Flughafen BER - Umstrittener Abriss des Generalshotels in Schönefeld hat begonnen

Mi 10.01.24 | 14:09 Uhr
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Die Fenster und Türen des zum Abriss vorgesehenen ehemaligen Generalshotel auf dem Gelände des Flughafens Berlin Brandenburg (BER) sind am 09.01.2024 bereits entfernt (Aufnahme durch einen Metallzaun). (Quelle: Picture Alliance/Soeren Stache)
Audio: rbb24 Antenne Brandenburg | 10.01.2024 | Po Keung Cheung | Bild: Picture Alliance/Soeren Stache

Architekten, Denkmalschützer und Politiker hatten sich zuletzt noch für das Generalshotel am Flughafen BER ins Zeug gelegt: Sie forderten, einen alten Abriss-Beschluss zu kippen und das Gebäude aus DDR-Zeiten zu erhalten. Vergeblich.

Auf dem Gelände des Flughafens BER in Schönefeld (Dahme-Spreewald) hat der Abriss des Generalshotels begonnen. Das teilte die zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Im Jahr 2011 war entschieden worden, das Gebäude abzureißen. Die Fläche soll für die Maschinen der Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums genutzt werden, die vom Flughafen Köln/Bonn zum BER umziehen sollen.

Empfangsgebäude für Staatsgäste der DDR

Gegen den Abriss gab es kurz vor Beginn des Rückbaus breiten Widerstand. Alle sechs Fraktionen des Brandenburger Landtags setzen sich für den Erhalt des historischen Gebäudes ein. Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hatten sich gegen den Abriss ausgesprochen. Massiver Protest kam außerdem von den Architektenkammern Berlin und Brandenburg sowie von Denkmalschützern.

Die Villa wurde zwischen 1947 und 1950 errichtet und für den Empfang von Staatsgästen der DDR genutzt. Bereits seit Mitte September war das frühere Empfangsgebäude für Repräsentanten der Sowjetunion und Staatsgäste der DDR entkernt worden. Spätestens im Februar sollen die Abrissarbeiten abgeschlossen werden, hieß es von der Bundesanstalt.

Ein Denkmal vor dem Abrisstermin

Sendung: rbb24 Antenne Brandenburg, 10.01.2024, 13 Uhr

39 Kommentare

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  1. 39.

    Finden Sie wirklich, dass diese billige Schloss-Attrappe schön und ein Vorzeige-Projekt ist?
    Womöglich finden Sie die ICC-Ruine auch so attraktiv?
    Na, gute Besserung!

  2. 38.

    "nachgebaut wärmegedämmtes Stadtschloss bieten außer Selfiegelegenheiten für Touristen nichts"

    Was für ein miesepetriger Unfug. Das Stadtschloss ist eines der wenigen Vorzeigeprojekte Berlins, sowohl fürs Auge als auch fürs Erleben. Und komplett öffentlich zugänglich. Die Ausstellung im Humboldt-Forum ist hervorragend. Endlich mal ein Kontrast zur Epidemie der Schießscharten-Architektur wie nördlich des Hauptbahnhofs.

  3. 37.

    Was für ein Drama wegen eines ordinären alten Gebäudes wie es sie im Land noch zuhauf gibt. 99,99% der Berliner ist es völlig Wurst. Das muss die Überalterung in Deutschland sein, dieser Fetisch von einigen alles zum Denkmal machen zu wollen.

  4. 36.

    Dieser Abriss ist eine absolute Barbarei und boden- und luftseitig absolut unnötig. Es gibt im Internet sehr gute Lagepläne vom BER, auf denen sämtliche möglichen Stellflächen des Gesamtgeländes in den unterschiedlichen alten und neuen Terminalbereichen und den Aprons dargestellt sind. Mit dem Verzicht auf den unnötigen Neubau eines Regierungsterminals gibt es genug Flächen, auch vor dem alten Terminal 5, in Nähe der alten Bohnsdorfer Bahn und im Bereich, wo früher die DDR Regierungsmaschinen standen. Erstaunlich und blamabel, wie machtlos Politiker sind und wie willkürlich eine solche Bundesanstalt für Immobilienwesen jenseits jeder Vernunft handelt. Es war ein wertvolles und erhaltenswertes Gebäude mit geschichtlicher Bedeutung und es gab absolut keine Not.
    Die Verantwortlichen müssten als Kulturgutzerstörer vor Gericht gestellt und bestraft werden.

  5. 35.

    Diese Stadt unterlag schon immer einem enormen Wandel, nur wurde früher weniger darüber geningelt. Es wurde immer geschaut, was wirklich erhaltenswert ist. Der Rest hat sich im Laufe der Zeit stetig verändert und das ist auch heute noch genau so. Wer will, dass auf ewig alles so bleibt, wie es war, muss in ein Museumsdorf ziehen. Berlin wächst beständig. Das hat gute und schlechte Auswirkungen, die einander bedingen. Je lebenswerter eine Metropole wird, um so anziehender ist sie nun mal auch und dem muss sich auch Berlin stellen.

  6. 34.

    Stimmt - deshalb darf Berlin auch gerne zur Zuzugsbetonburg erklärt werden. Alles Alte muss weg und gegen neuen BEton ersetzt werden, damit jedes Fleckchen genutzt wird, siehe Japan und China. Schöne neue Zukunft.
    HJat zwar jetzt keinen Bezug zum eigentlichen Thema, aber so lesen sich Ihre Kommentare, auch Ihre zum Thema SEZ u.v.a.

  7. 33.

    Wann kommt denn endlich diese scheußliche Ruine auf dem Teufelsberg weg? Sie ist absolut nutzlos, sie ist nicht betretbar, wirtschaftliche Konzepte gibt es offensichtlich nicht und im Zweifelsfall kostet sie nur unnötig Steuergelder. Gleiches gilt für das schon angesprochene ICC und für das Flughafengebäude THF. Weg mit dem Kram - braucht keiner mehr.

  8. 32.

    Und wir müssen auch mal festhalten, dass Gebäude gleichen Architekturstils aus dieser Zeit noch einige bei uns rumstehen. Eisenhüttenstadt z.B. Ich bin letztens in Fehrbellin an der Bolte-Grundschule vorbeigekommen und zack... ohne den hier Säulen-Portikus mit Terrasse oben drüber akkurat wie das Generalshotel hier. Nur innen natürlich haucht da mehr DDR-typische Zweckbauatmosphäre mit Steinböden und klaren Stützsäulen ohne Marmorverkleidung.
    Man hätte vor der Komplettaufgabe allerdings digital museumssicher einen 3D Scan außen und innen des Gebäudes machen können. Und wo sind all die zeitgeschichtlichen Inneneinrichtungen abgeblieben?

  9. 30.

    Antwort auf "Laux Wolfgang " vom Mittwoch, 10.01.2024 | 17:17 Uhr
    "Ein Brandenburger Tor und ein nachgebaut wärmegedämmtes Stadtschloss bieten außer Selfiegelegenheiten für Touristen nichts." Ein unzugängliches, baufälliges Generalshotel auch nicht!

  10. 28.

    Naja, die Architektur des alten Generalshotels war ja im Sperrgebiet kaum für die breite Öffentlichkeit wahrnehmbar. Daher auch nicht gerade prägend für die Stadt Berlin. Nun ist es kaputt.

  11. 27.

    Übertreibung kann ein wirksames Stilmittel sein, wenn es behutsam eingesetzt wird. Sie haben leider maßlos überzogen.

  12. 26.

    Der Logik der Wirtschaftlichkeit folgend kann man noch einige Gebäude mehr auf die Abrissliste setzen, die alte Kaiser Wilhelm Gedächtnisskirche, die Ruine des Anhalter Bahnhofes, die Klosterruine nahe Alexanderplatz usw, sicherlich eine grobe Zuspitzung, aber ich glaube dass unsere Stadt auf den Kippunkt zusteuert, wo unsere Stadt architektonisch ihre Seele verliert. Ein Brandenburger Tor und ein nachgebaut wärmegedämmtes Stadtschloss bieten außer Selfiegelegenheiten für Touristen nichts.

  13. 25.

    Das Hotel steht erstens an der falschen Stelle und entspricht zweitens nicht mehr den heutigen Anforderungen. Es hatte seine Zeit, da galt es als modern und luxuriös. Heute ist es veraltet und marode. Kein Staatsgast würde an dieser Stelle heute noch nächtigen wollen. Der Bereich des Flughafens hat sich durch den BER grundlegend verändert. Eine sinnvolle Nutzung des Gebäudes ist deswegen nicht mehr gegeben. Daher ist es halt sinnvoll, die wirklich historisch wertvollen Teile der Inneneinrichtung zu retten und anderswo der Bevölkerung zugänglich zu machen und den nicht besonders herausragenden Rest eben abzureißen. Das Leben ist ständige Veränderung und manchmal sind davon eben auch Gebäude betroffen, die früher mal wichtig waren, es aber heute nun mal nicht mehr sind. Im Westteil Berlins werden auch ständig Gebäude abgerissen, selbst wenn sie mal prägende Wegmarken waren.

  14. 24.

    "Es wurde keine Prüfung durchgeführt, wie das Gebäude unter den veränderten Bedingungen in den Flughafenkomplex integriert werden könnte." Doch, das wurde es. Wenn das Gebäude weiterhin nutzbar gewesen wäre, dann wäre auch eine Weiternutzung erfolgt. Wurde es ja sogar eine Zeit lang. Es hat sich aber nun mal herausgestellt, dass diese Nutzung zu teuer und nicht mehr sinnvoll ist. Ausgerechnet solche Gebäude zu Zeugnissen der DDR-Zeit zu erklären, ist schon ziemlich weit hergeholt. Es war ein elitärer Zweckbau, nicht mehr und nicht weniger. Der normale DDR-Bürger hat das Hotel wohl niemals von innen gesehen und daher doch gar keine persönliche Bindung. Die meisten dürften bis zur Diskussion darum noch nie was davon gehört haben. Daher ist es wenig angebracht, jetzt darum zu trauern. Das tut man nur, wenn man sämtliche Umgestaltung politisiert. In der Realität ist das gar nicht der Fall.

  15. 23.

    Auch ohne Asbest wäre Erichs Lampenladen abgerissen worden, diesen Kommunistenpalast braucht wirklich niemand. Das Stadtschloss ist wirklich gelungen. Und das SEZ kann gleich hinterher.

  16. 22.

    Zwei Gedankengänge dazu:
    Warum nutzt man das Gästehaus mit seinem „unglaublichen Luxus“ nicht für Staatsgäste? Erst waren in den Medien andauernd 1990 von diesem“unglaublichen Luxus“ zu hören und nirgends wurde dieser „unglaubliche Luxus“ in Berlin oder Wandlitz genutzt. Scheinmoral?
    Beim SEZ haben Sie recht. Nur der Senat wollte etwas Unmögliches verlagern und gleichzeitig einem Investor das verweigern, was er selbst nun machen will...

  17. 21.

    Sehr gut!

  18. 20.

    @ Stero
    @ Stefan
    Und was ist mit dem ICC ? Asbestbelastet und nicht wirtschaftlich nutzbar - kostet den Steuerzahler inzwischen Millionen. Und über Schönheit läßt sich bekanntlich streiten.

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