Slubice und Rzepin - Polnische Freiwillige organisieren Hilfe für Geflüchtete aus der Ukraine

Mi 09.03.22 | 14:29 Uhr
Freiliige leisten in Polen für Geflüchtete aus der Ukraine
Audio: Antenne Brandenburg | 09.03.2022 | Magdalena Dercz | Bild: rbb

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Polen ist das zivile Engagement zur Hilfe von Geflüchteten aus der Ukraine enorm. So organisieren Freiwillige Wohnungen oder versorgen die Ankommenden mit dem Nötigsten.

Angesichts der russischen Invasion suchen immer mehr Ukrainer nach Schutz in anderen Ländern. Besonders viele zieht es ins Nachbarland Polen. Dort sind nach Angaben des Grenzschutzes vom Dienstag seit dem Beginn des Kriegs 1,33 Millionen Geflüchtete aus eingetroffen. Allein am Dienstag hätten 125.800 Menschen die Grenze passiert, teilte die Behörde auf Twitter mit [www.twitter.com].

60 Wohnungen für Geflüchtete

Die Hilfsbereitschaft in Polen ist groß. Oft übernehmen private Initiativen die Versorgung und Unterbringung der Menschen. So etwa auch in Frankfurts Nachbarstadt Slubice. Dort organisiert etwa ein Immobilien-Büro kostenlose Unterkünfte.

Freiliige leisten in Polen für Geflüchtete aus der UkraineSporthalle für Spenden in Slubice

Der Eigentümer Mariusz Dubacki hat in wenigen Tagen 60 Wohnungen in Slubice und Umgebung gefunden, die er den geflüchteten Ukrainern zur Verfügung stellte. Ganz umsonst. "Ich bin Makler und fragte mich sofort, wie ich helfen kann. Und so haben wir bis jetzt schon 70 Ukrainern hier in Slubice unterbringen können. Leute teilen mit den Bedürftigen, was sie können - ob Haus, Wohnung oder auch nur ein Zimmer."

Mariusz Dubacki arbeitet mit der polnischen Stiftung "Wir helfen" zusammen. Sie ist einer der Initiativen, die Spenden sammelt und Hilfsgütertransporte ins Kriegsgebiet organisiert. Täglich kommen so Hilfspakete mit Babynahrung und Hygieneartikeln sowie Kinderwagen und Krücken in einer großen Sporthalle in Slubice an.

Ehrenamtler versorgen am Bahnhof Rzepin

Die Hilfsbereitschaft ist auch am Bahnhof im 20 Kilometer entfernten Rzepin zu sehen. An dieser letzten Station vor der deutschen Grenze sind dutzende Helfer im Einsatz. Sie bedienen täglich mehrere Hunderte Ukrainer, die hier umsteigen. Ehrenamtliche servieren Kaffee, Essen, Decken und versorgen - falls nötig - Geflüchtete mit medizinischer Hilfe.

Die 40-jährige Anna Palus aus Rzepin ist etwa jeden Tag am Bahnhof für die Verteilung von warmer Suppe und Getränken verantwortlich. "Ich bin als Freiwillige und auch viele andere wollen in dieser Situation etwas von sich geben. Wir organisieren privat warmes Essen. Zum Beispiel bereiten Köchinnen aus den Schulmensen das Essen und wir bringen dann hierher und verteilen es."

Geflüchtete aus der Urkaine am Bahnhof in Rzepin
Geflüchtete warten am Bahnsteig im polnischen Rzepin | Bild: rbb

Viele geben, was sie können

Gerne greifen die erschöpften Frauen, die aus den überfüllten Zügen aussteigen, nach warmen Kaffee. Ihre Kinder schnappen sich eine Puppe oder einen Teddy Bären. Denn auch Spielzeug ist in Repzin reichlich vorhanden. Der siebenjährige Oskar ist auch gekommen, um jungen Reisenden aus der Ukraine etwas schenken. "Ich habe mein Lieblingsauto mitgebracht. Es ist ganz hübsch und ich spiele nicht mehr, also werde ich es verschenken."

Rzepin ist eine kleine Visitenkarte der großen Hilfsbereitschaft der Polen. Dort können die Ukrainer derzeit kostenlos durchs Land reisen. Sie erhalten ein Bleiberecht auf 18 Monate, dürfen auch sofort Arbeit aufnehmen und ihre Kinder kostenlos in Schulen und Kindergärten schicken. Vielen Nachbarn östlich der Oder ist klar: Die Ukrainer kämpfen jetzt um viel mehr als nur ihre Heimat.

Sendung: Antenne Brandenburg, 09.03.2022, 16:12 Uhr

Mit Material von Magdalena Dercz

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