Ein Traktor faehrt auf einem staubtrockenen Feld bei Dollenchen im Landkreis Elbe-Elster und wirbelt eine Staubwolke auf. (Quelle: dpa/Andreas Franke)
Video: rbb|24 | 02.07.2020 | Material: Zibb, Mittagsmagazin, Brandenburg Aktuell | Bild: dpa/Andreas Franke

Brandenburg - Warum die Landwirtschaft ein Dürreproblem hat - trotz Regen

Die Böden sind trocken, Bauern fürchten um ihre Ernte, die Waldbrandgefahr steigt. Dabei regnet es langfristig betrachtet nicht weniger als früher, so die Statistiken. Trotzdem droht Brandenburg wieder ein trockenes Jahr. Warum eigentlich? Von Götz Gringmuth-Dallmer

Die Situation ist absurd: Ein Blick aus dem Fenster zeigt an vielen Orten ein sattes Grün. In den vergangenen Tagen hat es auch häufiger geregnet. Dennoch brennen in Brandenburg immer häufiger Wälder, die Spree ist auf Wasser aus sächsischen Talsperren angewiesen und Landwirte müssen in einigen Landkreisen aufgrund der Futterknappheit Pflanzen auf Brachflächen an ihre Tiere verfüttern.

Brandenburg hat in den vergangenen Jahren zunehmend mit Trockenheit zu kämpfen. Dabei regnet es aufs Jahr gerechnet nicht weniger, wie ein Blick auf die Niederschlagsstatistiken zeigt.

Aber: "Das Wasser kommt zu spät", sagt Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig. Boden und Pflanzen würden das Wasser in der Blütephase, also im Frühjahr benötigen, der Winterweizen in der Kornfüllphase im Juni und Juli, so der Klimaforscher.

Der April ist zu trocken

Der fehlende Regen im Frühjahr wird deutlich, wenn man die Niederschlagswerte im April seit 2014 betrachtet. Um zu erkennen, ob es eher viel oder wenig geregnet hat, schauen sich Klimaforscher einen 30-jährigen Referenzzeitraum von 1961 bis 1990 an. Innerhalb dieses Zeitraums kamen in Brandenburg im April im Mittel 40,8 Liter pro Quadratmeter Niederschlag vom Himmel.

Im Vergleich dazu: Der seit 2014 niederschlagsreichste April war 2018 und kam lediglich auf 33,6 Liter pro Quadratmeter. Alle anderen Jahre liegen sogar unter diesem Wert. Besonders trocken war der April 2020: Gerade einmal durchschnittlich 11,1 Liter Niederschlag pro Quadratmeter wurden in Brandenburg gemessen. Auch der Juni 2020 war im Vergleich zu trocken.

Der Schnee im Winter fehlt

Im langjährigen Mittel regnet es in Brandenburg jedes Jahr etwa gleich viel. Allerdings fehlt der Schnee im Winter. "Der Schnee hält den Boden aufnahmefähig und sorgt dafür, dass der Regen im Frühjahr normal versickern kann", sagt Carsten Linke vom Landesumweltamt Brandenburg.

Durch die steigenden Temperaturen beginnt gleichzeitig die Vegetationszeit früher. Der Niederschlag, der eigentlich das Grundwasser auffüllen sollte, geht ins Pflanzenwachstum. Dadurch verdunstet mehr Wasser an der Oberfläche. "Beim Grundwasser kommt dann deutlich weniger oder nichts mehr an", so Linke weiter.

Um diese steigende Verdunstung auszugleichen, müsste es wiederum deutlich mehr regnen als früher. Tut es aber nicht.

Es fehlt flächendeckender Landregen

Um die steigende Verdunstung auszugleichen, fällt also zu wenig Wasser vom Himmel auf die märkischen Felder - und dazu noch in der falschen Intensität. Denn die Landwirtschaft benötigt Landregen, also langanhaltenden gleichmäßigen Dauerregen.

Stattdessen fällt häufiger zu viel Regen in kurzer Zeit, den die Böden nicht aufnehmen können. Andreas Brömser, Agrarmetereologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD), erklärt: "Mit den durch den Klimawandel steigenden Temperaturen geht der Trend dahin, dass der größere Anteil des Niederschlags als Starkregen fällt. Also, dass die Menge zwar gleichbleibt, aber der flächendeckende Landregen seltener wird. Es regnet seltener, und wenn es regnet, dafür stärker."

Der Wald ist seit 2018 zu trocken

Besonders im tieferen Boden ist vom wenigen Regen, der in den vergangenen Monaten gefallen ist, offenbar nicht viel angekommen. Die folgende Grafik des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung zeigt, wie oft und wo seit 1952 in Brandenburg Dürre herrschte. Dürre bedeutet vereinfacht gesagt, dass der Boden verglichen mit dem langjährigen Mittel trockener ist. Der aktuelle Zustand weicht also von der langjährigen Statistik ab.

Dürremonitor für Brandenburg

Dürremonitor Brandenburg (Quelle: UfZ-Dürremonitor/ Helmholz-Zentrum für Umweltforschung, Friedrich Boening)

dunkelbraun = außergewöhnliche Dürre

Für den Wald in Brandenburg sieht es demnach im Moment schlecht aus. "Der Wald ist seit 2018 zu trocken, auch 2019 gab es ein Niederschlagsdefizit, so dass sich die Dürresituation im Gesamtboden verschärft hat", so Umweltforscher Marx. So sei es für den Gesamtboden wahrscheinlich, dass die Dürresituation anhält. "Das Wasserdefizit im Boden liegt flächendeckend jenseits von 100 Litern pro Quadratmetern. Daher helfen auch relativ hohe Niederschläge über einige Tage nur eingeschränkt. Nötig wäre überdurchschnittlicher Regen über mehrere Wochen bis einige Monate."

Fazit: Fehlender Schnee im Winter, Regen zur falschen Zeit, steigende Verdunstung sowie Starkregen, der vom Boden nicht aufgenommen werden kann, führen dazu, dass in Brandenburgs Böden anhalltender Wassermangel herrscht.

Info zum Dürremonitor

Der UFZ-Dürremonitor liefert flächendeckende Informationen zum Bodenfeuchtezustand. Die Grafik zeigt die sogenannte Dürremagnitude. Sie ist ein Maß, um die Stärke einer Dürre über einen bestimmten Zeitraum oder für eine bestimmte Region abzuschätzen, in diesem Fall für Brandenburg für eine Tiefe von 1,80 Meter. In die Berechnung fließt die Länge der Dürreperiode und die absolute Trockenheit im zeitlichen Verlauf ein. Im Folgenden sind die Dürremagnituden in der Vegetationsperiode April bis Oktober für jede vier mal vier Kilometer Zelle für die Jahre 1952 bis 2019 dargestellt.

Sendung: Inforadio, 02.07.2020, 10.05 Uhr

Beitrag von Götz Gringmuth-Dallmer

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39 Kommentare

  1. 39.

    Hand auf's Herz: SIe haben nach der Überschrift aufgehört zu lesen und lieber an ihrer semiprofessionellen Wetterstation rumgespielt oder?

  2. 37.

    Hinzufügen könnte man noch, dass die Temperaturen in Deutschland seit ca 1890 um ca. 3 Grad angestiegen sind:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Zeitreihe_der_Lufttemperatur_in_Deutschland#/media/Datei:Zeitreihe_der_Temperaturen_in_Deutschland.svg
    Wie man sieht war der größte Anstieg in den letzten Jahren.

    Die Verlangsamung der Ströme zu denen auch der Golfstrom gehört spielen da auch eine Rolle:
    https://www.nature.com/articles/d41586-018-04086-4

  3. 36.

    "Bei uns in Deutschland hingegen wird dies nicht gemacht. Da ist das eine Feld mit Raps, das nächste mit Roggen und wieder eins mit Weizen. Jedoch so gut wie keins, wo gemischter Anbau passiert. Wenn man dies in Deutschland machen würde, wäre der Boden viel ertragfähiger, weil er dadurch das Wasser besser speichert. Jedoch ist dieses Wissen verloren gegangen."
    Einen Mischanbau von den genannten Kulturen gab es bei uns nie, ist also nichts verloren gegangen. Dass der Mischanbau das Wasserproblem lösen kann halte ich auch für wunschen denken.

  4. 35.

    Lieber Klaus, mich interessiert doch als Leser nicht so sehr, ob es auch 3-4 weniger betroffene Gebiete bzw Privatgärten in Brandenburg gibt, sondern wie die Gesamtlage (der betroffenen Landwirtschaft) ist. Das ist jedenfalls das Thema des Artikels. Gleichzeitig müssen die verschiedenen Kennzahlen eingeordnet werden. Genau das tut der rbb24 und das ist informativ und lehrreich insbesondere durch die erklärenden Zusammenhänge. Nebenbei: Der Dürremonitor zeigt ja durchaus auch Flecken, die weniger betroffen scheinen - insofern ist Ihre Kritik irgendwie unangebracht.

  5. 34.

    Es geht hier nicht nur um die Bauern; es geht um uns alle. Streichen Sie mal das 'zu nass' und das 'zu kalt' aus Ihrem Kommentar, dann kommen Sie schon der Sache näher.

    Gruß
    Hajakon

  6. 33.

    Hinsichtlich der Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens: Genau das was die Forscher schon seit Jahrzehnten sagen tritt ein. Na so ein Wunder.

  7. 32.

    Mal davon abgesehen das man zum bewässern auch (nicht vorhandenes) Wasser braucht, wären Sie bereit die dadurch entstehenden Mehrkosten zu zahlen?

  8. 31.

    Dies ist wohl der professionellste Kommentar hier, genauso ist es. Da muss man sich halt der Situation anpassen.

  9. 30.

    In Zunkunft muß wohl die Landwirtschaft umdenken. Wie wäre es mit künstlicher Bewesserung im Winter und auch in den Sommermonaten ?

  10. 29.

    Das ist nicht erst seit 5 Jahren so.
    Durch die Abwasserverlegung in den Orten verschwindet das Schichtenwasser. Als Beispiel.

  11. 28.

    Ich kann den Artikel nicht nachvollziehen, zumindest nicht für meinen Standort. Dies beruht nicht auf Gefühl, sondern auf Messergebnissen meiner Wetterstation und dies ist keine vom RBB, sondern schon semiprofesionell . Es bringt nichts zu sagen „In Brandenburg ist es zu trocken“, sondern man muss differenzieren. Hier wird nur verallgemeinert und dies ist faktisch falsch.
    Meteorologische Grüße.

  12. 27.

    "In 3 cm Tiefe der Boden Furz trocken"
    Na ja dann sollten sie ihrem Garten mal ausgiebig vernünftigen Mutterboden spendieren. Mein Boden ist feucht und Rosen, Rasen etc. wachsen prächtig. Die Insekten sind täglich in großer Zahl unterwegs und die Amseln finden jede Menge Regenwürmer. Viel Erfolg!

  13. 26.

    Liebe Sarah,
    Bäume und Wälder brennen selten einfach so von allein, wenn Sie so etwas wünschen, machen Sie sich verdächtig...

  14. 25.

    Auch in der Stadt ist es für viele Bäume seit Jahren zu trocken und jeder Stadtmensch, der die "grüne Hauptstadt" dbzgl. beobachtet, weiß das auch. Die vielen "Gieß die Bäume in deiner Nachbarschaft"-Aufrufe kommen ja nicht zufällig als Beschäftigungsmaßnahme daher.

  15. 24.

    Das eigentliche Problem ist nicht allein der Regen, welcher nicht mehr so kommt wie "früher", sondern, dass in der Landwirtschaft monokulturelle Anbaubewirtschaftung getätigt wird. Was hat das jetzt mit einer Dürre und trockenem Boden zutun?

    Ganz einfach: Nehmt doch mal Reis. Reis benötigt viel Wasser damit dieser wächst und gedeiht. Dann wenn der Reis geerntet wird, was wurde früher gemacht? Das Feld trocken gelegt. Mittlerweile werden in Anbaugebieten wie Japan, Italien und auch Mittelasien (China Südostrussland) die Felder in mischkultureller Anbaubewirtschaftung betrieben.

    Bei uns in Deutschland hingegen wird dies nicht gemacht. Da ist das eine Feld mit Raps, das nächste mit Roggen und wieder eins mit Weizen. Jedoch so gut wie keins, wo gemischter Anbau passiert. Wenn man dies in Deutschland machen würde, wäre der Boden viel ertragfähiger, weil er dadurch das Wasser besser speichert. Jedoch ist dieses Wissen verloren gegangen.

  16. 23.

    War gerade im Garten nachdem es letzte Nacht geschüttet hat ohne Ende.
    In 3 cm Tiefe der Boden Furz trocken, wann werden Leute wie Sie endlich begreifen das wir ein Problem haben?
    Ansonsten fällt mir bei Ihnen nur ein dont feed the Troll.

  17. 22.

    Böse böse Natur, macht nicht, was die Bauern wollen. Das war doch schon immer so, das es entweder zu nass, zu trocken, zu kalt, zu warm war. Das öffentliche Geschrei gab es früher nur nicht.

  18. 21.

    Alle Jahre wieder..... gab es eigentlich seit Beginn der Aufzeichnungen überhaupt mal ein Jahr wo Bauern zufrieden waren?
    Wir können uns glücklicherweise das Wetter nicht basteln wie wir es gerne hätten und die Presse braucht ja auch ein paar Füller fürs Sommerloch. Also weiter so wie bisher gehabt......

  19. 20.

    Ich denke die reale Feuchtigkeit wird dabei gar nicht gemessen. Es werden wohl nur Wetterdaten ausgewertet. So dürfte die Melioration nichts damit zu tun haben. Melioration ist nicht nur Oberflächenentwässerung, es ist auch die Melioration Oberflächen-Bewässerung.

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