Interview | Ex-Hertha-Kapitän Fabian Lustenberger - "Ich traue Hertha den Klassenerhalt auf jeden Fall zu"

Fr 24.02.23 | 15:24 Uhr
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Fabian Lustenberger im gelben Trikot der Young Boys Bern (Bild: IMAGO/Pius Koller)
Bild: IMAGO/Pius Koller

2019 wechselte Fabian Lustenberger nach zwölf Jahren bei Hertha BSC zurück in seine Schweizer Heimat. Im Interview spricht er über seine Rückkehr, die Beziehung zur Alten Dame und darüber, wo er die Stärken der Berliner sieht.

rbb|24: Fabian Lustenberger, 2019 haben Sie Berlin nach zwölf Jahren bei Hertha in Richtung Ihrer Schweizer Heimat und der Young Boys Bern verlassen. Wie ist es Ihnen seitdem ergangen?

Fabian Lustenberger: An sich sehr gut. Ich bin ja wieder zu Hause bei meiner Familie. Meine Frau ist ja schon 2017 mit den Kindern in die Schweiz gezogen, ich bin aber noch zwei Jahre alleine in Berlin geblieben und immer gependelt. Seit 2019 sind wir in der Schweiz wieder zusammen. Es fühlt sich gut an, nach zwölf Jahren im Ausland wieder zu Hause zu sein, die Familie und Freunde wieder um mich zu haben. Von daher ist es mir sehr gut ergangen.

Zur Person

Fabian Lustenberger wechselte im Sommer 2008 aus der Schweiz zu Hertha BSC. Zwölf Jahre blieb der heute 34-jährige Schweizer anschließend bei der Alten Dame und absolvierte dabei 307 Pflichtspiele.

Von 2013 bis 2016 war Lustenberg außerdem Kapitän der Berliner, die er 2019 verließ, um zurück in die Heimat zu wechseln. Dort spielt er für den Berner Sport Club Young Boys.

Auch sportlich waren Sie äußerst erfolgreich: Zwei Schweizer Meisterschaften und ein Pokalsieg können sich sehen lassen. Dazu sind Sie auch noch Kapitän in Bern. Was macht Sie und Ihr Team so erfolgreich?

Ich glaube, dass hier in Bern schon vor meiner Zeit angefangen wurde, sehr gut zu arbeiten. Viele Entscheidungen, die hier zuletzt getroffen wurden, waren die richtigen. Es ist immer schwierig, ganz nach oben zu kommen, aber noch deutlich schwerer dann auch oben zu bleiben. Man muss den Verantwortlichen also hoch anrechnen, dass sie Jahr für Jahr eine Mannschaft mitsamt Trainerstab zusammenstellt, die erfolgreich sein kann. Hinter der Umsetzung steckt dann natürlich auch viel Arbeit von der Mannschaft, den Trainern und den Verantwortlichen. Das alles wird in Bern gelebt und von oben vorgelebt.

Bei Ihrem Ex-Verein Hertha BSC läuft es hingegen nicht nur in dieser Saison deutlich schlechter. Wie verfolgen Sie die Entwicklungen bei Hertha?

Ich bin natürlich informiert, wobei es ein bisschen weniger geworden ist. Am Anfang war nach meinem Abgang noch mehr Kontakt da, waren auch noch mehr Leute da, zu denen ich eine persönliche Beziehung hatte. Mittlerweile sind es nur noch drei, vier Spieler, die ich persönlich kenne und auch in Staff und Vereinsführung ist sehr viel neu. Die Uhr stelle ich also nicht mehr danach, wann bei Hertha oder in der Bundesliga gespielt wird. Aber wenn es passt, gucke ich mir Herthas Spiele schon an und drücke natürlich auch die Daumen, dass sie da unten rauskommen und die Klasse halten.

Fabian Lustenberger wird bei seinem letzten Spiel für Hertha BSC von den Fans verabschiedet (Bild: IMAGO/Bernd König)Fabian Lustenberger wird bei seinem letzten Spiel für Hertha BSC von den Fans verabschiedet. (Bild: IMAGO/Bernd König)

Haben Sie, auch wenn Sie den Verein nun nur noch aus der Ferne beobachten, ein Gefühl dafür, was die aktuellen Probleme bei Hertha sind?

Das ist ein gutes Stichwort: Ich bin natürlich sehr weit weg und glaube, dass es mir auch nicht zusteht, aus der Ferne irgendwelche Urteile zu fällen. Ich glaube, es ist wichtig, dass Ruhe in den Verein kommt, so dass die Verantwortlichen in Ruhe arbeiten können. Wir wissen aber alle: Das steht und fällt mit dem sportlichen Erfolg. Hertha ist also gefordert, Spiele zu gewinnen und Punkte zu sammeln, um das Arbeiten für alle Beteiligten wieder einfacher zu machen.

Aus ihrer Sicht als Ex-Kapitän: Hat Hertha auf dem Platz auch ein Führungsproblem? Immerhin sind zeitgleich mit Ihnen auch noch Spieler wie Vedad Ibisevic, Thomas Kraft, Salomon Kalou und Per Skjelbred gegangen.

Auch das ist aus der Ferne schwierig zu beurteilen, weil ich ja nicht tagtäglich dabei bin und mitbekomme, was in der Mannschaft und der Kabine passiert. Aber ich glaube, dass die genannten Spieler im Verein definitiv ein gewisses Standing hatten. Es sind aber auch immer wieder neue Spieler nachgekommen: Marvin Plattenhardt ist lange da, Maxi Mittelstädt hat sich aus der eigenen Jugend durchgebissen, Kevin-Prince Boateng ist auch da. Es gibt also schon genügend Spieler, die diese Führungsrolle übernehmen können.

Zwei Ihrer ehemaligen Mitspieler aus Bern sind mittlerweile in Berlin aktiv. Wilfried Kanga bei Hertha und Jordan Siebatcheu bei Union. Was macht die beiden Stürmer aus?

Ich glaube, bei uns in Bern waren sie sehr erfolgreich, was die Trefferquote anging. Jordan konnte das ein bisschen mitnehmen zu Union, wo er ja am Anfang sehr gut performt und auch Tore geschossen hat. Willy hat in seiner Zeit bei uns auch sehr gut getroffen, ist bei Hertha aber noch nicht so richtig in Tritt gekommen. Das ist aber auch normal. Der Schritt aus der Schweiz in die Bundesliga ist schließlich nicht klein.

Haben Sie noch Kontakt zu den beiden?

Ab und zu per SMS, WhatsApp oder über die sozialen Medien – hin und wieder mal Fragen wie es geht und läuft. Aber engen persönlichen Kontakt habe ich nicht mehr mit ihnen.

Abschließend noch einmal zurück zu Hertha BSC: Trauen Sie Ihrem ehemaligen Verein den Klassenerhalt zu und falls ja, was spricht dafür?

Ich traue es Hertha auf jeden Fall zu. In der Bundesliga ist vieles möglich, weil sie tabellarisch sehr eng zusammen liegt. Gegen Gladbach hat die Mannschaft zuletzt auch bewiesen, was sie leisten kann. Jetzt geht es darum, die direkten Duelle gegen die vermeintlich kleineren Mannschaften für sich zu entscheiden und so wichtige Punkte zu sammeln – auch wenn das natürlich nicht einfach ist. Ich war ja auch das ein oder andere Mal im Abstiegskampf und weiß, dass es insbesondere mental sehr schwierig ist. Aber ich hoffe, drücke die Daumen und bin auch überzeugt, dass es für Hertha möglich ist, die Klasse zu halten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Lisa Surkamp-Erler, rbb Sport.

Sendung: rbb24, 25.02.2023, 18 Uhr

9 Kommentare

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  1. 8.

    Das ist ja nicht nur im Sport so. Bobic wird auch schon passende Vokabeln haben und nutzen. In der Politik u.ä. läuft es garantiert auch so. Alles andere wäre unnormal. Schade, dass man nicht mal Mäuschen seien kann, wenn der Kanzler oder ein anderer hochrangiger Amtsträger nach der Rückkehr von seinen Amts-Geschäften, auch Treffen oder Konsultationen im Ausland, nach Hause kommt und gefrustet oder belustigt abledert.
    Da wir vieles dabei sein, was nicht druckreif ist.....

  2. 7.

    Was soll er sonst sagen?

  3. 6.

    @Mahmood: Da haben Sie allerdings recht, es wäre tatsächlich auch mal erfrischend, wenn ein Spieler in einem solchen Interview mal sagen würde: "Also ich glaube, die steigen dieses Jahr ab!" :-D
    Da dürfte der aber am Montag gleich mal antanzen bei den Vereinsbossen und sich einen Einlauf abholen sowie eine Schulung im diplomatischen "Ich finde jeden Gegner richtig gut und hochwertig und im Falle der hinteren Teams täuscht die Tabelle einfach nur"-Sprech.
    In Bezug auf Hertha bin ich sogar derselben Meinung wie Lustenberger, aber ich stimme Ihrem Kommentar völlig zu, musste viel schmunzeln bei dem Gedanken, dass so mancher Spieler einfach mal seine innere Überzeugung ins Mikrofon diktieren würde. :-)

    Bin sehr gespannt auf das Spiel am Samstag.

  4. 5.

    Herr Lustenberger , von welcher Saison sprechen Sie ?

  5. 4.

    Was soll Lustenberger auch sagen ? Ein paar unverfängliche Nettigkeiten für die Galerie um nicht als Miesmacher dazustehen. Leider wird man die wirkliche innere und echte Meinung und Einstellung nie erfahren. Von anderen Akteuren ebenso. Es wäre schon interessant, wenn die alle mal aus dem Nähkästechen plaudern würden. Da würden sich bei dem einen oder anderen schon die Zehnägel kräuseln. Dann sind sie aber finanziell und sportlich verbrannt.

  6. 3.

    Sehr geehrte Herr Lustenberger,

    wo nehmen Sie den Optimismus her, Hertha BSC gehört in Liga 2.

  7. 2.

    Wie hätte er auch mit der Hertha zwei schweizer Meisterschaften und einen Pokalsieg erreichen können?

  8. 1.

    Zwei Schweizer Meisterschaften und ein Pokalsieg und mit der Hertha nie erreicht.
    Gut, nicht abzusteigen ist auch schon DIE Leistung der Hertha.

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