Politik will Denkmalschutzgesetz ändern - Kirchen offen für Solaranlagen auf ihren Dächern

Di 28.02.23 | 08:15 Uhr
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Symbolbild:Solaranlage auf dem Dach einer Kirche.(Quelle:dpa/G.Bally)
Bild: dpa/G.Bally

Kirchen haben in der Regel große Dächer und sind so ideal für Photovoltaikanlagen. Eine Umfrage zeigt: Die Kirchen sind durchaus offen für Anlagen auf ihren Gebäuden. Bislang steht nur häufig der Denkmalschutz im Weg - doch das könnte sich jetzt ändern.

Photovoltaikanlagen auf Kirchendächern sind für die Evangelische und Katholische Kirche in der Region Berlin-Brandenburg längst kein Tabu mehr. Und auch die Politik reagiert auf das gestiegene Bewusstsein für Klimaschutz. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei den Kirchen in der Region.

"Die Bewahrung der Schöpfung, der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen ist für die christlichen Kirchen wie für alle staatlichen Ebenen oberste Maxime", heißt es in einer
gemeinsamen Erklärung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) sowie der katholischen Bistümer Berlin und Görlitz gemeinsam mit Brandenburgs Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) vom November vergangenen Jahres.

Dazu gehöre auch, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern schnellstmöglich zu reduzieren. Auch Kirchengemeinden sollten hierzu ihren Beitrag leisten. "Ausbau von erneuerbaren Energien und Denkmalschutz stehen vom Grundsatz her nicht im Widerspruch
zueinander", heißt es in der Erklärung.

Denkmalschutzgesetz soll geändert werden

Denkmalschutzrechtliche Verfahren sollten daher für eine Übergangszeit modifiziert werden. "Bis Brandenburg seine selbst gesteckten Klimaschutz-Ziele erreicht hat, soll der Ausbau der erneuerbaren Energien grundsätzlich Vorrang vor Belangen des Denkmalschutzes haben." Dazu will Schüle nach Angaben ihres Ministeriums in wenigen Wochen einen Entwurf zur Änderung des Denkmalschutzgesetzes vorlegen.

Die EKBO geht noch einen Schritt weiter: Sie hat bereits 2020 ein für die Gemeinden verbindliches Kirchengesetz beschlossen, demnach bis 2050 die CO2-Emissionen auf null gesenkt werden sollen. Photovoltaik-Anlagen sind den Angaben zufolge zunächst vor allem auf Dächern von Pfarr- und Gemeindehäusern errichtet worden, Kirchendächer habe man hingegen eher selten mit Solarpaneelen bestückt, hieß es. Rund 1.700 evangelische Kirchen gibt es in Brandenburg, viele davon stehen unter Denkmalschutz.

Viele Dächer geeignet

Dennoch könnten in Zukunft Sonnenkollektoren auch auf denkmalgeschützten Kirchen zum gewohnten Bild werden. Viele Kirchen besäßen große nach Süden ausgerichtete Dachflächen, welche sich grundsätzlich für Photovoltaik-Anlagen eigneten, sagt beispielsweise Stefan Bunzel, Leiter der Abteilung Bauerhaltung im katholischen Bistum Görlitz, zu dem auch der Süden Brandenburgs gehört. "Wenn derartige PV-Anlagen den optischen Gesamteindruck des Kirchgebäudes nicht übermäßig negativ beeinträchtigen", befürworte die kirchliche Aufsichtsbehörde Sonnenstrom von Kirchendächern, so Bunzel.

Mit dieser Haltung treffen die Kirchen auch bei den Denkmalschützern inzwischen auf Wohlwollen. "Wir alle als Gesellschaft sind aufgefordert, angesichts der Vorrangigkeit der Erzeugung erneuerbarer Energien die Spielräume auszuschöpfen", sagte Christof Krauskopf, Sprecher des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege. Dazu sei jeweils eine Einzelfallprüfung notwendig. Und: Es werde auch weiterhin Fälle geben, wo Solaranlagen aus denkmalfachlichen Gründen nicht möglich sein werden.

Sendung: rbb24 Inforadio, 28.02.23, 8 Uhr

14 Kommentare

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  1. 14.

    Lesen Sie bitte auch den anderen Eintrag, nicht nur denjenigen, auf den Sie sich beziehen und der eine Antwort auf einen anderen Beitrag darstellt. Der Bezug zu den (großen) Fensterflächen im Beitrag Nr. 3 ist über das Dach hergestellt - genau wie bei der Photovoltaik. Beides berührt im Sinne des Denkmalschutzes mithin die gleiche Fläche.

    Das Beitrag Nr. 10 bezieht sich auf weitere Grundprinzipien.

  2. 13.

    Mensch Herr Krüger.....
    Hier geht es um PV und die wird auf Dächern montiert und nicht auf Fensterflächen.

  3. 12.

    Wo schrieb ich, dass die WKA in dem Gartendenkmal aufgestellt werden solle? Folgen Sie bitte auch dem Link.

  4. 11.

    Man stelle sich vor den Denkmalschutz hätte es schon ein paar hundert Jahre früher gegeben. Wir würden immer noch in Lehmhütten hinter Pallisadenwällen wohnen. Was verändern darf man ja nicht!

  5. 10.

    Die Zahl 90% halte ich pur für aus der Luft gegriffen. Es gibt Kleinlichkeiten - bspw. erwähnte ich im Beitrag 3 das dreifache verdrehte Kellerfenstergitter, was keiner außer dem Hausherrn sieht; hinzufügen will ich noch die endlose Diskussion darüber, welche der drei Stufen am S-Bhf. Babelsberg denn nun barrierefrei abgesenkt werden solle -, doch ist es eben überaus differenziert. Mal so und mal so.

    Ohne Denkmalschutz wären etliche Sprossenfenster schlichtweg durch verglaste Löcher ersetzt worden, die sich mitnichten auf die Gesamtgestaltung des Hauses beziehen. Ohne Denkmalschutz wäre so manche Farbe an die Hauswand gekommen, die die Gesamtgestaltung schlichtweg "erschlägt." Bei grellen Werbebotschaften hingegen erweist sich der Denkmalschutz als "zahnloser Tiger".

    Es braucht ein behutsames Händchen und es gilt die Devise, dass der Eigentümer des Hauses Eigentümer ist und nicht die Denkmalbehörde. Wer das Eigentum hat, muss sich schließlich drin wohnen.

  6. 9.

    LDP! Wo steht, dass die WKA in den Vorgarten des Denkmals gestellt werden soll?

  7. 8.

    Bis Politiker ausschlafen dauert es viel zu lange. Macron muss seine Franzosen gerade auf massiven Energiemangel einschwören. Ein nie dagewesener Wassermangel bedroht nicht nur die Landwirtschaft sondern auch die Atombuden.
    In Italien sieht es nicht besser aus , und hier auch nicht. Preislich werden auch wir die Klimawandelfolgen spüren.

  8. 7.

    Was haben Sie denn gegen (Vor)Gärten als Gartendenkmäler, dass Sie da ein Windrad reinstellen wollen? So wie Sie formulieren, wird es zu Konfrontationen kommen. Die lange andauern. Mögen Sie keine Erneuerbaren? Gehören Sie zu Vernunftkraft?

  9. 6.

    Sehe ich ganz genauso! Was ist mit privaten Denkmal geschützten Häusern?

  10. 5.

    Liebe @Fragenstellerin,

    hier finden Sie mehr zum Thema.
    https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2022/08/berlin-brandenburg-denkmalschutz-energiewende-windraeder.html
    https://www.denkmalschutz.de/ueber-uns/die-deutsche-stiftung-denkmalschutz/nachhaltigkeit/solaranlagen-auf-denkmalen.html

  11. 4.

    Lieber rbb, sollte es hier nicht auf Bundesebene ein Gesetz geben zur Vereinbarkeit von Denkmalschutz und Klimaschutz? Wie ist da der Stand? Diese Info fehlt im Beitrag. Dies ist ja nicht nur ein Brandenburger Thema.

  12. 3.

    Es gibt einen Unterschied zwischen der Forderung nach einem dreifach verdrehten Gitter des Kellerfensters, was nur vom Heiligen See aus zu sehen ist und dem großflächigen optischen Verschwinden von Dachziegeln durch eine technische Anlage. Ein Kompromiss ist bspw. in der Kleinen Gasse (Verbindungsstraße zw. Charlottenstraße und Bäckerstraße in Potsdam) zu sehen: Am Seitenflügel der Commerzbank, deren Vorder- und Hinteransicht unverändert blieb: Am Seitenflügel sind riesige Fenster zugestanden worden, ansonsten die Bankangestellten den ganzen Tag bei Neonlicht hätten sitzen müssen. Das hat auch dem Denkmalschutz buchstäblich eingeleuchtet.

    All zu leichtfertig sollten Denkmalbelange nicht genommen werden, bedeuten sie ein Abbild der Zeit, offenbaren gerade sie - wie ein aufgeschlagenes Buch - die bauliche Entwicklung einer Stadt. Es ist frappierend, das überhaupt sagen zu müssen.

    Das (Sattel)Dach kann als so etwas wie eine fünfte Fassade genommen werden.

  13. 2.

    Der Denkmalschutz gehört gehörig zusammengestutzt. 90% komplett irrsinnig was das Amt da macht.

  14. 1.

    "Bis Brandenburg seine selbst gesteckten Klimaschutz-Ziele erreicht hat, soll der Ausbau der erneuerbaren Energien grundsätzlich Vorrang vor Belangen des Denkmalschutzes haben." Betrifft das nur PV-Anlagen oder auch WKA in der Nähe von "Gartendenkmälern?
    S. https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2022/08/brandenburg-uckermark-windkraft-energiewende-denkmalschutz-buerokratie.html

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