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Audio: rbb24 Inforadio | 26.04.2023 | Frauke Thiele | Quelle: © David Baltzer/bildbuehne.de

"Woche, Woche" von Lara Schützsack

Kindertheaterpreis für ein Stück über das Chaos in einer Patchwork-Familie verliehen

Der Berliner Kindertheaterpreis gilt als Werkstatt für zeitgemäßes Kindertheater: Eine Jury wählt zunächst aus Stück-Ideen aus, das Grips-Theater erarbeitet dann mit den Autor:innen eine Aufführung. Am Dienstag wurde der Preis erneut vergeben. Von Frauke Thiele

Die Autorin Lara Schützsack ist am Dienstagabend im Berliner Grips-Theater mit dem Berliner Kindertheaterpreis ausgezeichnet worden. Die in Berlin lebende Schützsack wurde für ihr Stück "Woche, Woche" über einen Jungen im Patchwork-Familien-Chaos ausgezeichnet.

Der Preis wird alle zwei Jahre vom Grips-Theater und der Gasag verliehen. Seit 18 Jahren werden dabei deutschlandweit Autor:innen gesucht, die für Kinder Theaterstücke schreiben sollen. Eine Jury nominiert die besten Stück-Ideen und das Grips-Theater arbeitet dann mit diesen Autor:innen. Am Ende der Stückentwicklung steht dann die Preisverleihung.

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Am Dienstag spielten drei Grips-Schauspielerinnen und eine Musikerin Szenen aus den nominierten Stücken. Das Themenspektrum war groß: vom Umgang mit dem Tod bis zu überfürsorglichen Eltern, vom Mädchen- und Jungen-Sein ohne Klischees bis zum Trennungsalltag in der Familie. Abwechslungsreich, alles in sehr heutiger Sprache und unaufgeregt frech.

Kinder müssen sich wiederfinden, sonst schalten sie ab

Gute Kindertheaterstücke würden nicht einfach so vom Himmel fallen, sagt Philipp Harpain, Leiter beim Grips-Theater. Kinder müssten sich in diesen Geschichten wiederfinden. – andernfalls könnten sie zu einemwerden. Die ausgewählten Autor:innen des Berliner Kindertheaterpreises hätten daher auch vorab an Schulen mit Kindern geredet und sich von Psychologen etwas über kindliche Entwicklungsstufen erzählen lassen, so Harpain.

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In Berlin wohnen Kinder immer länger mit ihren Eltern zusammen. Ein Grund könnten die stark gestiegenen Mietkosten sein, ein anderer das gute Einvernehmen zwischen Eltern und Kindern, sagt Soziologe Klaus Hurrelmann. Allerdings hat der Trend Schattenseiten.

Förderpreis geht an Marie Hüttner für "Ertappt"

Die Jury entschied, dass das Stück "Woche-Woche" von Lara Schützsack für Kinder am besten funktioniert und zeichnete es mit dem Berliner Kindertheaterpreis aus, verbunden mit der Uraufführung am Grips-Theater. Die Autorin beschreibt den Alltag einer Patchwork-Familie und wie sich der Junge Nunu in einemalltäglichen Familienchaos verliert. Er versteht die Sprache seiner Eltern nicht mehr - und die Streitereien der getrennten Eltern ebenso wenig. Lara Schützsack betonte, es sei für sie wie ein Geschenk, weiter mit dem Grips-Theater zusammenarbeiten und dort ihr Stück aufführen zu dürfen. Autorin Lara Schützsack lebt in Berlin und hat bisher ein Jugendbuch und zwei Kinderbücher verfasst, aber noch kein Theaterstück für Kinder. Es sei für sie wie ein Geschenk, nun weiter mit dem Grips-Theater zusammenarbeiten und dort ihr Stück aufführen zu dürfen, sagte sie am Dienstag.

Der zweite Preis, der Förderpreis, geht an Marie Hüttner für ihr Stück "Ertappt". Darin geht es um das Mädchen Maja und ihre Freunde, die nach einem Dieb suchen, der im "Späti" ihrer Mutter nur die Sonderangebote klaut. Der Dieb ist am Ende eine Diebin: die Oma von Maja, die im Alter verarmt ist. Marie Hüttner hat bereits Krimis und Hörspiele geschrieben, auch für Kinder. "Ertappt" ist aber ihr erstes Theaterstück für Kinder. Sie kommt aus Potsdam, lebt inzwischen aber in Berlin.

Eines der nominierten Stücke wurde am Dienstagabend nicht aufgeführt: ein Stück über einen Jungen, der von seinem Vater missbraucht wird. An dem Stück müsse noch gearbeitet werden, erklärte Philipp Harpain vom Grips-Theater. Am Ende ist der Berliner Kindertheaterpreis eben mehr als nur ein Preis, sondern auch ist eine Werkstatt für gutes, zeitgemäßes Kindertheater.

Sendung: rbb24 Inforadio, 26.04.2023, 6:55 Uhr

Beitrag von Frauke Thiele

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