Unterkünfte für Ukrainer - Landkreise in Ostbrandenburg stellen Wohnungen für Geflüchtete bereit

Mi 30.03.22 | 13:46 Uhr
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Wohnungsbesichtigung in Eisenhüttenstadt
Audio: Antenne Brandenburg | 30.03.2022 | Enrico Hartrampf, Leiter Wohnungswirtschaft | Bild: rbb

Die Landesregierung schätzt, dass bislang etwa 16.000 Geflüchtete aus Ukraine in Brandenburg untergekommen sind - der Großteil in Privatunterkünften. Doch die Landkreise arbeiten daran, ausreichend Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Täglich kommen Geflüchtete aus der Ukraine in Brandenburg an. Die zentrale Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) kommt an ihre Grenzen. Deshalb sollen die Menschen auf verschiedene Landkreise und Einrichtungen verteilt werden.

Eisenhüttenstadt bereitet hunderte Wohnungen vor

In ganz Oder-Spree werden insgesamt 300 Wohnungen für die Ukrainer fit gemacht - die meisten davon in Eisenhüttenstadt selbst. Einige davon sind bereits bezugsfertig und die Schlüssel werden dieser Tage an den Landkreis übergeben.

Spannungen auf dem Wohnungsmarkt soll es laut Enrico Hartrampf, dem Leiter Wohnungswirtschaft, deswegen aber nicht geben: "Wir haben parallel dazu ja noch größere Sanierungsmaßnahmen, die jetzt schon fast fertiggestellt sind. Und dann kommen noch neue Wohnungen auf den Markt. Wir haben also knapp 1.000 Wohnungen, die jetzt noch in Sanierung sind."

Interessenten für die Wohnungen gebe es schon viele. Im Mai könnten die ersten einziehen. Die Miete übernimmt der Landkreis, ebenso wie die Möblierung, die jetzt noch fehlt.

Privatunterbringungen in LOS sollen unterstützt werden

Brandenburgweit sind derzeit rund 16.000 Flüchtlinge aus der Ukraine untergekommen. Davon seien etwa 12.000 Geflüchtete in Privatunterkünften untergebracht, sagte Sozialministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Mittwoch in einer Sondersitzung des Sozial- und Bildungsausschusses des Landtags. "Da ist natürlich eine sehr große Fluktuation."

Gemeinschaftseinrichtung in Bad SaarowGemeinschaftsunterkunft in Bad Saarow

Doch was ist mit den Geflüchteten, die nicht in Wohnungen unterkommen? Rund 1.450 Ukrainer sind aktuell in Oder-Spree. Nur knapp 200 von ihnen leben in Gemeinschaftsunterkünften, wie beispielsweise in Bad Saarow. Der weitaus größere Teil ist bei Privatpersonen untergekommen. Auf ein solches Engagement sei der Kreis angewiesen und fördert das mit finanziellen Mitteln. "Das wird auch entsprechend honoriert", sagt Katja Kaiser. "Wir sind dort auch dabei, einen entsprechenden Kosten-Refinanzierungssatz beziehungsweise eine Erstattung mit vorzusehen."

Märkisch-Oderland: keine Ukrainer in Gemeinschaftsunterkünfte

Im Nachbarlandkreis Märkisch-Oderland leben die Ukrainer bisher ausschließlich in Privatwohnungen. In Gemeinschaftsunterkünfte sollen sie nicht kommen. Denn die dort untergebrachten Geflüchteten aus Afghanistan oder Syrien befänden sich in einer völlig anderen Situation als die Ukrainer, sagt Landrat Gernot Schmidt (SPD). "Viele haben keine Arbeitserlaubnis, befinden sich in Asyl-Verfahren und bewegen sich in einem ganz anderen Rechtsstatus." Hinzu kommt, dass die Gemeinschaftsunterkünfte im Oderland aktuell ausgelastet seien. Der Kreis schätzt die freien Kapazitäten auf rund vier Prozent und diese werden für Geflüchtete aus anderen Ländern gebraucht.

THW bereit Sporthalle in Eisenhüttenstadt für Geflüchtete vor
Turnhalle in Eisenhüttenstadt zur Unterbringung von Geflüchteten | Bild: rbb

Wie in Oder-Spree sollen für die ukrainischen Geflüchteten nun auch in Märkisch-Oderland Wohnungen bereitgestellt werden. Abweisen wolle man keinen, heißt es aus beiden Kreisen. Für den Notfall stehen provisorische Unterkünfte bereit. Dazu zählt etwa ein Ferienlager in Buckow in der Märkische Schweiz und eine Turnhalle in Eisenhüttenstadt. Mit Bauzäunen werden in der Sportstätte derzeit vom Technischen Hilfswerk Separees eingerichtet. Bisher sind die aber noch leer.

Frankfurter Lebenshilfe richtet ebenfalls Wohnungen ein

Wohnungen für Familien will jetzt auch die Lebenshilfe Frankfurt (Oder) bereitstellen, sagt Geschäftsführerin Regina Griebel. "Wir haben in Eisenhüttenstadt zwölf Wohnungen angemietet und in Frankfurt (Oder) 14. Zwölf weitere folgen. All die Wohnungen müssen laut unserem Plan bis zum 8. April vollständig nutzungsfähig und ausgestattet sein." Etwa die Hälfte der Liegenschaften seien schon bezugsfertig.

Für die restlichen Wohnungen würden allerdings Helferinnen und Helfer gebraucht. Diese könnten beim Auf- und Abbau von Möbeln und beim Transport unterstützen. Darüber hinaus werden Übersetzer gesucht. "Wir wollen die Menschen, die bei uns sind, bei der Ankunft und Integration unterstützen." Die Lebenshilfe kümmere sich derzeit vorwiegend um allein reisende Frauen mit kleinen Kindern. Auch sie sollen bei der Betreuung unterstützt werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 30.03.2022, 14:40 Uhr

Mit Material von Marie Stumpf und Sabine Voßen

9 Kommentare

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  1. 9.

    Aber dich nicht dort. Für viele Gemeinden in Brandenburg ist das vermutlich ein Segen. Da kommt Schwung in die Gemein. Jobs und Wohnraum ges in Brandenburg mittlerweile genug. Und bald vielleicht auch Leute die dort leben und arbeiten wollen.

  2. 8.

    Erstaunlich gibt ja doch keinen Wohnungsmangel...

  3. 7.

    Vielleicht kann nicht so einfach geprüft werden, ob der Gastgeber überhaupt untervermieten darf. Gerade Mieter benötigen die Zustimmung des Vermieters.

    Ebenso muss klar sein, dass man den Flüchtling mindestens für 6 Monate ohne Ausnahme aufnehmen muss. Ggf auch ernähren ect

    Kann wirklich jeder Gastgeber dies ausnahmslos garantieren?

  4. 6.

    schon erstaunlich, wo die Wohnungen jetzt alle herkommen ..., wurde hier zurückgehalten, um die Preise hoch zu halten ? oder um zu suggerieren, wir haben ein Wohnungsproblem ?

  5. 5.

    Das machen jetzt professionelle Flüchtlingshelfer... die haben mehr Lobby

  6. 4.

    Brandenburg an der Havel kann ungefähr noch 30000 Flüchtlinge aufnehmen und integrieren, damit die ursprüngliche Einwohnerzahl von fast 100000, endlich mal wieder erreicht wird.

  7. 3.

    Da frage ich mich mal wieder, warum dann nicht auf gemeldete Unterkunftsmöglichkeiten zurück gegriffen wird. Wir haben, dem Landkreis MOL gemeldet, dass wir 2 bis 3 Personen bei uns unterbringen können. Außer der Bestätigung der Meldung nach einem Tag haben wir seit über 2 Wochen nichts gehört, wie andere auch. Ach ja, eine Bezahlung oder sonstiges wollten wir zu keiner Zeit haben, wir wollten einfach helfen. Aber so groß scheint der Bedarf dann dochc nicht zu sein...

  8. 2.

    Es ist erstaunlich, wie doch Mietwohnungen plötzlich wie Pilze aus dem Boden sprießen. Komisch nur, dass man als deutscher Mieter kaum noch bezahlbaren Wohnraum findet.

    Für die maximale Aufenthaltszeit von 3 Jahren stehen für Flüchtlinge Gemeinschaftsunterkünfte in ausreichender Menge bereit

  9. 1.

    Spannungen auf dem Wohnungsmarkt soll es nicht geben??
    Die gleiche Unehrlichkeit wie 2015ff. (keinem werde etwas weggenommen und Geld komme ja von der Wirtschaft, gelle Herr Maas). Sagt doch einfach ehrlich, dass jede modernisierte Wohnung auch das Interesse mindestens einer einheimischen Familien, die aktuell in prekären Wohnverhältnissen leben, finden würden.
    Die ukrainischen Flüchtlinge sollen und müssen in Wohnungen untergebracht werden - dann sollen aber auch alle Auswikungen auf den Tisch!

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