Bad Saarow (Oder-Spree) - "Film ohne Grenzen"-Festival öffnet den Vorhang mit internationalen Programm

Die Kulturscheune auf dem Eibenhof ist bis Sonntag Kinosaal und Festivalort
Bild: Eva Kirchner-Rätsch/rbb

Seit Donnertag steht Bad Saarow wieder ganz im Zeichen der Festivals "Film ohne Grenzen". Als Kulisse dient der Eibenhof, eine idyllische Halbinsel im Scharmützelsee. Bis einschließlich Sonntag werden 25 internationale Spielfilme und Dokumentationen gezeigt.

Den großen Glamour und internationale Starbesetzung überlassen die Bad Saarower lieber den Großen in Cannes oder aktuell Venedig. Im Gegenteil: "Film ohne Grenzen" ist klein, aber fein und trotzdem prominent besetzt. Statt Großstadttrubel geht es mit Flair am Wasser gediegener zu. Verstecken muss sich der Kurort aber keineswegs.

Internationales Programm zur Sehnsucht durch Corona

Zum neunten Mal dürfen sich Besucher und Gäste auf ein abwechslungsreiches Kinoprogramm freuen. In diesem Jahr mit dem Themenschwerpunkt "Sehnsucht". Die Filme kommen unter anderem aus der Ukraine, Belgien, Italien, Finnland und natürlich aus Deutschland. Dazu gibt es traditionell viele Gespräche und erstmals in diesem Jahr auch Livemusik. Besonders darauf hat sich Festival-Leiterin Susanne Suermondt gefreut. "Wir haben uns gefragt, welche Sehnsucht uns umtreibt. Und ich glaube uns treibt alle auch die Sehnsucht nach Musik."

Neben der Musik werden aber natürlich vor allem Filme die Hauptrolle spielen. Bis einschließlich Sonntag werden 25 internationale Spielfilme und Dokumentationen gezeigt. Unter anderem sind das Justiz-Drama "Ökozid" von Regisseur Andres Veiel, die italienische Musik-Dokumentation "Paolo Conte - Via con me", das Schweizer Familien-Drama "Wanda mein Wunder" oder die mit dem silbernen Bären der Berlinale ausgezeichnete Tragikomödie "Ich bin dein Mensch" dabei. Auch der diesjährige Oscar-Preisträge "Nomadland" und die Erich Kästners-Verfilmung "Fabian oder der Gang vor die Hunde" mit Tom Schilling finden sich im Programm. Bereits zum Auftakt laufen zudem neue Folgen der rbb-Produktion "Warten auf’n Bus". Das ganze Programm gibt es auf der Festival-Seite [www.filmohnegrenzen.de].

Zurück zur Normalität?

Allen Filmen gemein ist die Sehnsucht. Ein Thema, dass die Festival-Macher ganz bewusst gewählt haben. "Pandemie-bedingt haben wir alle eineinhalb Jahre lang alle unsere eigene Geschichte zu erzählen, was eigentlich Sehnsucht bedeutet und auch was Sehnsucht mit einem gemacht hat", sagt Leiterin Suermondt. "Das fanden wir spannend, einmal anzuschauen." Nicht nur in den Filmen, sondern auch auf dem Festival-Gelände sind die Sehnsüchte nach Kino, Feiern und Spaß zu spüren. Viele Gäste haben genau darauf lange warten müssen, sagt auch Schauspieler Steve Windolf. "Gerade während der Pandemie, wo so vieles eingeschränkt wurde, hat man ganz sicherlich eine starke Sehnsucht, dass dieses alte Leben und die Normalität ein Stück weit zurückkommen. Insofern ist es schön, dass das jetzt wieder belebt wird."

Schüler gestalten mit

Los ging es am ersten Festival-Tag mit dem Schulkino-Programm. Zusammengestellt wurde das von Schülern einer zehnten Klasse aus Beeskow. Der erste Film, der in der Kulturscheune über die Leinwand flimmerte, war die Komödie „Ein Dorf sieht schwarz“ von 2016. Ein Film über einen jungen Arzt aus dem heutigen Kongo, der mit seiner Familie in den 1970er Jahren in ein kleines französisches Dorf zieht. Dort werden Rassismus und Migration angesprochen, sagt Jugendjury-Mitglied Clara. "Das ist auch in der jetzigen Zeit noch ein ziemlich großes Thema. Das wird ernst und gleichzeitig lustig, aber nicht respektlos dargestellt."

In einem einwöchigen Workshop hat die 25-köpfige Jury zwei von insgesamt fünf durchaus anspruchsvollen Filmen ausgewählt. Unterstützt wurden sie dabei von der Medienkünstlerin Amna Farooqi. "Sie haben sehr genau geschaut und die Filme auf den Prüfstand gelegt."

Die Jugendarbeit und die Kooperation mit den Schulen in der Region von Strausberg, über Fürstenwalde bis hin nach Beeskow hat einen besonderen Stellenwert im Rahmen des Festivals. Das Schulkino gehört von Beginn an dazu, so Susanne Suermondt. "Uns geht es immer darum, dass Medium Film zu nutzen, um Jugendlichen auch anstrengende Themen näher zu bringen und zur Diskussion anzuregen." Das sei bereits mit dem Auftakt gelungen. Der Film hat den Nerv der jungen Zuschauer getroffen, zieht Schauspielerin Annika Ernst nach dem anschließenden Gespräch ihr Fazit. "Ich glaube, dass es in der jungen Generation die Sehnsucht danach gibt, dass es Rassismus nicht mehr gibt."

In den kommenden Tagen werden im Rahmen des Festivals weitere Kurzfilme zu sehen sein. Und auch die sind in Zusammenarbeit mit Jugendlichen entstanden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 02.09.2021, 15:40 Uhr

Beitrag von Eva Kirchner-Rätsch

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