Symbolbild: Unterricht an der Pestalozzi-Grundschule in Prenzlau, Brandenburg. (Quelle: dpa/Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg |12.12.2019 | Bild: dpa/Pleul

Interview - Rettung des Plattdeutschen in Brandenburg

Anfang Dezember hat der Mundart-Verein "Adbeernest e.V." (übers. Storchennest) den erstmalig verliehenen Max-Lindow-Preis erhalten. Vergeben wird dieser vom Landkreis Uckermark und der Stadt Prenzlau für die Pflege und den Erhalt der Heimatsprache.

Der Verein hat sich 2007 gegründet und besteht aus 30 Mitgliedern, die sich besonders in der Uckermark engagieren. Sowohl der Landkreis, als auch das Kulturministerium Brandenburg unterstützen die Arbeit der Sprachpflege. Im Prenzlauer Stadtarchiv wurde deshalb vor einigen Jahren die Zentralstelle für Sprache und Literatur geschaffen, die sich der Pflege der niederdeutschen Mundart widmet. Dort arbeitet Doris Meinke. Sie ist ebenfalls im Verein "Adbeernest e.V.".

rbb: Frau Meinke, was ist das Besondere an der plattdeutschen Sprache?

Doris Meinke: Niederdeutsch ist eine eigene Sprache, und kein Dialekt. Wie im Hochdeutschen gibt es in jeder Region eigene Variationen. Plattdeutsch war zu Zeiten der Hanse ja auch mal Amtssprache. In Brandenburg wird sie hauptsächlich in den nördlichen Landkreisen und von kleineren Gruppen auch in verschiedenen anderen Regionen gesprochen.

Das Besondere an der Sprache ist die Sprachmelodie. Sprache ist auch Heimat, in die hineingelebt wird und für viele Identität bedeutet. Schön ist der humorvolle Unterton und dass derbe Äußerungen auf Platt weniger schlimm klingen.

Wie ist es denn um das Plattdeutsch in Brandenburg bestellt?

Es nimmt als Alltagssprache schon sehr ab. Was das angeht, ist es nicht erst fünf vor zwölf, sondern schon zwölf Uhr. Aber ich erlebe Veranstaltungen, wo ich denke, dass die ganze Uckermark noch Plattdeutsch spricht. Die Sprache verstehen fast alle, jedoch gibt es, was das Sprechen angeht, ein großes Defizit.

Was wird getan um die Sprache zu erhalten?

Da gibt es viel Bewegung, besonders in der Uckermark. Es geht vor allem darum, bei den Kindern in den Schulen Unterricht zu geben oder in der Altenpflege das Plattdeutsch zu etablieren. Dort ist es noch ein großes Thema. Außerdem ist es wichtig Aufmerksamkeit zu schaffen, dass die Öffentlichkeit es wahrnimmt. In Sachen Plattdeutsch ist in den letzten Jahren ein Netzwerk entstanden. Beispielsweise wurde 2014 der "Niederdeutsche Verein Brandenburg" mit Sitz in Potsdam gegründet. Der Verbreitung nutzt es aber nur etwas, wenn die Sprache auch angewandt wird.

Sie haben 2017 das erste in Brandenburg zugelassene Grundschul-Arbeitsheft gestaltet. Wie gewinnen Sie junge Menschen für die Sprache?

Ganz kleine Leute nutzen Platt sogar manchmal als Geheimsprache. Die finden es auch toll, dass sie schon früh zweisprachig unterwegs sind. Plattdeutsch ist nicht sehr schwierig und lässt sich gut lernen. So stellen sich schnell Erfolgserlebnisse und Begeisterung ein. Mit Spielen und Rätseln gehen die Kinder im Unterricht mit Freude ran und reißen sogar den ein oder anderen Lehrer mit.

Das Interview führte Tony Schönberg,

Sendung: Antenne Brandenburg, 12.12.2019, 15:15 Uhr

 

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