Filmort: Das Moka Efti - Mt der Rolltreppe zu Kaffee und Tanz

Fr 31.08.18 | 00:15 Uhr | Von Johanna Niedbalski
Auf einer Fotopostkarte von 1907 ist die Friedrichstrasse zu sehen. (Quelle: dpa/akg-images)
Bild: dpa/akg-images

Das Moka Efti gab es wirklich im Berlin der Zwanzigerjahre - allerdings erstmal nicht als In-Disco sondern als Kaffeehaus mit dem gewissen Schisslaweng. Nach und nach zogen die Tanzfans ein - fast wie bei "Babylon Berlin".

Das echte Moka Efti ist weder Großraumdisko noch Restaurant oder Bordell. Das echte Moka Efti ist ein Kaffeehaus, ausgestattet mit Extravaganzen. Eröffnet wird es im April 1929 in bester Citylage an der Ecke Friedrichstraße/Leipziger Straße. Es liegt im ersten und zweiten Stock eines wuchtigen Gründerzeitbaus, der unter dem Namen Equitable-Palast bekannt ist.

Das Design des Kaffeehauses ist orientalisch. Die Teppiche, die Bemalung der Decken und Wände, der Stoff, mit dem die Sessel bezogen sind - alles weckt Assoziationen an 1001 Nacht. Von einem Saal zum anderen gelangen die Gäste durch einen Gang, der einen Eisenbahnwaggon imitiert: Man reist also von Saal zu Saal. Außergewöhnlich am Moka Efti ist sein Friseursalon.
Ebenfalls außergewöhnlich ist das Schreibzimmer mit Postamt, in dem Sekretärinnen die Korrespondenz der Besucherinnen und Besucher erledigen. Die Gäste des Moka Efti können also beim Rasieren Kaffee trinken oder beim Schnitt eines modernen Bubikopfs einen Brief diktieren.

Am außergewöhnlichsten ist die Rolltreppe, die die Gäste vom Straßenniveau in die im ersten Stock gelegenen Räume des Café befördert. Denn Rolltreppen sind in diesen Jahren noch eine Seltenheit – und damit eine Attraktion. Zur Eröffnung veranstaltet das Moka Efti ein Preisausschreiben, in dem die Gäste schätzen sollen, wie viele Personen die Treppe nutzen. Dem Gewinner winkt ein Preisgeld von 1.000 Mark.

In den 1930er Jahren wird das Swingorchester von James Kok zur Hausband des Lokals. Der Konzertsaal liegt im ersten Stock, der Tanzsaal aber im zweiten. Kurzerhand sägt man ein Loch in den Boden des Tanzsaals. Nun dröhnt die neue Swingmusik bis in den zweiten Stock hinauf und das Kaffeehaus wird zunehmend zu einem Tanzlokal, (fast) wie in der Serie "Babylon Berlin".

Historische Fotografie: Der Türkische Salon Moka-Efti in der Friedrichstraße 59 in Berlin (Bild: imago)

Beitrag von Johanna Niedbalski

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