rbb24
  1. rbb|24
  2. Sport
Quelle: imago images/Matthias Koch

Interview | Ex-Unioner und -Cottbuser Torsten Mattuschka

"Dann reißen sie ganz Köpenick ab und es wird drei Tage durchgefeiert"

Torsten Mattuschka spielte mehrere Jahre für Energie Cottbus und den 1. FC Union. Diese beiden seiner Ex-Klubs stehen nun vor einem großen Erfolg. Im Interview spricht Mattuschka deshalb über dritte Liga und Champions League.

rbb: Herr Mattuschka, Sie sind gebürtiger Cottbuser und haben viele Jahre bei Energie verbracht. Wie bewerten Sie die Regionalliga-Meisterschaft der Lausitzer?

Torsten Mattuschka: Ich bin natürlich froh. Cottbus hat es sich verdient. Jetzt können sie ein bisschen feiern und das genießen, aber ihnen stehen auch noch zwei eklige Spiele bevor, die für mich völlig unverständlich sind. Die Relegation gehört für mich abgeschafft. Es sollten fünf Teams aus der dritten Liga absteigen und fünf aus den Regionalligen aufsteigen. Jetzt guckt entweder Cottbus oder Unterhaching in die Röhre und geht mit einem beschissenen Gefühl in die neue Saison. Das finde ich katastrophal. Natürlich werde ich aber Energie Cottbus die Daumen drücken. Die gehören minimum in die dritte Liga.

1:0-Sieg im Derby gegen Babelsberg

Energie Cottbus ist Meister der Regionalliga Nordost

Energie Cottbus hat die Meisterschaft in der Regionalliga Nordost perfekt gemacht. Mit 1:0 gewannen die Lausitzer am Sonntag das Brandenburg-Derby gegen den SV Babelsberg – und spielen nun auch um den Aufstieg in die 3. Liga.

Was hat Ihrer Meinung nach am Ende den Ausschlag dafür gegeben, dass sich die Lausitzer in der starken Regionalliga Nordost durchgesetzt haben?

Sie sind ruhig geblieben, auch als es mal nicht so gut war. Außerdem haben sie im Winter zwei oder drei clevere Neuverpflichtungen gehabt. Gemeinsam mit dem Publikum haben sie dann das erreicht, was sie unbedingt wollten. Geholfen hat auch, dass Erfurt in der Rückrunde viel liegen gelassen hat. Cottbus hat dem Druck hingegen standgehalten, von daher haben sie sich da zurecht durchgesetzt.

Fast 20.000 Zuschauer waren gegen Erfurt im Stadion. Sie kennen den Verein und das Umfeld bestens. Welche Möglichkeiten stecken in ihm?

Da steckt viel drin. Die Infrastruktur ist mindestens auf Drittliga-, wenn nicht sogar auf unterem Zweitliganiveau. Man merkt, dass die Fans in Cottbus schnell Euphorie entfachen können. Das kann allerdings auch in die andere Richtung gehen, wenn es mal nicht so läuft, wie die Fans es wollen. Da muss man, glaube ich, noch eine bessere Balance finden. Aber wenn die Zuschauer immer so zahlreich kommen, wäre es natürlich sensationell. Man sieht, was möglich ist. Jeder lechzt danach, dass es wieder Drittliga-Fußball in Cottbus gibt. Das wäre für die Region und Brandenburg wichtig.

Trainer Claus-Dieter Wollitz wünscht sich zu seinem 60. Geburtstag im Jahr 2026 den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Ist das eine realistische Vision?

Erstmal finde ich es wichtig, dass es eine Vision und ein Ziel gibt. Und wenn man jetzt die dritte Liga erreicht, wieso sollte man dann in zwei Jahren nicht angreifen können und sich eine Mannschaft zusammenbauen, die um die zweite Liga mitspielen kann? Man braucht starke Partner und Sponsoren, die die kleine Flamme Cottbus wieder richtig hochlodern lassen wollen. Dann kann man das Ziel erreichen.

Während Cottbus vom Profifußball träumt, ist ein weiterer Ihrer Ex-Klubs, der 1. FC Union Berlin, der Champions League ganz nah. Gegen Werder Bremen steht am Samstag der große Showdown an. Wie eng sind Sie mit dem Verein noch verknüpft?

Sehr. Ich bin immer noch Botschafter und jeder weiß, dass Union mein Verein ist und ich brutal mitfiebere. Dieser Showdown ist natürlich unfassbar geil. Wenn Samstag der Schlusspfiff ertönt und wir hoffentlich gewonnen haben, dann kommt die Champions League in die Alte Försterei. Das wäre völlig irre. Ich glaube, dann reißen sie ganz Köpenick ab und es wird drei Tage durchgefeiert. Es wäre der pure Wahnsinn und würde ein Meilenstein für den Verein sein.

Kader, Finanzen, Historie, Stadion

Was der Einzug in die Champions League für den 1. FC Union bedeuten würde

Was wie ein Märchen klingt, hat längst reale Züge: Im Saison-Endspurt steuert der 1. FC Union auf die Champions League zu. Johannes Mohren über die historische Dimension, Auswirkungen auf Kader und Finanzen - und die Stadionfrage.

Was hat Ihrer Meinung nach in dieser Saison dafür gesorgt, dass das Team unter Urs Fischer nochmal einen Schritt gemacht hat?

Auf jeden Fall die Heimstärke. Sie sind als einziger Erst- und Zweitligist in dieser Saison zuhause ungeschlagen. Die Alte Försterei ist eine Festung und das löst in den Spielern etwas aus. In engen Spielen gibt das einen Push. Ansonsten hat es wieder auch eine sehr gute Kaderplanung gegeben. Und Urs Fischer ist als Trainer einfach sensationell. Er hat sein System perfektioniert und kein Gegner hat Lust gegen Union zu spielen, weil sie eklig sind, viel laufen und sehr intensiven Fußball spielen. Das Zusammenspiel aus Trainer, Verantwortlichen, Mannschaft und Fans ist einfach ein guter Cocktail.

Sie haben Union in dieser Spielzeit teilweise auch auf die Reisen durch Europa begleitet. Was war dabei Ihr schönster Moment?

Ich war in Amsterdam mit dabei. Die Zugfahrt war schon ordentlich. Zusammen mit Kumpels bin ich um vier Uhr morgens in den Zug und sieben Stunden gefahren. Das sind einfach geile Reisen. Jeder Einzelne genießt, dass er international dabei sein darf. Auch nächstes Jahr will ich wieder versuchen, ein oder zwei Reisen mitzumachen. Das sind einfach geile Tage, an denen es am Ende sogar egal ist, wie das Spiel läuft.

Nach Saison-Finale gegen Bremen

Union plant Abschluss-Party vor Stadion An der Alten Försterei

In der Europa League ist Union dann im Achtelfinale gegen den belgischen Vertreter Saint-Gilles relativ deutlich ausgeschieden. Was müssen die Köpenicker vielleicht noch lernen und verbessern?

Gerade gegen die Belgier hat man sich schon in der Zwischenrunde schwergetan, weil sie einen ähnlichen Fußball spielen. Ich glaube, dass man versuchen könnte, auch gegen tiefstehende Gegner Lösungen zu finden. Das ist das einzige Problem, bei dem man vielleicht nochmal ansetzen könnte. Aber solange alles funktioniert und die Art Fußball zu spielen so erfolgreich ist, warum sollte man dann etwas verändern.

Den 1. FC Union und Sie verbindet auch die Bodenständigkeit. Sehen Sie bei all den Erfolgen in den letzten Jahren im Ansatz die Gefahr, dass es zu Größenwahn kommen könnte?

Nein, null Komma null. Es sind seit vielen Jahren dieselben handelnden Personen und das wird mit denen einfach nicht passieren.

Wenn es Union in die Champions League schaffen sollte, welchen Gegner würden Sie dann am liebsten im Stadion An der Alten Försterei begrüßen und wohin würden Sie gerne reisen?

Real Madrid oder Barcelona. Auch ein englisches Team wäre geil, zum Beispiel Liverpool, aber die werden es ja wahrscheinlich nicht schaffen. Und auch eine italienische Mannschaft. Wir werden ja eh drei gute Gegner kriegen, also immer her damit. Egal wo es hingeht, die Unioner sind da und machen richtig Radau.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Lars Becker, rbb Sport. Es wurde für die Online-Fassung gekürzt und redigiert.

Sendung: rbb24 Inforadio, 24.05.2023, 6:15 Uhr

Artikel im mobilen Angebot lesen