau das kann trotz aller Warnungen jederzeit und überall auf der Welt passieren, dafür muss man nichts in den Wind schlagen, nicht in Moskau nicht in New York, nicht in London oder Paris. Schuldig sind Terroristen und jene
    die Terroristen finanzieren, alle anderen sind Opfer.

  7. 12.

    "Berlin und Brandenburg sehen keine verschärfte Bedrohungslage" bumm - krach - explodier - töte >>oooh - is das jetzt ne Fete?

  8. 11.

    Wieso? Die größte Bedrohung kommt doch von Grün - jedenfalls wollen uns das afd, bsw. werteunion so suggerieren - Sarkasmus off.
    Passt super zu allen rechtsextremen, die uns kampflos Putin ausliefern wollen.

  9. 10.

    "Berlin und Brandenburg sehen keine verschärfte Bedrohungslage" bumm - krach - explodier - töte >>oooh - is das jetzt ne Fete?

  10. 9.

    Die richten ja auch immer solche Massaker und Terrorangriffe an und wollen dazu noch Deportieren !

  11. 8.

    "der schlug die Warnungen aus den USA in den Wind."
    Da die Geheimdienste der USA über mehr Möglichkeiten verfügen, als diese den deutschen Geheimdiensten per Gesetz zugestanden wird, gehen trotzdem hier auch eben solche Warnungen ein. Die werden dann schon aufgenommen und bearbeitet. Ich möchte da jetzt keine Lanze brechen. Ich hoffe mal, dass BND und Verfassungsschutz aus den Pleiten, Pech und Pannen der letzten 10 Jahre gelernt haben.

  12. 7.

    Man muss einfach nur ernst nehmen, was insbesondere die NSA so zu Tage fördern. Jeder hinterlässt einen digitalen Fußabdruck, die Kunst besteht nur darin diesen im Dickicht der Bits und Bytes zu isolieren und im richtigen Kontext zu vernetzen.
    Da in den letzten Jahren alle terroristischen Anschläge in Deutschland vereitelt wurden, hört man offenbar der NSA inzwischen sehr genau zu.

  13. 6.

    Alles easy laufen lassen bis zur Katastrophe und alles andere auch den Bach runtergehenlasssen: keine wirksame Waffenhilfe für die Ukraine, Bundeswehr nicht wirksam kriegsfähig aufrüsten und Bombenschutz plus Bunker ebenfalls weiter verschlampen - stattdessen laberlaber (man gönnt sich ja angeblich sonst nichts)

  14. 5.

    Die russische Propaganda vs. deutsche Propaganda ?
    Wenn die Russen recht haben, hat Deutschland wirklich nicht zu befürchten.

  15. 4.

    ganz einfach: Deutschland verpennt die Gefährdungslage, bis es zu spät ist, nach Vorbild Putin, der schlug die Warnungen aus den USA in den Wind.

  16. 3.

    Warum? Die größte Bedrohung in Deutschland kommt doch von rechts. Jedenfalls wird uns das seitens der Regierung und den Medien immer so suggeriert.

  17. 2.

    >"Deutschland verschläft wieder mal."
    Was bitte? Sie müssten schon konkreter werden.

  18. 1.

    Deutschland verschläft wieder mal.

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