Daten für 2022 - Zahl der Sozialwohnungen in Berlin sinkt - Bestand in Brandenburg stabil

Mo 31.07.23 | 14:51 Uhr
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Symbolbild: Sozialbau-Wohnungen rund um das Kottbusser Tor in Berlin Kreuzberg. (Quelle: dpa/Schoening)
Audio: rbb24 Inforadio | 31.07.2023 | Michael Ernst | Bild: dpa/Schoening

Der Berliner Senat will 5.000 neue Sozialwohnungen pro Jahr bauen - doch stattdessen gibt es immer weniger dieser Wohnungen. Der Grund: Der Neubau kann den Wegfall der Mietbindung nicht ausgleichen.

  • Rund 4.500 Sozialwohnungen weniger in Berlin
  • Ziel von 5.000 neuen solchen Wohnungen pro Jahr, 2022 wurden knapp 2.000 bewilligt
  • Berliner Politik reagiert mit Bestürzung und Kritik
  • Zahl der Sozialwohnungen in Brandenburg 2022 leicht gestiegen

Für Menschen mit kleinem Einkommen gibt es in Berlin immer weniger staatlich geförderte Sozialwohnungen. Der Bestand ging im Jahr 2022 um 4.519 auf 104.757 zurück, wie die Bundesregierung auf Anfrage der Linken-Politikerin Caren Lay mitteilte. Neu bewilligt wurde demnach in der Hauptstadt 2022 der Bau von 1.935 staatlich geförderten Wohnungen.

Für den Bau solcher Wohnungen gibt es staatliche Zuschüsse oder vergünstigte Darlehen. Dafür gilt befristet eine gedeckelte Miete. Bekommen können eine solche Wohnung Menschen, die wenig Geld haben oder Sozialleistungen beziehen. In Berlin haben aktuell rund 530.000 Haushalte ein Anrecht auf einen Wohnberechtigungsschein.

Der Bestand an Sozialwohnungen schwindet seit Jahren: Denn es fallen mehr Wohnungen nach Ablauf der vorgegebenen Frist aus der sogenannten Mietbindung heraus, als neu gebaut werden. Noch 2020 gab es in Berlin 111.964 Sozialwohnungen.

CDU-Fraktion: Lage ist "dramatisch"

Die Zahl der neu bewilligten geförderten Wohnungen lag 2022 deutlich höher als ein Jahr zuvor, als 1.101 neue Einheiten die Zusage erhielten. 2020 waren es allerdings noch 3.764. Die schwarz-rote Koalition in Berlin will jährlich 5.000 Sozialwohnungen bauen sowie 15.000 weitere Einheiten ohne Mietbindung. Von den anvisierten 20.000 Wohnungen wurden im vergangenen Jahr nach Angaben des Senats gut 17.300 tatsächlich errichtet.

Die Lage sei "dramatisch", sagte der baupolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Gräff, dem rbb. "Wir werden ohne eine massive Förderung von Bund und Land keine bezahlbaren Wohnungen bekommen." Grund seien vor allem die gestiegenen Baukosten. Er verwies unter anderem auf die vom schwarz-roten Senat geplante Ausweitung der Förderung, die auch den Bau von Sozialwohnungen für Menschen mit mittleren Einkommen vorantreiben soll.

Das Volumen der Programme soll von derzeit 740 Millionen Euro perspektivisch auf rund 1,5 Milliarden Euro verdoppelt werden. CDU und SPD haben zudem angekündigt, bürokratische Hürden für Investoren beseitigen zu wollen, um den Neubau attraktiver und schneller zu machen.

Linke fordert mehr Wohnungsbau durch landeseigene Unternehmen

Scharfe Kritik kam vom wohnungspolitischen Sprecher der Linken, Niklas Schenker. "Private Investoren haben den Bau von neuen Sozialwohnungen in den vergangenen Jahren praktisch boykottiert." Das habe auch das noch unter der Regierung von Franziska Giffey (SPD) eingeführte Bündnis für Wohnungsneubau gezeigt: Die Zwischenbilanz nach einem Jahr Arbeit fiel durchwachsen aus, vor allem auch beim Neubau bezahlbarer Wohnungen. "Wir müssen stattdessen die landeseigenen Wohnungsunternehmen in die Lage versetzen, deutlich mehr Sozialwohnungen zu bauen", so Schenker.

Der wohnungspolitische Sprecher der AfD, Harald Laatsch, machte "Versäumnisse der Vergangenheit" für den Mangel an Sozialwohnungen verantwortlich und verwies auf die geringe Nachfrage bestehender Förderprogramme. Seine Partei fordere seit Jahren, nicht den Wohnraum finanziell zu fördern, sondern die Mieter direkt, über Zuschüsse. Kritiker sehen darin allerdings vor allem ein Fördermodell zu Gunsten von Vermietern.

Zahl der Sozialwohnungen in Brandenburg konstant

Brandenburg hält seinen Bestand an Sozialwohnungen hingegen weitgehend stabil. Ende 2022 gab es im Land 19.813 dieser staatlich geförderten Wohnungen. Das waren 112 mehr als 2021.

Die Neubauzahlen gehen allerdings zurück. 2022 wurde in Brandenburg den Angaben zufolge der Bau von 552 neuen Sozialwohnungen bewilligt. 2021 waren es noch 787, im Jahr davor 1.130.

Auch bundesweit Rückgang

Auch bundesweit ist die Zahl der Sozialwohnungen gesunken. So gab es Ende 2022 bundesweit rund 1.088.000 solcher Wohnungen - rund 14.000 weniger als ein Jahr zuvor. Zwar wurden 22.545 Sozialwohnungen neu gebaut - aber bei rund 36.500 Wohnungen lief die Preisbindung aus.

Die Bundesregierung hatte angekündigt, jedes Jahr für 100.000 neue Sozialwohnungen sorgen zu wollen [tagesschau.de].

Im Vergleich der Bundesländer ist die Entwicklung unterschiedlich.

So gab es etwa in Hessen einen Zuwachs von knapp 1.700 auf 82.172 Sozialwohnungen. Viele Länder hatten allerdings einen teils deutlichen Rückgang zu verzeichnen. So sank die Zahl der Sozialwohnungen etwa in Niedersachsen um fast 2.600 auf 52.601.

Die meisten Sozialwohnungen insgesamt verzeichneten Nordrhein-Westfalen mit 435.025, Bayern mit 133.129 sowie Berlin. Spitzenreiter gemessen an der Einwohnerzahl waren Hamburg (4.281 pro 100.000 Einwohner), Berlin (2.790) und NRW (2.398).

Den umfangreichsten Neubau in dem Bereich gab es in Bayern mit 4.056 bewilligten Neubaumaßnahmen im Bereich der Mietwohnungsförderung und in Baden-Württemberg mit 3.898 solcher Maßnahmen.

Bestand in gut 30 Jahren fast geviertelt

Die Zahl der Sozialwohnungen nimmt seit Jahren ab. Gab es in der alten Bundesrepublik noch fast vier Millionen Sozialwohnungen, waren es 2010 fast 1,66 Millionen und 2020 nur noch rund 1,13 Millionen.

Die Linken-Abgeordnete Lay warf der Ampel ein krachendes Scheitern ihrer Wohnungspolitik vor. "Der Tiefstand beim sozialen Wohnungsbau bei Neubau und Bestand ist angesichts ungebremst steigender Mieten und zunehmender Wohnungsnot höchst alarmierend", sagte Lay der dpa.

Sie forderte unter anderem ein öffentliches Wohnungsbauprogramm und ein Sondervermögen für bezahlbares Wohnen. Mindestens 20 Milliarden Euro müssten pro Jahr in den Bereich fließen. Die IG BAU hatte zuletzt ein Sondervermögen von 50 Milliarden für den Bau von Sozialwohnungen gefordert.

Sendung: rbb24 Inforadio, 31.07.22, 07:40 Uhr

156 Kommentare

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  1. 156.

    Die Wertsteigerung ist bei einer eigenen und einer vermieteten Immobilie ein identischer Faktor. Sie werden wohl nicht bestreiten, dass sich diese bei einer eigengenutzten Wohnung nicht auf Mieten auswirkt. Da wir über diese Auswirkungen diskutieren, kann ich Ihre Argumentation nur als Versuch der Ablenkung von dem bewerten, was Sie offenzulegen nicht bereit sind.

  2. 155.

    Wie istdie Quelle Ihrer Zahl der Landeseigenen, die vorstehend genannte ist es nicht. Sie könnten Ihre Kalkulation der 35 m²-Musterwohnung präsentieren um zu überzeugen, was Notwendigkeit ist. Nur geht Ihre Energie in Gegenangriffen verloren mit Forderungen, die Sie selbst nicht erfüllen.

  3. 154.

    Weil die Menschen die Arbeiten gehen (Vollzeit) keine Sozialwohnung bekommen und die die nicht oder zu wenig arbeiten bevorteilt werden.

    Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG verbietet eine Ungleichbehandlung aufgrund verschiedener Kriterien

  4. 153.

    Sie haben vergessen, in 30 / 40 Jahren sind längst die ersten Sanierungen fällig. Das Dach, die Fenster, Fassade, Strangsanierung und auch der Hausflur dürfte durch die Mieter desaströs aussehen. Reifenspuren der Fahrräder an der Wand, Edding, Abplatzer von Umzügen dazu der ganze Kleinkram 40 Jahre Wasserhahn oder Dusche, Badewanne, Herd, Spüle etc. will ich sehen.
    Die Heizung auch ohne Habeck hab ich ja komplett vergessen.
    Wir haben ja heute in der Abendschau gesehen, wie solche Häuser aussehen und die Mieter wollen es noch weiter herunterwohnen. Nach mir die Sintflut. Das sie das Haus selber kaufen, wie auch die Enteigner ja Aktien von DW und co kaufen könnten... na sie wissen schon warum nicht. So billig und bequem wie mit Miete kommen sie dabei nicht weg. Die öffentlichen Wohnungsverwaltungen haben nicht umsonst 17 Mrd Schulden angehäuft. Viele günstige Wohnungen sind auch mit Gutverdienern besetzt. Wer hat die eigentlich abgeschafft und wer angeschafft ? Überraschung !

  5. 152.

    Das waren noch interessante Hinweise - vielen Dank und einen schönen Abend...! :-)

  6. 151.

    Meine Leistung ist das Risiko. Und das ist extrem hoch. Das Mietrecht schützt nur den Mieter und benachteiligt den Vermieter extrem. Allein das Abchecken von Bewerbern ist extrem aufwendig. Erkundigen bei Arbeitgebern und Vorvermietern ect...

    Aber eine Leistung muss ich nicht erbringen. Warum auch? Ich finanziere mit Geld Wohnraum, den jemand zu meinen Bedingungen mietet?

    Irgendwie haben Sie den Kapitalismus und die Marktwirtschaft nicht verstanden.

  7. 150.

    Ein solches Gesetz wird jedes Gericht kippen. Dann muss der Senat sehr hohe Schadenersatzzahlungen leisten.

    Baukosten senken, Löhne auf dem Bau und im Nebengewerbe senken, Standart runterschrauben... Nur so kann billiger gebaut werden

  8. 149.

    Aber genau diese Personen können eine faire Miete zahlen und benötigen keine vom Steuerzahler massiv subventionierte Sozialwohnung

    Diese Personengruppen zahlen U. A. zu meinen Mietern.

    Fakt ist, dass preiswerter Wohnraum nicht mehr gebaut werden kann.

    Also, weiter massiv Steuergelder verschwenden?

  9. 148.

    Wenn Ihre Definition von "nahe Pariser Platz" mit meiner übereinstimmt, ja da könnte, Lage, Lage, Lage, die Rechnung aufgehen. Aber in der Gegend eine 35m2 Wohnung, für den Preis zu vermieten bedeutet auch häufiger Mieterwechsel. Diese Miete übernimmt kein Amt.

  10. 147.

    Dann machen-Sie se doch, nehmen Sie eine Kredit über 1,2 Millionen auf, bauen ein Haus mit 8Wohnungen a 80qm in Berlin, und vermiten diese dann für 8Euro pro qm, dann haben Sie diese Summe von !,2Millionen Euro in 39Jahren eingenommen , dann erst wäre eine Rendite zu erwirtschaften, wenn keine Zinsen,Ausgaben an Erhaltung,Reparuturen, Verwaltung etc. vorhanden wären.
    Also, ich würde mich hüten, so viel auf eigenes Risiko zu investieren, auf eine Rendite in 30 - 40 Jahren zu hoffen, und mich mit Mietern rumzuärgern.

  11. 146.

    Reine Wertsteigerungen bei eigengenutzten Objekten sind leistungsloser erlangt als die Verwaltungsgewinne von Mietobjekten, die nicht im Wert steigen.

  12. 145.

    Was ihr alle rumdiskutiert. Deren Geld, deren Immobilien, deren Regeln. Wer das nicht will muss selber kaufen oder bauen oder bei seiner Regierungspartei nachfragen, warum die keine Wohnungen bauen oder warum die berliner Wohnungsgesellschaften 17 Milliarden Schulden haben. Umgerechnet auf jede einzelne Bude sind das rund 35.000. €. Wann bezahlen die Mieter diese Schulden? Muss wieder die Sllgemeinheit machen? Deswegen kommen keine Fachkräfte nach Deutschland, weil die Sozialabgaben für solche Wohlfühllebensplanung zu hoch geworden sind. Nicht nur für Vermieter auch für jede andere Branche, die das von ihrem Lohn bezahlen müssen, wie auch das 49 € Ticket und und und und...

  13. 144.

    Beides ist leistungslos. Möchten Sie das bestreiten ? Kalle hat vollkommen recht, lenken Sie doch von Ihrem leistungslosen Gewinn der Wertsteigerung nicht ab.

  14. 143.

    17,50 Euro/qm müssten die landeseigenen G. durchschnittlich nehmen (Stand 2023). Warum sollten Sie es in 2023 mit Ihrer WEG heute in 2023 besser können ? Helfen Sie uns doch allen, das meine ich ernst. Vielleicht geben Sie ja wirklich einen unbekannten Hinweis, der zu günstigerem Wohnen führt.

  15. 142.

    Und wieder antworten Sie nicht konkret.

    Erzählen Sie mal von Ihrer solidarischen Eigentümergemeinschaft ohne Gewinnabsicht.

    Wie sieht das Zahlenwerk denn konkret aus ?

    Kann ich bei Ihnen für 6 Euro/qm kalt wohnen ?

    Und wenn ja, welche Lage (etwa) wäre die Wohnung denn dann ? Das mich das nichts angeht müssen Sie nicht erwähnen. Überzeugen Sie mal durch sachliche Kompetenz als mit vagen WischiWaschi-Aussagen a la "ich bezweifle mal".

  16. 141.

    Standard

    Laminat, Raufasertapete

    Bauhaus-WC

    Auszug nach drei Jahren

    EK ist doch egal, 180000 KP ist finanziert, wie ich schrieb.

    Tilgungssatz nehmen Sie einfach auch den Standard von 2,5 %.

    Antworten Sie nicht immer abstrakt und antworten mit Gegenfragen.

    Werden Sie mal konkret - das bleiben Sie schuldig.

  17. 140.

    Spricht da wieder ein Theoretiker ? Die Wohnung liegt nahe Pariser Platz.

    Möchten Sie Ihre schlaue Analyse präzisieren ?

  18. 139.

    Nein, es ist keine Gier. Bis alles bezahlt ist, dauert es etwa 20 Jahre und dann ist schon wieder eine Sanierung fällig, für die man Geld aufwenden muss. Modernisierung kann man auf die Miete umlegen, Instandhaltung und -setzung nicht. Das muss die Kaltmiete bringen. Kein Investor baut Häuser, um draufzahlen. Das muss sich schon rechnen. Ansonsten kann er in Aktien investieren und Zinsen/Dividende abschöpfen, statt Wohnungen zu bauen. Das investierte Kapital muss einen Gewinn abwerfen, das ist ein Geschäft wie jedes andere auch. Wenn ein Bier in der Kneipe 4,50 € kostet und die Flasche im Supermarkt 45 Cent, fragt kein Gast nach der Kalkulation.

  19. 138.

    Wenn Sie sich eine 35 m2 Wohnung im abgewohnten Zustand zu 4% Zinsen haben aufquatschen lassen... . Herzlichen Glückwunsch. Das haben Sie aber sicherlich nicht. Dazu kämen ja auch noch die Instandsetzungs und modernisierungskosten nochmal 20000 €zu5 % Ihre ca.1300 € angestrebte minimum Warmmiete. Ja das wird dann doch ein hartes Stück Arbeit

  20. 137.

    Ich würde gewisse Grundannahmen mal hinterfragen (das versuche ich ja hier schon eine Weile). Den "Standard nach Auszügen" hinterfragen. Den Kaufpreis des Objektes, zu dessen Erwerb Sie keiner zwingt. Die Tilgungsrate. Den Anteil Eigenkapital. Was nehmen Sie denn? Sie kennen ja die Details.

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