Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin - Nur ein Reförmchen für Deutschlands größte Kulturinstitution

Di 06.12.22 | 14:03 Uhr | Von Maria Ossowski
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Das Berliner Bodemuseum am 02.12.2022. (Quelle: dpa/Schoening)
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Audio: rbb Kultur | 05.12.2022 | Gespräch mit Maria Ossowski | Bild: imageBROKER

"Überfordert" und "dysfunktional" - dieses Zeugnis hatte der Wissenschaftsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ausgestellt. Eine Kommission sollte Lösungen finden. Doch deren neues Eckpunktepapier ist keine Sensation, kritisiert Maria Ossowski.

Einstimmig hat der Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) am Montag in Berlin Veränderungen beschlossen, die eine Reformkommission zuvor erarbeitet hat. Doch eine Sensation ist deren Eckpunktepapier wahrlich nicht. Die SPK wird erwartungsgemäß weder zerschlagen noch aufgelöst. Sie bleibt bestehen, allerdings können die einzelnen Institutionen autonomer arbeiten, ihre Programme und Finanzen selbst bestimmen.

Für Claudia Roth (Grüne), Kulturstaatsministerin und Vorsitzende des Stiftungsrats der SPK, ist diese von Bund und den Ländern gemeinsam abgesegnete Entscheidung zur Strukturreform ein großer Erfolg: "Mit dieser grundlegenden Reform sollen die Schätze der Stiftung viel besser zum Leuchten gebracht werden", sagte Roth am Montag bei einer Pressekonferenz in Berlin. Durch die Neuerungen sollten "die vielen Einrichtungen noch deutlich attraktiver werden - auch für ein breites, zunehmend internationales Publikum".

Nur zwei der Staatlichen Museen im Vorstand vertreten

Neu organisiert werden soll der Vorstand der Stiftung - als Kollegialorgan mit einem Vorsitzenden, zuständig für die Gesamtstrategie. In diesem sechsköpfigen Gremium vertreten sind in Zukunft zwei der Staatlichen Museen zu Berlin, außerdem der Stiftungspräsident, der Verwaltungsdirektor oder die -direktorin, die Leitung der Staatsbibliothek und eine Vertretung kleinerer Einrichtungen. Dieses Gremium trägt die Verantwortung für Querschnittsthemen wie Nachhaltigkeit oder Klimaneutralität.

Die einzelnen Einrichtungen, Museen, Bibliotheken der SPK sollen in Zukunft mehr Autonomie bekommen: müssen nicht mehr wegen jeder Dienstreise, wegen jeder Ausgabe oder Personalie vorsprechen in der Zentrale. Das ist sicher ein Gewinn - ebenso die engere Zusammenarbeit mit dem Humboldtforum, die das Eckpunktepapier vorsieht.

Rainer Robra (l-r, CDU), Kulturminister von Sachsen-Anhalt, Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen), Kulturstaatsministerin, und Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, nehmen an einer Pressekonferenz des Stiftungsrats der Stiftung Preußischer Kulturbesitz teil. (Quelle: dpa/Monika Skolimowska)Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) ist die Vorsitzende des Stiftungsrats der SPK.

Soll auch das Humboldtforum Teil der Stiftung werden?

Die ethnologischen Sammlungen und die asiatische Kunst, die im Humboldtforum präsent sind, gehören ohnehin bereits zur SPK. Nur: wenn das Humboldtforum ein Teil der Stiftung wird - was wohl Kulturstaatsministerin Roth präferiert - dann wäre der Intendant des Forums überflüssig. Was wird also aus diesem Posten, den aktuell Hartmut Dorgerloh inne hat? Auch dies ist nicht besprochen.

Und das größte Problem der Stiftung, die knappen Gelder, wird frühestens im nächsten Sommer ein Thema. Zu diesem Thema scheint es einen Dissens zu geben zwischen Claudia Roth und dem Präsidenten der SPK, Hermann Parzinger. Denn der erklärte am Montag auf der Pressekonferenz: "Nur durch die Änderungen von Struktur schafft man vielleicht hier und dort mehr Zufriedenheit, mehr Eigenständigkeit."

Aber wolle man wirklich, wie Roth sage, "die Schätze der Stiftung zum Leuchten bringen", dann brauche es "auch eine bessere Ausstattung mit Finanzmitteln, mit Stellen - das ist für uns essentiell", so Parzinger. Dass es zur Finanzierung der SPK bis Sommer nächsten Jahres neue Vorschläge geben soll, sei deshalb wichtig.

Hermann Parzinger © dpa/Monika SkolimowskaHermann Parzinger ist seit 2008 Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Roth: "Es braucht nicht zwingend mehr Geld"

Claudia Roth dagegen bremst: "Um eine bestehende Struktur erfolgreich zu reformieren und eine Struktur neu aufzustellen, braucht es nicht zwingend mehr Geld. Das kann man auch anders machen - jetzt geht’s erstmal um die Struktur."

Die Finanzierung der SPK trägt zu 85 Prozent der Bund - im Jahr 2021 waren das nach Angaben der Stiftung knapp 150 Millionen Euro. Vom Land Berlin als Standort der Stiftung kommen acht Prozent des Etats, die übrigen 15 Bundesländer teilen den Rest der Kosten. Trotzdem hat jedes Land bei Entscheidungen über die SPK das gleiche Stimmrecht. Die vorherige Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hätte die Länder in dieser Hinsicht gern entmachtet - dazu ist es unter ihrer Nachfolgerin Roth jetzt nicht gekommen.

Wird die Strukturreform mehr Besucher bringen?

Auch der sperrige Name "Stiftung Preußischer Kulturbesitz" ist bei den Reformbeschlüssen noch kein Thema. Der Name wird wohl das letzte sein, was geändert wird. Eine Neuerung, die dagegen schon feststeht: Es wird keine Generaldirektion der Staatlichen Museen zu Berlin mehr geben. Diese Stufe der Zwischenhierarchie hat viel Energie gekostet und soll abgeschafft werden.

Insgesamt, so Claudia Roths Mantra, sollen die Museen der SPK in Zukunft mehr glänzen. Doch ob das Kupferstichkabinett mit seinen Werken von Dürer oder die Gemäldegalerie mit ihren unfassbaren Schätzen, die sich mit denen im Louvre oder Prado vergleichen lassen, mehr Besucher anziehen - nur weil die Finanzen und Programme bald im einzelnen Museum statt in der Zentrale verwaltet werden? Das muss sich erweisen.

An der Stellschraube Brutalarchitektur mit der windigen, öden Brache am Kulturforum wird nicht gedreht. Wer überwindet diese abweisende Fläche und ahnt, dass Caravaggios, Raffaels und Donatello in der Gemäldegalerie warten? Vielleicht wird das Museum des 20. Jahrhunderts, für das seit 2020 am Kulturforum gebaut wird, ein Besuchermagnet. Zu wünschen ist es den außergewöhnlichen bestehenden Sammlungen, die sehr viel mehr brauchen als eine Strukturreform.

Beitrag von Maria Ossowski

7 Kommentare

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  1. 7.

    Die Erinnerung an Preußen spielt durchaus auch international weiterhin eine Rolle, z.Bsp. Steubenparade in New York. Man scheint das im Ausland durchaus differenzierter zu sehen bezüglich Preußens Geschichte.

  2. 6.

    bei der spk ist es wie im rest der gesellschaft, da gibs leute, die sich gerne als konservative sehen, die wollen weiter das pferd reiten dem ärzte schon den tod bescheinigt haben, siehe auch hier im kommentbereich, wo einige unbedingt auf den vor über 100 jahren gestorbenen preußischen gaul reiten wollen.

  3. 5.

    Der Wissenschaftsrat der Bundesregierung berät in den nächsten Tagen ein von Kulturstaatsministerin Roth in Auftrag gegebenes Gutachten zur Zukunft der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Das Gutachten hat Sprengwirkung: Es empfiehlt, wie die ZEIT berichtet, die traditionsreiche Stiftung zu zerschlagen – die einzige große staatliche Institution, die den Begriff Preußen noch im Namen führt. Das Gutachten empfiehlt die Auflösung der größten deutschen Kulturstiftung.
    @rbb-24-nutzer
    Schöner Text.
    Woher haben Sie den?
    Da trifft wohl der Spruch "Beim Eifer sind immer drei Viertel Dummheit“ zu.

  4. 4.

    Die Stiftung gehört in ihrer jetzigen Form komplett aufgelöst, die unübersichtliche Struktur sowie intransparente Kompetenzen u. Finanzen werden nicht mit einer Stellenänderung abgeschafft. Wieso gab es den wissenschaftlichen Rat, wenn er nun gänzlich ignoriert wird? Gerade der Fokus auf wissenschaftliches Arbeiten fehlt in einigen Teilen der Stiftung, insbes. beim Preußen-Disneyland "Humboldtforum". Der SPK muss man ernsthaft erklären, dass Museen obligatorisch mit der Wissenschaft zusammenzuarbeiten haben, aus dieser hervorgehen. Stattdessen gibt es nur Zurschaustellung von Prunk, Werke, die man nicht versteht, aber zur Selbstinszenierung nutzt und Geschichtsklitterung. Man ahnt es, am Ende kommt die Kommission darauf, es sei einfach klimaneutral und nachhaltig, wenn Tausende Werke, auch inkl. Raubkunst, in den Archiven verpackt herumliegen. Eine Reform, bei der man möglichst wenig machen möchte, ist keine Reform. Da wirkt die Ministerin so dysfunktional wie die gesamte SPK.

  5. 3.

    Eines der größten Glanzstücke war geliehen und ist unter den Clanmitgliedern aufgeteilt worden. Gab es persönliche Konsequenzen? Seitdem und nach den weiteren Raubtaten quer durch 's Land kann man ja nur noch bangen, wer als nächstes dran ist.

  6. 2.

    "Auch der sperrige Name "Stiftung Preußischer Kulturbesitz" ist bei den Reformbeschlüssen noch kein Thema." Was ist daran sperrig?

  7. 1.

    RBB 2.0?!

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