Unterrichtsausfall an Berliner Schulen - Rund 2.500 Lehrkräfte streiken für kleinere Klassen

Fr 25.11.22 | 13:52 Uhr
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Ein Teilnehmer der Demonstration der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hält am 25.11.2022 während der Kundgebung vor dem Brandenburger Tor ein Schild mit der Aufschrift „Kleinere Klassen“ hoch. (Quelle: dpa/Monika Skolimowska)
dpa/Monika Skolimowska
Audio: rbb24 Inforadio | 22.11.2022 | Bild: dpa/Monika Skolimowska

Wegen des Lehrerstreiks der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Berlin ist an einigen Schulen am Freitag Unterricht ausgefallen.

Nach Angaben der Gewerkschaft beteiligten sich rund 2.500 Lehrkräfte an dem ganztägigen Warnstreik - die Bildungsverwaltung sprach von 2.150 Streikenden.

Der Unterrichtsausfall verteilte sich den Angaben zufolge auf mehrere Schulen, eine Notbetreuung sei aber gewährleistet.

Demo in Berlin-Mitte geplant

Zum Streik aufgerufen waren alle Lehrkräfte, Sozialpädagogen und Schulpsychologen der staatlichen Schulen in Berlin, die unter den Geltungsbereich des Tarifvertrags für den Öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) fallen.

Nach einer Demonstration, die am Nordbahnhof in Berlin-Mitte startete, fand eine Kundgebung am Brandenburger Tor statt.

Klassengröße soll verbindlich geregelt werden

Die GEW will mit diesem sechsten Warnstreik erreichen, dass im Tarifvertrag zum Gesundheitsschutz "das Verhältnis von Schüler*innen zu Lehrkräften und damit die Klassengröße" an den Schulen verbindlich geregelt wird. Kleinere Klassen würden nach Einschätzung der Gewerkschaft eine geringere Arbeitsbelastung für Lehrerinnen und Lehrer bedeuten. Auch die Kinder und Jugendlichen würden davon profitieren.

Der Finanzsenator Berlins weigere sich weiter, Verhandlungen zum Tarifvertrag zu führen, hieß es in einer Pressemitteilung der GEW vom Montag. Die Pädagogen, Eltern und Schüler seien wütend, weil sich an den "schlechten Bedingungen in Berlins Schulen nichts ändert und es immer schlimmer wird", sagte Tom Erdmann, Vorsitzender der GEW Berlin.

Zuletzt mehrere Tausend Teilnehmer

Die Gewerkschaft trägt ihr Anliegen schon seit mehr als einem Jahr vor und hat deswegen bereits fünf Warnstreiks organisiert, der bislang letzte fand am 18. Oktober statt. Seinerzeit beteiligten sich nach ihren Angaben 3.500 Schulbeschäftigte an dem Ausstand, die Senatsbildungsverwaltung sprach von etwa 2.600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. In Berlin gibt es rund 34.000 Lehrer, viele davon sind Angestellte und dürfen anders als Beamte streiken.

Der Senat verweist darauf, dass Berlin - wie alle anderen Bundesländer außer Hessen - der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) angehört. Ohne Zustimmung der Tarifgemeinschaft könne Berlin daher keine Tarifverhandlungen über die Klassengröße aufnehmen. Die TdL lehne solche Verhandlungen ab.

Sendung: rbb24 Abendschau, 21.11.2022, 19:30 Uhr

41 Kommentare

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  1. 41.

    Die Sprachbarrieren sind as geringste Problem.
    Wie Sie schon schreiben: Damals wurden noch verstärkt die "richtigen" Werte im Elternhaus vermittelt. Das ist heute nicht mehr in dem Maße der Fall. Pro Klasse hat man heute gut 1/3 Status-Kinder. Neben der Tatsache, dass diese besondere Aufmerksamkeit benötigen, was eine Person alleine in keinem Fall stemmen kann (das ist aber leider die Regel) und die "normalen" Kinder weniger Beachtung bekommen, haben die Lehrer eine hohe Belastung durch das Schreiben von Förderplänen für Erstgenannte, regelmäßige Kontaktaufnahme zu diversen Ämtern pro Kind, erstellen differenzierten Lehrmaterials, Streitschlichter, Klassenkonferenzen etc. Diese Liste lässt sich unendlich fortführen.
    Das Planen und durchführen des "normalen" Unterrichts, der auch noch qualitativ gut sein soll, gerät in den Hintergrund.

  2. 40.

    "Und warum wird da jetzt von den Leuten gestreikt, die es eigentlich wissen müssen?"
    Wer soll denn sonst dafür streiken? Sie oder ich machen es ja nicht. :-)
    Außerdem muss man ja nicht stillsitzen, bloß weil klar ist, dass das von heute auf morgen nicht passieren wird.
    Die Forderung nach kleineren Klassen ist ja trotzdem richtig. Wer bösartig an die Sache herangeht, wird kritisieren, dass die Lehrer wieder etwas für sich fordern - wer es anders sieht, wird erkennen, dass es um unsere Kinder geht...

  3. 39.

    Ein irritierender Post. Die Wiedereinführung der Verbeamtung ist ja nur die Beseitigung eines Mangels, um mit den restlichen 15 Bundesländern mithalten zu können. An den katastrophalen Bedingungen an Berliner Schulen hat sich nichts geändert. Leider.

  4. 38.

    "Damals sah die Schülerklientel ETWAS anders aus als heute." In welcher Hinsicht denn? Ich bin auch"damals" eingeschult worden; der einzige Unterschied ist, dass wir im Elternhaus Werte und Regeln hatten, Respekt gelernt haben. Auch "damals" gab es Sprachbarrieren (man nannte die Menschen "Gastarbeiter") und Wohlhabende und weniger Wohlhabende, aber sonst?? 1+1 war auch damals schon 2

  5. 37.

    Was ist schlimm daran, dass sich freie Schulträger um SuS „innerhalb ihrer Klientel“ kümmern? Wenn ich als Elternteil eher von deren Konzept und Unterrichtsbedingungen überzeugt bin, dann steht es mir doch völlig frei, meine Kinder dort anzumelden und eventuell zusätzlich erforderliches „Schulgeld“ zu berappen. Übrigens.
    Freie Schulen müssen als „Ersatzschulen“ anerkannt und zugelassen sein, damit überhaupt ein Schulbetrieb erfolgen darf und es überhaupt zu den gesetzlich verankerten Zahlungen kommt. Seien Sie froh, dass es so ist. Sonst wüchsen die Klassenstärken in kommunalen Schulen sehr stark an. Was Ihnen vermutlich ebenfalls Ungemach bereiten würde.

  6. 36.

    Eine Regierung die einfach mal so 100 Milliarden für die Bundeswehr locker macht, aber Bildung und Digitalisierung auf Sparflamme setzt, hat natürlich keinen Sinn für kleinere Klassen und mehr Lehrpersonal. Leider werden die Falschen dafür die Zeche zahlen.

  7. 35.

    Damals sah die Schülerklientel ETWAS anders aus als heute. Und die Anforderungen an LehrerInnen auch.

  8. 34.

    Wann sind Sie zur Schule gegangen? Sie wissen schon, dass die Kinder heute komplett anders drauf sind als vor 10 oder 20 Jahren?

  9. 33.

    Was verstehen Sie denn nicht? Warum gehen denn soviele Lehrkräfte aus Berlin nach Brandenburg? Weil die Klassen dort 20% kleiner sind. Deswegen möchte auch niemand mehr in Berlin Lehrer werden, weil Unterricht mit 32 Kindern nicht möglich ist.

  10. 32.

    "Die Kinder stehen einfach da, vor der Schule, vor dem Klassenzimmer." Aha! Und wenn kleinere Klassengrößen festgeschrieben werden, schickt man die Hälfte wieder weg oder wie stellt man sich das vor?? Das Problem ist ja bekannt und unbestritten, aber was ändert ein Streik?

  11. 31.

    Die Forderung ist ja richtig. Aber streiken -- dafür? Das ist der Weg???
    Aber woher sollen die ausgebildeten Lehrkräfte kommen?
    Und als Seiteneinsteiger muss man aber wirklich ganz starke Nerven und den steinharten Willen haben und sich erhalten, die fehlende Pädagogische Ausbildung auch durchzuhalten. Von daher, wer es schafft und keinen Schaden nimmt, ist dann wirklich geeignet, in den Beruf zu gehen.-- Trotzdem finde ich, dass die Gewerkschaften sich einen realen Blick erhalten sollten. Wenn gefordert werden würde, dass staatliche Schulen mehr Förderung an Geld- und Sachmitteln erhalten würden! Dann wäre das auch o.k. Denn wenn es Schüler anderer Bildungswege in die Lehrausbildung schaffen, hat der Ausbilder o. Berufsschulehrer die "Brille uff".
    Und, ich sage auch, Eltern haben auch eine Verantwortung!

  12. 30.

    Nun hacken Sie auch noch auf alle in einem Sozialberuf herum... oder was sollte mit Ihrer Satzbildung um die Ecke kommen? Bitte von allen in den Sozialberufen Tätigen gleich einmal minus 1 abziehen! Wenn Sie verstehen, was ich meine!

  13. 29.

    Richtig "Berta", deshalb ist die Forderung nach kleineren Klassen für das Niveau so wichtig. Wenigstens eine feste verbindliche Größe. Durch den Zuzug ist es vor Ort so: Die Kinder stehen einfach da, vor der Schule, vor dem Klassenzimmer.
    Das Dilemma: Die Verwaltung ist überfordert, hat keine Ressourcen, weil die Politik Steuergelder nicht genügend bereit stellt (Anteilige Verteilung hat in Finnland oder Lettland eine andere Bedeutung/Gewichtung). Und die geflüchteten Kinder gehören in die Schule... immer.
    Und was das Lesen/Schreiben betrifft: Liebe Eltern, bitte lest viel mehr mit den Kindern.

  14. 28.

    @rbb24: Sie zitieren: "das Verhältnis von Schüler*innen zu Lehrkräften und damit die Klassengröße"
    Wirklich? Die Lehrmeinung ist die des dt. Rechtschreibrates. Alles was mit Schule oder das Lehren zu tun hat, muss im richtigen Plural stehen.

  15. 27.

    "die heilige Kuh der Vermeidung der Steuererhöhung endlich schlachten"
    Das wäre unverantwortlich, weil Steuern nicht zweckgebunden sind. Wer sorgt immer für letzte Bildungsplätze?

    "dass durch die Alterspyramide weniger Steuern und Beiträge eingenommen werden"
    Oder das Leute schneller in den Beruf kommen... statt...

  16. 26.

    Wenn Sie im Schulbetrieb arbeiten würden, hätten Sie mehr Verständnis für die Belange der LehrerInnen...

  17. 25.

    Was wollen Sie an einer Schule automatisieren? Die Mail an die Eltern, wenn mal wieder Unterreicht ausfällt?

  18. 24.

    Erst wurde gestreikt wegen der WiederVERBEAMTUNG, jetzt für KLEINERE KLASSEN.

    Kommt als nächstes ein Streik für die PENSIONIERUNG AB 40 JAHREN ??

    Hat die GEW und mit ihr deren Mitglieder
    KEINE ANDEREN SORGEN ??

  19. 23.

    Was bringt es, es ändert sich doch nichts weil unsere Unfähigkeiten der Politik immer viel versprechen und nichts einhalten. Es geht hier um die Ausbildung unserer Kinder in den einzelnen Schulsystemen Politiker/begreift es endlich mal!!!!!

  20. 22.

    Solange Bildung in Deutschland als zweitrangig angesehen wird. Jedes Bundesland macht was es will. Wenn gejammert wird das die 4. Klässler noch nicht richtig lesen und schreiben können sollte man überlegt ob nicht unser Bildungssytem falsch ist. Solange in Berlin nicht mal mehr Schulen die besonders viele Kinder mit Migrationshintergrund haben genannt werden dürfen darf man sich nicht wundern. Gerade hier muss gefördert und gefordert werden.

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