Kühler September - Ab wann die Heizung laufen muss

Di 20.09.22 | 18:55 Uhr
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Symbolfoto: Heizkosten sparen (Quelle: imago/Thomas Trutschel)
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Audio: rbb24 Inforadio | Mi 21.09.22 | Bild: imago/Thomas Trutschel

Bei unter 15 Grad im September kann man schon mal auf die Idee kommen, die Heizung anzuwerfen. Aber: Für wen ist das eigentlich möglich? Wann muss der Vermieter die Heizung anstellen? Und ist es jetzt schon sinnvoll?

Auf einen außergewöhnlich warmen Sommer folgt seit einer Woche ein ziemlich kühler September. So wird das Thema Heizen schneller relevant, als sich das viele Menschen angesichts der steigenden Energiepreise wohl wünschen. Auch wenn die eigentliche Heizperiode erst im Oktober beginnt, dürfte der eine oder andere auf die Idee kommen, schon jetzt am Heizungsrädchen zu drehen. Aber: Wer kann tatsächlich auf Wärme hoffen?

Keine gesetzlich verankerte, feste Heizperiode

Eine fixe und gesetzlich verankerte Heizperiode gibt es nicht. Allerdings erklärt der Berliner Mieterverband auf seiner Homepage, dass allgemein die Zeit von Anfang Oktober bis Ende April als Heizperiode betrachtet wird. In einigen Mietverträgen würden auch andere Zeiträume festgehalten, beispielweise vom 15. September bis zum 15. Mai.

Bei einem Temperaturabfall wie in dieser Woche in Berlin ist es allerdings unerheblich, ob man sich innerhalb einer festgesetzten Heizperiode befindet, wie Ulrike Hamann vom Mieterverein rbb|24 sagte. "Wenn die Außentemperaturen schon früher soweit sinken, dann müssen die Vermieter auch schon früher die Heizung anschalten", so Hamann. "Wenn die Innentemperatur unter 16 Grad sinkt und in den nächsten zwei Tagen auch keine Erhöhung in Aussicht ist, dann sollte die Heizung in Betrieb genommen werden."

Unterschiedliche Einschätzungen zur Temperatur

Über die genaue Temperatur gibt es allerdings unterschiedliche Rechtsprechungen. Laut Infoblatt des Mietervereins gibt es auch Gerichtsurteile, in denen von 18 Grad Innentemperatur die Rede ist oder solche, die anhand der Außentemperatur entschieden haben, wann es Zeit ist zu heizen (drei Tage unter zwölf Grad).

Mehrheit der Wohnungen an Zentralheizungen angeschlossen

Nutzbar sollten die Heizsysteme in Wohnungen bereits jetzt sein, sagt Andreas Walburg vom Bundesverband für Schornsteinfeger: "Die Heizungsanlagen können in der Regel ganz spontan bei Temperaturabfall in Betrieb genommen werden." Moderne Heizungsanlagen seien in der Regel temperaturgesteuert. Fällt also die Außentemperatur spontan ab, schaltet sich die Heizung an.

Das gelte für alle drei gängigen Heizungssysteme: Zentralheizungen, Fernwärme und Gas-Etagenheizungen. Über 70 Prozent der deutschen Wohnungen sind laut einer Statistik des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft an Zentralheizungen angeschlossen. Betrieben werden diese entweder mit Öl oder mit Gas. Auch Fernwärme ist ein gängiges Heizsystem, vor allem in urbanen Räumen, dazu kommen die Gas-Etagenheizungen.

In Berlin werden rund 38 Prozent der Wohnungen mit Zentralheizungen (Mehrheit Gas) und rund 37 Prozent der Wohnungen mit Fernwärme geheizt. 14 Prozent der Wohnungen haben eine Gas-Etagenheizung. In Brandenburg liegen die Zentralheizungen mit fast 44 Prozent noch deutlicher auf Platz eins, rund 28 Prozent der Wohnungen werden mit Fernwärme beheizt und rund neun Prozent mit einer Etagenheizung.

Je nach Art der Heizung gibt es Unterschiede bei der Abrechnung. Bei der Zentralheizung sind die Kosten zum Beispiel eine Mischkalkulation aus anteiligen Kosten am Hausverbrauch und dem tatsächlichen individuellen Verbrauch - nicht heizen heißt also nicht unbedingt: null Nebenkosten.

Für die Wartung und dafür, dass die Heizung im Fall der Fälle einsetzbar ist, ist der Vermieter zuständig. Bei einer Gas-Etagenheizung hat der Mieter mehr Eigenverantwortung, weil der Heizkessel meist in der Wohnung hängt.

Umfrage: Viele Bürger warten noch mit dem Anschalten

Welches System energieeffizienter sei, könne man gar nicht pauschal sagen, erklärt Andreas Walburg. Das hänge auch vom Zustand des Hauses ab, ob es sich um einen Alt- oder Neubau handele und wie er saniert sei. Auch wie jemand heizt und lüftet, spiele eine Rolle, sagt Walburg.

Angesichts der stark steigenden Energiepreise und dem Aufruf zum Energiesparen von der Bundesregierung, stellen sich in diesem Herbst auch viele Menschen die Frage: Wann anstellen und wie kann man besonders sparsam heizen? In einer aktuellen, nicht repräsentativen Umfrage bei rbb|24 gaben am Dienstag (Stand 17.30 Uhr) über 50 Prozent der Teilnehmer:innen an, mit dem Heizen noch zu warten.

Vorsicht vor Schimmel und gefrorenen Leitungen

Ganz ohne Heizen wird es im Winter aber wohl nicht gehen. Denn unter 15 Grad Temperatur in der Wohnung wird es nicht nur gesundheitsgefährdend kalt, sondern auch problematisch für die baulichen Anlagen. Dann droht Schimmelbildung, und auch das Wasser in den Heizungsrohren von Anlagen könnte gefrieren. Andreas Walburgs Taktik für die kalten Jahreszeiten lautet deshalb: "Mit Bedacht sparen." Dabei könne die Temperatur auch gerne mal um zwei, drei Grad absinken, wenn man nicht zuhause ist. Nur ganz aus sollte die Heizung nicht sein, damit nichts einfriert.

Sendung: rbb24 Inforadio, 21.09.2022, 6:00 Uhr

48 Kommentare

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  1. 48.

    Genau so ist es. Ich lebe in so einer Wohnung, und die "Übergangszeit" war schon immer am schlimmsten. Jetzt ist die Heizung zwar in Betrieb, aber man traut sich nicht aufzudrehen. :-(

  2. 47.

    Die Wohnung wird übrigens nicht schimmeln! Das ist fachlich falsch! Da ja auch im Winter Gebäude besser austrocknen ohne Heizung.
    So so im Rohbau trifft das zu aber beim besten Willen nicht in einer möblierten Wohnung.
    Und die Wäsche hängt eine Woche über die Leine Bus die trocken ist.
    Bei ein bisschen Ahnung u Putz Wänden weiß man schon das die alles aufsaugen an Feuchtigkeit.
    Da hilft auch nicht 3x 10min lüften.

  3. 46.

    Ich lasse die Heizung aus so lange es geht. Wir sehen gar nicht ein den Mist den die Regierung veranstaltet zu bezahlen. Fakt ist, die Kosten für Gas gingen schon letztes Jahr hoch und sind aufgrund der verfehlten Ansicht der Regierung, auch davor, durch die jetzigen Bedingungen nur offensichtlich.
    Die Wohnung wird übrigens nicht schimmeln! Das ist fachlich falsch! Da ja auch im Winter Gebäude besser austrocknen ohne Heizung. Die warme Luft ermöglicht ja erst die Wasserssättigung. Das ist Bau-Physik! Bitte liebe Journalisten, keine Märchen! Einfach ordentlich Lüften und gut ist. Bei 15 Grad feiert nichts ein und das Gebäude nimmt kein Schaden.

  4. 45.

    Schön für Sie. Das ist leider nicht überall so. Ich habe unsere Hausverwaltung bereits mehrfach (und jedes Jahr immer wieder) gebeten, die Heizung endlich anzuschalten. Leider ohne Erfolg. Wir frieren also weiter im Altbau. Danke Strabag!

  5. 44.

    >"Es ist jetzt auf jeden Fall noch mild und es müsste nicht wirklich schon geheizt werden. "
    Sicher ist es derzeit nur kühl und nicht wirklich kalt. Gibt aber schon Bauten, die nur Schattenseiten haben, auf der Windseite liegen usw. Da sind 19 Grad so in Ruhestunden z.B. Abends vorm TV schon unangenehm kühl. Jeder hat da so seine eigene Befindlichkeit. Das sollte man nicht so stark kritisieren.

  6. 43.

    Ich frage mich immer was solche Leute mit völlig übertriebenen und überzogenen Märchen erreichen wollen. Unglaubwürdig hoch zehn. Wie soll man sowas überhaupt noch ernst nehmen?

  7. 42.

    Sie scheinen ein ähnliches Klima im Büro zu haben. Kollegen saßen in Fleecejacken da und es nützte nichts. Schreibtisch kalt, alles was man berührt kalt. Wir standen dann auf dem Flur und tranken Tee und Kaffee. Am Tisch arbeiten ging nicht. Nächsten Tage waren drei krank.

  8. 41.

    Meine hochbetagte Mutter empfindet das überheizen im Seniorenheim unerträglich, da frieren manchen Bewohner schon bei 19 Grad. Ungesund ist es ja zumal auch in der Nacht in geheizten Räumen zu schlafen. Dieses Gejammer. Es ist jetzt auf jeden Fall noch mild und es müsste nicht wirklich schon geheizt werden.

  9. 40.

    >"Ich habe die Heizung an, auch wenn das für viele "Bah" ist."
    Ach so bah ist das gar nicht. Ich fühle mich auch nicht als Sündiger, wenn ich Abends mal zum TV glotzing den Heizungsregler auf 21 Grad stelle und die Wohnzimmertüre dann auch mal zu mache. Aber diese einfachen Maßnahmen sind ja nicht neu. Als ob jeder in den letzten Jahren die Wärme und den Strom einfach nur so verballert hätte. Die Mehrheit war schon immer aus Kostengründen dichter an der Materie, als die Politik denkt.

  10. 38.

    Was für ein nonsens,
    Ich mußte meine Heizung letzte Woche schon anmachen.
    Aus ein einfachen Grund, man bekommt einfach seine Sachen nicht trocken und es bringt nichts die 3-4 tage hängen zu lassen. Warum sollte jedem klar sein.
    Überflüssiger Artikel, jeder der ein Eigenheim hat bzw. in einem Haus wohnt weiß schon wie man sparen muss.
    Da brauch man keine Klugen Ratschläge mehr.
    Sinnvoll wäre es zu berichten, was man machen kann um den Bürger nicht noch mehr zu belasten.

  11. 37.

    Dito. Bei 18° ganztägig im Homeoffice ist einfach zu kalt - sitzend am PC. Habe die Heizung gestern im Wohn-/Esszimmer aufgedreht. Bei knapp 20° ist es schon viel angenehmer. Im Schlafzimmer drehe ich die Heizung sowieso nie an - da reichen 15-16°.

  12. 36.

    Mir ist das alles völlig wurscht. Ich heize mit Holz und Kohle wann immer ich will.

  13. 35.

    Zitat: "Denn unter 15 Grad Temperatur in der Wohnung wird ... droht Schimmelbildung, und auch das Wasser in den Heizungsrohren von Anlagen könnte gefrieren."
    Seit wann gefriert Wasser unter 15 Grad? Ich dachte, es gefriert erst bei unter Null Grad. ;-)

  14. 34.

    Heizgeräte gibt es bei Obi und Mediamarkt aber zu Wucherpreisen. Ein Verkäufer meinte, der Preis werde halt von der Nachfrage bestimmt. Ok., aber gleich das Drei- bis Vierfache?

  15. 33.

    Sie sind tatsächlich der Ansicht, dass man sich erkältet nur weil einem kalt ist? Herr lass Hirn vom Himmel regnen!!!

  16. 32.

    Da würde ich an Ihrer Stelle zunächst erstmal in den Baumarkt gehen und mir eine elektrische Heizung kaufen. Da gibt es sehr gute und sparsame Geräte, die zum Teil sogar ein Thermostat haben. Ansonsten kann man sich ein Thermostat auch einzeln kaufen und dann an die Heizung anschließen. Das ist sehr einfach. Ggf. können Sie dem Vermieter dann Ihre Zusatzkosten in Rechnung stellen. Das ist aber nicht so einfach, weil Sie den zusätzlichen Stromverbrauch nachweisen müssten. Ich würde mir die kalte Wohnung trotzdem nicht gefallen lassen und zusätzlich elektrisch heizen.

  17. 31.

    Ich heize immer so, dass ich die Heizung anschalte! Das hat mit dem Datum des Tages nichts zu tun! Es wäre wirklich komisch, wenn der Vermieter, dass Grundrecht auf körperliches Wohlbefinden bestimmen darf! Jeder Mensch hat ein eigenes Wärmebedürfnis. Ein älterer Mensch braucht eine viel höhere Raumtemperatur als ein jüngerer Mensch. Ich habe zum Beispiel eine 93 jährige Nachbarin, die ihre Wohnung auf 27 Grad heizen muss, um sich wohlzufühlen. Das liegt daran, dass sich ein älterer Mensch manchmal kaum noch bewegen kann und die Blutgefäße im Alter "verschleißen". Dann ist natürlich auch die Durchblutung nicht mehr so gut. Die Vorgaben für Mindest-Raumtemperaturen sind deshalb zum Teil unmenschlich und medizinisch auch nicht im jeweiligen Einzelfall vertretbar.

  18. 30.

    >"Wann kommen endlich Heizkostenzähler sichtbar im den Wohnungen oder so digitalisiert, damit man selbst live sehen kann, was die Heizung aktuell an Euro aus dem eigenen Geldbörse "frisst"."
    Gibts doch schon. Wird bei uns hier alles fernabgelesen und fernüberwacht über Netzwerk. Und wer will, kann den Verbrauch auch live z.B. an den Wärmezählern an den Heizungen ablesen. Da müssen Sie mal mit ihrem Hauseigentümer sprechen. Aber Achtung: Diese Technik verursacht natürlich auch mehr Nebenkosten.

  19. 29.

    "Ab wann die Heizung laufen muss"
    Da brauch ich mal nicht weiterlesen. Bei uns hier liegt immer Wärme an, wenn Bedarf besteht. Auch im Sommer, wenns mal ein kühler Sommer ist, kommt beim Heizung hochdrehen Fernwärme raus.

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