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Quelle: dpa/Moritz Vennemann

Finanzbedarf überfordert Rheinsberg

Kulturstaatsministerin setzt auf Landkreis bei Betrieb von Tucholsky-Museum

Kulturstaatsministerin Claudia Roth sorgt sich um den Fortbestand des dem Autor und Schriftsteller Kurt Tucholsky (1890-1935) gewidmeten Museums. "Das Kurt Tucholsky Literaturmuseum in Rheinsberg ist das einzige seiner Art weltweit", sagte Roth der Nachrichtenagentur DPA in Berlin. "Es gibt einen sehr guten Einblick in das beeindruckende Werk dieses außergewöhnlichen Schriftstellers, Journalisten, Essayisten und Intellektuellen, der bis heute stilprägend ist."

Die Stadt sieht sich mit einem Defizit von rund 241.000 Euro in diesem Jahr überfordert. Im Oktober hatte die Stadtverordnetenversammlung der Gemeinde deshalb beschlossen, die wissenschaftliche Leitung des Museums nicht mehr zu besetzen. Die Position soll in der Leitung der städtischen Tourismus-Information aufgehen.

Bau im Kulturforum

Grundsteinlegung für neues Museum der Moderne im Februar

Ein "Vorbild der Nachhaltigkeit" soll es werden. So kündigt Grünen-Kulturstaatsministerin Claudia Roth das neue Museum für moderne Kunst im Kulturforum an. Im Februar soll der Grundstein gelegt werden. Einen neuen Namen hat es auch schon.

Der Landkreis will das im Schloss Rheinsberg untergebrachte Museum mit einer wissenschaftlichen Leitung sichern. Der Kreistag hat eine Übernahme der Trägerschaft für das Museum zum 1. April angeboten. Über eine mögliche Übernahme des Museums durch den Landkreis Ostprignitz-Ruppin soll am Montag entschieden werden. Roth unterstützt das Vorhaben und forderte die Rheinsberger Stadtverordnetenversammlung dazu auf, das Angebot des Landkreises anzunehmen.

Defizit überfordert Stadtkasse

"Kurt Tucholsky hat sich mit spitzer Feder und viel bissigem Humor für eine demokratische Gesellschaft in der Weimarer Republik eingesetzt", sagte Roth. "Er ist Nationalismus, Militarismus und Faschismus mutig entgegengetreten. Dafür ist er übel angefeindet und von den Nationalsozialisten schließlich verfolgt und aus dem Land getrieben worden." Im Exil nahm sich Tucholsky das Leben.

"Die Beschäftigung mit seinem Leben und Wirken brauchen wir gerade in diesen Zeiten dringend", so die Grünen-Politikerin. Dem Ort Rheinsberg habe er ein literarisches Denkmal gesetzt. In "Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte" schilderte Tucholsky 1912 die Reise eines verliebten Berliner Paares in die ländliche Idylle.

Aus Sicht des Landkreises hat sich das Museum seit Eröffnung 1991 zu einer überregional anerkannten Kultureinrichtung entwickelt. Verwiesen wird auf mehr als 470 Lesungen etwa mit Christa Wolf, Fritz J. Raddatz oder Günter de Bruyn. Die rund 8.000 Objekte von Tucholsky und anderen Autoren waren Grundlage für bisher 165 Ausstellungen.

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 19.12.2023, 19.30 Uhr

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