Debatte um niedrigen Pegel in Märkisch-Oderland - Strausberger für, Rüdersdorfer gegen Tagebau-Wasser für den Straussee

Frank Weber (l) und Jürgen Kreowsky diskutieren über Pegel im Straussee und Zuflüsse aus dem Tagebau Rüdersdorf
Audio: Antenne Brandenburg | 17.06.2021 | Marie Stumpf | Bild: Marie Stumpf/rbb

Noch ist das Vorhaben, den Pegel des Straussees mit Wasser aus dem Tagebau Rüdersdorf aufzufüllen, noch ferne Zukunftsmusik. Die Gemüter bewegt das Thema schon jetzt. Ein Strausberger und ein Rüdersdorfen sprechen über das Für und Wider.

Längst sind es keine Einzelfälle mehr: Fallende Pegelstände in Seen, die zu wenig Wasser haben. Der letzte Schock für viele Ostbrandenburger war die Sperrung des Helenesees in Frankfurt (Oder) wegen eines Erdrutsches, vermutlich verursacht durch Niedrigwasser.

Beim Straussee in Märkisch-Oderland weiß man schon seit längerem, dass er Wasser verliert. Zwischen 2013 und 2018 viel der Pegel um etwa einen Meter. Inzwischen liegt ein Lösungsvorschlag auf dem Tisch. Der sieht vor, dass Wasser aus dem Tagebau in Rüdersdorf herübergeleitet wird. Die Strausberger freuen sich, die Rüdersdorfer protestieren.

Wassermangel auch in Rüdersdorf?

Frank Weber aus Strausberg und Jürgen Kreowsky aus Rüdersdorf stehen gemeinsam am Ufer des Straussees beim Bootsverleih. Sie debattieren am Donnerstag über den sinkenden Wasserstand. Der ist allgegenwärtig, sagt auch Kreowsky. Er hat sich mit einem Rundschreiben an andere Rüdersdorfer gewandt und durch den Rücklauf festgestellt, dass er mit seinem Protest nicht allein dasteht. Den See mit Wasser aus dem Tagebau auffüllen, will er nicht. Denn er fürchtet, das Wasser könnte dann andernorts fehlen, etwa in der Woltersdorfer Schleuse. "Auch bei uns hat der Wasserstand schon deutlich abgenommen", argumentiert er. "Diejenigen, die die Schleuse dort betreiben, müssen in der trockenen Jahreszeit auch schon auf die Wasserstände achten."

Frank Weber, der auch Vorsitzender der Straussee-Bürgerinitiative ist und im Klima-Ausschuss der Stadt sitzt, hält dagegen. "Wir reden maximal von zehn Prozent dieses Grubenwassers. Zweitens kommt das Wasser, was dort entnommen wird, wieder dahin zurück." Und zwar über die dann wieder fließenden Zuläufe des Straussees, die etwa in den Rüdersdorfer Stienitzsee münden. Kreowsky zweifelt und regt an, mit der derzeitigen Situation umzugehen. "Ich habe Vorschläge für die Bootstege im Straussee unterbreitet. Es wäre kein Problem das Ganze diesem neuen Wasserniveau anzupassen."

Noch Monate bis zum Gutachten

Entscheiden wird das letztendlich die Politik. Aktuell wird in Strausberg eine Machbarkeitsstudie dazu vorbereitet. Hierfür bereitet die Stadt derzeit einen Antrag auf Fördermittel vor. Bis Ergebnisse vorliegen, dürften noch einige Monate vergehen. Wie der Tagebau-Leiter Thomas Weber dem rbb mitteilte, müssten insgesamt elf Kilometer neue Rohre zu den Zuflüssen des Straussees verlegt werden. Die Kosten dafür lägen bei mehreren Millionen Euro.

Dass generell aber Wasser gespart werden muss, da sind sich Kreowsky und Weber einig. Beide versuchen dort mit gutem Beispiel voranzugehen und sprengen ihre Rasen in den Gärten mit Regenwasser. Das dürfte mit perspektivisch weniger Niederschlag aber nicht reichen. Deshalb glaubt Jürgen Kreowsky, dass künftig auch die Industrie ihren Beitrag zum Wassersparen leisten muss.

Sendung: Antenne Brandenburg, 17.06.21, 16:10 Uhr

Mit Material von Marie Stumpf

3 Kommentare

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  1. 3.

    Unsere Bürgerinitiative BI GLAS hat in SLACK einen Channel zur fachlichen Diskussion des Wasserhaushaltes in Ostbrandenburg angelegt. Dort zu finden ist auch eine Sammlung relevanter Gutachten, die laufend ergänzt wird.
    Im Presseartikel geht es nur um die Mengenbetrachtung, zu beachten sind aber auch qualitative Aspekte. Das Tagebauwasser ist halb gesättigt mit CaSO4, es könnte bei direkter Einleitung bzw. Versickerung in Strausberg zu einer Gefährdung des Grundwassers bzw. dessen Eignung zur Trinkwassergewinnung führen. Wasserhärte und Betonaggressivität steigen ggf. massiv an, Grenzwerte der TrwVo könnten als spätere Folge überschritten werden. Es empfiehlt sich die Aufbereitung an der Quelle durch Membranverfahren wie die Nanofiltration.

  2. 2.

    Ich bin gespannt, ob die "besorgten Bürger" so viel weniger *Trink*wasser verbrauchen, dass die nicht mehr eklatant über dem Landesschnitt liegen oder ob die Sorge nur vorgeschoben ist. Das sollte sich doch bald in den Zahlen des WSE zeigen.

  3. 1.

    Der Kampf um Wasser hat gerade erst begonnen. 50 Jahre hat die Politik die Warnungen der Wissenschaft ignoriert. Die nächste Generation wird noch viel Freude an diesem Versagen haben. Das haben die "Schulschwänzer" schon mal verstanden.

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