Bauantrag bereits gestellt - Größte deutsche Binnenland-Lachszuchtanlage könnte in Finow entstehen

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Audio: Antenne Brandenburg | 23.07.2021 | Rorbert Schwaß | Bild: Ronny Hartmann/dpa-Zentralbild

Wenn es nach dem Willen eines Berliner Investors geht, soll auf einer grünen Wiese vor den Toren Eberswaldes eine Mega-Lachs-Aufzuchtanlage entstehen. Noch ist unklar, ob es dafür Baurecht gibt. Tierschützer wollen die geplante "Tierfabrik" verhindern.

In Eberswalde-Finow (Barnim) soll nach dem Willen der Berliner Landlachs GmbH [landlachs.de] die größte Lachszucht-Anlage im deutschen Binnenland entstehen. Geplant sei ein rund 30.000 Quadratmeter großer Betrieb. Man befasse sich mittlerweile seit drei Jahren mit dem Aufbau und der Entwicklung von nachhaltigen landbasierten Zuchtanlagen, die als Kreislaufsystem konzipiert sind, teilte das Unternehmen mit.

geplantes areal für lachszuchtanlage in finow
Auf dieser Wiese in Finow bei Eberswalde soll die Lachszuchtanlage entstehen. | Bild: Robert Schwaß/rbb

Grüne Weise in Finow als Standort favorisiert

Ein passendes Areal sei bereits ausgeguckt worden. Auf einer großen Wiese an der Angermünder Straße in Finow, einem Stadtteil von Eberswalde (Barnim), in unmittelbarer Nähe zu Wohnhäusern soll gebaut werden. Eberswalder zeigten sich vom Projekt überrascht, sie hätten von den Plänen noch nicht viel gehört, hieß es.

Tatsächlich ist in der Stadtverwaltung Eberswalde ein Bauantrag für eine Lachszuchtanlage des Investors eingegangen, wie die Stadt bestätigte. Über den Stand der Bearbeitung lagen derzeit noch keine Angaben vor.

Geplante Produktionskapazität soll bei 5.000 Tonnen Lachs pro Jahr liegen

Unternehmens-Chef Patrick von Hertzberg teilte auf rbb-Anfrage mit, dass in Finow eine sogenannte Aqua-Kreislauf-Anlage mit einer Kapazität von 5.000 Tonnen Lachs pro Jahr geplant sei. Die Zucht sei kontrolliert und Medikament frei, betonte von Hertzberg: "Wir bieten ein Konzept an, dass wir sagen, wir holen die Lachszucht an Land, haben mit dieser Produktion gar keinen Einfluss mehr auf Meere und Seen. Und damit verhalten wir uns ökologisch einwandfrei."

Die im Schwarm lebenden Tiere würden in der Anlage stressfrei in großen Becken unter kontrollierten, auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Haltungsbedingungen aufwachsen, sagte von Hertzberg. Für die Zucht werde Trinkwasser verwendet, das sich in Kreislauf-Prozess befinde und über eine Biofilteranlage gereinigt werde. Damit kann nach Firmenanagaben eine Wiederverwendungsquote des Wassers von 95 Prozent erreicht werden. Das entstehende Abwasser solle in die städtische Kläranlage eingeleitet werden, hieß es.

Tierschützer bezweifeln Nachhaltigkeit des Projekts

Doch an der Nachhaltigkeit gibt es Zweifel. Das Bündnis Widerstand Tierfabriken [tierfabriken-widerstand.org] kritisierte unter anderem den hohen Ressourcenverbrauch und die Haltung der Tiere. Bis zu eine Million Lachse könnten nicht in engen Becken leben, sagte Bündnis-Sprecher Sebastian Schottstedt. "Irgendwie ist es schon ironisch zu behaupten, es gebe regionalen Lachs von einer Brandenburger Wiese, also regionalen Atlantischen Lachs. Zum Beispiel werden die Fischeier aus verschiedenen Ländern der Welt importiert", so Schottstedt weiter. Auch die Fischnahrung werde importiert.

Regional sei lediglich das benötigte Wasser. Schottstedt betonte, dass laut Vorhabensbeschreibung ein täglicher Wasserverbrauch von 650 Kubikmeter/Abwasser entstehe, was aufs Jahr hochgerechnet 237 Millionen Liter (Ab-)Wasser pro Jahr ausmache. Das Bündnis erklärte, dass die Stadt Eberswalde täglich rund 4.000 Kubikmeter verbrauche. In Finow liege dieser Wert bei circa 460 Kubikmeter.

Investor spricht von einem Premiumprodukt

Der Investor teilte diese Woche jedoch mit, dass man sich völlig bewusst sei, dass man dem Lachs nicht das Leben, wie in freier Wildbahn bieten könne und auch, dass der Konsum an Fisch und Fleisch reduziert werden sollte. "Wir haben allerdings eine ehrliche Alternative für den, der nicht ganz darauf verzichten möchte", hieß es in einer Mitteilung der Berliner Landlachs GmbH. Das Unternehmen böte dem Fisch aber möglichst artgerechte, stressfreie Umgebung. Nur dies garantiere das von uns angestrebte Premiumprodukt, hieß es weiter.

Skepsis der Tierschützer nicht weggewischt

Dies zweifeln die Tierschützer aber an. Sie teilten ebenfalls per Mitteilung in dieser Woche mit, dass in der rund 30.000 Quadratmeter großen Halle pro Jahr bis zu einer Million dieser Tiere auf engstem Raum zusammengepfercht gehalten werden sollen. Laut Antragsunterlagen sollen insgesamt 33.000 Kubikmeter Wasser zu jedem Zeitpunkt in der Anlage sein. Bei einer Million Lachsen wären das 30 Fische pro Kubikmeter, also maximal 1,5 Schuhkartons pro Lachs Platz, rechnen sie vor. Für ein Lebewesen, das im Meer zu Hause ist, sei dies mitnichten eine artspezifische Haltung, erklärten sie.

Wann die Stadt über den Bauantrag befindet, ist derzeit noch unklar.

Sendung: Antenne Brandenburg, Antenne - Am Nachmittag, 23.07.2021, 14:10 Uhr

Mit Material von Robert Schwaß

9 Kommentare

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  1. 8.

    Da fehlen mir, um mir eine Meinung zu bilden, ganz einfach konkrete Fakten zur Farmhaltung der Lachse: Welches Futter und wieso aus dem Ausland, tatsächlicher Wasserverbrauch bei funktionierendem Kreislaufsystem, Umsetzen der Fische (Besatzdichte je nach Größe ),sind die Becken übernetzt im Freien, oder müssen Hallen gebaut werden ,Verarbeitung an Ort und Stelle. Ich habe im Ausland Lachsfarmen(wenige!)gesehen, die durchaus tierschutzgerecht geführt wurden,

  2. 7.

    Richtig, Herr Neumann, Wasser-Großverbraucher sind schon längst da. Ist das jetzt ein Grund, noch weitere anzusiedeln? Das PCK in Schwedt und die Papierfabrik beziehen das Wasser übrigens aus Brunnen, die direkt an der Oder liegen, in einem Gebiet, wo es ausreichend Wasser gibt. Diese Gegend können Sie nicht mit dem sandigen Barnim vergleichen.

  3. 6.

    Wasser-Großverbraucher sind allerdings schon längst da, egal ob Braunkohle, der PCK in Schwedt oder die Papierfabrik, die die grundwasserschädlichen Kiefern verarbeitet. Zumindest für die ersten zwei gäbe es adäquaten Ersatz, welcher aber mit vielfach scheinheiligen Argumenten bekämpft wird.

  4. 5.

    Solange das Fischfutter aus illegal gefangenen Fischen vor der Küste Afrikas gemacht wird, ist es ein Geschäftsmodell das nichts mit Naturschutz zu tun hat sondern eher Diebstahl der afrikanischen Nahrung.

  5. 4.

    Was ist mit den Leuten los!? Seit Tagen/Wochen ist das Thema Klimawandel und Tierwohl omnipräsent. Was soll an diesem „Produkt“, was übrigens ein Lebewesen ist, Premium sein? Ich hoffe, dass die zuständigen Behörden es verhindern.

  6. 3.

    Richtigerweise müßte es redaktionell Eberswalde Ortsteil Finow heißen. Ansonsten erfährt die Eberswalder Stadtverordnetenschaft einschließlich meine Person mehrheitlich die nicht ganz überraschende Information offiziell zuerst aus den Brandenburger Print und Digital Medien. Unternehmens-Chef Patrick von Hertzberg gilt in der Eberswalder, der Barnimr und Brandenburger Region als "Totengräber" des Walzwerk Finow in der ehemaligen Industriemetropole Rotes Finowtal im Altkreis Eberswalde. PvH beherrscht es exellent Fördermiitel auf allen Ebenen abzugreifen. Das Anwenden von Flächentarifverträgen und das Agieren von Betriebsräten ist für den STARINVESTOR und auf vielen Geschäftsfelder präsente UNTERNEHMER aus den" Verbrauchten Bundesländern" in seinen
    Ost- Unternehmen noch immer ein Fremdwort.

  7. 2.

    Es scheint jetzt modern zu werden, in einer der trockensten Regionen Deutschlands Wasser-Großverbraucher anzusiedeln. Tesla, nun Landlachs (welch ein Widerspruch), und es ist noch nicht lange her, da wollte ein Investor in Altlandsberg eine Surf-Area einrichten (was zum Glück abgelehnt wurde). Andererswo bekommt man nicht mal den Feuerwehrlöschteich voll. Auf der Seite dieser Massentierhaltungsfirma findet man nur vollmundige Versprechungen bezüglich Nachhaltigkeit, Qualität, artgerechter Haltung und, und. Kein Sterbenswörtchen darüber, wie viele Tiere pro Kubikmeter Wasser, welches Futter, Haltungsdauer, Reproduktion, Vermeidung von Geruchsbelästigung der Anwohner, wohin mit den Fischabfällen - geschlachtet und verarbeitet werden soll ja auch vor Ort. Das wäre doch mal interessant, nicht so ein Werbewischiwaschi der Investoren.

  8. 1.

    Ohne ausreichend Antibiotika wird doch das nichts. Die zu kaufenden Fischprodukte kommen doch auch überwiegend aus Aufzuchtanlagen. Da werden sich die Anwohner bestimmt auch über den zunehmenden Straßenverkehr freuen.
    Ich bin da auch über den wohlwollenden Artikel des Investors ??? sehr skeptisch. Und gesundheitlich bedenkenlos ?

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