Zahlen der IHK und HWK Cottbus - Zuwanderung in Südbrandenburg höher als Abwanderung

Do 29.12.22 | 11:57 Uhr
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Symbolbild:Studierende sitzen in einem Hörsaal.(Quelle:dpa/T.Koehler)
Audio: Antenne Brandenburg | 29.12.2022 | Bild: dpa/T.Koehler

In Südbrandenburg sind im Jahr 2021 mehr Menschen zugewandert als abgewandert. Das geht aus Zahlen der Industrie- und Handelskammer Cottbus (IHK) und der Handwerkskammer Cottbus (HWK) hervor. Demnach haben alle südbrandenburger Landkreise mehr Zuwanderung als Abwanderung, den größten Zuwachs gab es im Landkreis Dahme-Spreewald.

Trotz der Zuzügler sinkt die Bevölkerungszahl in der Region. Geburten und Zuzüge konnten laut IHK und HWK die Zahl der Verstorbenen nicht ausgleichen. Die Wirtschaftskammern hatten die Zahlen in ihrer Broschüre "Wirtschaftsentwicklung im Zahlenspiegel" kürzlich vorgestellt.

Nur Dahme-Spreewald mit positiver Bevölkerungsentwicklung

Insgesamt seien 32.616 Menschen in die vier südbrandenburger Landkreise und in die kreisfreie Stadt Cottbus gezogen, 27.244 Menschen hätten im gleichen Zeitraum die Region verlassen. 4.312 Geburten habe es gegeben, während 10.072 Menschen verstorben seien. Damit steht ein Sterbeüberschuss von 5.760 einem Zuzugsüberschuss von 5.372 gegenüber.

Nur der Landkreis Dahme-Spreewald, als Teil des sogenannten Berliner Speckgürtels, hat eine positive Bevölkerungsentwicklung. Es gab zwar rund 1.000 mehr Todesfälle als Geburten, allerdings auch rund 3.600 mehr Zuzüge als Fortzüge.

Bis zum Jahr 2030 gehen die Wirtschaftskammern von einem Bevölkerungsrückgang in der Region von 3,2 Prozent aus, während für ganz Brandenburg ein leichter Zuwachs von 0,1 Prozent angenommen wird. Inwiefern in diese Erwartungen die Effekte des Strukturwandels in der Lausitz eingeflossen sind, geht nicht aus den Ausführungen von HWK und IHK hervor. Im Zuge des Strukturwandels werden Milliarden in die Lausitz investiert, unter anderem in den Aufbau von Industrie- und Wissenschaftsstandorten. Tausende Fachkräfte werden dafür benötigt.

Mehr Beschäftigte, höhere Steuereinnahmen

Andere Wirtschaftszahlen aus Südbrandenburg zeichnen unterdessen ein optimistischeres Bild. So steige die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Region seit Jahren. 2021 gab es rund 2.000 Beschäftigte mehr als im Jahr zuvor.

Auch die Steuereinnahmen in der Region sind teils deutlich gestiegen. So hat der Landkreis Dahme Spreewald 2021 im Vergleich zum Vorjahr 42,2 Prozent mehr Steuern eingenommen. In der gesamten Region stiegen sie um etwa 21 Prozent. Die Gewerbesteuern sind in Südbrandenburg sogar um insgesamt 45 Prozent gestiegen.

Auch die Bruttolöhne sind im Schnitt angestiegen und haben fast das Niveau des restlichen Bundeslandes erreicht. Arbeitnehmer verdienten 2021 in Südbrandenburg im Schnitt 31.781 Euro, in ganz Brandenburg waren es 32.111. Im Bundesschnitt verdienten Arbeitnehmer allerdings fast 5.000 Euro im Jahr mehr.

Die vollständige Wirtschaftsentwicklung im Zahlenspiegel, herausgegeben von IHK und HWK Cottbus, können Sie hier nachlesen [www.cottbus.ihk.de].

Sendung: Antenne Brandenburg, 29.12.2022, 8:30 Uhr

10 Kommentare

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  1. 10.

    Na ja der Speckgürtel von LDS war schon vor dem BER ein beliebtes Zuzugsgebiet. Viele Berliner Familien, die es sich leisten konnten, haben hier für sich und ihre Kinder eine neue Zukunft aufgebaut. Wir sind auch vor vielen Jahren nach Schönefeld gezogen und haben nicht einen Tag bereut.

  2. 9.

    Berlin ist laut, dreckig, abartig. Aber in meinem Job als Altenpfleger hätte ich in meiner alten Heimat in Südbrandenburg ca. 400 Euro weniger. Ich würde gerne wieder zurückgehen....

  3. 8.

    Betrifft dies jetzt nur Umzüge innerhalb Deutschlands oder auch von außerhalb?

  4. 7.

    "Bei den vielen Krisen und Kriegen auf der Welt, übersteigt die Zuwanderung, natürlich die Abwanderung- selbst in der tiefsten Lausitz. " Ist das wirklich die Ursache? (siehe auch meine Frage #2 dazu) Diese Ursache geht so weder aus diesem Artikel noch aus dem IHK-Dokument hervor, auf das verwiesen wird. Aufgrund welcher Daten und Quellen vermuten Sie genau diese Ursache?

  5. 6.

    Bei den vielen Krisen und Kriegen auf der Welt, übersteigt die Zuwanderung, natürlich die Abwanderung- selbst in der tiefsten Lausitz.
    Und das- ist auch gut so --- damit der unsinnige Abriss von Wohnraum, der Vergangenheit angehört.
    So viele Häuser und Wohnungen, wurden in Brandenburg seit der Wende vernichtet und jetzt wird der Wohnraum für die Zuwanderung aus der ganzen Welt gebraucht.
    ,,Baut auf und reisst nieder - so habt Ihr Arbeit, immer wieder,,

  6. 5.

    LDS hat ja auch einen Flughafen, der mehrere Milliarden Euro gekostet hat und dadurch ein paar tausend Arbeitsplätze geschaffen hat.
    Also braucht das gesamte Land Brandenburg, noch viel mehr gut bezahlte Arbeitsplätze in modernen Industrien, dann klappt es auch, mit den Bevölkerungszahlen.
    Da ein BER - dort eine Auto-Fabrik, da eine Batterie-Fabrik und dort ein Bahnwerk.
    Also einfach gesagt: Jeder Landkreis braucht seine Milliarden Investition, genau wie LDS/BER und LOS/Tesla.

  7. 4.

    In der Broschüre im IHK-Link gibt es sinnvollere Darstellungen zur Bevölkerungsentwicklung und Alterstruktur über längere Zeiträume.

  8. 3.

    "So hat der Landkreis Dahme Spreewald 2021 im Vergleich zum Vorjahr 42,2 Prozent mehr Steuern eingenommen. In der gesamten Region stiegen sie um etwa 21 Prozent. Die Gewerbesteuern sind in Südbrandenburg sogar um insgesamt 45 Prozent gestiegen." Ist das Vorjahr mit dem Wirtschaftseinbruch wegen der häufigen Corona-Shudowns von Wirtschaftsbereichen eine sinnvolle Vergleichsbasis? Was sind die erhöhten Einnahmen des Fiskus wert gegenüber den Ausgaben der Landkreise - was ist also das absolute Saldo? Ist bei dem relativen Vergleich schon die Inflation herausgerechnet - ist das also eine Angabe zu gleicher Kaufkraft?

  9. 2.

    "Insgesamt seien 32.616 Menschen in die vier südbrandenburger Landkreise und in die kreisfreie Stadt Cottbus gezogen, 27.244 Menschen hätten im gleichen Zeitraum die Region verlassen." Kann man auch erfahren, woher der Zuzug kam und wohin der Wegzug ging?

  10. 1.

    Ein gutes Beispiel, wie man eine erbärmliche Entwicklung schön redet, bleibt man doch so auf den letzten Plätzen in ganz Deutschland und nicht nur da.
    Formulierungen wie: „gab es 2000 mehr Beschäftigte“ sind eine so lächerlich kleine Zahl, dass es fast dem Verfasser peinlich sein muss, diese überhaupt zu erwähnen. So klein, dass selbst die Bruttolöhne einem die Schamesröte in den Kopf treiben müsste. Stolz zu verkünden „fast wie im ganzen restlichen Land“ ist schon dreist gewagt. Spekuliert man da auf das Überlesen der Kenntnisreichen? Auch die Steuereinnahmen in Prozent auszudrücken ist ein Witz. Der Grund ist klar. Verschleiert man doch so die kleinen Beträge.
    Was gar nicht erwähnt wird: Es gibt Leute, die bauen eine Fabrik in die „Wüste“ und wollen uns dann erzählen, dass der Steuerzahler, für weitere Ansiedlungen, eine milliardenschwere Fernwasserleitung zu bezahlen hat...Sehr schlau :-(

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