100 Tage im Amt - Die erste Bilanz für den schwarz-roten Senat

Fr 04.08.23 | 08:40 Uhr | Von Jan Menzel, Sabine Müller und Sebastian Schöbel
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Symbolbild: Die erste Bilanz für den schwarz-roten Senat (Quelle: dpa/C. Soeder)
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Video: rbb|24 | 05.08.2023 | Bild: dpa/C. Soeder

Der schwarz-rote Senat ist 100 Tage im Amt. Holprig war der Beginn, stolpernd die weiteren Schritte und nun ein kleiner wackeliger Sommer-Zwischenstopp. Die Kurzurteile über die Regierungsriege fallen unterschiedlich aus.

Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister

Archivbild: Kai Wegner, Regierender Buergermeister von Berlin. (Quelle: dpa/K. Hofmann)
| Bild: dpa/K. Hofmann

Termine, Grußworte und sogar eine Auslandsreise: Als Regierender Bürgermeister hat Kai Wegner einen vollen Terminkalender. Was er aber vermeidet, ist mediale Omnipräsenz. Stattdessen meldet sich Wegner punktuell zu Wort, etwa wenn er seine strauchelnde Verkehrssenatorin unterstützt und erklärt, dass nun eben ein schwarz-roter Senat regiere, der andere Politik mache als die rot-grün-roten Vorgänger.

Hoch auf dem Regenbogen-Wagen und scharfe Ordnungsappelle

Dabei sendet der Regierende Bürgermeister durchaus unterschiedliche Signale. Einmal erklärt er, dass er persönlich nicht viel vom Gendern halte. Dann fährt er ganz oben auf dem Regenbogen-Wagen beim Christopher Street Day mit. Sogar in bundesweite Debatten schaltet sich der Regierende Bürgermeister ein. Als CDU-Chef Friedrich Merz in Sachen AfD laviert, stellt Wegner klar, dass für ihn keine Zusammenarbeit mit der Rechtsaußen-Partei in Frage komme.

Dass Wegner (noch immer) Law and Order kann, zeigt er, indem er Freibad-Randalierern und Kriminellen im Görlitzer Park die rote Karte zeigt. Wobei es hier zunächst nur Ansagen des Bürgermeisters sind, Taten müssen noch folgen. Das gilt auch für die Verwaltungsmodernisierung. Wegner hat das Projekt zu seiner Chefsache gemacht. Wie viel Wegstrecke hier noch vor dem Rathaus-Chef liegt, zeigen die Hiobsbotschaften von der E-Akte, die in den Bezirken noch lange nicht funktioniert.

Franziska Giffey (SPD), Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe

Archivbild:Franziska Giffey (SPD), Wirtschaftssenatorin in Berlin, beim Berliner Salon im Rahmen der Berlin Fashion Week im Kronprinzenpalais am 10.07.2023.(Quelle:dpa/J.Kalaene)
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An ihre Rolle in der zweiten Reihe hat sich die Ex-Regierende schnell gewöhnt. Allerdings machte ihr es der neue Job erwartbar leicht: Als Wirtschaftssenatorin konnte Giffey mit der wachsenden, bunten IT-Branche auf der re:publica feiern, mit Telekom und Co. Glasfaserkabel löten und den Netzausbau verkünden, und nebenbei den großen Messebetreibern in anderen Städten den roten Teppich nach Berlin ausrollen.

Die 45-Jährige scheint ihre Rolle als Chef-Werberin des Wirtschaftsstandorts Berlin zu genießen – versüßt durch die Aussicht auf Milliardenbeträge aus dem Klimaschutz-Sondervermögen, das ihre Verwaltung zu einem großen Teil ausgeben wird, etwa für den Aufbau einer klimaneutralen Energieversorgung. Da lässt es sich offenbar auch gut verschmerzen, dass der neue Chef im Roten Rathaus immer mal wieder deutlich macht, wie sehr er sich von Giffeys omnipräsentem Führungsstil abheben will. Unangenehm wird es für Giffey lediglich innerhalb der eigenen Partei: Hier droht ihr im nächsten Jahr die Entmachtung als Landeschefin.

Stefan Evers (CDU), Finanzsenator

Archivbild: Stefan Evers (CDU), Senator für Finanzen. (Quelle: dpa/A. Riedl)
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Stefan Evers war bislang nicht als Finanzpolitiker aktiv. Dafür ist der CDU-Generalsekretär ein politischer Allrounder und ein Kommunikationstalent. Sein Start als Finanzsenator verlief so reibungslos, dass man fast denken könnte, er hätte schon immer mit Etatansätzen, Titeln und pauschalen Minderausgaben zu tun gehabt. Der erste Doppelhaushalt der schwarz-roten Koalition ist - allen Befürchtungen zum Trotz – keine Rotstift-Orgie geworden. Vielmehr kritisieren Steuerzahler-Bund und Teile der Opposition, dass alle Rücklagen aufgezehrt werden und Berlins Verschuldung weiter dramatisch steigt.

Sondervermögen, Pensionierungswellenbrecher und neue Aufstellungen

Dass ein CDU-Finanzsenator Evers nicht für ein "Sparen bis es quietscht" steht, zeigt auch das geplante Sondervermögen für mehr Klimaschutz. Dafür sollen bis zu zehn Milliarden Euro neue Kredite und damit neue Schulden mobilisiert werden.

In Evers' Zuständigkeit fallen auch die Landesbediensteten und deren Bezahlung. Hier setzte er in seinen ersten 100 Tagen im Amt andere Akzente als seine Vorgänger. Aufgrund der Pensionierungswelle und der Fachkräfte-Konkurrenz werde der Öffentliche Dienst eher schrumpfen als wachsen, sagt er. Um dennoch die Aufgaben erledigen zu können, müsse die Verwaltung neu aufgestellt und das verbleibende Personal besser bezahlt werden.

Iris Spranger (SPD), Senatorin für Inneres und Sport

Sportsenatorin Iris Spranger am 09.05.2023.(Quelle:picture alliance/contrast photoagentur/O.Behrendt)
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Für Iris Spranger war in den ersten 100 Tagen alles dabei: Als Sportsenatorin konnte sie sich mit schönen Bildern von gut organisierten Special Olympics schmücken, als Innensenatorin war an der Seite des Regierenden Bürgermeisters Trouble-Shooting angesagt, um nach den Freibad-Randalen Durchsetzungskraft zu demonstrieren.

Vor allem die "Kümmerin" und dann aber auch der härtere Kurs

Sprangers Lieblingsrolle als mütterliche Kümmerin ("meine Polizei, meine Feuerwehr") erhielt in den Haushaltsverhandlungen Risse – die Feuerwehr, die mehr als 700 neue Stellen wollte, bekam erstmal nur 92 zugesagt.

Großvorhaben wie das Landesamt für Einwanderung gehen auf die Zielgerade, es muss sich aber erst zeigen, ob alles so funktioniert wie geplant. Sprangers offene Freude darüber, dass mit der CDU bei der Inneren Sicherheit nun deutlich mehr machbar ist als mit Grünen und Linken, könnte nach der Sommerpause einen Dämpfer erhalten. Denn dann muss der härtere Kurs – etwa mit ausgeweitetem Präventivgewahrsam – durchs Parlament und in Sprangers SPD sind längst nicht alle begeistert davon.

Manja Schreiner (CDU), Verkehrs-, Klimaschutz- und Umweltsenatorin

Archivbild: Manja Schreiner (CDU), Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz des Landes Berlin. (Quelle: dpa/J. Carstensen)
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Kein anderes Senatsmitglied hat in den ersten 100 Tagen so stark polarisiert wie Manja Schreiner. Als eine ihrer ersten Amtshandlungen öffnete sie die Friedrichstraße wieder für Autos. Erklärtermaßen will die ehemalige Bau-Lobbyistin keine Politik gegen das Auto machen und das gute Miteinander auf Berlins Straßen befördern. Doch mit dem Stopp für alle Radwege-Projekte brachte die Senatorin nicht nur Radfahrende und die Opposition, sondern auch manche beim Koalitionspartner SPD gegen sich auf.

Auch wenn nach der Überprüfung viele Fahrradwege nun doch wieder gebaut werden sollen, bleiben einige Projekte weiter in der Schwebe. Der längst fertige Radstreifen an der Ollenhauerstraße wartet weiter darauf, freigegeben zu werden. Nach wie vor drohen Zuschüsse des Bundes zu verfallen. Und grundsätzlich stellt sich die Frage: Wird die Planung weiterer zukünftiger Radwege still und leise abgewürgt?

Gesperrte Radwege und nicht feststehende Klimaschutzprojekte

Womöglich war das (Kommunikations)Chaos in der Verkehrspolitik ein Grund dafür, dass Manja Schreiner vor allem als Mobilitätssenatorin und weit weniger in ihren anderen Funktionen wahrgenommen wurde. Beim Umwelt- und Klimaschutz setzt sie vor allem auf das Milliarden Euro schwere Sondervermögen. Konkrete Klimaschutz-Projekte stehen aber noch nicht fest. Sie sollen in den kommenden Monaten benannt werden.

Als Highlight sieht die Senatorin die Geothermie-Strategie des Senats: Wärme aus den Tiefen der Erde soll zum Heizen genutzt werden, Berlin unabhängiger von Gas und Öl machen und den CO2-Ausstoß reduzieren. Umweltschützer bezweifeln aber, dass ohne echte Einsparungen beim Energieverbrauch das Senatsziel Klimaneutralität "deutlich vor dem Jahr 2045" realistisch ist.

Cansel Kiziltepe (SPD), Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung

Archivbild: Cansel Kiziltepe (SPD), Berliner Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung. (Quelle: dpa/H. Albert)
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Falls es in den ersten 100 Tagen dieser schwarz-roten Koalition überhaupt einen Moment des Konflikts zu finden gab, dann ging er wohl auf Cansel Kiziltepe zurück. Als Arbeitssenatorin ließ die SPD-Politikerin die Berliner Unternehmen wissen, dass sie sehr wohl mit einer Ausbildungsabgabe rechnen müssen, falls sie keine Azubis einstellen – was die neue Sprecherin des Regierenden Bürgermeisters gleich wieder korrigierte: Der Senat wolle die Abgabe nicht - was zumindest für die CDU stimmt, im Koalitionsvertrag aber trotzdem verabredet wurde. Nun soll Kiziltepes "Bündnis für Ausbildung" bis August 2025 2.000 zusätzliche Azubi-Plätze schaffen und die Strafabgabe noch abwenden.

Unklarheiten über die Ausbildungsabgabe und eine neue Task-Force

Die größte Baustelle für Kiziltepe aber ist und bleibt die Flüchtlingsunterbringung. Das Ankunftszentrum am ehemaligen Flughafen Tegel wurde bis Sommer 2024 verlängert – mindestens. Eine neue Task-Force soll nun Unterbringungsmöglichkeiten suchen, und Kiziltepe muss parallel die teils unwilligen Bezirke überzeugen, modulare Unterkünfte zu genehmigen.

Katharina Günther-Wünsch (CDU), Senatorin für Bildung, Jugend und Familie

Archivbild: Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU). (Quelle: dpa/S. Stache)
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Ihre Amtszeit begann mit einem furchtbaren Schreckmoment: An der Evangelischen Schule in Berlin-Neukölln verletzte ein offenbar geistig verwirrter Mann zwei Mädchen mit einem Messer schwer. Günther-Wünsch, noch keinen Monat im Amt, konnte nur ihr Mitgefühl ausdrücken, denn sinnvolle Lösungsvorschläge gab es keine. Danach aber versuchte die ehemalige Schulleiterin eigene Akzente zu setzen.

Ein schweres Erbe und ein fast unlösbarer Konflikt

Sie befreite die Schulleitungen von Obergrenzen bei Neueinstellungen. Schulen, die bereits 96 Prozent ihrer Stellen besetzt haben, müssen nun keine Bewerber für Lehrerjobs mehr abweisen. Fraglich ist, ob die weniger beliebten Schulen künftig noch größere Personalprobleme bekommen, weil Bewerbungen ausbleiben. In jedem Fall erbt Günther-Wünsch rund 1.500 unbesetzte Stellen im Berliner Schulbetrieb. Und auch der Protest der Bildungsgewerkschaft GEW für kleinere Klassengrößen – ein fast unlösbarer Konflikt – bleibt ihr wohl erhalten.

Ina Czyborra (SPD), Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege

Archivbild: Ina Czyborra (SPD), Berliner Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege. (Quelle: dpa/H. Albert)
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Die Zeiten, in denen Berliner Gesundheitssenatorinnen mehr Aufmerksamkeit als die Regierungschefs und -chefinnen bekamen, sind vorbei: Ina Czyborra trat ihr Amt quasi mit dem Ende der Corona-Pandemie an und muss sich nun wieder mit den medial weniger attraktiven Herausforderungen ihres Ressorts herumschlagen. Die ewige Suche nach mehr Pflegepersonal zum Beispiel. Oder die Finanzierung der Krankenhäuser: Da flatterte ihr gerade die Klageandrohung von rund 30 Krankenhaus-Betreibern auf den Tisch, die sich an den üppigen Sonderzahlungen des Senats an den wirtschaftlich wackeligen, landeseigenen Vivantes-Konzern stören.

Brodeln in der Wissenschaft

Auch in der Berliner Wissenschaftswelt brodelt es: Postdoktoranten, die an den Unis arbeiten, dürfen nun bis mindestens 2025 nur mit Kurzzeit-Verträgen abgespeist werden. Dabei hatte Czyborra selbst, damals noch als Abgeordnete, eine Verbesserung der Bedingungen für Jungakademiker auf den Weg gebracht – und muss nun verteidigen, dass die Berliner Unis mehr Zeit bekommen, um Postdoktoranten unbefristete Stellen anzubieten. Vermutlich ist die SPD-Politikerin in solchen Momenten nicht böse drum, nicht mehr im Rampenlicht zu stehen.

Joe Chialo (CDU), Senator für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt

Archivbild: Joe Chialo (CDU), Berliner Senator für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. (Quelle: dpa/B. Jutrczenka)
| Bild: dpa/B. Jutrczenka

Chialo ist der Strahlemann dieses Senats: grundsätzlich gut gelaunt, immer lässig. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass er auch scharf werden kann. Der Ex-Musikmanager arbeitet seit seinem Amtsantritt gegen Befürchtungen an, er interessiere sich hauptsächlich für die Kreativwirtschaft und weniger für die Berliner Hochkultur.

Ein Antwort, die nicht kommt und ein Rettungsplan

Chialos bisher größter inhaltlicher Aufschlag: Die Grundzüge eines Rettungsplans für die Uferhallen-Ateliers stehen. Damit könnte er schaffen, woran sich andere jahrelang die Zähne ausbissen. "Es wird nichts so bleiben, wie es ist", hatte Joe Chialo beim Start über die Berliner Kulturszene gesagt. Nachdem er seinem Ressort im nächsten Doppelhaushalt einen kleinen Zuwachs gesichert hat, klingt er mittlerweile deutlich weniger drastisch. Allerdings will der Senator grundsätzlich klären, was in der Kultur "gebraucht" wird und was "verzichtbar" ist. Um eine Antwort, was er persönlich für verzichtbar hält, drückt er sich bisher allerdings.

Christian Gaebler (SPD), Senator für und Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen

Archivbild: Christian Gaebler (SPD), Berliner Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. (Quelle: dpa/F. Sommer)
| Bild: dpa/F. Sommer

Er ist einer der alten Hasen in der Berliner Landespolitik und nach unterschiedlichen Stationen ganz oben in der Stadtentwicklungsverwaltung angekommen. Dort warten auf den neuen Senator Christian Gaebler allerdings die alten Probleme. Mietwohnungen sind Mangelware und der Neubau läuft längts nicht so geschmiert, wie es in einer Stadt mit ordentlich Zuzug nötig wäre. Allerdings kann der SPD-Politiker für sich verbuchen, dass die Wohnungsbauförderung verdoppelt werden soll. Ab 2024 stecken 1,5 Milliarden Euro pro Jahr im Fördertopf. Außerdem sollen auch Haushalte mit mittleren Einkommen Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein bekommen. Ebenfalls erweitert wurde der Kreis der Haushalte, die einen Mietzuschuss beantragen können.

Eine Vergesellschaftung, die wartet, und ein Rahmengesetz in Arbeit

Kaum im Amt, bekam der Stadtentwicklungssenator den Kommissionsbericht auf den Schreibtisch, wonach die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne in Berlin machbar ist. Hier spielt der Hobby-Schiedsrichter Gaebler aber auf Zeit. Die schwarz-rote Koalition will zunächst ein Rahmengesetz zur Vergesellschaftung erarbeiten und dann abwarten, wie sich das Bundesverfassungsgericht dazu verhält, wenn dagegen geklagt wird.

Felor Badenberg (parteilos, für die CDU), Senatorin für Justiz und Verbraucherschutz

Archivbild: Felor Badenberg (parteilos), Justizsenatorin von Berlin kommt zu einer Pressekonferenz zum Abschluss der Justizministerkonferenz. (Quelle: dpa/M. Skolimowska)
| Bild: dpa/M. Skolimowska

Der Sprung vom Bundesverfassungsschutz in die Landespolitik war groß und Felor Badenberg fremdelt oft noch erkennbar mit dem Berliner Betrieb und seinem harten Umgangston. In der Öffentlichkeit ist bisher vor allem ihr "Tagesthemen"-Interview zur "Letzten Generation" hängengeblieben. Was die Senatorin zur Einstufung der Klimaaktivisten als kriminelle Vereinigung zu sagen hatte, wurde als peinlich und naiv kritisiert. Dazu kam die heikle Frage, ob Badenberg der Staatsanwaltschaft politische Vorgaben machen wolle.

Law and Order, Schnellverfahren und klare Kante

Ob hier eine Law-and-Order-Senatorin am Werk sei, wurde auch deshalb gefragt, weil die Staatsanwaltschaft jetzt vermehrt Schnellverfahren gegen Klimaaktivisten anstrebt (wenn auch bisher erfolglos). Kante zeigen will Badenberg im Kampf gegen Clan-Kriminalität, verspricht neues Personal für Staatsanwaltschaft und Gerichte. In ihrem zweiten Zuständigkeitsbereich Verbraucherschutz ist die Juristin noch voll in der Einarbeitungsphase. Dass sie im Ostteil der Stadt im Herbst eine zweite Verbraucherzentrale eröffnen kann, ist auf Vorarbeit von Rot-Grün-Rot zurückzuführen.

Sendung: rbb24 Inforadio, 4.8.2023, 8:05 Uhr

Beitrag von Jan Menzel, Sabine Müller und Sebastian Schöbel

52 Kommentare

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  1. 52.

    Für Busse wird auch Mineralölsteuer gezahlt, auch für Linienbusse. Oft werden viele Kosten, die Autofahrer verursachen, aber nicht bezahlen, unterschlagen, z.B. Krankheitskosten durch Unfälle und ungesunde Lebensweise wie Bewegungsmangel, Störung der Anwohner durch Lärm+Abgase. @alle: Hoffentlich macht die Groko nicht zu viel Murks, der dann durch RG wieder korrigiert werden muß. Der Radwegstopp war schlimm genug. Vor allem die Enteignung der Miethaie und der Ausbau des ÖPNV dürfen nicht unnötig verzögert werden.

  2. 51.

    Auch diese nicht Zweckgebundenheit von Steuern ist ein Alibi und reine Heuchelei, das der Realität nicht Stand hält. So wurden für die Querfinanzierung der Rente und der Pflege die Abgaben auf Kraftstoffe erhöht. Das hat die Politik seinerzeit dreister Weise auch öffentlich so kommuniziert. Ohne diese Erhöhungen könnte man diese Gelder an anderer Stelle des Topfes nicht "entnehmen" Diese nicht Zweckgebundenheit ist ein reiner Buchhaltertrick, reine kreative Buchführung, eine Schutzbehauptung.
    Ob ich hinterher physisch den selben Euro benutze oder einen physisch anderen, der nur deswegen frei ist, weil sein Platz durch einen anderen ersetzt wird, spielt dabei keinerlei Rolle.

  3. 50.

    Unglaublich, dass diese anti Auto Propaganda immer wieder herunter geleiert wird. Nicht ein einziger Punkt davon ist sachlich richtig. Wenn sie die Rechnung bei Korrektiv nachlesen, fällt ihnen gleich ein Punkt auf, wo einfach mal irgendetwas geschätzt wird. Davon abgesehen werden selbst bei der Rechnung des ADAC einfach mal Unmengen an Kosten die Autofahrer tragen unterschlagen. Ein Auto trägt nicht nur die Kfz Steuern sondern auch Mineralöl und diverse andere Abgaben. Es gibt ja Gerüchte, dass Gemeinden einen Großteil ihrer finanziellen Mittel durch mehr als zweifelhafte Blitzerei verdienen. Die halbe Nation zahlt rund ums Auto beschäftigt Einkommensteuer, Gewerbesteuer, Umsatzsteuer.. Selbstverständlich verursachen Autofahrer aber nicht alle Kosten. Der ÖPNV nutz die Straßen mit seinen schweren Fahrzeuge kostenlos mit, was diesen offensichtlich nicht gut bekommt. Auch die aufgemalten Radwege und Busspuren + Gehwege und Lichtsignalanlagen werden allein den Autofahrern zugerechnet.

  4. 49.

    "Dieses Steuerthema bei Radfahrer wird wiederkommen, ausgereift ist es noch lange nicht. "

    Nein, der Drops ist gelutscht. https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2020/09/berlin-fragen-antworten-fahrrad-steuer-radweg.html

  5. 48.

    Danke für Ihren Hinweis, dass dieses Feld hier schon oft beackert wurde. Ihre Steuer- Belehrung wo Sie vermutlich meinen, dass ich sie nicht kenne, war unnötig. Nicht jeder Leser bekommt alle News zur gleichen Zeit mit und kann hier darüber diskutieren. Auf die Idee, dass ein Leser der Region Berlin/ Deutschland mal für längere Zeit beruflich im Ausland sein könnte in dieser Zeit, kommt man nicht? Über Autofahrer wird geschimpft, dabei benötigen Radfahrer ohne Auto ebenfalls mal Fahrzeuge, wenn es pressiert. Alle ÖPNV-Nutzer sitzen in der Bahn ohne ein Autobesitzer zu sein? Dieses Steuerthema bei Radfahrer wird wiederkommen, ausgereift ist es noch lange nicht.

  6. 47.

    Puh. Dieses Feld wurde hier schon oft beackert. Aber gut, dann eben nochmal:
    1. Steuern sind nicht zweckgebunden.
    2. Die Steuern, die Autofahrer zahlen, decken nicht die Kosten, die sie verursachen (da gibt es jede Menge Untersuchungen zu; googlen Sie mal).
    3. Also tragen alle anderen Steuerzahler (Fußgänger, ÖPNV-Nutzer und Radfahrer) diese Kosten mit.
    4. Wenn man also schon aufrechnen will, müssten Autofahrer noch mehr Steuern zahlen.

  7. 46.

    Volker:
    NICHTS würde ich sagen stimmt nicht ganz, obwohl das manchmal besser ist wie übereilte, übertriebene, teils egoistische Maßnahmen und Regeln durchzudrücken.
    Aber auch die bürgerfernen Grün/Roten Hinterlassenschaften müssen erst mal aufgearbeitet werden, da können 100 Tage noch nicht reichen.

  8. 45.

    Sie bemerken Steuer für Fahrradfahrer? Warum nicht, wenn sie auf den Straßen egal auf welcher massiv gewünscht werden von der Politik? Autofahrer müssen Kfz- Steuer zahlen. Wollen Radfahrer die Kosten, die Wartung ihrer extra Radwege nicht mitfinanzieren? Radfahrer zahlen zwar auch Steuern vom Einkommen, Autofahrer aber zahlen extra noch die Kfz dazu. Die heutigen modernen Räder sind die 100% klimaneutral, umweltfreundlich in der Natur beim Material, beim Radeln über Wiesen, durch Wälder, über Stock und Stein? Sollen die Autofahrer ihre vielen Radlerwege bezahlen und Radfahrer steigen auf das Rad ohne finanzielle Mithilfe?

  9. 44.

    @Herr Christian Gaebler: Hallo Herr Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen bitte tragen Sie dafür Sorge, dass die anhaltende Fehlbelegung von WBS-Wohnraum in der Stadt umgehend beendet wird. Am Einfachsten geht das, indem man die WBS-Regelung mit sofortiger Wirkung streicht und stattdessen lieber die Bedürftigen direkt mit Wohngeld unterstützt. Da der WBS nur einmalig bei Einzug und dann nie wieder kontrolliert wird, gibt es sehr viele Menschen, die mit gutem bis sehr gutem Einkommen diesen eigentlich für wirklich bedürftige Menschen gedachten Wohnraum rechtsmissbräuchlich besetzen. Da dadurch die bedürftigen Menschen im Stich gelassen werden, sollte hier im INteresse der sozialen Gerechtigkeit unbedingt umgehend gehandelt werden.

  10. 43.

    Vor allem muss etwas im Bildungssektor getan werden. Viele können Wetter nicht von Klima unterscheiden.

  11. 42.

    Doch, dass hat auch Wegner erkannt, Oder wie nennen sie den Versuch Fernwärme mit Geothermie zu speisen?!
    Glauben sie ernsthaft, dass dieser entspannte Sommer Wegner vor dem Klimawandel, die dafür notwendigen Maßnahmen und die nur aufgeschobenen Folgedebatten rettet?

  12. 41.

    „sauberer ÖPNV“?
    Es geht wohl in erster Linie überhaupt erst um einen gut ausgebauten und auch funktionierenden ÖPNV.
    Das ist überhaupt die Voraussetzung für eine Minimierung des Individualverkehrs.

  13. 39.

    Rechte in den Kommentaren sind so verwirrt, dass Menschen andere Meinungen haben. Schreit ihr nicht alle "MeInUnGsFrEiHeIt?!". Meinungsfreiheit heißt auch zu ertragen, dass ich die Politik des neuen Senats schlecht finde. Abbau von Radwegen, keine Umsetzung des Volksentscheids und Law-and-Order Geschreihe. Fazit: 6 setzten!

  14. 37.

    Sechs Frauen, vier Männer! Da hat die Frauenquote ebenfalls das Übergewicht. Griffey gibt nie auf, wann kommt das aus für sie? Männer müssen aufpassen, dass sie nicht eines Tages die Männerquote beanspruchen müssen. Mal sehen wie es weiter geht, bei ihren gemischten Ansichten.

  15. 36.

    @Volker, da erlaube ich mir zu bemerken, das dieses von Ihnen bezeichnete "Nichts" mir lieber ist, als die von RRG auf den Weg gebrachten Dinge zuvor. Irgendwie schon lustig, der kühle verregnete Sommer - Da wird mit Klimaangst derzeit in Berlin keine Politik gemacht werden können.

  16. 35.

    "Zudem ist zu merken, dass die Aggressivität auf den Straßen zunimmt, seit ideologigesteuerte Aussagen des Senats zur Verkehrspolitik hörbar wurden." RRG ist glücklicherweise Geschichte. Ihren Wunsch nach einer Radsteuer wird aber auch Schwarz-Rot nicht erfüllen.

  17. 34.

    Für die Mehrheit der Berliner ist das Thema Radwege nicht das wichtigste Thema, dass in unserer Stadt angepackt werden muss.

    Sicherheit, Wohnraum, Arbeit, Schule&Bildung, sauberer ÖPNV - das interessiert den Bürger deutlich mehr.

  18. 33.

    Na das scheint wohl der Berliner Wähler seit 2001 über Wowereit und Müller anders gesehen zu haben.

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