Untersuchung der TH Wildau - Studie belegt Potenzial für E-Roller und E-Bikes im Speckgürtel

Fr 16.02.24 | 14:39 Uhr
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Symbolbild:Ein junger Mann fährt auf einem E-Roller.(Quelle:picture alliance/dpa/W.Steinberg)
Bild: picture alliance/dpa/W.Steinberg

Im Berliner Speckgürtel könnten E-Roller und E-Bikes eine nützliche Ergänzung zum ÖPNV sein. Das zeigt eine Studie der Technischen Hochschule Wildau in Zusammenarbeit mit dem E-Roller-Anbieter Bolt.

"Gerade in Stadtrandlage sind die Fahrzeuge ideal einzusetzen als Zubringer zum ÖPNV und auf Tangentialverbindungen, da wo der ÖPNV schwach ist oder gar nicht existiert", sagte Christian Rudolph, Verkehrsexperte der Technischen Hochschule Wildau, dem rbb. Diese Art der Mikromobilität könnte demnach beim Park-and-Ride das Auto auf dem Weg zur nächsten Haltestelle von Bus oder Bahn durch Elektro-Roller oder E-Bikes ersetzen, sowohl in Berliner Außenbezirken als auch in Städten und Gemeinden Brandenburgs mit guter ÖPNV-Anbindung nach Berlin.

Die Zahlen hätten "ganz deutlich gezeigt, dass gerade in den frühen Morgenstunden und den späten Abendstunden, wenn kein Bus fährt oder eben ganz selten, die Fahrzeuge sehr gern genutzt werden, um zur U-Bahn, S-Bahn oder Regionalbahn zu fahren oder eben von der Bahn nach Hause", so Rudolph.

Verkehrsexperte: Preis hat keinen Einfluss auf Nutzung

In Stadtrandlagen von Berlin würden Stationen für die Anbieter sinnvoll sein, um das Angebot wirtschaftlich zu betreiben. Denn wenn die Roller nicht überall eingesammelt werden müssten, wäre der Betrieb kostengünstiger, so Rudolph weiter.

In Reallaboren in Erkner (Oder-Spree) und Berlin war die Nutzungsfrequenz der Studie zufolge geringer als im Innenstadtbereich, im Verhältnis zur Einwohnerdichte wurden die E-Roller aber häufig genutzt. "Am meisten hat mich überrascht, dass die unterschiedlichen Preismodelle keine Auswirkungen auf das Nutzungsverhalten der Teilnehmenden hatte. Wir können das Angebot also nicht durch den Preis attraktiver machen", so Verkehrsexperte Rudolph. Bei den der Studie zugrunde liegenden Angeboten des Sharing-Angebots wurden drei unterschiedliche Preismodelle getestet.

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass E-Roller in den Tests deutlich den E-Bikes vorgezogen wurden.

Mögliche Subventionen durch Kommunen?

Wo und wie die Fahrzeuge geparkt werden, sei ein entscheidender Schlüssel für eine höhere Akzeptanz. Stationäre Leihsysteme seien unbedingt zu bevorzugen, um andere Verkehrsteilnehmende nicht zu behindern, sagt Rudolph.

Ziel der Studie war es festzustellen, ob E-Scooter und E-Bikes als Zubringer für die erste und letzte Meile – also die letzten ein bis zwei Kilometer – vom und zum öffentlichen Verkehr stark genutzt werden und wie sie eine sinnvolle, nachhaltige Ergänzung zum ÖPNV darstellen können. Die Reallabore liefen in den äußeren Berliner Stadteilen Lichtenrade und Zehlendorf von Juli 2022 bis Mai 2023, wo die Pkw-Dichte höher ist als in innerstädtisch gelegenen Bezirken Berlins. In Erkner lief das Experiment von September 2022 bis Mai 2023.

Knackpunkt für Anbieter von E-Fahrzeugen im Speckgürtel ist die wirtschaftliche Rentabilität. Um diese zu erreichen, brauche es laut dem an der Studie beteiligten E-Roller-Anbieter Bolt gegebenenfalls "Kompromisse zwischen Kommunen und Anbieter, vielleicht Subventionen, um sicherzustellen, dass die Menschen, die in ländlichen, suburbanen Räumen leben, künftig öfter von Mikromobilitätsdiensten profitieren können", so Dustin Williams von Bolt.

Sendung: rbb24 Nachrichten, 15.02.2024, 16:00 Uhr

17 Kommentare

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  1. 17.

    Ist das nicht Allgemeinwissen, dass Sharing-Modelle an der Sauberkeit/Instandhaltung, früher oder später, scheitern?

  2. 16.

    Das eine schließt aber das andere nicht aus. Eine oder mehrere Bus- oder S-Bahnhaltestelle im max. 400m Radius wie in Berlin wird es auch im Speckgürtel wohl kaum werden und somit ist die Frage berechtigt: Wie kriegt man möglichst viele Menschen auf der letzten Meile eingefangen ohne dass sie ihren PKW aus der Garage holen. Das der dichte individuelle PKW Verkehr insbesondere im urbanen Raum gesellschaftlich hohe Kosten verursacht, steht doch wohl außer Frage.
    Muss nicht zwingend so ein Roller sein aber irgendein Angebot muss schon geschaffen werden um den notwendigen Ausbau des ÖPNV auch für möglichst viele nutzbar zu machen.
    Letzten Endes sind diese Mietroller Teil des ÖPNV weil öffentlich durch Personen im Nahbereich nutzbar, genauso wie Taxis u.ä.
    Ob und wie man das öffentlich fördern muss ist abzugleichen mit dem gesamten Nutzen für die Gesellschaft.

  3. 15.

    Ohne Subventionen läuft nunmal Nicht oder Nur sehr wenig in Deutschland - nunmal ein kaltes Land ohne Bodenschätze und meist auch nicht mal ein Meer oder größerer See vor der Haustür.
    Ein gutes Land für Subventionen, Fördergelder und ausuferndes Beamtentum

  4. 14.

    10-15km ist nicht die Zielgruppe.
    „ Ziel der Studie war es festzustellen, ob E-Scooter und E-Bikes als Zubringer für die erste und letzte Meile – also die letzten ein bis zwei Kilometer…“
    Im Speckgürtel Berlins und darum ging es ja sollten 10-15 km mit Bussen o.ä überbrückt werden.

  5. 13.

    Die Forderungen dieser unsäglichen Geräteanbieter werden immer skurieler.. Der ÖPNV gehört vernünftig ausgebaut.. Da diese Fortbewegungsmittel wenn meist nur von jungen Menschen ohne Gepäck dafür oft (verkehrswidrig) zu zweit genutzt werden dann z. B. mit dauerblinken geradeaus fahren weil Unkenntnis von der geltenden Verkehrsordnung andere Teiln.verunsichern usw. ist es weder plausibel noch sicherheitsrelevant dies auch noch finanz. zu fördern...

  6. 12.

    Nun, ich beobachte das seit ca. 2 Jahren in unserer Gemeinde Panketal, die mit Tier einen Vertrag geschlossen hat: 150 Roller und, ich glaube, genauso viele E-Bikes. Die Park&Ride-Parkplätze sind immer in der Nähe oder direkt an der S-Bahnstation, da lohnt sich kein Roller. An den Stationen gibt es große Radstellplätze, unter der Woche sehr gut frequentiert, mit privaten Fahrrädern. Daneben stehen dann vielleicht mal 4,5,6 Roller, wenn überhaupt und kein einziges E-Bike von Tier. Dafür liegen insbesonder die Roller andernorts öfter mal quer übern Gehweg, oder im Straßengraben. Nein, ich traue der Studie nicht. Ich glaube, hier hätte jemand gern Stütze aus Steuermitteln für sein Geschäftsmodell, das sich eigenfinanziert einfach nicht rechnet.

    Gruß, Navan

  7. 11.

    Stellt sich die Frage was für die Kommunen auf der Haben Seite stehen würde?
    In Hamburg hat man schon mal seriös prognostiziert welchen Flächengewinn man erwarten kann wenn der individuelle PKW Verkehr weiterhin so abnimmt wie bisher.
    Die "Schlacht" um die Flächen beginnt zwischen Grünflächen und Medienversorgern. In der TAZ-Online hab ich da was gelesen. TAZ+Hamburg+Straßen dann findet sich der Artikel.
    Hamburg kann man natürlich nicht mit Berlin und schon gar nicht Erkner und sicher auch nicht mit Frankfurt vergleichen.

  8. 10.

    Schaffen die Roller 10-15 km zur nächste Bahnstation? Oder bleibt man dann vielleicht in Wald und Flur stehen?

  9. 9.

    Es kommt immer darauf an, mit welchen Fragestellungen man eine Studie in Auftrag gibt. Ob sie dann digital ausgewertet wird ist sekundär. Wenn ein Auftraggeber mit einer Studie seine eigenen Thesen untermauern will, wird er auch Fragen, Ort und Personenkreis entsprechend aufstellen. Ich frage mich daher schon, welches Interesse die Beschäftigten und Studierenden der TH Wildau und der E-Roller Anbieter Bolt an der Studie haben. Sind es die gleichen Interessen, die auch die Bewohner der angrenzenden Wohngebiete haben?

  10. 8.

    Mit Sicherheit eine Studie im Auftrag der Rollerhersteller oder Vermieter.
    E-Roller braucht niemand, Es wird dringend Zeit Sie im Öffentlichen Raum zu verbieten.

  11. 7.

    Wer braucht diese Roller? Nur wenige, jedenfalls ich nicht. Die Personen, welche spät abends und / oder in entlegenen Gegenden unterwegs sind, vorausgesetzt vom ÖPNV fährt überhaupt noch etwas, nutzen ab Haltestelle entweder Fahrräder, bilden Fahrgemeinschaften oder fahren mit dem eigenen Kfz..
    Persönlich sehe ich die E-Roller von Vermietern als Ressourcenverschwendung u. einen Berg von Sondermüll. Ebenso halte ich sie, ohne Blinker und Rückspiegel, für gefährliche verkehrsunsichere Fahrzeuge.

  12. 6.

    Nun Studien, ob von Firmen, Betreibern oder öffentichen beauftragt, folgen meist "digitalen Auswertungen".
    Visuelle-/augenscheinliche (eigene) Beobachtungen/Einschätzungen sind da nicht mehr von Belang.
    KI wird auch das erübrigen.
    Und der Datenschutz, der ist dabei sicher!

  13. 5.

    Potential:
    1-5 Roller vs 1000 arbeitende Menschen

  14. 4.

    Ich habe selbst noch keine Roller benutzt, denke aber, dass diese gerade in den Randbezirken deutlich mehr Sinn ergeben, als in der Innenstadt, wo es Busse und Bahnen an jeder 2. Ecke gibt.
    In den Randbezirken muss man manchmal schon 1-2km bis zum nächsten Bus laufen und da fühlen sich insbesonders jüngere Leute manchmal etwas abgehängt.
    Natürlich ändert das nichts daran, dass man Wege finden muss, wie die Dinger wieder so abgestellt werden, dass sie die anderen Verkehrsteilnehmer nicht stören.
    In unserer Wohnstraße stehen immer ein paar rum. Meistens sogar relativ ordentlich am Straßenrand.

  15. 3.

    Eine Studie, die vom rollerbetreiber in Auftrag gegeben und bezahlt wird. Zu welchem Ergebnis, außer einem zugunsten des Betreibers, soll die wohl kommen.
    In oranienburg, also speckgürtel, hat man die Dinger gerade verbannt weil sie überall rumgelegen haben und absolut keine Alternative in Sachen Bewegung darstellen. In Paris wurden die Dinger auch aus dem Verkehr gezogen. Und jetzt kommt Bolt und will noch Subventionen dafür! Einfach lächerlich!

  16. 2.

    "Knackpunkt für Anbieter von E-Fahrzeugen im Speckgürtel ist die wirtschaftliche Rentabilität. Um diese zu erreichen, brauche es laut dem an der Studie beteiligten E-Roller-Anbieter Bolt gegebenenfalls "Kompromisse zwischen Kommunen und Anbieter, vielleicht Subventionen, um sicherzustellen, dass die Menschen, die in ländlichen, suburbanen Räumen leben, künftig öfter von Mikromobilitätsdiensten profitieren können", so Dustin Williams von Bolt." Darum geht es dem Hersteller wohl hauptsächlich, um Subventionen. Bitte keine neuen Subventionen dafür, entweder es findes sich ein Geschäftsmodell, welches rentabel ist oder man läßt es sein, weil es absehbar immer unrentabel bleibt für private Anbieter.

  17. 1.

    Wie, jetzt sollen diese von den meisten Berlinern abgelehnten E-Roller und E-Fahrräder auch noch aus Steuergeldern subventioniert werden??? Geht's doch?

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