Nach EU-Austritt Großbritanniens - Wie der Schwedter Papierhersteller Leipa dem Brexit trotzt

Ein Arbeiter beobachtet an einer Papiermaschine in der Papierfabrik des Herstellers Leipa das Papier. (Bild: dpa/Christophe Gateau)
Bild: dpa/Christophe Gateau

Seit gut drei Wochen ist der Austritt Großbritanniens aus der EU fix. Damit fallen für die Geschäfte des Schwedter Papierwerks Leipa mit einer der größten Absatzregionen wieder Zölle an. Trotz Hürden bleibt der Handel bislang stabil.

Seit dem 1. Januar ist Großbritannien nicht mehr Mitglied der Europäischen Union. Damit haben sich die Schlagbäume in und aus Richtung England, Wales, Schottland und Nordirland gesenkt. Zollkontrollen stehen wieder auf der Tagesordnung.

Hoffen auf Bestandskunden

Auch die Geschäfte von Firmen aus Ostbrandenburg sind durch den EU-Austritt der Briten in Mitleidenschaft gezogen worden. So fürchtet der Papierhersteller Leipa in Schwedt (Uckermark) in Zukunft wegen des sogenannten Brexits um sein Großbritannien-Geschäft. Der zuständige-Leipa-Chef Peter Probst sagt: "Er bereitet uns Probleme in der prozessualen Abwicklung. Wir lieferten 2020 noch grafische Papiere nach England und insbesondere Verpackungspapiere in einer Größenordnung von knapp 30.000 Tonnen. Dieses Geschäft konnten wir bis jetzt konservieren." Dem Papierhersteller zufolge haben die Schwedter auch über den Jahresbeginn hinaus neue Aufträge von Bestandkunden bekommen.

Probst geht davon aus, dass das auch so bleibt. Es bleibe aber zu befürchten, dass die auftretenden Mehrkosten die englischen Kunden nicht auf Dauer tragen werden. "Es ist natürlich so im prozessualen Ablauf, dass wir in England eine spezielle Abwicklungsagentur engagiert haben, die im Prinzip die gesamte Verzollung, die gesamte Wareneinfuhr und Dokumentation für unsere Kunden dort macht. Das bezahlen wir. Aber das muss letztlich unserer Kunde in England bezahlen. Wir haben bis jetzt festgestellt, dass die englischen Kunden das verstehen und akzeptieren."

Brexit bringt undurchsichtige Bürokratie

Insgesamt sechs Prozent seines Jahresgeschäfts macht Leipa mit Großbritannien. Solange England über keine vergleichbaren Produktionsanlagen verfügt, werde das Geschäft wohl weiterlaufen. Jedoch treibe der Brexit seltsame Blüten. Leipa-Chef Probst nennt als Beispiel ein britisches Druckhaus. "Die kaufen grafische Papiere bei uns, werden nach England eingeführt, werden dort verzollt und müssen dann - weil das Druckhaus die Druckaufträge nach Irland vergeben hat - das Papier weiter nach Irland schicken. Es wird dann wieder ausgeführt und dann in Irland auch mit entsprechender Dokumentation wieder eingeführt. Also die gesamt Prozesskette ist extrem kompliziert geworden."

Mit Nachhaltigkeit in die Zukunft

Die Folge ist, dass das Schwedter Papier sehr viel teurer werde, vermutet Probst. Er hofft in Zukunft, das Großbritannien-Geschäft nicht zu verlieren. Jedoch müsse Leipa nach Alternativen suchen, falls die Aufträge von der Insel einbrechen. So haben die Schwedter aufgrund des Rückgangs auf dem Zeitungspapier-Markts ihre Produktion komplett eingestellt. Seitdem setzt das Unternehmen voll und ganz auf grafische Papiere, insbesondere Verpackungsmaterial. Da der Online-Handel boome, sei dort die Nachfrage gestiegen.

Ähnliches will Peter Probst jetzt für den Nachhaltigkeitssektor anschieben. Der Trend gehe weg vom Plastik und müsse dann mit Papierprodukten ersetzt werden. So hofft Probst trotz Brexit auch zukünftig auf blühende Geschäfte.

Sendung: Antenne Brandenburg, 18.01.2021, 14:10 Uhr

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